Archiv für die Kategorie ‘Südamerika’

Heult doch!

Briger am Montag den 19. Februar 2018

Gestern fand das Finale der Taça Guanabara, dem Pokalwettbewerb des Staates Rio de Janeiro, statt.

Das Spiel zwischen Flamengo und Boavista hätte ursprünglich im Estadio Nilton Santos von Botafogo stattfinden sollen. Doch am Samstag vor einer Woche spielten Flamengo und Botafogo im Campeonato Carioca, der Staatsmeisterschaft Rio des Janeiros, gegeneinander. In der 94. Minute traf der 17-jährige Vinicius Junior zum 3:1 und liess sich anschliessend zu diesem Jubel hinreisen:

Foto: Andre Mourao (via Globo Esporte)

Der 17-jährige, der von Real Madrid an seinen Stammverein ausgeliehen ist, zeigte die “Crybaby”-Geste in Richtung der Botafogo-Anhänger. Die Geste wird im Clássico da Rivalidade von den Flamengo-Fans gerne gebraucht, um die Supporter des Gegners zu beleidigen. Das ganze hat natürlich einen historischen Hintergrund. Vor 10 Jahren erschien das gesamte Team von Botafogo nach einer Niederlage gegen Flamengo im TV und beklagte sich über die Leistung des Schiedsrichters:

Vinicius Juniors Geste hat die Verantwortlichen von Botafogo nun dermassen empört, dass sie das Stadion für die gestrige Partie, die ursprünglich im Maracana hätte gespielt werden sollen, nicht freigaben. Im Maracana fand gestern ein Konzert statt.
Botafogo vermeldete zur Absage: “Die Entscheidung wurde nur wegen des respektlosen Torjubels des Gegners getroffen. Er zeigte damit mangelnden Respekt vor der Institution Botafogo.”

Das Spiel musste nun im halb so grossen Estádio Estadual Kléber José de Andrade, in Cariacica, im Nachbarstaat Espírito Santo, ausgetragen werden. Das stört vor allem die Verantwortlichen des 4. Ligisten Boavista aus Saquarema. Denn nun musste statt 100 Kilometer nach Rio, fast 500 Kilometer weit gereist werden. Und eine 0:2-Niederlage gab es auch noch. Vinicius Junior erzielte den zweiten Treffer.

Pyro Pein

Harvest am Mittwoch den 3. Januar 2018

Kinder sollen nicht alleine mit Feuerwerk spielen, das wissen wir alle. Neu ist, dass auch Fussballer nicht ohne Aufsicht damit rumspielen sollten.

Wie üblich besuchte Lucas Viatri, ehemaliger argentinischer Internationaler (3 Länderspiele) und aktuell beim urugayischen Club Peñarol aus Montevideo angestellt, über die Festtage seine Familie in Buenos Aires. Und was wäre so ein Fest, gerade für einen Fussballer, ohne ein bisschen Feuerwerk? Also zündete Viatri eine Feuerwerks-Box mit Raketen, wobei zwei davon nicht die gewünschte Flugbahn einnahmen und ihm Gesicht und beide Augen verletzten (klicken auf eigene Gefahr). Wie lange er ausfällt ist noch unklar, sein Club liess allerdings verlauten, dass ihm Viatri mehrere Monate fehlen könnte.

Von diesem Vorfall nicht abschrecken liess sich einige Tage später der mexikanische Nationalspieler Jürgen Damm. Auch er zündete Feuerwerk und verletzte sich dabei im Gesicht. Eine Rakete, die direkt vor seinem Gesicht explodierte, fügte seiner rechten Gesichtshälfte Verbrennungen ersten Grades zu. Er wird zwar den Beginn der Rückrunde verpassen, doch die WM sollte nicht in Gefahr sein. Diese wird für Damm etwas ganz besonderes, darf der Doppelbürger dort doch gegen Deutschland, die Heimat seines Vaters, antreten.

(Bilder: Olé und Twitter)

Untreuer Uruguayer

Val der Ama am Donnerstag den 28. Dezember 2017

Jetzt hat er ihn, den Weltrekord.

Als Wanderniere, so hat ihn damals deRrr Chef bezeichnet. Damals, als Washington Sebastián Abreu Gallo gerade zum 28. Mal in seiner Karriere den Klub wechselte. Abreu spielte bis zu diesem Zeitpunkt für 23 Klubs, nur der Deutsche Lutz Pfannenstiel hatte zu diesem Zeitpunkt bei mehr Vereinen, nämlich 25, angeheuert.

Schnee von gestern. Der chilenische Verein Audax Italiano ist seit gestern der 26. Verein in der Karriere des Angreifers, der einen Ein-Jahres-Vertrag unterzeichnete. Für so viele verschiedene Klubs hatte zuvor kein anderer Profi gespielt.

Hier, zählen Sie mit: 1996 Defensor Sporting, 1996 CA San Lorenzo, 1998 Deportivo La Coruña, 1998 Grêmio Porto Alegre (Leihe), 1999 UAG Tecos (Leihe), 2000 CA San Lorenzo (Leihe), 2001 Nacional Montevideo (Leihe), 2002 CD Cruz Azul (Leihe), 2003 Club América (Leihe), 2004 Nacional Montevideo, 2005 Dorados de Sinaloa, 2006 CF Monterrey, 2007 Club San Luis, 2007 UANL Tigres, 2008 CA River Plate, 2008 Beitar Jerusalem, 2008 CA River Plate, 2009 Real Sociedad (Leihe), 2009 Aris Thessaloniki, 2010 Botafogo FR, 2012 Figueirense FC, 2013 Nacional Montevideo, 2013 Rosario Central (Leihe), 2015 Nacional Montevideo, 2015 SD Aucas (Leihe), 2015 Nacional Montevideo, 2016 Sol de América, 2016 Santa Tecla Fútbol Club, 2017 Bangu AC, 2017 Central Español, 2017 Deportes Puerto Montt, 2018 Audax Italiano.

Sie sind noch da? Wunderbar, dann sehen Sie sich doch wieder einmal an, warum Sebastian Abreu in seiner Heimat so beliebt ist.

(Bild: soyreferee.com)

Mittendrin, aber nicht dabei

Herr Shearer am Donnerstag den 2. November 2017

Vorsicht beim Sparen!

Die Bombonera in Buenos Aires ist nicht mehr gerade das jüngste Stadion; 1940 eröffnet, hat die Heimstätte der Boca Juniors inzwischen ein stolzes Alter erreicht. Hier und da finden sich also sicher inzwischen Stellen, an denen sich von früher her noch irgendwelche Löcher und Schlitze befinden, die man eigentlich auch hätte zumauern können.

Die Fans von Diego Armando Maradonas Verein gelten als – gelinde ausgedrückt – äusserst begeisterungsfähig, was sich darin manifestiert, dass sie auch mal unter Lebensgefahr an die unmöglichsten Orte klettern. Nicht steil, dafür aber tief ging ein Supporter Bocas am vergangenen Wochenende. Er wollte sich den Eintrittspreis sparen und versuchte, durch ein Loch in einer Mauer ins Innere des Heiligtums zu gelangen.

Doch auf halbem Weg war Schluss, es ging weder vor noch zurück – er steckte fest. Denken Sie einfach an den Wrigley mit dem Ritterhelm damals im Historischen Museum – so ähnlich muss sich das für den armen Kerl angefühlt haben.Was tut man da? Man ruft seine Freunde zu Hilfe, welche vor der Hilfeleistung die Szenerie allerdings zuvor noch bildlich festhielten. So können nun auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, hier ein bisschen über dieses kleine Missgeschick schmunzeln. Die ganze Geschichte dauerte glücklicherweise nur einige Minuten, dann konnte der Boca-Fan mit vereinten Kräften wieder aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Foto: The Sun

Sollte er es anschliessend doch noch rein geschafft haben, dann dürfte ihn das 4:0 seiner Mannschaft über Belgrano immerhin etwas über die erlittene Schmach hinweggetröstet haben…

Der grosse Kater

Rrr am Sonntag den 15. Oktober 2017

Alkohol am Arbeitsplatz: Arturo Vidal steckt in Schwierigkeiten.

Chile hat diese Woche die WM-Qualifikation verpasst, Arturo Vidal war verletzt und musste von München aus mit ansehen, wie Chile in Brasilien 0:3 unterging. Jetzt wird die Schlappe aufgearbeitet, und der streitbare Leithammel Vidal kriegt am meisten Kritik ab. Vor allem wird ihm (nicht zum ersten Mal) vorgeworfen, er schaue gern zu tief ins Glas.

“Ich weiss, dass die meisten sich den Arsch geschoren haben, während andere bloss feiern gingen und wegen Trunkenheit nicht mal trainieren konnten”, twitterte Parda Bravo, die Frau des Goalies. Die Mutter von Claudio Bravo doppelte nach: “Alle Welt weiss, dass Vidal besoffen zum Training kam.”

Verteidiger Gary Medel beteuerte zwar, er habe “nie einen Betrunkenen beim Training gesehen”. Doch das half wenig, denn nun kamen Äusserungen des früheren Nationaltrainers Jorge Sampaoli ans Tageslicht. Manche Spieler denkten “nur an Partys, wenn ich sie berufe”. Vidal sei ein Fall für den Arzt. “Er mag es zu trinken und kontrolliert sich nicht.”

Nach dem WM-Qualifikationsspiel in Lima habe Vidal ihn gebeten, eine Bierflasche öffnen zu dürfen. Das habe Sampaoli abgelehnt – worauf Vidal und andere sich eine Flasche Whiskey besorgten.

Während Chile weiterhin schwer verkatert ist, freut sich der Rest von Südamerika über das Aus, wie unsere Karikatur aus Argentinien zeigt.

(Fotos: Reuters/Twitter)

Finde den Feler (CDXXXV)

Rrr am Sonntag den 8. Oktober 2017

Brasiliens Nationalelf posiert vor dem Spiel gegen Bolivien.

Richtig, es sind zwölf Spieler auf dem Foto. Wenn Sie etwas länger über die Situation nachdenken, werden Sie zur Erkenntnis kommen, dass da zwei Torhüter in die Kamera lächeln. Das ist einer zu viel.

Zoomen Sie nun etwas näher. Jetzt sehen Sie, dass der Goalie im grünen Trikot in der Mitte nicht das brasilianische Verbandswappen trägt, sondern dasjenige Boliviens. Wenn Sie jetzt noch seine Trikotnummer anschauen, dann werden Sie zur Erkenntnis kommen, dass er wahrscheinlich gar nicht Torwart, sondern Stürmer ist.

Genau, es handelt sich um Marcelo Moreno vor seinem 62. Länderspiel für Bolivien. Moreno hat einen brasilianischen Papa und spielte früher für Brasilien; er stürmte in der U18- und U20-Elf. Vor dem Spiel in La Paz luden ihn die alten Freunde der Seleçao auf ihr Mannschaftsfoto ein.

Die Partie endete übrigens 0:0. Egal, Brasilien ist längst qualifiziert und Bolivien sowieso ausgeschieden.

(Foto: Reuters)

Heisse Szenen

Rrr am Sonntag den 24. September 2017

Freistoss im Maracana.

Das berühmteste Stadion der Welt befindet sich in traurigem Zustand: Zwei Jahre nach Olympia ist der Rasen vertrocknet, der Putz bröckelt ab, Fenster sind zerschlagen und etwa 7000 Plastiksitze fehlen.

Grund für die Verwahrlosung ist ein Streit zwischen der Stadion-Betreibergesellschaft und dem Organisationskomitee der Olympischen Spiele. Ein Richter verdonnerte die Betreiber, das Wahrzeichen wieder instand zu setzen. Doch bislang sind keine Bauarbeiter zu sehen.

Dafür tauchten letzten Sonntag ganz andere Arbeitskräfte auf: Eine Porno-Produktionsfirma hatte das Stadion für mehrere Stunden gemietet. Ab 15 Uhr nachmittags trieb es ein Pärchen hinter dem Tor und kam am späten Abend auf der VIP-Tribüne zum Höhepunkt, wenn wir die brasilianischen Medien richtig verstanden haben.

Bilder vom Set tauchten bereits im Netz auf. Die Presse geht davon aus, dass die Betreiber schon bald wieder vor dem Richter erscheinen müssen.

Jetzt wollen Sie natürlich Bilder aus dem Maracana sehen. Hier, bitte sehr:

Foto: SID

Verliebt ins runde Leder

Rrr am Dienstag den 19. September 2017

Dieser Blog geht vor die Hunde.

Beachten Sie besonders das Interview, das der Hund am Schluss der Sequenz gibt. Die Bilder stammen aus Argentiniens oberster Liga (San Lorenzo vs Arsenal, Schlussstand 1:0).

In Peru, in Peru…

Briger am Donnerstag den 7. September 2017

… in den Anden, träumt eine Fussballnation von der ersten WM-Qualifikation seit 35 Jahren.

(Bild: AFP via zimbio.com)

In der südamerikanischen WM-Qualifikation geht es dieses Jahr besonders spannend zu und her. Nicht weniger als sieben von zehn Teams streiten sich zwei Spieltage vor Schluss um die letzten drei verbleibenden direkten Startplätze – Play-Offs gegen Neuseeland winken dem Gruppenfünften.

Während Brasilien mit zehn Punkten Vorsprung auf den Gruppenzweiten Uruguay bereits länger für die WM in Russland planen kann und Venezuela und Bolivien bereits vorzeitig die Segel gestrichen haben, haben Uruguay (27) und Kolumbien (26) momentan die besten Karten. Besonders eng wird es zwischen Peru (24), Argentinien (24), Chile (23), Paraguay (21) und Ecuador (20). Weil Peru vorgestern in Quito mit 2:1 gegen Ecuador gewann und gleichzeitig sowohl Argentinien, 1:1 in Buenos Aires gegen Venezuela, als auch Chile, 0:3 in Santiago gegen Bolivien, ihre Heimspiele verloren, stehen plötzlich die Rojiblanca in der Pole-Position für den vierten direkten Startplatz. Peru, die einzige Mannschaft aus dem Septett, welche im neuen Jahrtausend nie für eine WM qualifiziert war, durfte letztmals 1982 in Spanien an einer Endrunde teilnehmen. Fast dabei waren die Peruaner 1998, als sie nur aufgrund des Torverhältnisses Chile den Vortritt lassen mussten.

In den letzten vier WM-Qualifikationen war das Team aus dem Andenstaat jeweils chancenlos und nie besser platziert als auf Rang 7. Lange sah es auch zu Beginn der aktuellen Kampagne so aus, nach sieben Spieltagen lag Peru mit vier Punkten bereits acht Punkte hinter dem Playoffplatz zurück – später wurde das am 7. Spieltag gegen Bolivien 0:2 verlorene Spiel allerdings in einen 3:0 Forfait-Sieg für die Peruaner umgewandelt. Es folgten fünf Siege, zwei Unentschieden und nur noch zwei Niederlagen – in Chile und gegen Brasilien.

Im Oktober muss Peru noch nach Argentinien reisen, ehe am 11. Oktober dann noch das Heimspiel gegen Kolumbien auf dem Plan steht, wobei die Kolumbianer unter Umständen bereits für die WM qualifiziert sein werden. Die Peruaner haben es somit in den eigenen Füssen, den Traum von der ersten WM-Teilnahme seit 1982 spätestens gegen Neuseeland wahr werden zu lassen.

Rony das Pony

Rrr am Montag den 21. August 2017

BREAKING NEWS: YB muss ohne verletzten Hoarau nach Moskau reisen


Das historische Bild zum Wochenstart. 

Porto Alegre, 1993: Ronaldo de Assis Moreira Junior im Einsatz für die Junioren von Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense.

Berühmt wurde der junge Mann später als Ronaldinho. Erste mediale Aufmerksamkeit zog er mit 13 Jahren auf sich, als er ein Spiel mit einer Schüler-Auswahl 23:0 gewann. Alle 23 Tore schoss Ronaldinho. 

Karriere machte der Mann mit dem markanten Gebiss später bei Barca, PSG und Milan. Wer meint, der 37-jährige Ronaldinho sei längst zurückgetreten, hat recht oder irrt sich – so genau weiss das niemand. Letztes Jahr liess er sich als Futsal-Spieler nach Indien locken. Neulich posierte er mit dem berüchtigten tschetschenischen Republikchef Ramsan Kadyrow, der ihn mit Geld in sein Reich lockte. 

Ronaldinho wurde 2002 Weltmeister und 2005 Fussballer des Jahres. 

Der Fussball geht vor die Hunde

Briger am Dienstag den 1. August 2017

Zumindest in Chile, genauer bei Colo-Colo.

Foto: Colo-Colo/Facebook

Am Sonntag ging die Saison in Chile los. Colo Colo traf dabei auf Antofagasta. Der Heimclub ging in der Sommerpause eine Partnerschaft mit einem lokalen Tierheim ein, der Union de Amigos de los Animales (UAA). Und wer könnte besser auf die Bedürfnisse eines Tierheims aufmerksam machen als die Bewohner selbst? Eben und so liefen die Spieler mit Hunden auf’s Feld. Jeder einzelne kann im lokalen UAA-Hospiz adoptiert werden.

Aber sehen Sie doch gleich selbst die Bewegtbilder:

Und falls es mit den Hunden nicht klappen sollte, Katzen gehen immer!

Was macht eigentlich …

Rrr am Donnerstag den 27. Juli 2017

… Marx Lenin?

Sie haben richtig gelesen, das ist ein und dieselbe Person. Marx Lenin ist 17 Jahre alt und hat soeben seinen ersten Profi-Vertrag bei Flamengo unterschrieben. Bevor Sie fragen: Nein, er spielt nicht am linken Flügel, sondern im zentralen Mittelfeld.

Marx Lenin ist nicht der einzige Brasilianer mit klingendem Namen. Cruzeiro hat sich die Dienste von John Lennon gesichert. Seine Eltern waren Botafogo-Fans, und der Musiker John Lennon hat den Klub bekanntlich 1974 auf einem Plattencover verewigt.

Beim unterklassigen Iporá steht derweil Mahatma Gandhi unter Vertrag. Seine profane Beschäftigung ist ihm wohl selber ein wenig peinlich, weshalb sich der Fussballer einfach Mahatma nennt.

(Foto: Twitter/@iFlamengoNews)