Archiv für die Kategorie ‘Weisheiten’

Unglückliches Unvermögen

Dr. Rüdisühli am Donnerstag den 15. Oktober 2020

Liebe RL-Leserschaft, liebes Fachpublikum der gehobenen Goalie-Kultur!

Von unserem Sonderkorrespondenten Herrn Alleswisser

Obwohl das UEFA-Nations-League-Grümpelturnier niemanden interessiert, schalten doch einige Fussi-Fans am 10. Oktober SF2 RTS2 ein, darunter auch ich.

Da Yann Sommer ESP-SUI durch eine unglückliche Aktion frühzeitig entscheidet und mir zudem das Trainingsstadion von Real Madrid nicht gefällt, zappe ich für die 2. Halbzeit ins schöne Olympiastadion nach Kiew und verfolge auf ARD nun UKR-DEU.

Bereits nach drei Minuten wird meine sensible Goalie-Seele aber erneut arg strapaziert. Ein krasser Goaliefehler des ukrainischen Goalies führt zum zweiten Tor für Deutschland.

Meist fühle ich mich dann in solchen Momenten als einer Ihrem RL-Goalieexperten jeweils dazu berufen, Kommentare zu posten à la “unhaltbar” oder “vielleicht hätte doch lieber der 46-jährige Goalietrainer spielen sollen”.

Da ich meine vertraglich vereinbarten Anzahl RL-Kommentare für KW 41 aber bereits erfüllt habe, lasse ich es dann doch sein und folge lethargisch dem weiteren Spielverlauf.

Und doch geschieht plötzlich Unverhofftes. Der ukrainische Goalie Georgij Buschchan zeigt mehrmals auf, wie sich ein guter Goalie zu verhalten hat. Da ich mittlerweile eine Mehrheit der RL-Leserschaft als goalie-affin einschätze, verfasse ich gerne eine Analyse über die drei wichtigsten Goalie-Szenen von Georgij Buschchan aus im Spiel UKR-GER. Herzlich willkommen zum dreiteiligen Goalie-Seminar heute um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr!

Szene 1

Wie schon erwähnt, beginnt seine 2. Halbzeit nicht optimal. Die Szene in bewegten Bildern können Sie hier sehen. Und nun zu den Details – klicken Sie sich durch die Bildstrecke:

  • Alles im grünen Bereich, Ukraine hat Überzahl im Strafraum

  • Verteidiger und Goalie sind gut positioniert, erwarten die harmlose Flanke

  • Goalie fängt den Ball, wird dabei vom Verteidiger leicht angerempelt und somit beginnt das Unglück

  • Der Ball entgleitet dem Goalie aus den Händen ...

  • ... und landet (unglücklicherweise) bei Leon Goretzka, der mittels Kopfball ...

  • ... vorbei an den konsternierten ukrainischen Spielern das Siegtor erzielt

Einige einfache Gemüter werden dieses Tor als eine weitere Goalie-Slapstick-Einlage belustigt zur Kenntnis nehmen. Zum Glück sind hier in diesem Fussball- und Kultur-Fachblog die Ansprüche höher, und daher betrachten wir nun die Szene detaillierter.

Touch: Grundsätzlich ok (Koordination Auge-Hände ist bei dieser weichen Flanke mit wenig Effet ja auch nicht anspruchsvoll), nach dem leichten Rempler verliert Goalie die Ballkontrolle, ein klassischer Touch-Fehler ist dies aber nicht.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Praktische Übersicht

Rrr am Mittwoch den 7. Oktober 2020

Alle Resultate seit Gründung der Bundesliga, sauber sortiert.

Darum gings in der heutigen Mittwochmeditation – Sie haben es sicher herausgefunden. 1:1 ist der König aller Resultate (oder Heinz Einz, wie das bei uns heisst).

(Quelle: @fussballinguist)

Wie, was? Sie brauchen noch die Halbzeitergebnisse? Bittesehr. Und nun aber zurück an die Arbeit. Bedankt.

Zünftiger Zahlensalat

Rrr am Mittwoch den 7. Oktober 2020

Da ist sie wieder, die Rundes Leder Mittwochmeditation.

Lassen Sie die Zahlen in Ruhe auf Sie einwirken. Arbeiten Sie sich von links nach rechts, oder umgekehrt, je nach ihrer individuellen biorhythmischen Situation. Fokussieren Sie dreimal zwei Minuten auf einzelne Zahlen, und gönnen Sie sich dann wieder einen Blick aufs Grosse Ganze.

Wenn Sie fertig sind, trinken Sie etwas oder essen Sie eine Kleinigkeit, strecken Sie sich und klopfen Sie sich sanft ab. All diese körperlichen Reize helfen Ihnen, sich wieder voll in der Wirklichkeit zu verankern.

Wir setzen unser Programm um 15.00 Uhr fort.

Sachen im Sachet

Rrr am Freitag den 25. September 2020

Bald wieder Wankdorf! Wirrkopf Walter kommt unter der Hygienemaske ins Grübeln.

“Corona macht die YB-Wurst teurer! Das haben Sie sicher auch gelesen, auf Seite 13 der neuen Wankdorf-Bibel ,Handbuch Schutzmassnahmen YB’ (letztes Testament, Seite 13, Psalm 2.5.4). Für die YB-Wurst mit Semmeli & Portion Senf im Sachet (im Sack) werden demnach ab sofort 7.50 Franken fällig, ein Franken mehr als bisher.

Zuerst war ich ein bisschen ratlos. Okay, wenn wir Schweinegrippe hätten, wäre eine fast 15-prozentige Preiserhöhung sicher nachvollziehbar. Bei Rinderwahnsinn auch, desgleich bei erneutem akutem Mangel an brasilianischem Rinderdarm. Aber Corona? Erst bei längerem Nachdenken wird es offensichtlich: Wegen Corona verpasste YB bekanntlich die Champions League, denn nur wegen Corona gab es kein Rückspiel, und das hätten wir ja im Wankdorf 4:0 gewonnen, da gibt es nichts zu husten. Jetzt aber fehlen 20 Millionen Franken.

Ich war gerade am Ausrechnen, wieviele YB-Würste mit Semmeli & Portion Senf im Sachet (im Sack) jeder Fan essen muss, bis das in Midtjylland aufgerissene Finanzloch gestopft ist, da wurde mir plötzlich schlecht. Gibt es auch Fisch im Stadion? Und wenn ja, wird er auch im Sachet (im Sack) serviert? Na egal, ich vertiefe mich jetzt wieder ins Bibelstudium.”

Die Titelträger

Rrr am Mittwoch den 9. September 2020

Eine meisterhafte Grafik!

Richtig, in der heutigen Meditationsstunde befassten wir uns mit der Frage, wer im Jahr 2000 so alles Meister wurde und was genau seither geschah.

Arbeiten Sie sich nun in Ruhe durch die einzelnen Spalten und lernen Sie alles auswendig. Dann sind Sie bereit für die neue Saison, die in den meisten europäischen Ländern in Kürze beginnt. In Spanien zum Beispiel übermorgen Freitag, in England am kommenden Samstag, in Italien, Deutschland und in der Schweiz eine Woche drauf. Bereits im Gang ist das Championnat in Frankreich.

Kristallklare Konstellation

Herr Winfried am Mittwoch den 9. September 2020

Die Prognosen für die neue Saison zeigen: YB wird schon wieder Meister.

Die neue Super-League-Saison kommt bereits in grossen Schritten näher. In den staubigen Redaktionsstuben modernen Home Offices ist bald Zeit für die Vorschauen. Wobei das gar nicht notwendig ist. Heutzutage erledigt das mit den Prognosen ja die künstliche Intelligenz (KI).

Längst weiss sie, dass die berühmten Young Boys aus Bern im nächsten Sommer zum vierten Mal in Folge Schweizer Meister werden. Das ist nichts als einleuchtend, schliesslich berücksichtigt die Statistikmaschine nicht nur das aktuelle Kader, sondern auch Daten aus vergangenen Saisons. Eher irritierend finden wir dagegen, dass der einst noble FC Basel noch immer so gut mithalten kann, und mit nur vier Zählern Rückstand Zweiter wird. Wieder logischer ist der Wiederabstieg des FC Vaduz.

Bild: swissfootballdata.com

Den Rest können Sie so betrachten, wie das die wöchentliche stattfindende Talkrunde in einem grossen Schweizer Medienhaus zu tun pflegt: Würfeln Sie einfach! Es kann gut sein, dass Obiges dabei herauskommt. Oder auch nicht.

 

Was macht eigentlich …

Herr Maldini am Freitag den 4. September 2020

… Thomas Berthold?

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Berthold spielte in seiner Aktivkarriere für diverse Vereine in Deutschland, Italien und der Türkei. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Aussenverteidiger 62 Länderspiele, 1990 wurde er Fussballweltmeister. Auch danach blieb er dem Fussball verbunden, etwa als Manager von Fortuna Düsseldorf oder als TV-Experte.

Das ist er bis heute, auch wenn er das Fachgebiet mittlerweile gewechselt hat. In diesem Sommer etwa begeisterte Berthold seine Fans in Stuttgart und gerade erst am letzten Samstag brillierte er in Berlin. Dabei spielt er stets gross mit Fachwissen zu den Themen Grundrechte und Hygienemassnahmen auf und entpuppt sich als kompetenter Medienkritiker.

Berthold gelingt es, die Themen nur kurz und knackig anzusprechen, ohne dass seine Beiträge zu langatmigen Monologen ausufern. Dabei schafft er geschickt eine Verbindung zu seiner früheren Tätigkeit als Beackerer der rechten Aussenbahn. Aufgrund der grossen Beliebtheit seiner Einschätzungen werden diese gerne bei einem deutschsprachigen Sender für Russlandinteressierte ausgestrahlt.

Bild: Screenshot Deutschlandfunk.

Sie möchten sich das selber anschauen? Das glaube ich Ihnen nicht. Klicken Sie jedenfalls nicht hier.

Faszinierende Farbenlehre

Rrr am Mittwoch den 2. September 2020

Was hat Gelbschwarz mit Rotgrün zu tun? Eine ganze Menge.

So sieht es der Journalist Jürg Steiner in seinem neuen Buch “Bern – eine Wohlfühloase?” Ein ganzes Kapitel widmet er der aus seiner Sicht symbiotischen Beziehung zwischen YB und der rot-grünen Stadtregierung.

Das Rot-Grün-Mitte-Bündnis (RGM) kam am 6. Dezember 1992 an die Macht (auch für YB ein denkwürdiger Tag). In den Neunzigerjahren verband die beiden Lager noch nicht viel. Als YB vor der Pleite stand, hielt sich das rotgrüne Mitleid in Grenzen, wie Steiner berichtet. Die Annäherung begann erst im neuen Jahrtausend, mit fussballangefressenen Politikern wie Alexander Tschäppät und Urs Frieden (“Gemeinsam gegen Rassismus”). Im Neufeld “erglühte die Stand-by-beziehung zur leidenschaftlichen Liebe”, das altertümliche Stadien wurde “zum Szenetreffpunkt von Künstlern, Journalisten und Politikern”.

Inzwischen haben sich alle lieb. Der blaublütige Stapi hat keine Berührungsängste gegenüber dem gemeinen Fussballvolk, und umgekehrt “steigen selbst klimabewusste YB-Fans ins Flugzeug, um ein Auswärtsspiel in der vom russischen Gaskonzern Gazprom gesponserten Champions League vor Ort zu verfolgen”. Und der BSC YB? Der weiss, wie man sich in einer rotgrünen Stadt beliebt macht und “zelebrierte den langen Weg zum Meistertitel virtuos als Herzensprojekt gegen die Basler Grosskapitalisten mit ihren Pharmamillionen” – obschon das Fussballunternehmen YB kühle betriebswirtschaftliche Kriterien anwende, die teuren Lounges im Stadien zu Netzwerkkammern der Berner Elite gemacht habe und den Spitzenspielern marktübliche Topsaläre zahle wie andere Clubs auch. Ein spannendes Buch, das wir Ihnen nur ans Herz legen können.

Im Runden Leder sind die Lokalpolitker ja seit Beginn weg regelmässige Gäste. So befragten wir 2004 alle Gemeinderatskandidaten über ihren YB-Bezug. Irgendein grüner Kandidat sagte damals, er würde als YB-Chef Wuschu Spycher verpflichten – “der hat das Zeug zum nächsten YB-Fussballgott”.

Rundes Leder Lesetipp.Jürg Steiner: “Bern – eine Wohlfühloase? Der Weg zur rot-grünen Hauptstadt”. 160 Seiten über den Weg von Rotgrün an die Macht, die Chronik des bürgerlichen Scheiterns, die ewige Liebe Reitschule, das Verhältnis zwischen Medienschaffenden und Magistraten und vieles mehr. Stämpfli Verlag, 34 Franken.

Ominöser Öbulus

Rrr am Mittwoch den 12. August 2020

Wie weiter? Wirrkopf Walter werweisst.

“Neulich sass ich beim Public Viewing in der Aarbergergasse, da fragte mich mein Kumpel: ,Sag mal, Walter – ist meine Liebe zu YB vor die Hunde gegangen, wenn ich den Preis für die Teilnahme an Heimspiel-Auslosungen als zu hoch empfinde?”

Ich nahm einen Schluck aus seinem Bierglas und zückte dann mein brandneues Saisonabo. “Jiri, erwartest Du jedes Mal eine Gegenleistung, wenn Du jemandem Geld gibst? Betrachte Deinen Obolus an YB als wohltätige Spende an eine notleidende Unternehmung. Als kleines Goodie darfst Du an diesem obskuren Losverfahren teilnehmen und hast vielleicht auch einmal so viel Schwein wie unser Stapi, dem die Glücksfee vom YB-Marketing neulich sogar einen Logenplatz zur Pokalübergabe gemischelt hat.”

Grad nebenan sass Gianni Infantino. Eigentlich fehlten nur Sepp Blatter und der Bundesanwalt, dann hätten sie einen Jass klopfen können.

Spenden kann man übrigens von den Steuern abziehen. Bevor Sie das tun, fragen Sie zur Sicherheit die kantonale Finanzdirektorin, das ist die Dame rechts vom Stapi. Die hatte offenbar auch Losglück. Gute Güte, ist das heute wieder heiss! Na egal, ich studiere jetzt in Göpf Eggs Jassreglement nochmals die 1000er-Regel und gehe dann schiffen. Äh, fischen. Blöde Autokorrektur.”

Vorbildliche Vorstellungen

Herr Maldini am Dienstag den 11. August 2020

Antonio Conte hat da einen Ratschlag.

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: 2008 – den Zenit seiner Karriere schon leicht überschritten – verbringt Ronaldo in seiner Heimat einen lauschigen Abend in einem Lokal mit ausgedehnten Öffnungszeiten und offeriert schon spät, aber freundlicherweise mehreren Personen spontan ein Bier auf seinem Hotelzimmer. Daraus wird der wohl grösste Skandal seiner Laufbahn.

Heute wissen wir: Hätte Ronaldos Übungsleiter damals Antonio Conte geheissen, wäre das nicht passiert. Denn der Mann hat genaue Vorstellungen davon, wie seine Spieler allfällige Paarungsrituale handhaben sollen:

Weises Weigern

Herr Winfried am Mittwoch den 29. Juli 2020

Es ist besser, Namen von Clubs am Rhein nicht auszusprechen.

Es ging einfach nicht, so sehr er es auch versuchte. Aber die Kombination aus einer Zahl und mehreren Buchstaben wollte dem tapferen Gast nicht über die Lippen schleichen. Der Mann, stolzer Fan der Borussia Mönchengladbach, wurde gefragt, welcher deutsche Verein in der Saison 2018/2019 die Meisterschaft in der 2. Bundesliga gewann.

Der Mann wusste die Antwort, er sah sie ganz klar vor sich. Doch als er “1. FC Köln” sagen wollte, erlahmten seine Mundwinkel. Sehen Sie selbst!

Die Spontanblockade kostete den Mann stattliche 1’000 Euro, eine bittere Pille für den Gladbacher. Da kam unverhofft sein Herzensverein zu Hilfe. So hatte der grobe Aussetzer doch noch sein Gutes.

Nur was der Mann während der Show auf dem Leib trägt, bleibt rätselhaft.

Schämpu bei den Champs

Rrr am Dienstag den 28. Juli 2020

Was haben Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Jean-Pierre Nsame gemeinsam?

Richtig, sie sind alle in den Top 10 der europäischen Torjäger.

“European Golden Boot” heisst der Wettbewerb. Die Tore werden nach einem Faktor gemäss UEFA-Fünfjahreswertung gewichtet. Bei den Top-Ligen beträgt der Faktor 2, bei der Super League 1,5.

Hält Nsame seinen Schnitt von 1 Tor pro Spiel bis Ende Saison durch, überholt er noch Jamie Vardy, vielleicht auch Romelo Lukaku (zwei Spiele ausstehend). Um Messi zu überholen, bräuchte er noch vier Tore.

Wer den Goldenen Schuh gewinnt, ist offen. Cristiano Ronaldo könnte bei seiner derzeitigen Form noch an die Spitze rücken.