Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Besorgniserregende Beweislagen

Herr Winfried am Mittwoch den 7. April 2021

Eigentlich wollte Kevin Grossenbacher nicht SCHON WIEDER arbeiten. Jetzt kann er aber nicht anders.

Ehrenwerte Friends*, Buddies* und Menschen* dieser Erde,

Als Student mit langjähriger Erfahrung in diversen Richtungen sowie Hunderten von ECTS-Punkten (Bologna-System, ihr wisst Bescheid) bin ich bestimmte Belastungssituationen gewohnt. Dass ich nur wenigen Stunden Wochen nach meinem letzten Paper bereits wieder an der Arbeit bin und dieses Manuskript verfasse, das war nicht geplant, schliesslich bin ich tiefkonzentriert an meiner Bachelorarbeit über die Verbrechen der Fischereiwirtschaft.

Nun muss ich aber eine Zwangspause einlegen. Was sich im Fussball jüngst zugetragen hat und noch immer zuträgt, hat meine Gemütslage durcheinandergewirbelt und erschüttert. Gleich zweierlei Vorkommnisse bringen mich um den Schlaf.

Meine eine Hirnhälfte (die linke) ist gedanklich in Spanien. Der Spieler “Juan Cala” hat am vergangenen Sonntag seinen Gegenspieler Mouctar Diakhaby rassistisch beschimpft, ist ungeschoren davongekommen, und jetzt behält er sich das Recht vor, all dies zu bestreiten. Ich habe am virtuellen Anschlagbrett der Uni die Aktionsgruppe “Solidarität mit Mouctar” gegründet – mögen sich möglichst viele Kommiliton*innen anschliessen.

Die andere Hirnhälfte (ebenfalls links denkend) ärgert sich in Berlin – eigentlich eine meiner Lieblingsstädte. Der Torhütertrainer des dort beheimateten Hertha BSC, “Zsolt Petry” hat in einem Interview mit einer ungarischen Zeitung zutiefst homophobe und ausländer*innenfeindliche Äusserungen vollzogen. Der Name Petry – war da nicht was? Meine Mitbewohner*innen berichteten mir jüngst von einem Zusammenhang mit einer politischen Partei in Deutschland.

So oder so – “Zsolt Petry” gehört ebenso sanktioniert wie “Juan Cala”. Denn das sind besorgniserregende Zustände, meine Lieben*!

Solidarische Grüsse
Euer Kevin

Dringend des Duces Dynastie durchbrechen

Herr Winfried am Mittwoch den 3. Februar 2021

Kevin Grossenbacher sendet einen strengen Appell in Richtung Italien.

Sehr geehrter Signore Mattarella,

Ich habe einen wichtigen Hinweis an Sie als Staatspräsident, Demokrat und gestandenen Mann mit geschichtlicher Sensibilität. So kann das unmöglich weitergehen. Nein, ich spreche nicht von Ihrer Regierung und den mediokren Ränkespielen, die sich jüngst zugetragen haben. Ich spreche von keiner geringeren Strömung als dem Neofaschismus – und bin dezidiert der Meinung, dass in Ihrem stolzen Land Tendenzen desselben vermehrt auftreten.

Sie, Signore Mattarella, wurden 1941 geboren – mitten in die grässliche Gräuelzeit des faschistischen Diktators Benito Mussolini. Wie ich in diversen Seminaren an der Uni gelernt habe – ich hatte vor meinem Bachelor in Genderfluid-Studien einst mit Geschichte der Neuzeit angefangen -, ist der “Duce” nur vier Jahre nach Ihrer Geburt gestorben. Seine Ideen hallen aber bis heute nach, wie nicht zuletzt seine Nachfahren zeigen. Auf politischer Ebene, das kennen Sie ja, unter anderem mit ihm. Und bestimmt auch ihr.

Nun werden die Verstrickungen aber langsam unerhört. Wiewohl gern behauptet wird, Sport und Politik hätten nichts miteinander zu tun, so muss ich wegen des neuen U-19-Spielers von “Lazio Rom” ausdrücklich meine Erbostheit manifestieren. Wie mir mein*e WG-Mitbewohner*in zugetragen hat, spielt dort jetzt der Filius der oben erwähnten Politikerin, mit Namen Romano Floriani Mussolini. “Lazio Rom”, das ist derjenige Fussballverein mit rechtsextremen Fangruppen, die einst den deutschen Stürmer Miroslav Klose mit Plakaten begrüssten, die eindeutig an die Nazizeit anlehnten. Nun ist genügend Wasser die Aare den Tiber hinunter geflossen. Als Bürger* Europas und dieser Welt erwarte ich, dass Sie gegenüber “Lazio Rom” staatspolitische Sanktionen erwägen. Ansonsten behalte ich mir den Gang vor den Europäischen Gerichtshof der Menschenrechte (EGMR) vor.

Ich danke Ihnen.

 

Messi menschelt meldepflichtig

Herr Maldini am Dienstag den 19. Januar 2021

Herzlich Willkommen zum Familie-Messi-Tag im Runden Leder.

Sie haben es bestimmt mitbekommen: Vorgestern Sonntag wurde Lionel Messi vom Platz gestellt. Es lief die letzte Minute des Supercopa-Finals gegen den Athletic Club aus Bilbao, Barcelon lag 2:3 hinten und das gurkte Messi an. Er wurde gegenüber des Bilben Asier Villalibre tätlich und deswegen vom Platz gestellt.

So nicht, liebe Kinder.

Eine rote Karte ist eigentlich nichts Spezielles, im Falle von Messi aber schon: Es war seine erste im Trikot des FC Barcelona, und das im 753. Spiel. Das Runde Leder gratuliert herzlich.

Messi, der in der Nationalmannschaft bereits zwei rote Karten sammeln durfte – unter anderem nach 60 Sekunden Einsatzzeit in seinem ersten Länderspiel –, ist zwar ein recht guter Fussballer, doch in einen Club wird er es nie schaffen: In den Club der Spieler ohne rote Karten. Dieser hat einige prominente Mitglieder. Ein paar von ihnen seien Ihnen nachfolgend vorgestellt:

Mailänder Müssiggänger

Herr Shearer am Donnerstag den 3. September 2020

Wie sagt man dem Zustand zwischen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit? Fragen Sie Tommaso Berni.

Gut möglich allerdings, dass Ihnen dieser Name nichts sagt. Auch nicht wenn Sie viel italienischen Fussball schauen. Herr Berni war bis vor kurzem der dritte Torhüter bei Inter Milan. Nun endete sein Vertrag beim Meisterschaftszweiten der Serie A und folglich wäre er also wieder zu haben. Das Fachportal Transfermarkt.de veranschlagt den Restwert des 37-jährigen auf 100’000 Franken, falls Sie also einen Klub haben und noch einen Goalie brauchen, rufen Sie doch rasch die Firma Reset Group Srl an, die berät ihn nämlich in so Fragen.

Wie sieht denn der Leistungsausweis von Berni aus, fragen Sie jetzt? Nun, der ist ein bisschen bescheiden. In den vergangenen zwei Jahren stand er nämlich nie mehr in einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten. Das heisst aber nicht, dass er nicht vollen Einsatz gegeben hätte! Gerne legte er sich nämlich mit den Unparteiischen an, was ihm in der abgelaufenen Saison gleich zwei rote Karten mit total drei Spielsperren einbrachte. Sowohl gegen Parma wie auch gegen Cagliari hatte er sich auf der Bank nicht so im Griff. Lustiges Detail: gegen Cagliari hatte er auch – damals noch in Diensten von Sampdoria Genua – seinen letzten Einsatz in einem Ernstkampf. Sie erinnern sich: die 0:1-Heimpleite am 28. Oktober 2012.

Fanden Sie diese Informationen interessant? Dann schalten Sie auch um 13:00 Uhr wieder auf diesen Sender, dann stellen wir Ihnen den nächsten Kurzarbeiter vor!

Foto: Transfermarkt.de

 

 

Klumpenrisiko

Rrr am Samstag den 22. August 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstrasenmatinee.

Auf dem Bild sehen Sie die Schuhe von Essen-Wests Torwart Christian Harmgardt nach dem Spiel gegen Juspo Altenessen. Beim Amateurspiel auf dem Sportplatz an der Bäuminghausstrasse schmolzen Teile des Kunstrasens – schuld war dem Vernehmen nach ungeeignetes Granulat.

Schon vor dem Anpfiff entdeckten die Spieler “grosse schnitzelartige grüne Klumpen” auf dem Platz, wie Harmgardt dem WDR berichtete. Die weiche und klebrige Granulatschicht verklebte die Stollen, so dass der Referee das Spiel zwischendurch fürs Schuheputzen unterbrechen musste.

Die mehrere Zentimeter dicke Granulatschicht unter den Schuhen habe erheblich beim Spiel gestört, sagte Harmgardt. “Wir hatten keinen festen Halt, sind häufig weggerutscht”, erzählt er. Das Verletzungsrisiko sei ohne festen Halt auf dem Kunstrasen enorm hoch gewesen.

Das Kunststoffgranulat soll nun ausgebürstet werden. Vielleicht setzt man künftig auf Kork, was auch ökologischer wäre. Korkgranulat ist zudem hitzeresistent. Andererseits kann es kleinere Probleme bei Starkregen geben, wie sich neulich beim SV Waldhaus am Hochrhein zeigte.

(Wenn Sie aufs Bild klicken, sehen Sie noch bewegende Bewegtbilder)

Roberto und Robert ramponieren Ruf

Herr Maldini am Montag den 20. Juli 2020

Was machen eigentlich Roberto Carlos und Robert Pires?

Sie sehen richtig: Die beiden Herren verdienen sich als Home-Office-Animatoren von Randsportlern einen Batzen dazu. Nicht mit dem Runden Leder! Das gibt natürlich direkt Rot.

Hausgemachte Handgreiflichkeiten

Herr Winfried am Mittwoch den 24. Juni 2020

Keine Fans, keine Gewalt mehr? Nicht mit mir, sagte sich Ahmet Agaoglu.

Die Anhängerinnen und Anhänger des türkischen Erstligisten Trabzonspor mögen es eher nicht zimperlich. Wehe, wer sie zu lange schräg anguckt. Das bewiesen sie auch schon mal bei einem Besuch in der Schweiz.

Das Coronavirus hat die Radaubrüder vorerst aus den Stadien verbannt. “Langweilig!”, dachte sich Trabzonspors Präsident Ahmet Agaoglu. Anlässlich des Auswärtsspiels bei Aytemiz Alanyaspor liess sich Herr Agaoglu derart provozieren, dass er seinen VIP-Sitz verliess und nach unten aufs Feld stürmte.

Agaoglu (ganz in weiss) verliert die Fassung.

Dem Vernehmen nach ging den Tätlichkeiten ein verbaler Streit zwischen Agaoglu und Alanyaspors Präsidenten Hasan Cavusoglu voraus. Nach dem späten Ausgleich habe Cavusoglu mitsamt seiner Entourage die Gegenseite heftig provoziert, ausserdem sprach Agaoglu von “Bildern, von irgendwelchen Sardellen”, die ihm immer wieder gezeigt wurden.

Cavusoglu spricht seinerseits ebenfalls von üblen Beleidigungen. Und er scheint den Grund für die Ausfälligkeiten seines Antipoden zu kennen: „Herr Ahmet Agaoglu roch so sehr nach Alkohol, mir wurde schlecht!“, sagte Cavusoglu nach dem Spiel live im türkischen Fernsehen.

Foul oder Nicht-Foul?

Briger am Montag den 23. Dezember 2019

In unserer beliebten Rubrik schauen wir heute nach Argentinien.

Video via: @RGonzalezCBS

Beim Spiel zwischen Social Atletico Television (SAT) und La Union de Jaguel in der Liga Lujanense de Fútbol in der Provinz Buenos Aires geht Lucas Torres von SAT, sagen wir etwas übermotiviert zu Werke. Beim Stand von 1:4 wird das Spiel danach abgebrochen und Union zum Sieger erklärt.

Torres fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. 2016 hatte er einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis ins Gesicht geschlagen und musste anschliessend von vier Mann gebändigt werden. Damals wurde er für 24 Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Tierische Trägodie

Briger am Montag den 11. November 2019

Heute lernen Sie Ivan Gazdek kennen.

Oben links: die Welt ist noch in Ordnung, oben rechts: Der letale Tritt.
Unten links: das Huhn fliegt, unten rechts: das Huhn fliegt immer noch. Foto via: @JurajVrdoljak

Der junge Mann spielt für das kroatische Team NK Jelengrad in der Sisak-Moslavina-County-Liga. Beim Spiel gegen Jasenovac wurde das Spielfeld zum wiederholten Male von ungebetenen Gästen heimgesucht – Hühnern von einem angrenzenden Bauernhof. Dies brachte Gazdek dermassen in Rage, dass er die Hühnern zu verscheuchen versuchte. Dabei trat er in Richtung der Hühner und traf ein rötliches Huhn dermassen unglücklich, dass das Ferdervieh den Ausflug auf das Spielfeld nicht überlebte. Gazdek entsorgte das tote Tier dann mit einem Wurf über die Spielfeldbegrenzung.

Der Schiedsrichter schickte ihn wegen unsprotlichen Verhaltens vorzeitig unter die Dusche. Gazdek gab nach dem Spiel geknickt zu Protokoll, dass die Hühner ständig aufs Feld rennen würden und ihre Hinterlassenschaften zu unhygienischen Zuständen führten. Er habe die Tiere wegjagen wollen und dann aus Versehen eins mit dem Fuss getroffen. Nach dem Spiel, dass sein Team trotz des Platzverweises mit 8:1 gewann, überreichte er der Besitzerin des verstorbenen Huhns einen Entschuldigungsbrief und kaufte ihr ein Neues.

Er sei, so Gazdek, überdies ein Tierfreund. Nach eigenen Angaben besitzt er einen Hund, zwei Katzen und einen Papagei – dieser ist allerdings vor kurzem verstorben.

Ausdrücklicher Austritt

Herr Maldini am Dienstag den 13. August 2019

Peter Lohmeyer ist sauer. Und zwar richtig. 

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef im Fussballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V., steht seit Anfang August und seinem Referat am “Tag des Handwerks” im Abseits. Der Fleischproduzent hatte in Paderborn zum Thema “Unternehmertum mit Verantwortung” referiert und dabei rassistische Aussagen gemacht. Danach hatte sich Tönnies entschuldigt, sein Amt als Aufsichtratschef lässt er zur Strafe für ganze drei Monate ruhen.

Für Peter Lohmeyer (rechts im Bild) reicht das nicht. Der Schauspieler – er spielte in der vorletzten Bestatter-Staffel den Sektenführer Mankovsky, Sie kennen ihn eventuell auch aus dem sensationellen Film “Das Wunder von Bern” – tritt aus seinem Lieblingsverein aus. “Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger in Frage gestellt, und das macht mich sauer – und traurig!”, sagte Lohmeyer im Interview mit dem Magazin 11 Freunde.

Unzufrieden sind auch die Schalker Fans. Sie zeigten Tönnies vor dem Anpfiff der Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim SV Drochtersen/Assel die Rote Karte”.

Foto: spiegel.de.

Dutzendweise Platzverweise

Herr Shearer am Mittwoch den 3. April 2019

…Hundert an der Zahl, nämlich.

Foto: Goal.com

Besondere Ehre für Manchester Uniteds Ashley Young gestern im Auswärtsspiel in Wolverhampton: der rote Karton, den ihm Schiedsrichter Mike Dean entgegenstreckte, war ein ganz besonderer. Dean hält damit nämlich neu den Rekord für den Unparteiischen, der in der Premier League die meisten Platzverweise ausgesprochen hat.

In dieser Saison ist Dean bereits auf neun roten Karten in 23 Spielen, sein ärgster Verfolger ist Michael Oliver, der die Arschkarte sechs mal zückte. Sein erstes Spiel pfiff Mike Dean am 9. September 2000, als Leicester City auf Southampton traf (1:0)., dort zog er allerdings noch nicht einmal eine gelbe Karte. Seither sind 476 weitere Partien in Englands höchster Spielklasse dazugekommen. Und eben diese hundert Spieler, die vorzeitig unter die Dusche gestellt wurden. Herzliche Gratulation!

Verklickt

Briger am Montag den 18. März 2019

Passen Sie auf, wo Sie auf Instagram hinklicken.

Foto via Foot Mercato

Adrien Rabiot verdient sein Geld beim PSG, aber er spielt momentan nicht mehr, denn er wurde suspendiert.
Bereits länger schwelt der Konflikt zwischen Thomas Tuchel und seinem Spieler. Nun hat Rabiot einen Instagram-Post von Patrice Evra geliked. Der frühere Spieler des Erzrivalen Marseille freut sich darin über das Weiterkommen seines Ex-Clubs Manchester United in Paris.

Zudem wurde Rabiot nach dem Ausscheiden des PSG auch noch in einem Nachtclub gesehen. Letztmals zu einem Kurzeinsatz kam er im Dezember gegen Belgrad (7 Minuten), danach gehörte er nicht einmal mehr zum Kader. Ein Transfer im Winter zu Barcelona zerschlug sich, da der PSG ihn nicht ablösefrei ziehen lassen wollte.

Bis Ende Monat bleibt Rabiot suspendiert, in dieser Zeit darf er das Trainingsgelände nicht betreten. Danach muss er sich mit seinen Vorgesetzten zusammensetzen und es wird über seine Zukunft entschieden.