Archiv für die Kategorie ‘Wohin man geht’

Krasser Klima-Clinch

Herr Winfried am Mittwoch den 18. Januar 2023

Klimakrise? Mobilitätskrise!

Fans in England befinden sich offensichtlich im Clinch. Die Preise für Fussballspiele sind bekanntlich recht hoch, auch Zugfahren ist für das Portmonnaie einigermassen schmerzhaft. Gleichzeitig ist ja die Billigfluggesellschaft Easyjet auf der Insel daheim und da ergeben sich auch mal ganz neue Optionen – für weniger Geld.

Beachtliche Bilder, v.a. das unten links. Quelle: “Social Media”

Eines der besuchten Spiele war gar das Lissaboner Derby, Sporting gegen Benfica. Eine genauere Recherche hat ergeben, dass der User ein erfahrener Fussballreisender ist, nahe des Londoner Flughafens Stansted wohnt, und statt Easyjet Ryanair benutzt.

Sein Motto: “Travel cheap, travel often.” Ob das jetzt eine hehre Sicht der Dinge ist, müssen Sie selbst für sich entscheiden.

Allein am Auswärtsspiel

Rrr am Montag den 16. Januar 2023

Heute lernen Sie den Fan von Quevilly Rouen Métropole kennen.

Er heisst Clément und reist an jedes Auswärtsspiel des französischen Zweitligisten. Als einziger.

So auch am vergangenen Freitag. 500 Kilometer nach Metz, 90 Minuten volle Stimmung oben ohne bei sechs Grad, 500 Kilometer zurück.

Geholfen hat es nichts. Quevilly verlor 0:2. Immerhin bekam Clément nach dem Spiel das Trikot seines Lieblingsspielers Alexandre Bonnet geschenkt. “Dieser Fan hat es verdient”, schrieb der Klub in den sozialen Medien.

Nächste Auswärtsfahrt: Grenoble, 700 Kilometer.

(Fotos Facebook)

Englische Erinnerungen

Rrr am Sonntag den 15. Januar 2023

Unser archäologischer Ausflug führt uns heute nach Seaton Delaval.

Das ist eine Ortschaft nordöstlich von Newcastle, mit etwa 7000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sicher kennen Sie den Folksong Blackleg Miner, dort wird das Dorf erwähnt, wenn auch nicht unbedingt vorteilhaft (Oh Delaval is a terrible place/They rub wet clay in the blackleg’s face).

Ein Bewohner machte unlängst im Hintergarten seines Hauses eine sensationelle Entdeckung: An der verwitterten Mauer des Nachbarhauses entdeckte er eine Inschrift. Bei näherem Betrachten sah er dies:

Nachforschungen ergaben, dass der Baumeister des Hauses die Inschrift auf den nassen Ton geschnitzt hatte, ehe der feste Ziegelstein gebrannt wurde. Das Haus wurde 1905 fertiggestellt, womit offensichtlich ist, dass sich die Inschrift auf das Spiel vom 16. Januar 1904 beziehen muss. Die Älteren unter Ihnen erinnern sich: Newcastle siegte damals 1:0, dank dem Tor von Bill Appleyard.

(Foto Facebook_thefootballromantics)

Bierschwemme im Beduinenzelt

Rrr am Donnerstag den 24. November 2022

Hallo Nati-Fan’s!!! Ich bin’s wieder, Euer Heinz!

“Bei uns geht die Post heute aber so richtig ab. Der Röfe und ich haben die Schopfbar nämlich in ein Beduinenzelt verwandelt, mit Sand am Boden, Kamelen an der Wand und dem Aladin seine Wunderlampe über dem Tresen. Und der Kühlschrank heisst Oase.

Beim Fasnachtsverleih habe ich ein Scheichkostüm und Sandalen gepostet, das ist im Fall super bequem! Aber zum Glück laufen in der Schopfbar acht Elektroöfeli, sonst würde es mir unten reinziehen, hö hö. Eine wüste Sache, hat der Röfe gelacht. Das ist ein Wortwitz, wisst Ihr – wegen Wüste. Fehlt nur noch das Harem, ha ha ha.

Das wird ein super Spiel, und die Schweiz siegt 3:0! Das habe ich schon im Morgenbisi gespürt. Apropos, hoffentlich hat es genug Feldschlösschen. Olé olé, Schwyzer Nati, olé olé olé!!! Auso tschüüüüüüü-üs, Euer Heinz”

Unumgängliche Umplatzierung

Herr Shearer am Donnerstag den 17. November 2022

Nur noch dreimal schlafen!

Dann können Sie endlich zur Tat schreiten und die Wüste Weltmeisterschaft boykottieren. Die Redaktion des Runden Leders hilft Ihnen dabei. Zuerst aber eine wichtige Information für alle Leser:innen, welche sich superglücklich schätzen können und eines der begehrten Tickets für den vollklimatisierten Fussispass erobern konnten: soeben wurde uns mitgeteilt, dass die Bierstände in den Stadien auf ausdrücklichen Wunsch des Emirs etwas nach hinten gerückt werden müssen. Erschrecken Sie also nicht, Sie kriegen Ihr leckeres Budweiser wie an jeder anderen Endrunde auch. Aber beschaffen Sie sich den Stoff besser etwas unauffällig, okay?

So, jetzt aber weiter Vorfreude für alle Zurückgebliebenen, die nicht nach Katar fahren! Wie gesagt, wir helfen Ihnen dabei, komplett auf diese unsägliche Weltmeisterschaft zu verzichten und trotzdem mitreden zu können – mit unserem allmorgendlichen Boykott-Bulletin.

Freuen Sie sich auch auf unsere Kolumnisten, welche Sie während der kommenden Wochen mit ihren luziden Einschätzungen und Kommentaren auf dem laufenden halten: an vorderster Thekenfront steht da natürlich WM-Fan Heinz, die Schopfbar ist bereits seit einigen Tagen thematisch wunderbar geschmückt und bereit, ein fanatisches Publikum zu den Matches der Nati zu begrüssen. Ausserdem schildert Ihnen Levin von Burg seine persönlichen Eindrücke aus Katar. Herr von Burg  ist 27-jährig und arbeitet seit einem Jahr für eine in Zug ansässige Investment-Gesellschaft in Doha.

Daneben versorgen wir Sie natürlich auch weiterhin mit allerhand Neuigkeiten aus der Welt  des runden Leders, die jetzt aber auch  gar nichts mit diesem Golf-Plauschturnier zu tun haben. Und keine Sorge, unsere gewohnten Rubriken erscheinen auch in diesen für alle schwierigen Zeiten. Sie sehen: Ihr Fernsehen macht Ferien, die FIFA generiert mit Ihnen keinen Cent und trotzdem wird das die beste WM Ihres Lebens. Bleiben Sie uns also unbedingt gewogen!

Dezentes Drittliga-Derby

Herr Winfried am Mittwoch den 16. November 2022

Neues vom Aussenposten in Zürich. Heutiges Thema: Juchhof.

Der Juchhof ist u.a. ein Rebberg in der Stadt Zürich. Hier soll es aber um den Fussballplatz gehen, oder besser: die ungefähr 17 Fussballplätze. Sie sind z.B. von der Eisenbahn aus gut zu sehen, von Bern her fahrend kurz vor dem Bahnhof Altstetten linkerseits. Der Platz “Juchhof 1” ist das Zuhause des YF Juventus Zürich, Tabellenletzter der Promotion League (dritthöchste Spielklasse). Neulich fand das Nachbarschaftsduell mit dem FC Zürich II statt. Wie ein Derby, aber kein richtiges, denn man war freundlich miteinander.

  • Es muss nicht schön sein, Hauptsache authentisch.

  • Der Blick auf den Juchhof 1, von der Buvette her.

  • Sortiment in besagter Buvette. GC leicht überlegen - und das auf Stadtzürcher Boden!

  • Auch dabei: Bier. Sehr durchschnittlich, dafür sehr günstig.

  • Tribüne auf dem Juchhof, wirkt etwas unbeholfen.

Tor des Tages: José Maria Relucio Gallego (78.), er schoss YF damit zum Sieg. Es war der zweite Dreier der Saison fürs Tabellenschlusslicht, neben 14 Niederlagen. Der FCZ II bleibt Drittletzter.

Aufreger des Tages: Kurz vor dem einzigen Tor trafen die Gäste zwei Mal die Latte.

Namensvetter des Tages: Mohamed A. Camara, Stürmer bei YF Juventus.

Gesprächsthema des Tages: In der YF-Buvette ist es die Serie A, insbesondere Tabellenführer Napoli. Am Spielfeldrand kommt auch mal das Verhalten der russischen Truppen bei Cherson zur Sprache.

Zaungast des Tages: Artur Petrosyan, ehemals YB- und FCZ-Profi. Später u.a. Trainer bei FCZ und GC. Heute 50 Jahre alt. Flankiert von Ex-FCZ- und Sion-Goalie Andris Vanins, sowie José Gonçalves, u.a. Champions-League-Teilnehmer mit dem FC Thun. Etwas weiter hinten: Ex-FCZ-Trainer Urs Meier.

Bierpreis des Tages: 3 Franken. Sie lesen richtig. Das dürfte problemlos Zürcher Rekord sein.

 

 

Irre in Indien

Val der Ama am Freitag den 4. November 2022

Alle im Fluss.

Pullavoor liegt im indischen Bundesstaat Kerala und viele Menschen dort finden den Lionel Messi recht gut. Neulich haben sie ihn sogar zehn Meter gross im Wasser platziert.

Aber dann wiederum Dialektik, weil auch im Südindien gibt es Anhänger von diesem unsäglichen Neymar und deshalb steht nun auch der und zwar gleich nebenan und ist dabei erst noch 3 Meter grösser.

Solcherart Geschichten schreibt der Fussball.

Transnistrische Tragik

Rrr am Dienstag den 11. Oktober 2022

Heute lernen Sie den FC Happy End kennen.

Der Verein wurde 1999 in Camenca gegründet, einer Kleinstadt mit knapp 10’000 Einwohnern in Transnistrien. Die erste Mannschaft startete in der dritthöchsten Liga Moldawiens, stieg zweimal auf und gehörte 2001/02 der höchsten Liga an, der Divizia Națională mit ihren acht Mannschaften.

Der Start war durchaus vielversprechend. Nach einer knappen 1:2-Auswärtsniederlage beim FC Tiraspol gab es drei 1:1-Unentschieden in vier Spielen. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt war intakt, und sie wuchs noch mit dem ersten Sieg, einem 3:0 daheim gegen den FC Tiraspol. Die Hinrunde beendete der FC Happy End im November 2001 im Glauben, eine spannende Rückrunde zu spielen.

Doch irgendetwas muss in der Winterpause schief gelaufen sein. Lags am mangelnder Disziplin über die Festtage? Gab es Probleme im Trainingslager? Jedenfalls hagelte es im Frühling Kanterniederlagen, darunter ein 0:4 und ein 1:5 gegen Sheriff Tiraspol, ein 0:6 gegen Nistru Otaci und – trauriger Höhepunkt – ein 0:10 auswärts bei Zimbru Chisinau.

Der Klub beendete die Saison auf dem letzten Platz, und er bestritt danach nie wieder ein Spiel. Denn im Sommer 2002 wurde der Verein aufgelöst.

Wenn Sie jetzt noch auf ein Happy End warten, müssen wir Sie leider enttäuschen.

Grosse Klasse an der Schwanengasse

Rrr am Dienstag den 20. September 2022

Nur noch zweimal schlafen, dann ist endlich wieder Match Cut.

Das Runde Leder und Radio Gelbschwarz legen Ihnen die fünfte Ausgabe dieses traditionsreichen Filmfestivals ans Herz. Das Kino Rex und die Halbzeit-Bar zünden von Donnerstag bis Samstag ein wahres Feuerwerk:

Donnerstag, 19 Uhr: Der Talk zum Start. Drei Experten, ein Podium. Herr Rrr vom Runden Leder: “Ich bin bis auf die Zehenspitzen motiviert und werde meinen Kollegen so richtig einheizen. Von Brian Ruchti will ich wissen, ob YB sein Radio Gelbschwarz jetzt in Rubel auszahlt. Und Florian Raz soll mir erklären, warum er sich Tamedia als Arbeitgeber aussuchte und ob er im November auch noch nach Katar geht. Ich will Antworten, Antworten, Antworten!”

Donnerstag, 21 Uhr: Juanjo Giménez. Vier Werke des katalanischen Kurzfilmspezialisten, eingeführt von Jan Tilman Schwab (Bayern-Fan). Einer der Filme ist “Ascenso”, er zeigt in 15 Minuten alles, was Fussball in 90 Minuten enthalten kann. Verspricht jedenfalls der Regisseur.

Ascenso – Nadir Films from La Increíble on Vimeo.

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Der Dauergast

Rrr am Sonntag den 18. September 2022

BREAKING NEWS: YB trifft im Cup-Achtelfinal auswärts auf Lausanne. (8-10. November)

Luchi Parettchi feiert Jubiläum.

Seit genau 50 Jahren ist der Barca-Fan stets live dabei, wenn sein Verein in der Meisterschaft, im Cup oder in der Champions League spielt – sei es daheim oder auswärts. Das brachte ihm gestern die Ehre eines TV-Interviews, als Pausengast von DAZN bei Barca-Elche (3:0).

War er wirklich immer dabei? “Ein einziges Spiel habe ich verpasst”, gab Parettchi zu. “Das 2:2 auswärts beim PSV Eindhoven, im Dezember 1997. Da lag ich gerade auf der Intensivstation.”

In den 50 Jahren hat Parettchi übrigens 18 Meistertitel feiern dürfen. Zudem holte sein Team in dieser Zeit 14mal den spanischen Pokal und viermal die Champions League. Als Real-Anhänger hätte er 20 Meistertitel, 7 Champions-League-Gewinne und 8 Copa der Rey bejubeln dürfen.

Fan-tastische Fibel

Herr Shearer am Dienstag den 13. September 2022

Es folgen eine Buch- und eine Veranstaltungsempfehlung.

Als Stammgast des famosen Match Cut-Festivals im Kino Rex dürften Sie Lukas Lange noch in bester Erinnerung haben: vor ein paar Jahren brachte er uns da die Fanszene Argentiniens so nahe, dass beim für diesen Artikel zuständigen Redaktör das sofortige Buchen einer Fluges um die halbe Weltkugel einzig an akuter Flugscham scheiterte.  Nun hat der nach Buenos Aires emigrierte Berner und YB-Fan ein 220 seitiges Buch über die bunte Fussballszene in seiner Wahlheimat geschrieben. Fussballstadt Buenos Aires heisst es, und wir zitieren kurz den Verlag: Geschichte und Gegenwart des Fußballs in Buenos Aires ist Einwanderungsgeschichte, aber auch ein Dokument über mafiöse Zustände in Staat und Fankurven – eine Geschichte über Freud und Leid, von den größten Stadien bis zu den kleinsten Fußballplätzen der Stadt.

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Neulich in der Coaching Zone

Rrr am Montag den 12. September 2022

Herzlich willkommen zur aktuellen Montagsgrafik.

Heutiges Thema: Die Laufwege von Mattia Croci-Torti (links) und Raphael Wicky beim Spiel YB-Lugano.

(Grafik made by Tschipress feat Twitter/@staernkiwi)