Archiv für die Kategorie ‘Weisheiten’

Was macht eigentlich …

Herr Maldini am Freitag den 4. September 2020

… Thomas Berthold?

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Berthold spielte in seiner Aktivkarriere für diverse Vereine in Deutschland, Italien und der Türkei. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Aussenverteidiger 62 Länderspiele, 1990 wurde er Fussballweltmeister. Auch danach blieb er dem Fussball verbunden, etwa als Manager von Fortuna Düsseldorf oder als TV-Experte.

Das ist er bis heute, auch wenn er das Fachgebiet mittlerweile gewechselt hat. In diesem Sommer etwa begeisterte Berthold seine Fans in Stuttgart und gerade erst am letzten Samstag brillierte er in Berlin. Dabei spielt er stets gross mit Fachwissen zu den Themen Grundrechte und Hygienemassnahmen auf und entpuppt sich als kompetenter Medienkritiker.

Berthold gelingt es, die Themen nur kurz und knackig anzusprechen, ohne dass seine Beiträge zu langatmigen Monologen ausufern. Dabei schafft er geschickt eine Verbindung zu seiner früheren Tätigkeit als Beackerer der rechten Aussenbahn. Aufgrund der grossen Beliebtheit seiner Einschätzungen werden diese gerne bei einem deutschsprachigen Sender für Russlandinteressierte ausgestrahlt.

Bild: Screenshot Deutschlandfunk.

Sie möchten sich das selber anschauen? Das glaube ich Ihnen nicht. Klicken Sie jedenfalls nicht hier.

Faszinierende Farbenlehre

Rrr am Mittwoch den 2. September 2020

Was hat Gelbschwarz mit Rotgrün zu tun? Eine ganze Menge.

So sieht es der Journalist Jürg Steiner in seinem neuen Buch “Bern – eine Wohlfühloase?” Ein ganzes Kapitel widmet er der aus seiner Sicht symbiotischen Beziehung zwischen YB und der rot-grünen Stadtregierung.

Das Rot-Grün-Mitte-Bündnis (RGM) kam am 6. Dezember 1992 an die Macht (auch für YB ein denkwürdiger Tag). In den Neunzigerjahren verband die beiden Lager noch nicht viel. Als YB vor der Pleite stand, hielt sich das rotgrüne Mitleid in Grenzen, wie Steiner berichtet. Die Annäherung begann erst im neuen Jahrtausend, mit fussballangefressenen Politikern wie Alexander Tschäppät und Urs Frieden (“Gemeinsam gegen Rassismus”). Im Neufeld “erglühte die Stand-by-beziehung zur leidenschaftlichen Liebe”, das altertümliche Stadien wurde “zum Szenetreffpunkt von Künstlern, Journalisten und Politikern”.

Inzwischen haben sich alle lieb. Der blaublütige Stapi hat keine Berührungsängste gegenüber dem gemeinen Fussballvolk, und umgekehrt “steigen selbst klimabewusste YB-Fans ins Flugzeug, um ein Auswärtsspiel in der vom russischen Gaskonzern Gazprom gesponserten Champions League vor Ort zu verfolgen”. Und der BSC YB? Der weiss, wie man sich in einer rotgrünen Stadt beliebt macht und “zelebrierte den langen Weg zum Meistertitel virtuos als Herzensprojekt gegen die Basler Grosskapitalisten mit ihren Pharmamillionen” – obschon das Fussballunternehmen YB kühle betriebswirtschaftliche Kriterien anwende, die teuren Lounges im Stadien zu Netzwerkkammern der Berner Elite gemacht habe und den Spitzenspielern marktübliche Topsaläre zahle wie andere Clubs auch. Ein spannendes Buch, das wir Ihnen nur ans Herz legen können.

Im Runden Leder sind die Lokalpolitker ja seit Beginn weg regelmässige Gäste. So befragten wir 2004 alle Gemeinderatskandidaten über ihren YB-Bezug. Irgendein grüner Kandidat sagte damals, er würde als YB-Chef Wuschu Spycher verpflichten – “der hat das Zeug zum nächsten YB-Fussballgott”.

Rundes Leder Lesetipp.Jürg Steiner: “Bern – eine Wohlfühloase? Der Weg zur rot-grünen Hauptstadt”. 160 Seiten über den Weg von Rotgrün an die Macht, die Chronik des bürgerlichen Scheiterns, die ewige Liebe Reitschule, das Verhältnis zwischen Medienschaffenden und Magistraten und vieles mehr. Stämpfli Verlag, 34 Franken.

Ominöser Öbulus

Rrr am Mittwoch den 12. August 2020

Wie weiter? Wirrkopf Walter werweisst.

“Neulich sass ich beim Public Viewing in der Aarbergergasse, da fragte mich mein Kumpel: ,Sag mal, Walter – ist meine Liebe zu YB vor die Hunde gegangen, wenn ich den Preis für die Teilnahme an Heimspiel-Auslosungen als zu hoch empfinde?”

Ich nahm einen Schluck aus seinem Bierglas und zückte dann mein brandneues Saisonabo. “Jiri, erwartest Du jedes Mal eine Gegenleistung, wenn Du jemandem Geld gibst? Betrachte Deinen Obolus an YB als wohltätige Spende an eine notleidende Unternehmung. Als kleines Goodie darfst Du an diesem obskuren Losverfahren teilnehmen und hast vielleicht auch einmal so viel Schwein wie unser Stapi, dem die Glücksfee vom YB-Marketing neulich sogar einen Logenplatz zur Pokalübergabe gemischelt hat.”

Grad nebenan sass Gianni Infantino. Eigentlich fehlten nur Sepp Blatter und der Bundesanwalt, dann hätten sie einen Jass klopfen können.

Spenden kann man übrigens von den Steuern abziehen. Bevor Sie das tun, fragen Sie zur Sicherheit die kantonale Finanzdirektorin, das ist die Dame rechts vom Stapi. Die hatte offenbar auch Losglück. Gute Güte, ist das heute wieder heiss! Na egal, ich studiere jetzt in Göpf Eggs Jassreglement nochmals die 1000er-Regel und gehe dann schiffen. Äh, fischen. Blöde Autokorrektur.”

Vorbildliche Vorstellungen

Herr Maldini am Dienstag den 11. August 2020

Antonio Conte hat da einen Ratschlag.

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: 2008 – den Zenit seiner Karriere schon leicht überschritten – verbringt Ronaldo in seiner Heimat einen lauschigen Abend in einem Lokal mit ausgedehnten Öffnungszeiten und offeriert schon spät, aber freundlicherweise mehreren Personen spontan ein Bier auf seinem Hotelzimmer. Daraus wird der wohl grösste Skandal seiner Laufbahn.

Heute wissen wir: Hätte Ronaldos Übungsleiter damals Antonio Conte geheissen, wäre das nicht passiert. Denn der Mann hat genaue Vorstellungen davon, wie seine Spieler allfällige Paarungsrituale handhaben sollen:

Weises Weigern

Herr Winfried am Mittwoch den 29. Juli 2020

Es ist besser, Namen von Clubs am Rhein nicht auszusprechen.

Es ging einfach nicht, so sehr er es auch versuchte. Aber die Kombination aus einer Zahl und mehreren Buchstaben wollte dem tapferen Gast nicht über die Lippen schleichen. Der Mann, stolzer Fan der Borussia Mönchengladbach, wurde gefragt, welcher deutsche Verein in der Saison 2018/2019 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga gewann.

Der Mann wusste die Antwort, er sah sie ganz klar vor sich. Doch als er “1. FC Köln” sagen wollte, erlahmten seine Mundwinkel. Sehen Sie selbst!

Die Spontanblockade kostete den Mann stattliche 1’000 Euro, eine bittere Pille für den Gladbacher. Da kam unverhofft sein Herzensverein zu Hilfe. So hatte der grobe Aussetzer doch noch sein Gutes.

Nur was der Mann während der Show auf dem Leib trägt, bleibt rätselhaft.

Schämpu bei den Champs

Rrr am Dienstag den 28. Juli 2020

Was haben Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Jean-Pierre Nsame gemeinsam?

Richtig, sie sind alle in den Top 10 der europäischen Torjäger.

“European Golden Boot” heisst der Wettbewerb. Die Tore werden nach einem Faktor gemäss UEFA-Fünfjahreswertung gewichtet. Bei den Top-Ligen beträgt der Faktor 2, bei der Super League 1,5.

Hält Nsame seinen Schnitt von 1 Tor pro Spiel bis Ende Saison durch, überholt er noch Jamie Vardy, vielleicht auch Romelo Lukaku (zwei Spiele ausstehend). Um Messi zu überholen, bräuchte er noch vier Tore.

Wer den Goldenen Schuh gewinnt, ist offen. Cristiano Ronaldo könnte bei seiner derzeitigen Form noch an die Spitze rücken.

99 Luftballons

Rrr am Donnerstag den 23. Juli 2020

Wirrkopf Walter hilft Wuschu.

“Amour fou oder Schluss machen? YB steht vor einer schweren Entscheidung. Das Instagram-Fachportal Welovefootball führte deshalb eine repräsentative Umfrage durch: Guillaume Hoarau Ja oder Nein?

Interessant, dass die wichtigen Fragen rund um YB neuerdings dem Volk vorgelegt werden. Früher hat die sportliche Leitung so Dinge im Alleingang entschieden. Dabei hat das Volk doch immer Recht!

Also fast immer. Hätte man gleich nach der Cup-Pleite 2017 gegen Winterthur über Adi Hütter abgestimmt, was hätte das Volk wohl entschieden? Daumen rauf, Guillotine runter? Und wen hätte das Volk 2018 zu Hütters Nachfolger gewählt? René Weiler vermutlich. Oder Pierluigi Tami. Oder beide.

Jetzt habe ich dummerweise vergessen, was das Resultat der jüngsten Umfrage war. Nun, dann muss es halt Wuschu regeln. Und er braucht dabei auch keine guten Ratschläge. Im Falle Hoarau empfehle ich ihm übrigens den Abschluss eines Einjahresvertrags mit stark leistungsbezogenem Einkommen. Na ja, wie auch immer, ich gehe jetzt wieder fischen und überlege mir eine Lösung für den Fall Sulejmani.”

SCHNAPSCHAT ab 17.00 Uhr: Xamax-Young Boys

Zahlen, bitte

Dr. Rüdisühli am Montag den 20. Juli 2020

Wie immer am Montag: Rundes Länder Statistikparty!

Heute mit Kanterniederlagen, Topskorern und differenzierten Differenzlern. Bitte sehr:

Der FC Thun ist die Nummer 1 bei den Kanterniederlagen. Seit dem Start der Super League 2003 verloren die Berner Oberländer 24 Spiele mit mindestens 4 Toren Differenz. Besser ist nur Aarau (26), aber der FCA ist ja leider nicht mehr Super League.

Der FCZ ging schon 22mal richtig unter, wobei er in 21 Fällen nicht aus der Quarantäne kam. Zum Vergleich: YB leistete sich elf Mega-Pleiten, St. Gallen 19, Basel nur gerade fünf.

Früher oder später kommt der Hanspeter. Und zwar immer: Jean-Pierre Nsame kam in 28 Saisonspielen zum Einsatz und traf 28-mal. Das gibt einen Schnitt von 1,0 Toren pro Spiel, wie unsere statistische Abteilung errechnete. Nach Einsatzminuten betrachtet netzt Nsame alle 79 Minuten ein.

Vom Kurs abgekommen ist derweil der Espen-Experte des St. Galler Tagblatts. Fredi Kurth rechnete vor Wochenfrist vor, wie der FCSG schon vor der letzten Runde den Titel feiern kann. Nach den jüngsten Resultaten müssen wir feststellen: Beim FCSG angesagt 6, gemacht 3, bei YB 4, gemacht 6. Differenz 5. Aber die Saison ist ja noch lang.

Und damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

Erhebliche Erkenntnisse

Rrr am Mittwoch den 17. Juni 2020

Wer tätowiert ist, kickt besser.

Das zeigt eine umfangreiche Studie der Uni Basel. Im Visier hatten die Wissenschafter von der dermatologischen Abteilung die 736 Spieler, die an die WM 2018 teilnahmen (wovon 32,7 Prozent mindestens eine Tätowierung hatten). Das Runde Leder fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

✓ Südamerikanische Teams hatten den höchsten Anteil an Tätowierten mit 53,5 Prozent, gefolgt von Ozeanien (39,1), Europa (36) sowie Afrika und Asien (je 8,7 Prozent).

✓ Stürmer waren besonders oft tätowiert (40 %), Torhüter viel seltener (23,7 %).

✓ Tätowierte Spieler kamen überdurchschnittlich oft zum Einsatz (208,3 Minuten gegenüber Untätowierten mit 160,4 Minuten). Sie erhielten auch mehr gelbe und rote Karten, begingen deutlich mehr Fouls, wurden aber auch häufiger gefoult.

✓ Tätowierte schossen deutlich öfter aufs Tor, trafen aber nicht öfter als Untätowierte. Ausser bei Penaltys.

Die Forscher der Uni Basel gehen davon aus, dass tätowierte Kicker wichtige Persönlichkeitsmerkmale wie Aggresivität, Extrovertierheit und Risikobereitschaft aufweisen. Lauter Eigenschaften, die sich positiv auf den Marktwert auswirken. Man könnte auch sagen: Tattoos steigern den Marktwert.

In weiteren Studien wäre laut Uni Basel zu untersuchen, was die Kicker mit ihren Tätowierungen sagen wollen (“Verschönerung? Selbstermächtigung? Ausdruck persönlicher Werte? Gruppenzugehörigkeit oder religiöse Gefühle?”) und wie wissenschaftlich mit dem Fall Griezman umgegangen werden soll: Der Franzose hat zwar zahlreiche Tattoos am Arm, zeigt sie aber nicht. Er spielt fast immer mit langen Ärmeln.

Zauber oder Zufall

Rrr am Montag den 4. Mai 2020

Neue Erfolgsserie: Die Magie der Zahlen!

Heute ist es genau 99 Tage her, seit die Young Boys zum Auftakt in die Rückrunde den FC Basel schlugen. Wer führte am 26. Januar die Entscheidung herbei? Natürlich die Nummer 99 des Meisters, Guillaume Hoarau.

Lange her! Andere Frage: Wer schoss eigentlich das bislang letzte Tor dieser Meisterschaft? Die Nummer 99 in der 99. Minute.

Und was machte die Nummer 99 eigentlich vor 999 Tagen, am 9. August 2017? Auch da spielte er Fussball, aber irgendwie passt das jetzt nicht in den Beitrag.

Bahntastische Perspektive

Rrr am Mittwoch den 29. April 2020

Das historische Bild zur Wochenmitte.

16. Mai 1979: Ein Lokführer legt beim Basler St. Jakob-Stadion einen Stopp ein, um den Final im Europacup der Cupsieger zwischen Barcelona und Düsseldorf zu verfolgen.

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Die Strecke von Basel SBB und vom Rangierbahnhof Wolf nach Muttenz verlief bekanntlich schon immer neben am Basler Fussballstadion vorbei. Etliche Zuschauer ohne Tickets schauten sich vom Bahndamm aus das Spiel an. Heute befindet sich hier eine provisorische Austiegsstelle für Fanzüge.

Wie Sie unschwer erkennen können, handelt es sich bei der Lok um eine Ae 6/6, Nr. 11519 (die zweitletzte der Serie), abgeliefert 1966 unter SLM-Fabriknummer 4629. Die Lok hat auch noch ein Wappen (auf der Seite über der Nummer zu sehen). Die Ae 6/6 11519 hat dasjenige des Ortes Giubiasco. Dies zu Ihrer Information.

Und nun geniessen wir alle gemeinsam den Final von Basel 1979 in voller Länge, Originalübertragung des spanischen Fernsehens, produziert von den Kollegen der SRG, wie das Eurovisionssignet zu Beginn verrät. Film ab!

Hilfreiche Hygieneregeln

Rrr am Donnerstag den 23. April 2020

Ein Konzept geistert durch die Presse. Wirrkopf Walter hat es nicht gelesen, kann es aber kommentieren.

“Früher wurden die Klubs mit Geisterspielen bestraft, wenn sie ihre Fans nicht im Griff hatten. Heute betteln sie darum, ohne Zuschauer spielen zu dürfen. Tempora mutantur et nos mutamur in illis, wie schon Robert Zimmermann sang.

Die Swiss Football League setzt also auf Safer Fussi und hat dafür ein 36-seitiges Geheimpapier ausgearbeitet, das den Spielbetrieb in Coronazeiten bis ins Detail regelt (Achtung: Nicht Klicken: Hochgeheim!!!). Unverständlich, dass die Fans nun nicht in Euophorie ausbrechen. Dabei taugt das Konzept auch bestens für Fan-Lokale – nehmen wir die schöne Halbzeit-Bar im Breitenrain.

Deren Wiederinbetriebnahme ist problemlos möglich, wenn einige Bedingungen erfüllt sind. So müssen die maximal drei Besucher stets zwei Meter Abstand voneinander halten und vor jedem Eckball die Hände desinfizieren. Das Bier muss selber mitgebracht werden, der Fan-Schal ist vor jedem Match im Kochwaschgang zu waschen. Der Torjubel hat lautlos zu erfolgen, um die Zahl der freigesetzten Tröpfchen möglichst tief zu halten. Wer im Überschwang der Gefühle einen anderen Besucher spontan umarmt, riskiert einen Punkteabzug seiner Mannschaft. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff ist die Lokalität zu verlassen. Wer noch da ist, wenn Rolf Fringer am Bildschirm erscheint, hat dafür hoffentlich einen triftigen Grund.

Unter Einhaltung dieser einfachen Hygieneregeln sollte es möglich sein, den Fans die Freude am Fussball und damit auch die Lebensfreude zurückzugeben – und das ist ja wohl das Ziel der Liga, ist es nicht? Na ja egal, ich geh jetzt wieder fischen.”