Archiv für die Kategorie ‘Weisheiten’

Besonders betroffene Bundesliga

Herr Noz am Sonntag den 30. Mai 2021

Eitel Freude allenthalben: Bald dürfen wir alle wieder ins Stadion, dann kommt endlich auch der Heimvorteil zurück. Oder? ODER?

Es ist kompliziert.

Keystone

Der Heimvorteil ist kein Mythos, es gibt ihn wirklich, das weiss nicht nur der common sense, das lässt sich auch statistisch belegen. Erklärt wird der Vorteil in der Regel durch die Anwesenheit der Fans, die das Heimteam zu mehr Leistung antreiben und zudem den Schiedsrichter beeinflussen, der unbewusst lieber auf Probleme verzichtet und darum die gegnerische Mannschaft benachteiligt.

Dank Corona flippt die Forschung natürlich aus, weil: Endlich kann man das mal anständig testen.

Eine soeben erschienene Studie (Matos et al. 2021) stellt dann zum Beispiel recht überraschend fest, dass es in der obersten portugiesischen Liga trotz Geisterspielen weiterhin einen Vorteil für das Heimteam gegeben hat. Eine andere Studie (Fischer/Haucap 2020) kommt zum Schluss, dass dies in Deutschland nur in der Zweiten und Dritten Liga der Fall gewesen ist, in der Ersten Bundesliga aber nicht, dort sei der Heimvorteil tatsächlich weggefallen. Tilp und Thaller (2020) aus dem diesbezüglich neutralen Österreich bestätigen diesen Befund und sprechen sogar von einem Heimnachteil.

Das polnische Team Krawczyk/Strawiński (2020) vergleicht die Effekte für die vier europäischen Top-Ligen (England, Spanien, Italien, Deutschland) und kann belegen, dass der Heimvorteil tatsächlich ausschliesslich in der Bundesliga verschwunden ist. Eine Erklärung könnte sein, so die Autoren, dass in der Bundesliga Tickets, Bier und Würste billiger sind und insgesamt eine engere Bindung zwischen dem Klub und der Fangemeinschaft besteht, so dass es eben wirklich weh tut, wenn diese fehlen. Oder andersrum: In den anderen Topligen kommt es gar nicht mehr drauf an, ob noch Leute im Stadion sind.

Mit dieser Erkenntnis entlassen wir Sie nun ins Restwochenende.

Einleuchtende Expertisen

Rrr am Montag den 10. Mai 2021

Unsere Kolumnistin hört Unerhörtes.

“Am Samstag war das Hildi zu Besuch. Es gab weisse Spargeln aus dem Seeland an einer Frühlings-Vinaigrette, und zum Dessert den Match der Young Boys gegen Basel. Das Hildi hat drum kein Bezahlfernsehen, deshalb schaut sie die Spiele ganz gern bei mir. Gerade hatte die zweite Halbzeit begonnen.

“Der junge Mann am Mikrofon hat völlig recht”, rief Hildi plötzlich aus. “YB zeigt heute wieder eine hochstehende Leistung.”

Ich musste lachen. “Nein, Hildi, Herr Signer vom Teleclub hat gerade gesagt, YB sei zu Beginn der zweiten Hälfte hoch stehend.”

“Ja, eben, das sagte ich doch. YB ist hochstehend! Deshalb sind sie ja auch Meister.”

“Nein, Hildi. YB ist hoch stehend. Jetzt. In der ersten Halbzeit waren sie nicht so hoch stehend.”

“Aber Du hast doch in der Pause gesagt, dass beide Mannschaften gut spielen?”

“Nun gut, es war ansprechend. Nicht unbedingt hochstehend.”

“Aber jetzt schon?”

“Hochstehend ist es noch nicht. Aber YB ist hoch stehend, das ist sicher eine gute Voraussetzung, um gegnerische Fehler zu erzwingen.”

Ich mache mir manchmal ein wenig Sorgen, ob das Hildi langsam schwerhörig wird. Aber wir werden alle älter, keine Frage. Am Schluss sagte der ältere Herr im Studio übrigens: “Wir sahen ein hochstehendes Spiel.” Das hat das Hildi überhört, und ich wollte die Sache nicht verkomplizieren, aber im Grunde hatte Herr Fringer natürlich recht.

Luzide Lektüre

Herr Noz am Dienstag den 20. April 2021

Zur Abwechslung mal was Lesenswertes aus Basel.

Auch farblich gelungen

Der unlängst zu Unrecht verstorbene Grüne Politiker und Rechtsanwalt Daniel Vischer (1950–2017) hat Memoiren hinterlassen, die nun bei der löblichen Edition 8 als Buch erscheinen.

Das umfangreiche Werk versammelt präzis analysierte Episoden der jüngeren Schweizer Politik, persönliche Erinnerungen an den Basler ‘Daig’ und allerhand anderweitig gesellschaftlich Relevantes (stets nach dem einschlägigen Motto ‘parteiisch, aber fair’). Einige Promis werden dabei durchaus in den wohl verdienten Senkel gestellt, aber es handelt sich nicht eigentlich um fiese Tacklings oder Blutgrätschen.

Fussball? Richtig, um den geht es regelmässig auch, denn Vischer war nicht nur ein animal politique, sondern verstand auch was vom Runden Leder. Was für linke Politiker ja nun nicht gerade selbstverständlich ist. (Aber Sie wissen: Ein anderer grüner Daniel hatte sich kürzlich auch schon bereits als Fussballchecker geoutet.) Ja, der Vischer wäre womöglich gar einer fürs Radio Gelbschwarz gewesen, denn eigentlich habe er Fussballreporter werden wollen, sich dann aber leider nie getraut.

Das Buch ist rhetorisches Tiki-Taka – filigrane Technik, präzise Querpässe, solide Defensive –, wobei Vischer zuweilen etwas anachronistisch den Libero gibt. Dafür wird endlich mal Luhmann rehabilitiert. Und die 80er-Bewegung. Und sogar der Fall DD wird kurz angeschnitten (allerdings derjenige von 1968).

Daniel Vischer: Eckdaten. Linke Politik und rechter Fussball. Zürich 2021. 328 Seiten. 24 Franken

Ein Ball für YB

Rrr am Samstag den 17. April 2021

Das Wort zum Sonntag spricht heute Pfarrer Kurt Marti.

Für jedes Nationalliga-Fussballspiel wird ein neuer Ball, der sogenannte «Matchball», verwendet. Das soll keine billige Angelegenheit sein. Einer meiner Buben behauptet, er koste ungefähr 80 bis 90 Franken. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Auf jeden Fall werden diese Matchbälle meistens von Firmen gestiftet, die im gedruckten Matchprogramm und am Lautsprecher dankend erwähnt werden.

Bei einem Meisterschaftsspiel in Bern, im Stadion Wankdorf, nun – Young-Boys gegen Lugano – hatten sich Kirchgemeinderat und Pfarrer der Markus-Gemeinde in Bern an der Stiftung des Matchballs beteiligt und wurden gebührend erwähnt. Auf den Rängen quittierten amüsierter Beifall und Gelächter die entsprechende Mitteilung im Lautsprecher. Ein Journalist schrieb zwar hintendrein, es wäre vielleicht «christlicher» gewesen, statt den Young Boys einem armen, kleinen Fussballklub einen Ball zu spenden.

Nun muss man aber wissen, dass das Wankdorfstadion der YBs zum Gebiet der Markus-Kirchgemeinde gehört. Da war es vielleicht keine so üble Idee, dass Kirchgemeinderat und Pfarrer diese Tatsachen durch ihre Spendegeste einmal manifest gemacht haben. Trotz des Kirchenballs hat der Platzklub das Spiel verloren. Das war vielleicht gut so. Sonst wären abergläubische Gemüter noch auf den Gedanken gekommen, dass Kirchenbälle Erfolgsbälle sind und auf übernatürliche Weise ins Goal des Gegners fliegen. Man weiss ja nie.

Natürlich ist die Stiftung eines Matchballes Werbung. Oder: PR (= Public Relations). Immerhin: sympathischere PR als die sehr christlichen Kugelschreiber aus Beinwil! Zudem gehörten die Young Boys seinerzeit zu den Vorkämpfern der Samstagabendspiele, und der kirchliche Matchball mag als nachträgliche Honorierung ihres erfolgreichen Einsatzes für die Verlegung des «grossen» Matches vom Sonntag auf den Samstag gelten.

Kurt Marti, Notizen und Details 1964 – 2007, Göttingen 2021, S. 255/256 (reformatio 8-1968)

(Anm. d. Red.: Beim erwähnten Spiel muss es sich nach unseren Recherchen um die Begegnung vom 8. Mai 1968 handeln, Sie erinnern sich sicher. Denn das war das einzige Mal zwischen 1950 und dem Zeitpunkt der Publikation des Textes, dass YB daheim gegen Lugano verlor.)

Ungemeine Unterschiede

Rrr am Mittwoch den 14. April 2021

Aus unserer Serie “Interessante Grafiken aus aller Welt”.

Heutiges Thema: So unterschiedlich werden in Europa die Abstände eingehalten.

Farbtherapie für Fussifans

Rrr am Sonntag den 28. März 2021

Die Schweiz sieht rot. Aber nicht nur.

In der Meisterschaftspause ist es uns auf der Redaktion des Runden Leders immer sehr langweilig. Das war heute morgen nicht anders.

Also suchte Herr der Ama ein passendes Kartenbastel-Tool, das er bei mapchart.net fand. Anschliessend druckte Herr Briger die Bilanzen der Schweizer Nati gegen sämtliche Länder der Erde auf seinem Tintenstahldrucker aus. Dann war Herr Maldini an der Reihe: Er färbte all jene Nationen rot ein, gegen welche die Schweiz eine negative Länderspielbilanz aufweist. Herr Shearer versah die Länder mit positiver Bilanz mit der grünen Farbe. Wie Sie bereits richtig vermuten, war Herr Winfried für die Länder mit neutraler Bilanz zuständig. Er wählte hierfür die Farbe Gelb. Herr Noz kontrollierte, ob alle Länder, die grau sein sollten, auch tatsächlich grau sind, und Herr Rrr dankte abschliessend der ganzen Redaktion für das grossartige Teamwork.

Nun wünschen wir Ihnen noch einen besinnlichen Sonntag.

Offensive Alternative

Rrr am Dienstag den 23. März 2021

Wie immer am Dienstag: Rundes Leder Flachpass!

In der beliebten Talkshow für Eilige unterhalten sich heute Yannick Fuhrer und Erni Maissen. Beide engagieren sich auf TeleBasel für die Belange des FCB. Aber nicht nur! Film ab.

Jeder kennt die Frage … (63)

Rrr am Dienstag den 16. Februar 2021

Grosse Umfrage! Worauf hat die ganze Welt seit vier Jahren gewartet?

• Wirksame Massnahmen gegen den Klimawandel.
• Frieden auf Erden.
• Das Ende der Corona-Pandemie.
• Vollbeschäftigung.
• Genügend Essen für alle.
• ….
• ….

Na, haben Sies herausgefunden? Nach dem Klick kommt die Lösung.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Goldene Goals

Herr Maldini am Dienstag den 9. Februar 2021

Richtig: Es geht um Tore.

Quelle: Reddit.

Reddit-User Gabs289 vergleicht in seiner Grafik die Tor-Quote des dicken Ronaldo mit acht noch aktiven Weltklassestürmern. Es sind alle recht gut, oder?

Kuriose Kurven

Herr Maldini am Dienstag den 9. Februar 2021

Wir beginnen den Tag mit etwas Meditation.

Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie ungestört sind. Wichtig ist eine bequeme Position, der Schneidersitz zum Beispiel. Lenken Sie nun die Aufmerksamkeit auf ihren Atem, atmen Sie langsam und tief ein. Ihr Gedankenlärm soll zur Ruhe kommen. Es ist schwer zu meditieren, wenn durch starke Emotionen unsere Gedanken angeregt sind, etwa durch Trauer, Wut, Hass oder Angst. Emotionen sind körperlich spürbar, lenken Sie ihre Aufmerksamkeit in den Körper, weg von diesen Gedanken. Starten Sie mit zehn Minuten, wenn Sie Lust auf mehr haben, kein Problem. Einfach um 09:00 Uhr sollten Sie zurück sein, wenn wir auflösen, was auf obigem Bild zu sehen ist.

Die Tabelle auf die Schnelle (17)

Rrr am Montag den 1. Februar 2021

BREAKING NEWS:
YB-Lausanne wird am 10. Februar nachgeholt – Cupspiel in St. Gallen erst später

Herr Rrr sieht rot.

Und rot sind die Verlustpunkte. Denn die sagen am meisten aus, wenn die Anzahl absolvierter Spiele so stark variiert.

Titelrennen. Titrelrennen?

Kampf um Europacup-Plätze. Basel und Lugano sind gleich weit von YB entfernt wie vom Barrage-Platz. Alle anderen Teams sind der Barrage näher.

Weitere Teilnehmer. St. Gallen zetert langsam den Muheim hinunter, man kann dem Zigi fast nicht mehr beim Görtlern zusuttern. Servette hat Luft nach oben. Zürich wird überschätzt, auch im Fussball. Lausanne ist das zweitbeste Team aller Klubs wo mit L beginnen.

Abstiegskampf. Die Luzerner stehen viel besser da als man meinen könnte. Vorausgesetzt, sie gewinnen alle Nachholspiele. In Sion fragt man sich, ob CC den Trainer noch erreicht – oder ob Grosso einfach das Handy ausgeschaltet hat. Sollte Vaduz die Walliser bald überholen, kriegt Grosso die Kündigung wohl per Briefpost.

So viel für heute, am nächsten Montag schauen wir weiter.

Britische Beinahe-Bestmarke

Rrr am Sonntag den 24. Januar 2021

Toooor! Goalie Tom King trifft aus 96 Metern.

Und das in der vierthöchsten englischen Liga, wo sein Verein Newport County angesiedelt ist. Kings Abstoss im eigenen Fünf-Meter-Raum landete mit Hilfe günstiger Windströmungen direkt im gegnerischen Tor. Das Spiel gegen Cheltenham endete 1:1.

Tom King schaffte damit einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Nie zuvor sei ein Tor aus grösserer Distanz erzielt worden. Das ist natürlich Unsinn.

Die älteren Leser werden sich erinnern: Am 27. April 1985 traf der deutsche Schlussmann Wilhelm Huxhorn vom Zweitligisten Darmstadt 98 im Spiel bei Fortuna Köln sogar aus 102 Metern. Leider sind von jenem Tor keine Bewegtbilder überliefert, denn die ARD verzichtete darauf, ein Fernsehteam zum bedeutungslosen Spiel zu entsenden. Trotzdem schaffte es das Tor seinerzeit ins Guinness-Buch der Rekorde. Eventuell wurde der Eintrag später wegen unsicherer Beweislage wieder gelöscht.

Bevor Sie fragen, wer den Rekord in der Schweiz hält: Wohl Raphael Spiegel vom FC Winterthur am 2. Februar 2020 gegen Chiasso, aber sicher sind wir nicht. Unser Hausstatistiker Herr briger schaut zurzeit sicherheitshalber nochmals alle Abstösse im Schweizer Profifussball nach. Er befindet sich zurzeit im Jahr 1997 und meldet sich, sollte ihm ein früherer Rekord ins Auge stechen.