Archiv für die Kategorie ‘Tulpensöhne’

Händedruck der Woche

Frans am Freitag den 12. November 2004

Was macht eigentlich Johan Neeskens, Schütze des schnellsten Finaltors der WM-Geschichte (Brachialpenalty in die Mitte von Sepps Tor) und früherer Trainer renommierter Clubs wie Baar und Zug?

Nun, Johan hat Karriere gemacht und coacht nun den noch bedeutenderen Grossclub NEC Nijmegen. Wenn er einen seiner Weltstars wie den Tschechen Jarda Simr (Marktwert: 200’000 Euro) auswechselt, kriegt er manchmal einen seiner Bedeutung angemessenen Händedruck. Nicht immer. Aber immer seltener.

Ein Kinderspiel

Frans am Donnerstag den 11. November 2004

Zum vierten und letzten Mal widmen wir uns Blaise N’Kufo und seiner Reaktion auf die rassistischen Fans von ADO Den Haag. Der niederländische Verband KNVB reagierte auf N’Kufos zynisches Applaudieren und Grinsen mit einem Verweis, den dessen Club Twente Enschede gemäss Angaben auf seiner Website akzeptiert, da diese Sanktion kaum Konsequenzen hat. Wir belassen es hier mit der Wiedergabe des Titels der NZZ-Meldung: “Lächerlicher Verweis gegen N’Kufo”…
und fügen noch an, dass es in diesen Tagen brennender Kirchen, Moscheen und islamischer Schulen in den Niederlanden wahrlich andere Sorgen gibt als das angeblich unvorbildliche Verhalten eines Tschüttelers aus der Schweiz.
Zum Beispiel das Verhalten der erwähnten ADO-Fans. Wir zitieren aus einer Zuschrift unserer Korrespondentin J.A. aus Den Haag: “Inmitten des langen Wartens gestern Nachmittag auf irgendetwas das im Laakviertel passieren könnte/sollte/würde, kam es am Rand des Sperrgebietes zu Handgreiflichkeiten. Eine Diskussion zwischen autochtonen und allochtonen Bewohnern des Viertels war zunehmend grimmig geworden und es kam zu diversen Ohrfeigen und Faushieben. Laut Lokalfernsehen handelte es sich bei den autochtonen Beteiligten um … tara: ADO-Fans. Die haben wohl einen Nachmittag freigenommen mit Aussicht auf ein paar Stunden herrliches Allochtonen-Provozieren. In DER Stimmung hier ist das natürlich ein Kinderspiel.”

Vogel im Aufwind

Frans am Montag den 1. November 2004

Nur zwei Teams spielten häufiger in der Champions League als der PSV Eindhoven (nämlich Manchester und Porto), und kein einziges Team hat es bisher gründlicher geschafft, in der Ersten Runde hängen zu bleiben als der PSV, nämlich sämtliche acht Mal. Nach dem erknorzten Sieg bei Rosenborg Trondheim (2:1) wittern sie in Eindhoven Morgenluft. Mit einem erneuten Sieg hätten es die Niederländer am Dienstag schon beinahe geschafft. Im Aufwind ist auch der Spieler mit Rückennummer 14, Johann Vogel. An der Medienkonferenz von vergangener Woche erhielt der Captain des Schweizer Nationalteams dickes Lob von PSV-Trainer Guus Hiddink, der ihn nicht nur als einer seiner taktisch besten Spieler rühmte, sondern eine Art Mentalitätswandel ausgemacht haben wollte: Vogel denke nun viel häufiger daran, möglichst schnell einen Stürmer anzuspielen, sagte Hiddink über den Spieler, der nicht nur in Eindhoven vielen als praktizierender Anhänger des Quer- und Rückpasses in Erinnerung ist. Beinahe scheint es, als erobere Vogel sogar die Herzen der PSV-Fans im (gedrosselten) Steigflug: Zum ersten Mal in dieser Saison empfahlen sie im Internet Vogel zur Aufstellung in der Startformation. Bislang hatte er es in 15 Spielen bloss ein einziges Mal auf die virtuelle Fan-Ersatzbank geschafft.

Der Aufschwung kommt bestimmt

Schrägschuss zur Cornerflagge

Frans am Montag den 1. November 2004

Die Fans von Twente Enschede taten beim Heimspiel gegen Vitesse Arnhem (1:4), was der Twente-Trainer erst mit Verspätung getan hatte: Sie stellten sich klar auf die Seite von Blaise N’Kufo, der vor einer Woche in Den Haag auf rassistische Sprechchöre mit einem zynischen Applaus reagiert hatte. Auf Spruchbändern orteten sie das Problem dort, wo es wohl eher liegt: Bei den rassistischen Fans von ADO Den Haag, bei Schiedsrichter Luinge und dem niederländischen Fussballverband KNVB.
Sportlich läuft es derzeit weder Twente (bloss 13. Platz) noch N’Kufo (4 Saisontore) rund. Die Gerüchte um einen Wechsel zu Ajax Amsterdam verstummen langsam, auch wenn Ajax bislang den Wunschtransfer von Dortmunds Jan Koller noch nicht hingekriegt hat (die für Koller gebotenen sechs Millionen Euro scheinen nicht genügt zu haben). In der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool wurden die Fähigkeiten des für 750’000 Euros zu kriegenden Schweizer Stürmers am Samstag nicht eben enthusiastisch beschrieben. Zwar sei es spektakulär, wenn einer ab und zu von der Mittellinie ins Lattenkreuz treffe. Ajax aber brauche eher einen Stürmer, der im Strafraum überzeuge. Und je näher er am Tor stehe, desto grösser sei die Chance, dass N’Kufo eine Cornerflagge treffe. Nun, auch das kann nicht jeder…

Begrijpt U Nederlands?

Frans am Freitag den 29. Oktober 2004

Zum Einstieg in den dritten Teil unserer kleinen N’Kufo-Serie müssen wir die indiskrete Frage nach Ihren Kenntnissen der niederländischen Sprache stellen. Sollten sie unterdurchschnittlich sein, so bleibt Ihnen der Einblick in die tiefen Abgründe der Seele des holländischen Fussballvolkes (bzw. eines Teils davon) erspart. Alle anderen können im weltweiten Netz tiefschürfende Diskussionen verschiedener Fans über die äusserst relevante Frage nachlesen, ob Herr N’Kufo nun vor seinem herzhaften Applaus Richtung Fan-Ecke beschimpft worden ist oder erst nachher. Sie können ebenfalls nachlesen, welche verbalen Nettigkeiten Richtung N’ Kufo skandiert wurden. Auf eine übersetzende Wiedergabe verzichten wir. Nicht nur wegen der Rassismus-Strafnorm.

Zur Besinnung gekommen

Frans am Freitag den 29. Oktober 2004

Bemerkenswerte Neuigkeiten in der wenig vorbildlichen Affäre um Blaise N’Kufo, gegen den wegen angeblicher Provokation der rassistischen Fans von ADO Den Haag eine Untersuchung läuft. Mittlerweile hat es offenbar N’ Kufos Trainer Rini Coolen (links im Bilde) auch gedämmert, dass es möglicherweise raffiniertere Methoden gibt, einen umworbenen Stürmer bei Laune zu halten, als ihm öffentlich und ohne Rücksprache grobianisch die Leviten zu lesen. Auf der Website von Twente Enschede zeigt Coolen plötzlich Verständnis für die Reaktion des mit Urwaldgeräuschen verhöhnten Stürmers. Nach einem Gespräch mit Blaise könne er dessen Reaktion nun nachvollziehen. Zwar sei N’Kufos Gang zum Fanblock nicht gescheit und gut gewesen. Er habe Blaise erklärt, dass man in den Niederlande probiere, die Probleme mit Fans anders zu lösen, und Blaise habe das völlig verstanden, tönt es väterlich. N’ Kufo stehe nun komplett zu Unrecht im Fokus der Kritik. Aha, that’s cool man!
Wir warten in der Zwischenzeit gespannt darauf, wie die Niederländer ihre Probleme mit den Fans ohne Klatschen und Grinsen lösen. Es könnte sein, dass wir lange warten.