Archiv für die Kategorie ‘Unsere Helden’

Hammerhafte Heiligtümer

Herr Shearer am Donnerstag den 23. April 2020

Wir brauchen Ihre Fantasie!

Foto: Spiegel TV

Denn langsam kommt uns selber nicht mehr viel in den Sinn. Immer dann, wenn uns die Ideen ausgehen, können wir auf der Redaktion aber auf zwei seit 16 Jahren bewährte Tricks zurückgreifen: anderen abschreiben oder die Leserschaft befragen. Am besten natürlich beides zusammen! Das löbliche französische Fachmagazin “SoFoot” hatte da neulich einen schönen Artikel, in dem es um potentiell versteigernswerte Objekte aus der Welt des Fussballs ging. Sie wissen ja: in diesen Zeiten brauchen von Basel bis Barcelona alle dringend Geld, und Promis und Sportstars stellen dann und wann gerne besondere Gegenstände aus ihrem persönlichen Besitz bezwecks Versteigerung für gute Zwecke zur Verfügung. Langer Schreibe kurzer Sinn – wir brauchen auch so eine Liste! Hier eine nicht abschliessende Aufzählung einheimischer Fussball-Memorabilia, welche sich für eine Auktion eignen könnten:

  • Diogos Ehering
  • Gigi Oeris rot-blauer Badeanzug
  • Scott Sutters Grill
  • Daniel Gygax’ Plattenspieler
  • Urs Siegenthalers Haarersatz
  • Peter Knäbels Rucksack
  • Mladen Petric sein FCB-Schal
  • Jöggi Rihs’ wunderschöne Ringelsocken
  • Alain Sutters Meditationskisse

So! Jetzt sind Sie dran. Hinterlassen Sie doch Ihre Vorschläge in der Kommentarspalte. Wir sind gespannt! Und denken Sie dran – es ist alles für eine gute Sache.

Herzensangelegenheit

Briger am Dienstag den 14. April 2020

Sie kennen das, wechselt ein Fussballspieler oder -trainer den Verein, war das schon immer eine Herzensangelegenheit.

Bild via: mopo.de

Als Valentin Stocker zur Hertha wechselte gab er gegenüber herthabsc.de zu Protokoll, dass es er Hertha immer im Hinterkopf hatte (sieben Jahre vor seinem Wechsel habe es schon Verhandlungen gegeben), als er zum FC Basel zurückkehrte meinte er gegenüber dem TagesAnzeiger: “Ich habe ja immer gesagt, dass ich einmal zurückkehren möchte.” Auch der neue Trainer seines alten Clubs gab nach seiner Verpflichtung bekannt: „Hertha war mein Wunschverein im Sommer, jetzt auch. Ich sehe in der Mannschaft und im Verein Potenzial. In meiner Situation ist mir wichtig, mit welchen Menschen ich arbeite. Ich muss nicht mehr alles machen. Die Gespräche mit Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer haben mir richtig gut gefallen. Auch die Menschen, die ich bisher hier getroffen habe.“

Manche Spieler streiken sogar, um endlich zu ihrem Traumverein, in dessen Bettwäsche sie schon als kleiner Junge geschlafen haben, wechseln zu dürfen.

Und sollte es nach dem Wechsel noch keine Herzensangelegenheit sein, irgendwann wird der Moment kommen, wo ein Spieler das Logo seines Vereins küsst, weil ihm so wohl ist und er für immer blieben möchte.

Übertroffen werden sie alle aber von Jermaine Defoe. Der Londoner, der seit 2017 Bournemouth gehört, wurde 2019 an die Glasgow Rangers verliehen, es ist seine 10. Profistation, beim siebten Verein (bei Bournemouth und Tottenham stand er zwei, resp. drei Mal unter Vertrag). An Ostern gab Defoe nun bekannt, was er damals gemacht hatte, als er am 6. Januar 2019 erfuhr, dass er von nun an für die Rangers spielen sollte. Er fuhr nämlich zum Stadion und fragte die Security-Leute ob er rein dürfe. Durfte er und dann ging er hin und küsste den Rasen. Nach bislang 25 Toren in 52 Spielen soll Defoe im Sommer definitiv übernommen werden.

Fussball aus dem Archiv (III)

Briger am Freitag den 10. April 2020

Sie erinnern sich, früher war mal Fussball.

Der vorläufige Abschluss dieser Oster-Mini-Serie bringt uns an diesem Karfreitag noch einmal Lesestoff für ein verlängertes Wochenende. Wir blicken ins heutige Polen, Slowenien und Rumänien.

Wir starten mit einer Nachricht, aus einer Zeit, in der Fussball noch in den Kinderschuhen steckte und kommen dann zu zwei Spielberichten, die auch über den FCRL so hätten geschrieben werden können.

Wir starten in Hermanstadt in Siebenbürgen. Wobei dies nicht ganz korrekt ist, denn berichtet wird über eine neue Sonntagnachmittagsbeschäftigung im fast 1.500 Kilometer entfernten Berlin. In Hermanstadt/Sibiu/Nagyszeben/Hermestett (je nach ihrer sprachlichen Präferenz; der rumänische Präsident Klaus Iohannis stammt übrigens aus der Stadt) erschien von 1874 bis 1941 das “Siebenbürgisch-Deutsche Tagblatt: allgemeine Volkszeitung für das Deutschtum in Rumänien”. Und in dieser Zeitung wusste man am 20. September 1891 folgendes über die Berliner Begeisterung für den neuartigen Fussballsport zu berichten (dabei war die Hertha noch nicht mal gegründet):

Quelle: Siebenbürgisch-Deutsches Tabglatt: allgemeine Volkszeitung für das Deutschtum in Rumänien, 20. September 1891 via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

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Fussball aus dem Archiv (II)

Briger am Mittwoch den 8. April 2020

Sie erinnern sich, früher war mal Fussball.

Und schon vor vielen Jahren standen beim Kampf ums Runde Leder Torhüter und Schiedsrichter unter besonderer Beobachtung.

Beispielsweise in der Ödenburger Zeitung vom 4. August 1908:


Quelle: Ödenburger Zeitung, 4. August 1908, via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

Fussballmatch: Im gestrigen Fussballkampf des hiesigen Footballclubs und des Pozsonner (Anmerkung: Pozsony ist der ungarische Name der Stadt, welche bis 1919 slowakisch Prešporok oder deutsch Pressburg hiess und seit 1919 den Namen Bratislava trägt) Footballklubs der Gymnasialjugend hatte das zahlreich erschienen Publikum bei herrlichem Wetter ein vorzügliches Spiel zu sehen bekommen. Unsere Spieler leisteten der auch tüchtig trainierten Pozsonner Truppe gegenüber etwas besonders Vortreffliches. Das Resultat war 8:0 zugunsten der Soproner (Anmerkung: die Stadt heisst auf Deutsch Ödenburg). Der Pozsonner Torwart erntete für seine schöne Arbeit lebhaften Beifall.

Der Autor dieses Beitrags fühlt sich an einen Auftritt Inter Bratislavas am Cup of the Alps in Naters erinnert, bei der der slowakische Torwart zwar oft und schön flog, nur leider meist weit am Ball vorbei.

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Fussball aus dem Archiv (I)

Briger am Montag den 6. April 2020

Sie erinnern sich, früher war mal Fussball.

So etwa im Jahre 1938, als die Banater Deutsche Zeitung am 6. Juli über ein Fussballspiel von Ripensia Temeschwar in Mailand berichtete:

Quelle: Banater Deutsche Zeitung, via Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa

Hier haben wir den Text für Sie transkribiert:
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Brillante Bilanz

Rrr am Donnerstag den 26. März 2020

Cristiano Ronaldo trifft gegen jeden.

Also fast jeden. Gegen YB zum Beispiel blieb ihm dieses Erfolgserlebnis verwehrt. Aber sonst ist schon recht eindrücklich, gegen welchen Verein CR7 wie oft getroffen hat.

(Klick zum Vergrössern)

Das also war die heutige Meditationsstunde. Die dafür fälligen Fr. 189.80 zahlen Sie bitte mit der nächsten RL-Abo-Rechnung. So, und nun zurück ins Home Office! Wir wünschen Ihnen noch einen besinnlichen Nachmittag.

Bodenständiger Boxer

Herr Maldini am Dienstag den 10. März 2020

Ein Randsportler will Newcastle United kaufen.

In seinem Land sage man zwar Soccer, aber Newcastle sei ein unglaubliches Team, sagte der US-Amerikaner Floyd Mayweather Jr. am Wochenende. Mayweather ist ein unbesiegter Boxer im Ruhestand, der aber immer mal wieder ein Comeback wagt, um danach wieder zurücktreten zu können.

Aktuell gehört Newcastle dem Geschäftsmann Mike Ashley. Der wollte seinen Club eigentlich nach Saudi Arabien verscherbeln, die Gespräche verliefen zum Jahresbeginn aber im Sand.

Ein Boxer kommt deshalb vielleicht gerade richtig. Am Geld dürfte der Deal nicht scheitern: Mayweather trägt den Übernamen Money, der sympathische Zeitgenosse verfügt über ein Vermögen von angeblich 500 Millonen Dollar.

  • Floyd ist der in der Mitte.

  • Coole Veste – ist die Schusssicher?

  • Nur eine Hand am Lenker, der Blick nach hinten – wenn das nur gut kommt!

  • Ob Floyd auch Münz hat, damit ihm der Sitz Rücken und Gesäss massiert?

  • Das Licht vergessen – morgen früh ist die Batterie leer.

  • Achtung aufs rechte Knie, wenn der Butler bald die Tür zumacht.

  • Ein Boxer verfügt über eine extra starke Halsmuskulatur.

Denkwürdige Demission

Herr Maldini am Mittwoch den 26. Februar 2020

Ende Saison verlässt ein Grosser die Fussballbühne: Marco Wölfli wird seine Karriere beenden.

Photo: Nicole Philipp.

“In Sion wird am nächsten Samstag voraussichtlich das grosse Nachwuchstalent Marco Wölfli auf der Bank sitzen”, schrieb Der Bund am 24. Juni 1999. Am 9. Oktober des gleichen Jahres feierte der Goalie im Nationalliga-B-Spiel gegen Nyon vor 2050 Zuschauenden im Wankdorfstadion schliesslich sein Debüt in der ersten Mannschaft.

Die Young Boys hatten ihn im Jahr zuvor von den Junioren des FC Solothurn geholt. Mit Ausnahme eines eineinhalbjährigen Gastspiels beim FC Thun 2002/03 verbrachte Wölfli seine gesamte Karriere in Bern.

Photo: Keystone.

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Am 28. April 2018 machte sich Marco Wölfli unsterblich. Im Heimspiel gegen den FC Luzern parierte er einen wichtigen Penalty (unser Funkbild), kurz darauf stieg in Bern ein Fest.

Und nun ein paar Takte Musik:

Ominöse Offenbarung

Herr Winfried am Mittwoch den 26. Februar 2020

Herzliche Gratulation zum Torerfolg, Herr Power!

Keiner hat’s bemerkt, aber unser A+++-Leser Herr Power mischt gerade die dritthöchste Liga Englands auf. Mit seinem Lucky Punch in der 97. Minute bescherte er seinem Team, dem AFC Sunderland, im Spiel gegen Fleetwood Town einen Punkt (1:1). “Zur richtigen Zeit am richtigen Ort”, urteilte “Chronicle Live”.

Ja, es war die 97. Minute. Erfahrene Nutzerinnen und Nutzer wissen, dass Livescore ab der 90. Minute aufhört zu zählen. Also wie die im Stadion.

Wir versuchten noch, unseren Sunderkorrespondenten Herr Shearer zu erreichen, um Details zur glorreichen Dienstagnacht Powers zu erfahren. Shearer legte aber sogleich wieder auf mit den Worten, er wolle dazu keine Stellung nehmen.

Weisse Weste

Briger am Montag den 17. Februar 2020

Samstagabend, Spitzenspiel in den Ardennen. Sedan vs. Bastia.

Zwar nur in der vierten Liga, der National 2, Gruppe A. Punktgleich stehen die beiden Teams vor dieser Runde auf Platz 1 und dies belibt nach dem 0:0 am Wochenende so. Die Korsen, die zwei Jahre nach dem Zwangsabstieg aus der Ligue 1 in die National 3, der fünften Liga, mit drei Airbus A320 Anhängern an die belgische Grenze angereist sind und so dafür gesorgt haben, dass letztlich über 11’000 Zuschauer das Spiel im Stade Louis-Dugauguez verfolgt haben, bleiben somit ebenso im Rennen um den Aufstieg wie die “Wildschweine” aus dem Norden und die dritte Mannschaft im Bunde, die AF Bobigny aus dem Grossraum Paris, die mit 43 Punkten aus 19 Spielen auf Rang 3 lauert.

Leider kam es vor dem Spiel zu Ausschreitungen in der Innenstadt, als offenbar niederländische Schläger eine Gruppe von 50 Bastia-Fans angegriffen hat. 6 Personen wurden verletzt, zwei davon schwer.

Bastia-Anhänger in Sedan. Foto SC Bastia.

Noch bemerkenswerter als die knappe Ausgangslage und die Ausschreitungen ist aber das Abwehrverhalten von Sedan. In den bisherigen 19 Spielen ist die Abwehr ein einziges Mal überwunden worden. Am 14. Dezember 2019, dem 14. Spieltag der Saison, gelang Illan Kebbal von den Reserven von Stade de Reims das Kunsstück, das erste und bislang einzige Tor gegen Sedan zu erzielen in dieser Saison. Wobei, das mit dem einen Gegentor stimmt nicht ganz, im Oktober 2019 hat Sedan im Cup eine 0:1 Heimniederlage gegen die Association Sportive de Prix-lès-Mézières Wer sich die Abwehr von Sedan aus der Nähe ansehen möchte, nimmt dazu am besten die Gelegenheit am 4. April wahr, wenn Sedan auswärts auf Schiltigheim trifft. Auswärs ist die Weste immer noch rein.

Hype um Hypotheken

Rrr am Sonntag den 16. Februar 2020

Unser Reporter-Duo des Tages arbeitet bei Movistar Plus.

Der Pay-TV-Sender zeigt La Liga, und seine Kommentatoren sind wahre Alleskönner. Wortreich und kompetent kommentieren sie die Spiele, und zwischendurch schreien sie auch noch einen Werbespot ins Mikrofon. Was heisst zwischendurch? Alle vier bis fünf Minuten. Egal, was auf dem Platz gerade läuft.

Wobei es sich nicht einfach um einen lustlos abgelesenen Werbetext handelt, nein! Vielmehr um einen lockeren Dialog der beiden, der in einen gekonnt dargebotenen Chörligesang gipfelt. Glauben Sie alles nicht? Bitte sehr, gestern bei Barça-Getafe:

Ja, Sie haben richtig gehört! Wenn Sie eine Hypothek brauchen – bei der Bank Santander kriegen Sie die Konditionen, die am besten zu Ihnen persönlich passen. Mehr Infos kriegen Sie auf der Internetseite oder in der nächstgelegenen Niederlassung. (Sing) Wie mir doch die Bank Santander gefällt! (fertigsing)

Und damit zurück zum Spiel.

Starkes Signal

Val der Ama am Freitag den 14. Februar 2020

Refugees Welcome.

Fussball und Politik? Heikel. Sie kennen das Mantra: Sport hat mit Politik nichts zu tun und also besser Schnolze. Kaum ein Club will sich irgendwie oder -wo positionieren, weil potenziell könnte man so drum nämlich aktuelle oder künftige Sponsoren vertäuben. Die Berner Young Boys haben mit dem Regenbogenlogo unlängst einen schönen, wenn auch gar kurzen Schritt aus dem Schatten gewagt.

Der irische Erstliga-Verein Bohemian FC aus Dublin, der gibt sich dieser Tage richtig mutig. Der Club ist eine Kooperation mit Amnesty International eingegangen und neu steht auf dem Auswärtsshirt gross und deutlich “Refugees Welcome” und dazu das Symbol-Bild der flüchtenden Familie. Hinten am Kragen steht übrigens: “Love Football, Hate Racism”.

“Wir haben beschlossen, unser Trikot als Plattform anzubieten, um ein sehr reales und dringendes Thema im heutigen Irland hervorzuheben, nämlich die Direct Provision”, erklärt Vereinsboss Daniel Lambert. Die irischen Erstaufnahmeeinrichtungen (Direct Provison Centers) werden von Menschenrechtsorganisationen immer wieder der schlechten Lebensbedingungen und der langen Aufenthaltsdauer (im Schnitt 51 Monate) wegen kritisiert.

Und meinereiner hat eben einen zweiten Zweitclub gefunden.