Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Akt der Schwesterlichkeit

Herr Shearer am Montag den 11. Mai 2009

Willkommen zu unserem Abendunterhaltungs-Programm.

Wenn Sie unser Fachorgan stets schön aufmerksam verfolgen, kennen Sie die Protagonisten. Die Melodie sollte Ihnen aus besseren Zeiten des BSC Young Boys Bern auch noch geläufig sein.

Böse Buben

Herr Shearer am Donnerstag den 30. April 2009

Was ist bloss in die argentinischen Balljungen gefahren?

BalljungeTorhüter Gaston Pezzutti vom argentinischen Erstligisten Gimnasia Jujuy wurde letzten Sonntag anlässlich der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft bei River Plate des Feldes verwiesen. Der roten Karte ging ein Techtelmechtel mit dem Balljungen voraus: dieser wollte den Ball in der 90. Minute partout nicht herausrücken. Nachdem er das Spielgerät doch noch erhalten hatte, konnte sich Pezzutti nicht mehr beherrschen und schlug es zurück in Richtung des Jünglings an der Seitenlinie. Der Schiedsrichter mochte sich dieses Theater nicht länger ansehen und zeigte dem Gimnasia-Keeper die rote Karte. Der Lausebengel aus der Juniorenabteilung von River hingegen kam gemäss unserem Korrespondenten ungeschoren davon.

Diese argentinischen Balljungs haben es in dieser Saison faustdick hinter den Ohren. Anfangs dieses Monats ereignete sich bereits ein interessanter Zwischenfall beim Match zwischen Gimnasia La Plata und Estudiantes. Das Heimteam führte zur Pause mit 1:0. In der zweiten Hälfte versteckten die Balljungen von Gimnasia alle Bälle hinter der Trainerbank, was zwangsläufig zu Verzögerungen führte. Allerdings konnte Estudiantes in der Nachspielzeit doch noch den Ausgleichstreffer erzielen. Trotz ihrer trümmligen Taktik erfrechten sich die Gimnasia-Offiziellen nach dem Abpfiff einer Beschwerde an den Schiedsrichter, dass zu lange nachgespielt worden sei.

Sie verlangen jetzt natürlich den Videobeweis. Bitte sehr, klicken Sie einfach auf diesen Link, falls Sie nicht hinter einer Bürofeuermauer sitzen. Bei Minute 3:48 rastet Herr Pezzutti aus.

Paco in der Quarantäne

Herr Pelocorto am Dienstag den 24. März 2009

Den Schiedsrichter sollten Sie nicht treten, nachdem Sie eine Rote Karte erhalten haben. Das wirkt strafverschärfend.

Francisco Paco Esteche, ganz in RotDie bolivianischen Klubs Jorge Wilstermann und Universitario trennten sich am Wochenende 2:2 unentschieden.

Im Zentrum des Spiels stand aber nicht das Ergebnis, sondern die Rote Karte für Francisco Esteche, weil er den Schiedsrichter gestossen hatte.

Aber eigentlich ging es eher um das, was nach dem Platzverweis passierte. ‹Paco› verpasste dem Schiedsrichter nämlich zwei gehörige Tritte ans Schienbein.

Der bolivianische Verband will jetzt hart durchgreifen, Esteche soll für 40 Spiele gesperrt werden.

Das ist in Bolivien keine Premiere, auch in der letzten Saison wurde ein Spieler für 40 Spiele wegen einer Attacke auf einen Schiedsrichter gesperrt – auf den gleichen Mann in Schwarz wie im Fall Esteche …

Quarantäne = 40

Alans Ausrutscher

Herr Shearer am Dienstag den 17. März 2009

Eine Geschichte, in der drei Experten namens Alan vorkommen.

Reden ist Silber. Im Falle der so genannten Fussballexperten oftmals aber nur Blech. Dieselben Experten, welche im Fernsehstudio euphorisch werden, wenn Liverpool Real mit 4:0 abfertigt, warten im richtigen Leben noch auf das überhaupt erste Tor der Rückrunde und kämpfen gegen den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Bei anderen ist das Expertieren offenbar die derzeit einzige Erwerbsquelle. Zu dieser Gruppe gehört auch Alan Pardew, seit dem 22. November letzten Jahres Ex-Trainer von Charlton Athletic. Er durfte am letzten Wochenende im Studio der BBC zusammen mit Moderator Adrian Chiles und Co-Experte Alan Hansen die Sonntagsspiele der Premier League kommentieren. Dabei leistete er sich einen Ausrutscher, welcher der staatlichen BBC diverse Beschwerden eintrug. Ein robustes Tackling des Chelsea-Spielers Mickaël Essien an Ched Evans von Manchester City taxierte Pardew mit den Worten: „er vergewaltigt ihn“.

Falsche Worte zur falschen Zeit. Denn derzeit beschäftigt der Fall des Sexualverbrechers John Worboys die englische Gesellschaft. Der Taxifahrer soll bis zu 85 Frauen, vornehmlich Fahrgäste, vergewaltigt haben.

Eine Sprecherin der BBC hat sich nun im Namen von Alan Pardew entschuldigt. Vielleicht braucht der allerdings wieder mal einen Termin bei einem Medienberater. Einen solchen hatte er vor gut zwei Jahren schon einmal, als er noch bei West Ham United angestellt war. Dort bezeichnete er vor laufenden Kameras die Fans des eigenen Vereins als „A********r, die sich v*******n sollen“. Und das haben wir jetzt noch freundlich übersetzt.

So bald dürfte er nach dem neuerlichen verbalen Ausrutscher aber nicht mehr auf den Bildschirm zurückkehren. Das wiederum freut die Fans: Der Platz neben Alan Hansen gehört nämlich tradionellerweise einzig und allein dem legendären Alan Shearer. Ein Experte bei MOTD, der zum Vornamen nicht Alan heisst? Undenkbar!

Falls Sie nicht hinter der Büro-Firewall sitzen, können Sie hier noch eine Bildokumentation einsehen.

Sch(leich)we(r)bender Schwabe

Herr Shearer am Dienstag den 10. März 2009

Mario Gomez kriegt eventuell Ärger mit dem Verband.

Warum? Weil der deutsche Nationalstürmer mit spanischen Wurzeln sein 25. Tor der Saison mit einem noch nie gesehenen Torjubel feierte: er öffnete eine imaginäre Büchse, nahm einen ebenso imaginären Schluck und machte anschliessend mit seinen Armen Flügelschläge.

Nun ist es so, das der Stuttgarter vor einigen Monaten eine “Zusammenarbeit” mit einem österreichischen Produzenten äusserst zuckerhaltiger Limonaden eingegangen ist. Die Vertragsdetails sind uns leider nicht bekannt; trotzdem dürfte diese Geste ziemlich eindeutig sein. Der DFB klärt ab, ob Gomez gegen die Regeln verstossen hat und gebüsst werden muss. Sein Berater Uli Ferber sieht aber keine Spur von Schleichwerbung:

“Er hat mir gesagt, dass er sich fühle, als hätte er Flügel.”

Ach so. Nichts also mit Werbung für Limonaden mit Ingredienzen aus Stierentestikeln. Dann ist ja gut. Das Zeugs ist nämlich klebrig, überzuckert und für Sportler gänzlich ungeeignet.

Es gibt auch noch anderes zu berichten aus ebendiesem Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und der Borussia aus Dortmund (Schlussresultat 2:1): Das 1:0 durch den Brasilianer Elson war das 43’000. Bundesligator.

Kunterbuntes Kartenspiel

Herr Shearer am Dienstag den 24. Februar 2009

Der Fussball könnte ein gutes Stück bunter werden.

Die italienischen Fussballer werden zu Testkaninchen: an ihnen soll die Wirkung der orangen Karte in einem gross angelegten Feldversuch ausprobiert werden. Der oberste italienische Schiedsrichter, Pierluigi Collina, hat dazu seinen Segen gegeben.

Sie fragen sich nun sicher, welche Sanktion ein Fussballer zu gewärtigen hat, dem eine solche Karte gezeigt wird. Jetzt wird’s leider randsportig: als Halblösung zwischen einer Verwarnung und einem Platzverweis muss der fehlbare Spieler eine Zeitstrafe absitzen. Wie lange ein Spieler vom Geschehen ausgeschlossen wird, steht noch nicht fest. Ebenfalls noch nicht geregelt ist die Sache mit dem Torhüter.

Die allererste Karte konnte übrigens der Chefredaktor des führenden Fussballfachblogs “Zum Runden Leder” entgegennehmen. Die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben!

Fliegender Figaro

Herr Shearer am Samstag den 21. Februar 2009

Britische Friseure taugen nichts – sagt Julia Arschavin.

An die gepflegte Haartracht ihres Mannes Andrei darf auf alle Fälle kein Londoner Coiffeur ran. Frau Arschavin misstraut den Künsten der insulanischen Haarschneider. Den Haupthaarschnitt am Kopf des neuen Arsenal-Stars erledigt somit auch weiterhin Denis Volkov aus St. Petersburg.

Andrei Arshavin (Arsenal FC), welcher auch Kleider designt und Frauen das Autofahren verbieten möchte, wird Volkov dazu jedesmal aus Russland einfliegen lassen.

Was die Umwelt dazu sagt? Deren Begeisterung düfte sich in Grenzen halten. Gemäss unseren Berechnungen fallen auf dieser Flugstrecke pro Person ca. 1.11 Tonnen CO2 an. Wir hoffen, dass Herr Arshavin seinem Friseur nicht nur das Flugbillet berappt, sondern auch noch den entsprechenden Klimaablass leistet…

Schlimme Entgleisung

Rrr am Sonntag den 8. Februar 2009

In unserer Serie “Unfug abseits des Kunstrasens” präsentieren wir Ihnen heute den Pressebeauftragten S. S. aus I.

Herr S. S. liess sich gestern auf der Pressetribüne zu einer unentschuldbaren Entgleisung hinreissen, die wir bildlich dokumentiert haben. Der bewährte Rundes Leder Schiedsrichter HeRrr99 zeigte Herrn S. S. für dieses schändliche Vergehen umgehend die rote Karte, worauf der Fehlbare das Match YB-Basel in der 87. Minute beim Stand von 2:2 verlassen musste.

Herr S. S. muss eine Disziplinarstrafe nicht unter vier Monaten gewärtigen.

Grosser Fahndungserfolg

Herr Shearer am Freitag den 16. Januar 2009

Es folgt eine dringende Medienmitteilung der Polizei.

Sie erinnern sich wohl kaum: Letztes Wochenende baten wir Sie um keinerlei Mithilfe bei der Aufklärung eines mysteriösen Falles. Dementsprechend ist auch kein einziger sachdienlicher Hinweis aus unserer Leserschaft eingegangen.

Dank eines Artikels in der Westschweizer Presse konnte die Sonderkommission unter der Leitung von Wachtmeister Schärer diesen Fall trotzdem aufklären. Bereits gestern wurde der Schuldige gefasst.

Es handelt sich um einen Wiederholungstäter argentinischer Herkunft, welcher bereits zuvor wegen Spielmanipulationen auffällig geworden war. Nach Aussage der britischen Behörde wurde der Delinquent inzwischen in seine Heimat ausgeschafft.

Kantonspolizei und Interpol bitten Sie in diesem Sinn, auch in Zukunft die Augen offenzuhalten – zum Wohle von uns Allen. Besten Dank.

Wales weg (II)

Herr Pelocorto am Samstag den 6. Dezember 2008

Was macht eigentlich Vinnie Jones, der ehemalige Captain der walisischen Nationalmannschaft?

Vinnie – Ich reisse dir das Ohr ab – JonesDie Jüngeren unter Ihnen kennen Herrn Jones aus Filmen wie Lock, Stock and Two Smoking Barrels, Snatch, Gone in Sixty Seconds oder X-Men: The Last Stand. Die Älteren wissen noch um seine Fussballkarriere.

Gestern wurde Herr Jones in einer Bar etwas unwirsch auf eine seiner Filmrollen angesprochen. Jones («Ich habe eine kurze Zündschnur») brauste auf und wurde handgreiflich. Der andere Gast bekam es mit der Angst zu tun und warf Jones sein Glas ins Gesicht. Blut überall. Auf der Toilette beim Blutabwischen hat sich Jones den Kollegen des Gastes vorgeknöpft.

Fazit des Abends: Jones wurde zuerst im Spital verarztet und dann unter Arrest gestellt.

Dass Herr Jones nichts anbrennen lässt, ist bekannt. Er hält immer noch den Rekord für die schnellste Gelbe Karte (3 Sekunden nach Anpfiff), wurde in seiner Karriere zwölfmal vom Platz gestellt und ist auch sonst nicht als ausgeprägter Fussballkünstler aufgefallen.

Geliebter Frisurenpolizist

Herr Shearer am Donnerstag den 23. Oktober 2008

Kim Jong-Il ist zurück. Und er greift durch. Ja, Sie sind immer noch in einem Fussballblog.

Falls Sie zwischendurch Zeit haben, sich neben Fussball auch noch ein bisschen für Politik zu interessieren, haben Sie es sicher am Rande mitgekriegt: Nordkoreas “geliebter Führer” Kim Jong-Il ist vor ein paar Wochen wieder aufgetaucht.

verlebter Führer=Nachdem der Staatspräsident / Diktator / Tyrann / Despot an den Feierlichkeiten anlässlich des sechzigsten Geburtstages der Demokratischen Volksrepublik Korea nicht gesichtet wurde, spekulierten Journalisten im feindlichen Ausland bereits über sein Ableben. Doch am 4. Oktober wurde er wieder in freier Wildbahn gesichtet: an der Kim-Il-sung-Universität in Pjöngjang. Als Zuschauer bei einem Fussballspiel zwischen einer Auswahl eben dieser, nach seinem Vater selig benannten Lehranstalt, und der örtlichen Eisenbahner-Akademie.

Und was Kim Jong-Il dort zu sehen bekam, bereitete ihm gar keine Freude. Über die Qualität des Spiels ist zwar nichts überliefert, aber etwas anderes trieb dem Staatspräsidenten / Diktatoren / Tyrannen / Despoten offenbar die Zornesröte ins Gesicht: langhaarige Fussballer!

Und was ein rechter Diktator ist, der greift durch. Nordkoreas Männern wurde das Tragen von langem Haar verboten. Nicht nur Fussballern. Umgehend wurde an den Arbeitsplätzen eine Bekanntmachung* angeschlagen, welche das Volk über die Massnahme informierte. Bereits kurz darauf wurden an der Kim-Il-Sung-Universität strenge Kontrollen durchgeführt. Nicht von der Schere bedroht sind auf alle Fälle jene Fussballer, die sich noch rechtzeitig ins Ausland absetzen konnten. Oder ausgewiesen wurden?

*Ein analoges Verbot besteht übrigens auch in den Redaktionsräumen des schweizerischen Fussballfachblogs “zum runden Leder”.

Coco the Clown

Herr Shearer am Dienstag den 30. September 2008

Der Ire Joe Kinnear war bis vor kurzem arbeitslos.

Letzte Woche hat er einen temporären Job gekriegt. Herr Kinnear ist nämlich ausgebildeter Fussballtrainer. Und im Nordosten Englands, beim Newcastle United Football Club, war wieder mal eine Stelle frei, und weil die sonst keiner wollte, musste er ran.

Clownparade

Die Stelle ist bis Ende Oktober befristet, also für etwa sechs Spiele. Letzten Samstag, bei der 1:2-Niederlage gegen die Blackburn Rovers, sollte Kinnear zum ersten Mal auf der Trainerbank Platz nehmen. Hätte er auch gerne – durfte er aber nicht. An seinem letzten Arbeitsplatz, bei Nottingham Forest, bezeichnete er während seines Abschiedsspiels gegen Gillingham den Schiedsrichter als „Coco the Clown“ (sinngemäss: dummer August).

Da es die FA nicht gerne hat, wenn der Referee nicht respektiert wird, wurde Kinnear mit zwei Spielsperren belegt. Und die muss er nun bei seinem kurzen Gastspiel in Newcastle absitzen. Respektive in Liverpool, wo am nächsten Wochenende das Spiel gegen Everton ansteht.

Sein Arbeitgeber wurde erst am Freitag auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Joe Kinnear war nämlich der Meinung, dass die Strafe nach zwei Jahren verjährt sei. Denkste – das Urteil ist doppelt so lange gültig.

Nun, während seines laufenden Gastspiels wird Herr Kinnear garantiert noch auf ganz viele Clowns und Komödianten treffen…