Archiv für die Kategorie ‘The Home of Football’

Schlechter Stoff

Herr Shearer am Donnerstag den 24. September 2020

Geld sparen beim Trikotkauf!

Sie wissen: Fussballtrikots sind teuer. Jeder Klub bringt zu jeder Saison mindestens zwei neue Versionen raus, und wer ein echter Fan, der muss sie immer alle haben! Auch Alan Cox, er ist Fan der Wolverhampton Wanderers. Diese Mannschaft ist ja neuerdings das Farmteam des Schweizer Rekordmeisters (!) Grasshopper Club Zürich (–> Tschi Si) und dürfte deshalb auch in unserern Breitengraden inzwischen einigermassen bekannt sein.

Also, Alan hat im Internet das neue Auswärtsgewand seiner Herzensmannschaft gesehen und war nicht so erfreut über das, was der Klub unter “urbanem Design” versteht. Aber als er neulich von der Arbeit heimkam und seine Frau dieses  blaue Oberteil trug, da hatte er die zündende Idee – aber schauen Sie selbst!

Das ganze dann natürlich sofort fotografiert, auf Social Media gepostet und irgendwann wurden auch die Wolves darauf aufmerksam. Die nahmen es mit Humor und schnürten gleich ein Geschenkpäckli an ihren treuen Anhänger.

Das sind sowieso glatte Vögel, dort auf der Kommunikationsabteilung: als ein Fan vor etwa sechs Jahren bemängelte, dass auf seinem Trikot das Klublogo falsch herum aufgenäht sei, kriegte er umgehend einen korrekten Ersatz – der Entschuldigungsbrief auf dem offiziellen Briefpapier war ebenfallls kopfüber gedruckt…

Ire im Internet

Briger am Montag den 7. September 2020

Fussballer und Social Media, eine Liebesgeschichte.

Der Ire Matt Doherty wechselt nach 10 Jahren bei Wolverhampton – unterbrochen von zwei kurzen Leihen zu Hibernian Edinburgh und dem Bury FC – zu den Tottenham Hotspurs.

Der 28-jährige ist den Spurs 15 Millionen Pfund wert und doch sind nicht alle in Nordlondon glücklich, denn Doherty ist, wie er in jungen Jahren öfter via Twitter bekanntgab, ein grosser Fan von Tottenhams Erzrivalen Arseanl. Nun, dem muss natürlich Abhilfe geschaffen werden und immerhin entsteht so ein Video für die SoMe-Kanäle der Spurs. Aber schauen Sie selbst.

Eulen entgehen Elend

Briger am Montag den 17. August 2020

Sheffield Wednesday bleibt in der Championship. Dank zu langsamen Liga-Verantwortlichen.

Sheffield Wednesday Besitzer Dejphon Chansiri. Bild: Action Images via Reuters / Jason Cairnduff.

Sheffield Wednesday, Spitzname “The Owls”, gab während der letzten drei Jahre 18 Millionen Pfund mehr aus, als gemäss Financal-Fair-Play-Richtlinien vorgesehen. Die Liga entschied sich nun dem Team aus Yorkshire 12 Punkte abzuziehen. Statt 56 hätte Wednesday so plötzlich nur noch 44 Punkte auf dem Konto und somit 4 Punkte Rückstand auf Charlton Athletic. Der Londoner Club wäre gerettet.

Eine unabängige Untersuchungskommission entschied nun aber, dass die Punkte erst nächste Saison abgezogen werden dürfen, da die English Football League (EFL) zuerst einen falschen Anklagepunkt vorbrachten – die Ligabosse wollten den Club im Zusammenhang mit dem Kauf des Hillsboroughstadions durch Besitzer Djephon Chansiri drankriegen. Dies wurde aber zurückgewiesen und so brachte die Liga die Financialy-Fair-Play-Richtlinien ins Spiel. Zu spät, entschied die Kommission nun. Die Bestrafung in der Saison 2019/20 sei unfair, da der Club gar keine Möglichkeit mehr erhalten hätte, sich sportlich noch zu retten, da die Saison dann schon vorbei war.

Wednesday wird nun mit 12 Punkten Rückstand in die neue Saison starten, es sei denn irgend ein Gericht hebt den Punkteabzug noch auf.

Gerüchten zufolge reagierten die Liga-Verantwortlichen auf die Entscheidung ungefähr so:

Pechvogel

Briger am Montag den 27. Juli 2020

Fussball und Pech, eine never ending story.

Sie denken vielleicht, Sie hätten in Zusammenhang mit Fussball in dieser Saison unglaublich viel Pech gehabt. Vielleicht sind Sie Fan eines Clubs, dessen Torwart sich in der Nachspielzeit der Nachspielzeit beim Penalty zu früh von der Linie bewegt? Dessen Stürmer im Strafraum so theatralisch fällt, dass der Schiedsrichter versehentlich keinen Elfmeter pfeift? Der vom Spielplaner dermassen benachteiligt wird, dass sie immer weniger Ruhepausen haben als die Konkurrenz aus den Städten mit B.? Oder vielleicht sind Sie sogar Fan eines Clubs, der viel öfter um 16 Uhr ran muss als die anderen und das in den heissen Monaten Juni und Juli?

Stimmt, Sie mögen etwas Pech haben im Zusammenhang mit Fussball, aber Sie kennen diesen anonymen Sportwettenden aus England noch nicht. Der anonyme Spieler setzte anfangs Saison 10 £ darauf, dass Jesse Lingard vom Fussballclub Manchester United FC in der ganzen PL-Saison kein Tor erzielen und auch keine Vorlage liefern würde. Die Quote lag bei 66/1.

Doch dann brach die 97. Minute an beim Spiel Leicester gegen Manchester United. In seiner 931. Saisonminute gelang Jesse Lingard endlich sein erstes Ligator und der anonyme Wettende verpasste es, 670 £ zu gewinnen.

In den Pokalwettbewerben war Lingard übrigens deutlich erfolgreicher: 16 Einsätze, 2 Tore, 2 Vorlagen.

Foto: Mike Egerton/PA Wire

Treues Trio

Rrr am Dienstag den 21. Juli 2020

16 Jahre liegen zwischen diesen beiden Bildern.

Richtig, es sind dieselben Fans von Leeds United, die 2004 den Abstieg aus der Premier League verkraften mussten und sich nun über den Wiederaufstieg freuen können: Tom Kershaw mit Schwester Amy und Papa Adrian.

Tom ist heute 29 Jahre alt. Zusammen mit seinem Vater hat er seit 2009 alle Heim- und Auswärtsspiele von Leeds besucht. Und er musste oft leiden, denn Leeds ist auf der Insel der Inbegriff einer riesigen Geldvernichtungsmaschine – quasi der HSV der Engländer.

Besser wurde es erst mit der Ankunft des argentinischen Trainerfuchses Marcelo Bielsa, den die Fans nun als Heilsbringer feiern (ein Porträt können Sie heute im “Bund” lesen). Und auch Tom Kershaw ist “überwältigt, dass wir endlich wieder bei den ganz Grossen mit dabei sind”.

Fans für Fleetwood

Rrr am Dienstag den 7. Juli 2020

BREAKING NEWS: Jean-Pierre Nsame in Basel wieder spielberechtigt – 2 statt 3 Spiesperren nach Unsportlichkeit in Genf


Endlich wieder volle Zuschauerränge!

Die Ultras des FC Fleetwood durften zwar im Aufstiegs-Playoff gegen Wycombe nicht ins Stadion. Ihren Sektor hinter dem Tor bestückten sie aber durchaus lustvoll. Nebst zahlreichen Schaufensterpuppen war auch eine Leihgabe aus dem Erotikmarkt zu Gast.

Genützt hat leider alles nichts. Der Drittligist verlor das Hinspiel daheim mit 1:4.

Der Match könnte übrigens in die Geschichte eingehen als das einzige Geisterspiel, das wegen Pyro unterbrochen werden musste. Ein Fleetwood-Ultra hatte es geschafft, eine Rauchpetarde von ausserhalb des Stadions aufs Spielfeld zu werfen.

Überfällige Anerkennung

Herr Shearer am Donnerstag den 2. Juli 2020

Jetzt geht es hier schon wieder um Denkmäler!

Vor einer Woche berichteten wir hier über die Petition für ein Toby Alderweireld-Statue in Antwerpen; heute geht es um ein gleiches Anliegen, wenn auch um ein wirklich ernsthaftes und lobenswertes.

Jack Leslie spielte von 1921 bis 1935 für den Plymouth Argyle FC und bildete dort zusammen mit Sammy Black das beste Sturmduo dieser Epoche. Zusammen liefen die beiden in 327 Partien auf und erzielten zusammen 319 Tore, von welchen 137 auf Leslies Konto gingen. Logisch – solche Spieler gehören in die Nationalmannschaft. Das Aufgebot für die “Three Lions” erhielt er 1925 für ein Spiel gegen Irland. Als die Zeitungen die Spielerauswahl abdruckten, stand an Leslies Stelle aber plötzlich der Name von Billy Walker (Aston Villa) und er selbst war nur noch als “travelling reserve” aufgeführt. Diese Reise trat er allerdings nicht an. Alles deutet darauf hin, dass einige FA-Verantwortliche herausgefunden hatte, dass Leslie schwarz war. Auch später wurde er nie mehr für ein Länderspiel nominiert. So dauerte es weitere 53 Jahre, bis mit Viv Anderson erstmal ein Spieler schwarzer Hautfarbe das Trikot der englischen Nationalmannschaft überstreifen konnte.

1988 starb Jack Leslie. Nun sammelt eine Gruppe von Plymouth Argyle-Fans Geld, um der Klublegende vor dem Stadion das längst überfällige Denkmal zu errichten. Support dafür erhalten sie auch vom Präsidenten des Klubs. Wenn Sie also auch Geld spenden wollen, dann gehen Sie doch bitte direkt auf die entsprechende Seite. Bei der BBC kriegen Sie übrigens noch weitere Informationen und mit einem Klick hier drauf auch noch ein Video.

Ach ja, einen Erfolg gibt es schon zu verbuchen: ein öffentlicher Platz, welcher bislang Sir John Hawkins gewidmet war, einem Sklavenhändler aus dem 16. Jahrhundert, wird demnächst zu Ehren von Jack Leslie umbenannt.

Foto: Getty Images

Lieder gegen Leere

Herr Winfried am Mittwoch den 17. Juni 2020

In der englischen Premier League wird die gute alte Jukebox aktiviert. Eine Idee zum Nachahmen?

Es ist soweit – heute Abend kehrt auch im Fussball-Mutterland England der Spielbetrieb zurück. Ohne Publikum im Stadion, versteht sich, dafür mit etwas mehr Atmosphäre als befürchtet.

Damit die nominelle Heimmannschaft zumindest einen minimen Vorteil hat, darf sie in “Schlüsselmomenten” Musik ihrer Wahl einspielen lassen. Das gilt einerseits für den Torjubel, andererseits – und viel wichtiger – bei Einwechslungen.

Bevor also der eingewechselte Spieler das Feld betritt, hält ihm der Vierte Offizielle das iPad hin, worauf er über Spotify seinen gewünschten Track wählt. Das Stück erklingt dann in voller Dröhnung aus den Stadionboxen – und soll dem Joker einen psychologischen Vorteil verschaffen.

Ob das Modell auch in der Schweiz Schule machen könnte? Die Swiss Football League hat dazu bisher kein Statement abgegeben. Aber stellen Sie sich nun vor, die Einwechselspieler der berühmten Young Boys hätten einen Liederwunsch frei.

Lässt Herr Hoarau sich selbst trällern? Was wählen die anderen? Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Schrecklicher Schnitzer

Herr Maldini am Dienstag den 16. Juni 2020

Gelb gegen die Wolves wegen Randsports.

Der Sechstplatzierte der Premier League liess sich am Wochenende leider völlig gehen. Verzweifelt, weil ihm der Fussball fehlt, schickte er sein E-Sports-Team auf die virtuelle Rennstrecke an die 24 Stunden von Le Mans. Drei echte Rennfahrer und ein Gamer pilotierten den Wagen mit der Nummer 86 mässig erfolgreich auf den neunzehnten Schlussrang.

Bleibt nur zu hoffen, dass dies ein einmaliger Ausrutscher bleibt. Also nicht der Rang, sondern die Teilnahme. Das könnte vorerst klappen: Am Mittwoch nimmt die Premier League ihren Spielbetrieb wieder auf, die Wolves gastieren am Samstag bei West Ham.

Tigerbalsam

Herr Winfried am Mittwoch den 20. Mai 2020

Bei den Hull City Tigers wird Demut grossgeschrieben. 

Die Fernsehverträge im englischen Fussball garantieren den Clubs bekanntlich gigantische Einnahmen. Auch die Vertreter der zweithöchsten Liga sahnen ordentlich ab. Dass Geld aber nicht alles ist im Leben, demonstriert nun der Hull City F.C.

Eine Gruppe von Hull City Fans. Bild: Hull City F.C.

Ehab Allam. Bild: Hull City

Der englische Fussballverband plant gerade die Fortführung der Saison. Die letzte Tranche der TV-Gelder würde auch den Tigers aus Kingston upon Hull 1,2 Millionen britische Pfund einbringen. Darauf würde der Verein aber gern verzichten – man habe ernsthafte Bedenken, unter den aktuellen Umständen Fussball zu spielen. Der stellvertretende Chairman Ehab Allam fürchtet rechtliche Konsequenzen, falls ein Team- oder Staffmitglied an Covid-19 erkranken sollte.

Die Tabellensituation? Spielt bei der Aussage natürlich absolut gar keine Rolle (Anm. der Red: Hull City liegt in der Championship als 21. derzeit auf einem Abstiegsplatz).

Vielleicht hat Herr Allam ja Glück: In der Premier League haben auf Anordnung der Liga die Tests begonnen – mit einigen positiven (also die Tests) Resultaten. Am gröbsten scheint es Watford erwischt zu haben.

Entsetzliche Endrunde

Herr Maldini am Dienstag den 12. Mai 2020

BREAKING NEWS: 14 Anzeigen nach Ausschreitungen bei YB-Europa-League-Spielen

Angeführt vom Schnauz der Nation erreicht die Schweiz gegen England ein Unentschieden.

Jorge: Vorbild sämtlicher RL-Redaktoren. Bild: Keystone.

Klar, die Rede ist vom Eröffnungsspiel der Europameisterschaft 1996, als die von Artur Jorge gecoachte Nati dem favorisierten Gastgeber ein 1:1 abtrotzt. Unser Redaktor Herr Shearer – unterdessen ist Bern seine zweite Heimat und er spricht fast perfekt Deutsch – trifft in der 23. Spielminute zum 1:0, kurz vor Schluss (83.) gleicht Kubi per Handspenalty aus. Es soll dies der einzige Punkt der Schweizer an diesem Turnier bleiben.

Ein Klick verhilft Ihnen zu einem noch grösseren Erlebnis. Bild: Internet.

Am Turnier dürfen lediglich 16 Nationen teilnehmen, in Erinnerung wird vor allem ein Golden Goal bleiben. Aber weshalb erzähle ich Ihnen das alles eigentlich? Die englische TV-Station ITV, die Sie empfangen sollten, überträgt die EM 96 seit gestern in Ihre Stube. Heute steht Spieltag 2 auf dem Programm: Spanien-Bulgarien (14:00), Deutschland-Tschechien (17:00) und Dänemark-Portugal (20:00).

Super Stadien

Briger am Montag den 4. Mai 2020

Wolverhamptons Molineux ist das beste Stadion der Insel.

Zumindest kommt eine britsche Online-Casino-Website anhand von sieben Kriterien zu diesem Ergebnis.

Bild via Football Tripper

Die sieben Kriterien, bei denen es jeweils 10 Punkte zu holen gab lauteten: Google-Bewertungen, Trip Advisor Bewertungen, Gehdistanz vom nächsten Bahnhof, Bierpreis, Kosten des günstigsten Pies, Saisonkartenpreis und Kosten für eine Stadion-Tour.

Die Wolves gewinnen vor allem dank dem Bierpreis (4 £, rund 4.80 Fr.), dem Pie-Preis (3.10£, rund 3.70 Fr.) (Für Biertalibane, es gibt offenbar zumindest manchmal auch anderes Bier) und dem Preis für die Saisonkarte (ab 493 £ im Billy Wright Lower Stand).

Natürlich war unser England-Sonderkorrespondent ebenfalls schon im Molineux.

Eine unabhängige Expertenkommission des Runden Leders erstellte gestern zudem eine Tabelle für die Schweiz. Hier die ersten beiden Plätze: 1. Stadion Wankdorf, Bern, 2. Stadion Neufeld, Bern.

Und nun noch völlig ohne Kontext weil zeitlos schön, dieses Video: