Archiv für die Kategorie ‘The Home of Football’

Ausserordentliche Auferstehung

Herr Winfried am Mittwoch den 11. November 2020

Es ist geradezu biblisch: Der totgesagte Gunnersaurus ist zurück im Leben.

Die seltene Spezies der Fussballclub-Maskottchen verlor Anfang Oktober ein prominentes Mitglied. “Gunnersaurus”, Liebling aller Arsenal-Fans, schied nach 27 Lebensjahren aus dem Leben. So vermeldeten es neben dem Runden Leder diverse Medien rund um den Globus.

Schon bald darauf keimte Hoffnung auf: Arsenals Spielmacher Mesut Özil war so grosszügig, einen Teil seines Gehalts aufzuwenden, um den Gunnersaurus zu retten. Das Echo war erneut laut zu hören: Auch seriöse Blätter wie die Süddeutsche Zeitung gaben der Geschichte Platz.

Der Effekt drohte zu verpuffen, tat es aber nicht! Der Saurus ist zurück und posiert im leeren Emirates. Sehen Sie, klicken Sie, und freuen Sie sich mit. Dazu hören Sie am besten den passenden Soundtrack.

  • Daumen hoch: Saurus is back!

  • Sofort Programm: Merch für die kleinsten Fans.

  • Saurus und die schicksten Hosen Londons.

  • ... zwischendurch auf dem Handy rumtippen.

  • und hier Gunnersaurus mit seinem Idol: Pierre-Emerick Aubameyang.

Gemischte Gefühle

Rrr am Dienstag den 10. November 2020

Ollie Watkins ist hin- und hergerissen.

Der 24-jährige Shooting Star von Aston Villa schoss am Sonntag zwei Tore zum sensationellen 3:0-Auswärtssieg bei Arsenal. Grund für unbändigen Jubel? Nun gut.

“Mein Grossvater wird nicht allzu glücklich sein”, sagte Watkins nach dem Spiel. “Er ist nämlich Arsenal-Fan. Onkel Baz auch. Und ich selber ehrlich gesagt auch.”

Watkins’ Idol war Arsenal-Sturmlegende Thierry Henry. Selber schaffte er es nie zu den Gunners. Über Exeter und Brentford landete er bei Aston Villa.

Der Sky-Reporter war ob der Antwort einigermassen verduzt. Nach einer Kunstpause sagte Watkins: “Ach Quatsch, ich freue mich riesig! Und ich bin sicher, dass sich auch Grosspapa und Onkel Baz freuen werden. Trotz allem.”

Verbreitete Forderung

Rrr am Samstag den 7. November 2020

Donald Trump inspiriert die Fussballwelt.

Zum Beispiel den FC Southampton.

Der Klub, der vor fast genau einem Jahr 0:9 gegen Leicester verlor, steht nach dem gestrigen Heimsieg gegen Newcastle erstmals überhaupt auf Platz 1 der Premier League (wenn auch nur vorübergehend). Wie der Social Media Officer von Southampton auf die Idee kam, Trump und Fussi zu verbinden, wissen wir nicht – vielleicht konsultiert er in der Freizeit irgendwelche obskure Plattformen.

Die US-Wahlen verfolgt hat auch Ally de Aap, das Maskottchen des holländischen Zweitligisten Almere City. Sein Team führte gestern abend gegen Alkmaar 1:0, als sich Ally zu dieser Forderung hinreissen liess.

Schlussstand 2:0, übrigens. Jetzt fragen Sie sich natürlich: Warum wurde Ally in einem Müllcontainer aus dem Stadion gerollt? Weil sich der Affe illegal Zugang zum Geisterspiel verschafft hatte, indem er sich als blinder Passagier im Container ins Stadion schmuggeln liess (hier der Videobeweis). Der Skandal flog kurz vor Schluss auf, worauf der Stward den Affen aus dem Stadion spedierte. So erzählts jedenfalls Ally. Aber vielleicht sind das auch nur Fake News.

Kalamitäten mit Kevin

Herr Shearer am Donnerstag den 22. Oktober 2020

Jetzt wird die Demokratie schon wieder mit Füssen getreten!

Mitreden ist gut. Mitreden ist wichtig! Hierzulande stimmen und wählen wir ja gerne regelmässig, und so global gesehen ist die Demokratie eigentlich eine ziemlich gute Grundlage fürs Zusammenleben. Im Fussball hingegen geht es zumeist noch nach dem Prinzip “wer zahlt, befiehlt” zu und her, und Mitsprache ist eher die Ausnahme.

Gute News aber bei den Forest Green Rovers, die in der vierthöchsten englischen Liga kicken und die Ihnen als erster veganer Klub bekannt sein dürften. Deren Hauptsponsor Innocent, Herstellerin von so hippen Frucht-Smoothies, hat die Namensrechte am Stadion erworben und liess die Fans über den neuen Namen abstimmen. Aus den eingegangenen Vorschlägen wurden vier zur Abstimmung freigegeben. Machen wir es kurz: Sustadium, Innocent New Lawn, Innocent Fruit Bowl hatten keine Chance. Das Volk beschloss, dass die Forest Green Rovers künftig im Kevin spielen sollen. Ja, richtig, Kevin kriegte nämlich satte 65 Prozent der Stimmen.

Da kriegten Sponsor und Klub kalte Füsse. Also heisst der Fussballplatz in Nailsworth jetzt nicht Kevin und nicht mehr einfach nur New Lawn, sondern eben Innocent New Lawn. Die Rovers kommunizierten das kurz und bündig über Twitter.

England und Abstimmungen – es ist komplizert.

Foto: Twitter / @FGRFC_Official

Dezente Darbietungen

Herr Maldini am Dienstag den 13. Oktober 2020

Kennen Sie den Stoke Gabriel FC?

Nein? Wir auch nicht.

Was wir jedoch wissen: Dem Club mit dem Gründungsjahr 1905 gelang der Saisonstart nur mässig: 10 Spiele, 10 Niederlagen. Wobei – das ginge ja noch. Der Stoke Gabriel FC erzielte in diesen 10 Spielen nämlich lediglich 2 Tore. Leider kommt es noch schlimmer: Der Verein kassierte gleichzeitig auch 122 Gegentreffer. Somit ist er letzter in der South West Peninsula League Premier Division East (zehnte Stufe im englischen Fussball).

“The pitch is enjoying the sunshine today and looking in top condition.” Bild: Twitter.

“Aus der Sicht des Vereins wollten wir auf höchstem Niveau spielen und sicherstellen, dass wir das auch weiterhin tun”, so der Präsident Gary Page. Auch der Trainer Mark Richardson hat interessante Ansichten. “Unser Star ist der Goalie”, sagt er. “Er war die ganze Saison über absolut überrragend.”

Am Samstag hielt dieser nämlich einen Penalty (Schlussresultat: 0-14 gegen Plymouth Marjon). Sowieso ist für den Stoke Gabriel FC noch nichts verloren: Der Rückstand auf die beiden am zweitschlechtesten Platzierten beträgt nur 3 Punkte.

Gunnersaurus muss gehen bleibt

Briger am Dienstag den 6. Oktober 2020

BREAKING NEWS: Mesut Özil will Gunnersaurus retten!

Seit 1993 erfreute ein Dinosaurier die Arsenal-Fans, Corona kostet auch ihn den Job. Gunnersaurus muss gehen bleibt.

Jerry Quy, der 27 Jahre lang im Kostüm steckte, muss im Zuge der Entlassungswelle im Zusammenhang mit Covid-19 bei Arsenal gehen. Die Nordlondoner sind abhängig von Zuschauereinnahmen, mehr noch als viele andere Premier-League-Teams und das Fehlen ebendieser Zuschauer zwingt die Gunners zum Sparen. Ohne Zuschauer braucht’s auch kein Maskottchen, so die Meinung der Arsenal-Bosse. Arsenal kündigte bereits im August an, dass im Rahmen der Sparmassnahmen 55 Jobs gestrichen werden. Quys Job als Gunnersaurus ist dabei nicht mitgezählt, da es sich um eine Teilzeitstelle handelt. Die Entlassung Quys, der selbst seit 1963 Arsenal-Fan ist und viele Heim- und Auswärtsspiele besuchte – und dafür sogar die Hochzeit seines Bruders verpasste -stiess bei Anhängern des Clubs auf wenig Gegenliebe. Der Wochenlohn vom überzähligen Mesut Özil (350’000 £) und die neu verhandelten Verträge von Pierre-Emerick Aubameyang (250’000 £ pro Woche – ausgehandelt im September 2020) und Willian (220’000 £ pro Woche) dürften das ihrige dazubeigetragen haben.

Die Clubbosse versprachen zwar, dass der Gunnersaurus irgendwann zurückkehren wird, aber für den Moment ist Schluss. Geniessen Sie daher nun noch einige Bilder des lustigen Dinosauriers, unter anderem aus dem Home Office.

  • Jerry Quy, der Gunnersaurus.

  • Gunnersaurus klatscht mit Pierre-Emerick Aubameyang ab, der Gabuner verdient seit September offenbar 250'000 Pfund - pro Woche

  • Der Gunnersaurus am Kicken vor dem Emirates

  • Ein weiteres lustiges Kerlchen, das Maskottchen von Sporting Lissabon.

  • Der Gunnersaurus musste sich neue Beschäftigungen suchen - Rutschen im Garten.

  • Der Gunnersaurus beim Sonnenbaden im Homeoffice.

  • Der Gunnersaurus bei der Hausarbeit.

  • Der Gunnersaurus verfolgte die Spiele zuletzt vor dem TV

Majestätische Matchoutfits

Herr Maldini am Dienstag den 6. Oktober 2020

Stilikone auch auf dem Fussballplatz: Elizabeth II.

Die Queen sitzt jetzt ja schon etwas länger auf dem Thron. Zeit genug also für das eine oder andere Outfit. Sie erinnern sich bestimmt an die opulente Robe, welche sie 1952 bei ihrer offiziellen Krönungszeremonie und den Feierlichkeiten im darauf folgenden Jahr trug. Die königlichen Outfits hätten gewöhnlich “den gleichen Stil, sie sind aus Baumwolle und Nylon, waschbar, sehr schlicht und praktisch”, erzählte die Queen einst.

Southhampton, Heim, 2010. Bilder: Differently Dave.

Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Selbstverständlich ist die Queen seit jeher auch Inspirationsquelle für jene Leute, die Fussballtrikots entwerfen. Galerie ab:

  • Norwich City, drittes Trikot, 2016.

  • Hull City, Heim, 1993.

  • Southend United, Heim, 1996.

  • Socceroos, Heim, 90er.

  • Manchester United, Heim, 2009.

  • Manchester United, drittes Trikot, 2020.

  • Chelsea, Heim, 1995.

  • Arsenal, Heim, 2005.

  • Napoli, Heim, 2019.

  • Plymouth Argyle, Heim, 1995.

  • FC Volendam, Heim, 2020.

Manchmal muss man mal

Herr Winfried am Mittwoch den 30. September 2020

Natürliche menschliche Bedürfnisse: Wird man wohl noch stillen dürfen! Auch während eines Spiels.

Gestern Abend spielte Tottenham im “Carabao Cup” gegen Chelsea. Wie der dank künstlicher Intelligenz automatisch erstellte Matchbericht mitteilt, gingen die Blauen nach knapp 20 Minuten durch Timo Werner in Führung. Dieses Resultat hatte auch zur Pause Bestand. In der zweiten Halbzeit drückte Tottenham auf den Ausgleich, und wurde spät belohnt: Erik Lamela traf zum 1:1 (84.). So musste das Penaltyschiessen entscheiden. Da behielten die “Spurs” das bessere Ende für sich.

Was die künstliche Intelligenz aber bedauerlicherweise nicht herausfinden konnte: Das Team von José Mourinho gewann das Spiel trotz kurzzeitiger Unterzahlsituation! Es lief die 77. Minute, als der Verteidiger Eric Dier rasch verschwand. Sehen Sie selbst.

Dier schien es also sehr pressant zu haben – zum Missfallen seines Coachs José Mourinho. Es tue ihm leid, sagte der Geplagte nach dem Spiel in Interviews. “Die Natur hat gerufen!” Sein Coach entgegnete: “Was Eric Dier tat, war nicht menschlich.”

Der Verteidiger kehrte jedenfalls erleichtert und mit so viel Selbstvertrauen aufs Feld zurück, dass er sich gleich beim ersten Penalty den Ball schnappte, und traf.

Wer wissen möchte, wie es in den Katakomben aussah, kriegt Hilfe von Eric Dier himself:

Bild: Instagram

Und gerade erreicht uns im Zuge der Detailanalyse des Spiels noch dieses Funkbild. Es zeigt Eric Diers Heatmap, also die Bereiche auf dem Feld, wo sich der Spieler bewegt hat.

Bild: Twitter

Schlechter Stoff

Herr Shearer am Donnerstag den 24. September 2020

Geld sparen beim Trikotkauf!

Sie wissen: Fussballtrikots sind teuer. Jeder Klub bringt zu jeder Saison mindestens zwei neue Versionen raus, und wer ein echter Fan, der muss sie immer alle haben! Auch Alan Cox, er ist Fan der Wolverhampton Wanderers. Diese Mannschaft ist ja neuerdings das Farmteam des Schweizer Rekordmeisters (!) Grasshopper Club Zürich (–> Tschi Si) und dürfte deshalb auch in unserern Breitengraden inzwischen einigermassen bekannt sein.

Also, Alan hat im Internet das neue Auswärtsgewand seiner Herzensmannschaft gesehen und war nicht so erfreut über das, was der Klub unter “urbanem Design” versteht. Aber als er neulich von der Arbeit heimkam und seine Frau dieses  blaue Oberteil trug, da hatte er die zündende Idee – aber schauen Sie selbst!

Das ganze dann natürlich sofort fotografiert, auf Social Media gepostet und irgendwann wurden auch die Wolves darauf aufmerksam. Die nahmen es mit Humor und schnürten gleich ein Geschenkpäckli an ihren treuen Anhänger.

Das sind sowieso glatte Vögel, dort auf der Kommunikationsabteilung: als ein Fan vor etwa sechs Jahren bemängelte, dass auf seinem Trikot das Klublogo falsch herum aufgenäht sei, kriegte er umgehend einen korrekten Ersatz – der Entschuldigungsbrief auf dem offiziellen Briefpapier war ebenfallls kopfüber gedruckt…

Ire im Internet

Briger am Montag den 7. September 2020

Fussballer und Social Media, eine Liebesgeschichte.

Der Ire Matt Doherty wechselt nach 10 Jahren bei Wolverhampton – unterbrochen von zwei kurzen Leihen zu Hibernian Edinburgh und dem Bury FC – zu den Tottenham Hotspurs.

Der 28-jährige ist den Spurs 15 Millionen Pfund wert und doch sind nicht alle in Nordlondon glücklich, denn Doherty ist, wie er in jungen Jahren öfter via Twitter bekanntgab, ein grosser Fan von Tottenhams Erzrivalen Arseanl. Nun, dem muss natürlich Abhilfe geschaffen werden und immerhin entsteht so ein Video für die SoMe-Kanäle der Spurs. Aber schauen Sie selbst.

Eulen entgehen Elend

Briger am Montag den 17. August 2020

Sheffield Wednesday bleibt in der Championship. Dank zu langsamen Liga-Verantwortlichen.

Sheffield Wednesday Besitzer Dejphon Chansiri. Bild: Action Images via Reuters / Jason Cairnduff.

Sheffield Wednesday, Spitzname “The Owls”, gab während der letzten drei Jahre 18 Millionen Pfund mehr aus, als gemäss Financal-Fair-Play-Richtlinien vorgesehen. Die Liga entschied sich nun dem Team aus Yorkshire 12 Punkte abzuziehen. Statt 56 hätte Wednesday so plötzlich nur noch 44 Punkte auf dem Konto und somit 4 Punkte Rückstand auf Charlton Athletic. Der Londoner Club wäre gerettet.

Eine unabängige Untersuchungskommission entschied nun aber, dass die Punkte erst nächste Saison abgezogen werden dürfen, da die English Football League (EFL) zuerst einen falschen Anklagepunkt vorbrachten – die Ligabosse wollten den Club im Zusammenhang mit dem Kauf des Hillsboroughstadions durch Besitzer Djephon Chansiri drankriegen. Dies wurde aber zurückgewiesen und so brachte die Liga die Financialy-Fair-Play-Richtlinien ins Spiel. Zu spät, entschied die Kommission nun. Die Bestrafung in der Saison 2019/20 sei unfair, da der Club gar keine Möglichkeit mehr erhalten hätte, sich sportlich noch zu retten, da die Saison dann schon vorbei war.

Wednesday wird nun mit 12 Punkten Rückstand in die neue Saison starten, es sei denn irgend ein Gericht hebt den Punkteabzug noch auf.

Gerüchten zufolge reagierten die Liga-Verantwortlichen auf die Entscheidung ungefähr so:

Pechvogel

Briger am Montag den 27. Juli 2020

Fussball und Pech, eine never ending story.

Sie denken vielleicht, Sie hätten in Zusammenhang mit Fussball in dieser Saison unglaublich viel Pech gehabt. Vielleicht sind Sie Fan eines Clubs, dessen Torwart sich in der Nachspielzeit der Nachspielzeit beim Penalty zu früh von der Linie bewegt? Dessen Stürmer im Strafraum so theatralisch fällt, dass der Schiedsrichter versehentlich keinen Elfmeter pfeift? Der vom Spielplaner dermassen benachteiligt wird, dass sie immer weniger Ruhepausen haben als die Konkurrenz aus den Städten mit B.? Oder vielleicht sind Sie sogar Fan eines Clubs, der viel öfter um 16 Uhr ran muss als die anderen und das in den heissen Monaten Juni und Juli?

Stimmt, Sie mögen etwas Pech haben im Zusammenhang mit Fussball, aber Sie kennen diesen anonymen Sportwettenden aus England noch nicht. Der anonyme Spieler setzte anfangs Saison 10 £ darauf, dass Jesse Lingard vom Fussballclub Manchester United FC in der ganzen PL-Saison kein Tor erzielen und auch keine Vorlage liefern würde. Die Quote lag bei 66/1.

Doch dann brach die 97. Minute an beim Spiel Leicester gegen Manchester United. In seiner 931. Saisonminute gelang Jesse Lingard endlich sein erstes Ligator und der anonyme Wettende verpasste es, 670 £ zu gewinnen.

In den Pokalwettbewerben war Lingard übrigens deutlich erfolgreicher: 16 Einsätze, 2 Tore, 2 Vorlagen.

Foto: Mike Egerton/PA Wire