Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Arglistige Aktion

Herr Shearer am Donnerstag den 16. Juni 2022

Noch 158 mal schlafen, dann können Sie endlich die WM in Katar boykottieren!

Bildquelle: l’equipe

Die Besucher:innen des Nations-League-Spiels zwischen Frankreich und Kroatien wurden letzten Sonntag durch Sprayereien am Stade de France an unhaltbaren Zustände und die Missachtung von Menschenrechten im Golfstaat erinnert, an den die FIFA die WM 2022 verkauft hat. Die Botschaften kommen vom Kollektiv “Carton rouge pour le Qatar”, dessen Website Sie auf keinen Fall anklicken sollten, denn darauf finden sich sehr verwerfliche Anstiftungen zu nur teilweise legalen Aktionen.

Möglicherweise haben aber Christian Eriksen, Harry Kane und Hugo Lloris die Seite besucht. Die drei Profis sollen sich tatsächlich überlegen, diesen Winter in Katar offen gegen die Missstände zu protestieren. “Wichtig ist es, gemeinsam etwas zu machen. Ich denke, das würde uns in eine gewisse Machtposition bringen”, so Harry Kane, 50-facher englischer Torschütze.

Wer die harte Arbeit der FIFA-Funktionäre, so ein Turnier auf die Beine zu stellen, würdigen will, lässt sich natürlich von solchen Miesepetern nicht den Spass am Fussball verderben. Alle anderen sollen halt Ihren Fernseher zwischen dem 21. November und dem 18. Dezember nicht einschalten. So einfach ist das!

 

Strenge Sanktionen

Val der Ama am Donnerstag den 9. Juni 2022

In Südafrika.

Jetzt mal ehrlich: Als die beiden Rivalen Matiyasi FC (in Rot) und Shivulani Dangerous Tigers Ende Mai um den Titel kämpften, da gab es schon ein paar sonderbare Begebenheiten, das ist Ihnen bestimmt auch aufgefallen.

Zwar traut man es den Tigers zu, dass sie an einem guten Tag die Kotoko Happy Boys auch mal mit 33:1 schlagen können, aber der 59:1-Sieg von Matiyasi über die drittplatzierten Nsami Mighty Birds? Seltsam.

Nun denn. Während der Fussballverband immer noch aufklärt, wer sich denn da genau gegen wen verbündet hat, sind die ersten Strafen gestern bekannt geworden: Ein paar Vereinsoffizielle fassten Sperren zwischen fünf und acht Jahren, während die jeweiligen Schiedsrichter ganze zehn Jahre nicht mehr pfeifen wurden.

Aber da kommt noch mehr, weil zum Beispiel die Spieler der Kotoko Happys Boys, die haben bei der 1:33-Niederlage einfach das Spielfeld verlassen. Oder schlimm auch die Kollegen bei den Nsami Mighty Birds, die haben bei der 1:59-Niederlage immerhin 41 Eigentore erzielt.

Trotz aller Bemühungen zählten die Tore letztlich wenig. Der Verein Gawula Classic, der die Liga als Vierter abschloss, wurde zum Sieger der südafrikanischen Region Mopani erklärt.

(Bilder: Facebook)

Verschiedene Vorwände

Herr Shearer am Donnerstag den 19. Mai 2022

Miese Masche mit Mitleid!

Das Phänomen ist seit einigen Jahren bekannt: Kinder im Stadion versuchen mit mehr oder weniger aufwändig gestalteten Plakaten, von ihren Idolen ein Trikot zu ergattern. Noch besser als so ein Original-Leibchen ist nur noch selbiges mit einer Unterschrift drauf. So eines wollte auch der kleine Lucas, Fan des französischen Drittligisten Bourg-en-Bresse und schwer an Leukämie erkrankt. Seine Eltern drehten darum ein herzerweichendes Video, mit dem sie sich an den Verein wandten. Dem Wunsch kam man dort gerne nach und veröffentlichte dazu auch gleich wiederum ein Video auf Twitter. Denn Publicity mit Charity immer gut!

Symbolbild (Screenshot www.twitter.com/CAMPNOU31)

Das sah der Medienchef von Quevilly-Rouen, und der wurde stutzig: hatte nicht bei ihm grad neulich auch ein kleiner Lucas um ein signiertes Shirt gebeten? Tatsächlich, aber da litt der Junge an einer schweren Herzkrankheit. Auf seinen Antworttweet wiederum meldeten sich Kolleginnen aus Chambly und Auxerre – gleiche Anfrage, gleicher Bub, andere Krankheiten.Bourg-en-Bresse hat den Tweet mit dem Video inzwischen gelöscht. Wir wünschen Lucas derweil gute Genesung, von was auch immer. Vor allem aber seinen Eltern.

Totti tobt

Val der Ama am Donnerstag den 28. April 2022

BREAKING NEWS: Miralem Sulejmani verlässt YB im Sommer

Im Ruhestand, aber alles andere als entspannt.

Francesco Totti mag sich zwar aus dem Profifussball zurückgezogen haben, aber seine Leidenschaft, die lässt nicht so schnell nach – vor allem, wenn es um die Rivalität mit Lazio geht.

Es gibt in Italien so einen Fussballwettbewerb, da spielen Mannschaften mit jeweils acht Spielern und neulich war da ein Spiel, bei dem eine Mannschaft von Lazio gegen den Totti Sporting Club antrat.

Lazio gewann mit 4:2, das Spiel wurde aber von einer Schlägerei zwischen mehreren Spielern überschattet, an der Totti massgeblich beteiligt war, indem er einem Gegenspieler (übrigens dem, der drei Tore erzielte) ins Gesicht schlug.

Die Situation entspannte sich jedoch recht schnell und das Spiel konnte zu Ende gespielt werden.

(Bild: Getty)

#NOTMETONS

Val der Ama am Freitag den 22. April 2022

Rassisten raus.

Sie haben es bestimmt mitbekommen, dass sich die meisten Fussballvereine gegen Rassismus engagieren. Kampagnen, Trikots, Stadionverbote und anderes mehr. Nützen tut es oft, aber leider nicht immer.

Dies hat auch der Club Brügge erkannt und die Stellungnahme ist recht konkret: “Wir sehen das so: Wenn du rassistische Bemerkungen machst, gehörst du nicht zu unserer Familie, du gehörst nicht zu uns. Und wir nehmen es nicht mehr hin, wir melden es. Nicht. Mit. Uns.”

Ab sofort ist auf jedem Sitz ein QR-Code zu finden. Zuschauer, die rassistisches/diskriminierendes Verhalten bemerken, die können den dann scannen und schon eilen speziell geschulte Ordner daher und diese tun dann, was sie unbedingt tun sollten. Gut.

Unlängst in Uruguay

Herr Winfried am Mittwoch den 23. März 2022

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Sehr geehrter Dr. Rüdisühli. Ich bin im Internet auf ein Telegramm gestossen, das ich mir nur schwerlich erklären kann. Ich glaube, es stammt aus dem fernen Uruguay. So viele Rote Karten – und dann alle in der Nachspielzeit? Auf dem YouTube gibt es zwar etwas an, wenn ich das Spiel “Wanderers gegen Nacional” eingebe. Aber da sind nur Typen, die mir irgendwas erklären, und keine buspere Fernsehzusammenfassung. Können Sie weiterhelfen? Herzlich, Hanspeter v. A. aus Toffen

Lieber Herr v. A., ein interessantes Spiel! Also, das ging so: Es war ein Duell zweier Stadtrivalen aus der uruguayischen Hauptstadt Montevideo. Kurz vor Ablauf der 90 Minuten erzielten die Wanderers durch Hernández González das 2:1, dieser feierte das Tor mit einer grenzwertigen Pistolengeste. Es folgte die bestens bekannte Rudelbildung, aber das Rudel wollte sich (entgegen unserer Gewohnheit) nicht mehr auflösen. Dann gab es rote Karten à gogo: wegen der deplatzierten Jubelgeste, wegen zu heftigen Reklamierens dagegen – und wegen Gewalteinsatzes auch noch. Später glich Nacional noch aus, und das Spiel endete 2:2.

Wenn Sie es nachschauen wollen, bitte sehr! Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli

Voll viele Feldverweise

Herr Maldini am Dienstag den 8. Februar 2022

Was ist bloss in der Serie A los?

Quelle: Google.

In der Liga, in der Stars wie Jean-Pierre Nsame, Michel Aebischer, Silvan Hefti und Denis Zakaria spielen, regnet es in dieser Saison recht häufig rote Karten. Insgesamt 63 Mal zückten die Unparteiischen in 24 Spieltagen bislang den roten Karton. Das ist ziemlich viel, wenn Sie bedenken, dass es in der gesamten letzten Saison (38 Spieltage) total 66 Platzverweise gegeben hatte.

Fiorentina musste bereits 7x in Unterzahl zu Ende spielen, während ligaweit einzig der Leader Inter nicht sündigte. Nicolò Zaniolo (Roma), Theo Hernandez (AC Mailand) und Roberto Soriano (Bologna) wurden jeweils zweimal des Feldes verwiesen.

Woran könnte diese Kartenflut zurückzuführen sein? Wir wissen es nicht.

Was wir hingegen wissen: In der Super League liegt in der Rote-Karten-Statistik St. Gallen in Führung (5x), dicht gefolgt von Lausanne (4x) und dem Duo YB/Luzern (je 3x). Schadlos blieb bisher einzig Lugano.

Toxischer Transfer

Herr Shearer am Donnerstag den 3. Februar 2022

BREAKING NEWS:Martins-Ersatz gefunden – Cheikh Niasse (22) wechselt von Lille zu YB

Bei den Raith Rovers laufen die Leute davon. Aus guten Gründen.

Manche Verpflichtungen sind pures Gift, schon bevor sie richtig da sind. Das müssen gerade die Raith Rovers erfahren. Der schottische Zweitligist verpflichtete kürzlich den dreifachen ehemaligen Nationalspieler David Goodwillie, seither prasseln die Proteste nur so auf den Klub aus der Küstenstadt Kirkcaldy nieder. Goodwillie wurde 2017 wegen einer 2011 gemeinschaftlich mit einem anderen Mann begangenen Vergewaltigung zu einer Geldstrafe verurteilt, zwischen 2008 und 2010 musste er sich dazu bereits drei mal wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Foto: SNS  / The Daily Record

Eine der Hauptsponsorinnen des Klubs ist – oder besser war – die Bestseller-Autorin Val McDermid (unser Bild). Sie sponserte auch die Leibchen und gab nach Goodwillies Verpflichtung an, ihr Engagement für ihren lebenslangen Herzensverein sofort einzustellen. Ihre Dauerkarte werde sie zerreissen. Ein unmissverständliches Zeichen setzte auch Tyler Rattray, die Kapitänin des Frauenteams: sie gab per Twitter ihren sofortigen Austritt bekannt.

Auch weitere Mitarbeitende der Raith Rovers haben ihre Posten aus Protest geräumt. Die beiden Frauen erhalten derweil Unterstützung von höchster Stelle für ihre deutlichen Reaktionen. Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon meldete sich zum Fall ebenfalls zu Wort und meinte, dass “unsere Gesellschaft noch einen weiten Weg vor sich hat, um Nulltoleranz gegenüber sexueller Gewalt zu verwirklichen”.

Und wenn dieser Transfer noch so günstig war, so kommt er am Ende dann doch ganz teuer.

Klasse Kollege

Briger am Montag den 29. November 2021

Eine Lumme kommt selten allein.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie drehen das Auswärtsspiel mit Toren in der 88. und 93. Minute und stehen kurz vor dem 3:2-Sieg. Sie geraten mit Ihrem Teamkollegen aneinander. Wie reagieren Sie? Richtig, so wie Patrik Gunnarsson, zur Zeit von Brentford nach Norwegen ausgeliehen. Aber sehen Sie selbst.

Ob der Slowene David Brekalo sich auf der Heimfahrt wieder neben den Isländer gesetzt hat, ist der Redaktion leider nicht bekannt.

Aber nicht nur in Norwegen fliegen die Lummen aktuell tief. Palmeiras Deyverson, Siegtorschütze zum 2:1 gegen Flamengo Rio de Janeiro, weiss genau, wie man in der Nachspielzeit der Verlängerung noch etwas Zeit von der Uhr nehmen kann.

Moulkorb

Herr Winfried am Mittwoch den 10. November 2021

Wir schalten nach Italien: zu einem Schlagabtausch der anderen Sorte.

Manche Journalist*innen stellen doofe Fragen. Und manche Protagonist*innen (wobei in diesem Fallbeispiel das Gendern vermutlich überflüssig ist) geben doofe Antworten. Wer kommt Ihnen spontan in den Sinn?

Bei der zweiten Frage denken Sie vielleicht an Zlatan Ibrahimovic für die Spielergilde, und für die der Trainer möglicherweise an diesen netten Herrn.

Bild via Twitter

Immer wieder kommt es wegen der Fragerei zu Disputen. Der FC Sion boykottierte neulich die Regionalzeitung “Le Nouvelliste”. Dass dies auch andersrum gehen kann, beweist jetzt der italienische Radiosender “Retesport”.

Mourinho faltete den Retesport-Reporter Marco Juric am vergangenen Wochenende gehörig zusammen (die AS Roma verlor in Venedig 2:3). Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: Fortan werde Retesport nicht mehr an den Medienkonferenzen der AS Roma teilnehmen, meldete der Radiosender.

Das Fanportal giallorossi.net veröffentlichte die Stellungnahme und sicherte dem Sender und dessen Reporter seine Solidarität zu.

Der Metzger von Nancy

Rrr am Freitag den 22. Oktober 2021

Ein Mann sieht Rot: Vier Platzverweise in sieben Spielen.

Giovanni Haag vom französischen Zweitligisten Nancy hat einen Rekord aufgestellt, den er nie angestrebt hat. “Ich bin kein bösartiger Spieler”, versichert er.

Es läuft einfach dumm. Auch letzten Samstag wieder beim Spiel gegen Guingamp. “Ich habe zuerst den Ball berührt, ehrlich, auch wenn man es am Fernsehen nicht sieht.” Was man hingegen sah: Haags Gegenspieler musste mit der Bahre abtransportiert werden.

“Der Ref hatte seine Hand an der linken Tasche, er wollte mir also Gelb zeigen”, erinnert sich Haag. “Dann erkannte er mich, denn er hat mich schon neulich vom Platz gestellt. Als er das checkte, zückte er gleich wieder Rot.” Die Medien nennen Haag nun den “Metzger von Nancy”.

Der defensive Mittelfeldmann war bereits in der ersten, vierten und siebten Runde vom Platz geflogen. In der zweiten, sechsten, achten und neunten Runde war er gesperrt, in der zehnten hatte ihn der Trainer nicht aufgeboten. Nun kassierte er drei weitere Spielsperren. Er will sich aber bessern, wie er gegenüber unseren Kollegen von So Foot beteuerte.

Arsanukaevs Ausraster

Val der Ama am Donnerstag den 23. September 2021

Der STRUMA greift durch.

Sie ersehen es oben: Vor nur gerade zwölf Tagen war SPG Göfis/Satteins 1b gegen FC Viktoria 62 Bregenz in der 4. Landesklasse (9. Liga) in Österreich und eventuell hätten wir die Berichterstattung zu diesem Spiel sein lassen, aber es gab da beim Stand von 1:3 eine Szene, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Kurz vor Ende des Spiels deutete der bereits mit Gelb beschenkte Viktoria-Spieler Raschid Arsanukaev einen Kopfstoss an und kassierte dafür umgehend die Gelb-Rote. Der 28-Jährige enervierte sich darob, schrie “ich zeige euch, was strafbar ist” und vollzog den Kopfstoss erneut, aber diesmal richtig. Das Opfer von Arsanukaev musste wegen Nasenbeinbruchs operiert werden und fällt mehrere Wochen verletzt aus. Die Polizei nahm den Vorfall auf und zeigte den Russen bei Gericht an.

Auch der Straf-, Kontroll- und Meldeausschuss (STRUMA) des Vorarlberger Fussballverbandes hat sich darauf der Angelegenheit angenommen und verkündete vorgestern das Urteil: 48 Spielsperren. Viktoria Bregenz hat den Spieler daraufhin entlassen.