Archiv für die Kategorie ‘Rote Karte’

Mailänder Müssiggänger

Herr Shearer am Donnerstag den 3. September 2020

Wie sagt man dem Zustand zwischen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit? Fragen Sie Tommaso Berni.

Gut möglich allerdings, dass Ihnen dieser Name nichts sagt. Auch nicht wenn Sie viel italienischen Fussball schauen. Herr Berni war bis vor kurzem der dritte Torhüter bei Inter Milan. Nun endete sein Vertrag beim Meisterschaftszweiten der Serie A und folglich wäre er also wieder zu haben. Das Fachportal Transfermarkt.de veranschlagt den Restwert des 37-jährigen auf 100’000 Franken, falls Sie also einen Klub haben und noch einen Goalie brauchen, rufen Sie doch rasch die Firma Reset Group Srl an, die berät ihn nämlich in so Fragen.

Wie sieht denn der Leistungsausweis von Berni aus, fragen Sie jetzt? Nun, der ist ein bisschen bescheiden. In den vergangenen zwei Jahren stand er nämlich nie mehr in einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten. Das heisst aber nicht, dass er nicht vollen Einsatz gegeben hätte! Gerne legte er sich nämlich mit den Unparteiischen an, was ihm in der abgelaufenen Saison gleich zwei rote Karten mit total drei Spielsperren einbrachte. Sowohl gegen Parma wie auch gegen Cagliari hatte er sich auf der Bank nicht so im Griff. Lustiges Detail: gegen Cagliari hatte er auch – damals noch in Diensten von Sampdoria Genua – seinen letzten Einsatz in einem Ernstkampf. Sie erinnern sich: die 0:1-Heimpleite am 28. Oktober 2012.

Fanden Sie diese Informationen interessant? Dann schalten Sie auch um 13:00 Uhr wieder auf diesen Sender, dann stellen wir Ihnen den nächsten Kurzarbeiter vor!

Foto: Transfermarkt.de

 

 

Klumpenrisiko

Rrr am Samstag den 22. August 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstrasenmatinee.

Auf dem Bild sehen Sie die Schuhe von Essen-Wests Torwart Christian Harmgardt nach dem Spiel gegen Juspo Altenessen. Beim Amateurspiel auf dem Sportplatz an der Bäuminghausstrasse schmolzen Teile des Kunstrasens – schuld war dem Vernehmen nach ungeeignetes Granulat.

Schon vor dem Anpfiff entdeckten die Spieler “grosse schnitzelartige grüne Klumpen” auf dem Platz, wie Harmgardt dem WDR berichtete. Die weiche und klebrige Granulatschicht verklebte die Stollen, so dass der Referee das Spiel zwischendurch fürs Schuheputzen unterbrechen musste.

Die mehrere Zentimeter dicke Granulatschicht unter den Schuhen habe erheblich beim Spiel gestört, sagte Harmgardt. “Wir hatten keinen festen Halt, sind häufig weggerutscht”, erzählt er. Das Verletzungsrisiko sei ohne festen Halt auf dem Kunstrasen enorm hoch gewesen.

Das Kunststoffgranulat soll nun ausgebürstet werden. Vielleicht setzt man künftig auf Kork, was auch ökologischer wäre. Korkgranulat ist zudem hitzeresistent. Andererseits kann es kleinere Probleme bei Starkregen geben, wie sich neulich beim SV Waldhaus am Hochrhein zeigte.

(Wenn Sie aufs Bild klicken, sehen Sie noch bewegende Bewegtbilder)

Roberto und Robert ramponieren Ruf

Herr Maldini am Montag den 20. Juli 2020

Was machen eigentlich Roberto Carlos und Robert Pires?

Sie sehen richtig: Die beiden Herren verdienen sich als Home-Office-Animatoren von Randsportlern einen Batzen dazu. Nicht mit dem Runden Leder! Das gibt natürlich direkt Rot.

Hausgemachte Handgreiflichkeiten

Herr Winfried am Mittwoch den 24. Juni 2020

Keine Fans, keine Gewalt mehr? Nicht mit mir, sagte sich Ahmet Agaoglu.

Die Anhängerinnen und Anhänger des türkischen Erstligisten Trabzonspor mögen es eher nicht zimperlich. Wehe, wer sie zu lange schräg anguckt. Das bewiesen sie auch schon mal bei einem Besuch in der Schweiz.

Das Coronavirus hat die Radaubrüder vorerst aus den Stadien verbannt. “Langweilig!”, dachte sich Trabzonspors Präsident Ahmet Agaoglu. Anlässlich des Auswärtsspiels bei Aytemiz Alanyaspor liess sich Herr Agaoglu derart provozieren, dass er seinen VIP-Sitz verliess und nach unten aufs Feld stürmte.

Agaoglu (ganz in weiss) verliert die Fassung.

Dem Vernehmen nach ging den Tätlichkeiten ein verbaler Streit zwischen Agaoglu und Alanyaspors Präsidenten Hasan Cavusoglu voraus. Nach dem späten Ausgleich habe Cavusoglu mitsamt seiner Entourage die Gegenseite heftig provoziert, ausserdem sprach Agaoglu von “Bildern, von irgendwelchen Sardellen”, die ihm immer wieder gezeigt wurden.

Cavusoglu spricht seinerseits ebenfalls von üblen Beleidigungen. Und er scheint den Grund für die Ausfälligkeiten seines Antipoden zu kennen: „Herr Ahmet Agaoglu roch so sehr nach Alkohol, mir wurde schlecht!“, sagte Cavusoglu nach dem Spiel live im türkischen Fernsehen.

Foul oder Nicht-Foul?

Briger am Montag den 23. Dezember 2019

In unserer beliebten Rubrik schauen wir heute nach Argentinien.

Video via: @RGonzalezCBS

Beim Spiel zwischen Social Atletico Television (SAT) und La Union de Jaguel in der Liga Lujanense de Fútbol in der Provinz Buenos Aires geht Lucas Torres von SAT, sagen wir etwas übermotiviert zu Werke. Beim Stand von 1:4 wird das Spiel danach abgebrochen und Union zum Sieger erklärt.

Torres fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. 2016 hatte er einen Schiedsrichter nach einem Platzverweis ins Gesicht geschlagen und musste anschliessend von vier Mann gebändigt werden. Damals wurde er für 24 Spiele aus dem Verkehr gezogen.

Tierische Trägodie

Briger am Montag den 11. November 2019

Heute lernen Sie Ivan Gazdek kennen.

Oben links: die Welt ist noch in Ordnung, oben rechts: Der letale Tritt.
Unten links: das Huhn fliegt, unten rechts: das Huhn fliegt immer noch. Foto via: @JurajVrdoljak

Der junge Mann spielt für das kroatische Team NK Jelengrad in der Sisak-Moslavina-County-Liga. Beim Spiel gegen Jasenovac wurde das Spielfeld zum wiederholten Male von ungebetenen Gästen heimgesucht – Hühnern von einem angrenzenden Bauernhof. Dies brachte Gazdek dermassen in Rage, dass er die Hühnern zu verscheuchen versuchte. Dabei trat er in Richtung der Hühner und traf ein rötliches Huhn dermassen unglücklich, dass das Ferdervieh den Ausflug auf das Spielfeld nicht überlebte. Gazdek entsorgte das tote Tier dann mit einem Wurf über die Spielfeldbegrenzung.

Der Schiedsrichter schickte ihn wegen unsprotlichen Verhaltens vorzeitig unter die Dusche. Gazdek gab nach dem Spiel geknickt zu Protokoll, dass die Hühner ständig aufs Feld rennen würden und ihre Hinterlassenschaften zu unhygienischen Zuständen führten. Er habe die Tiere wegjagen wollen und dann aus Versehen eins mit dem Fuss getroffen. Nach dem Spiel, dass sein Team trotz des Platzverweises mit 8:1 gewann, überreichte er der Besitzerin des verstorbenen Huhns einen Entschuldigungsbrief und kaufte ihr ein Neues.

Er sei, so Gazdek, überdies ein Tierfreund. Nach eigenen Angaben besitzt er einen Hund, zwei Katzen und einen Papagei – dieser ist allerdings vor kurzem verstorben.

Ausdrücklicher Austritt

Herr Maldini am Dienstag den 13. August 2019

Peter Lohmeyer ist sauer. Und zwar richtig. 

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef im Fussballclub Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V., steht seit Anfang August und seinem Referat am “Tag des Handwerks” im Abseits. Der Fleischproduzent hatte in Paderborn zum Thema “Unternehmertum mit Verantwortung” referiert und dabei rassistische Aussagen gemacht. Danach hatte sich Tönnies entschuldigt, sein Amt als Aufsichtratschef lässt er zur Strafe für ganze drei Monate ruhen.

Für Peter Lohmeyer (rechts im Bild) reicht das nicht. Der Schauspieler – er spielte in der vorletzten Bestatter-Staffel den Sektenführer Mankovsky, Sie kennen ihn eventuell auch aus dem sensationellen Film “Das Wunder von Bern” – tritt aus seinem Lieblingsverein aus. “Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger in Frage gestellt, und das macht mich sauer – und traurig!”, sagte Lohmeyer im Interview mit dem Magazin 11 Freunde.

Unzufrieden sind auch die Schalker Fans. Sie zeigten Tönnies vor dem Anpfiff der Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim SV Drochtersen/Assel die Rote Karte”.

Foto: spiegel.de.

Dutzendweise Platzverweise

Herr Shearer am Mittwoch den 3. April 2019

…Hundert an der Zahl, nämlich.

Foto: Goal.com

Besondere Ehre für Manchester Uniteds Ashley Young gestern im Auswärtsspiel in Wolverhampton: der rote Karton, den ihm Schiedsrichter Mike Dean entgegenstreckte, war ein ganz besonderer. Dean hält damit nämlich neu den Rekord für den Unparteiischen, der in der Premier League die meisten Platzverweise ausgesprochen hat.

In dieser Saison ist Dean bereits auf neun roten Karten in 23 Spielen, sein ärgster Verfolger ist Michael Oliver, der die Arschkarte sechs mal zückte. Sein erstes Spiel pfiff Mike Dean am 9. September 2000, als Leicester City auf Southampton traf (1:0)., dort zog er allerdings noch nicht einmal eine gelbe Karte. Seither sind 476 weitere Partien in Englands höchster Spielklasse dazugekommen. Und eben diese hundert Spieler, die vorzeitig unter die Dusche gestellt wurden. Herzliche Gratulation!

Verklickt

Briger am Montag den 18. März 2019

Passen Sie auf, wo Sie auf Instagram hinklicken.

Foto via Foot Mercato

Adrien Rabiot verdient sein Geld beim PSG, aber er spielt momentan nicht mehr, denn er wurde suspendiert.
Bereits länger schwelt der Konflikt zwischen Thomas Tuchel und seinem Spieler. Nun hat Rabiot einen Instagram-Post von Patrice Evra geliked. Der frühere Spieler des Erzrivalen Marseille freut sich darin über das Weiterkommen seines Ex-Clubs Manchester United in Paris.

Zudem wurde Rabiot nach dem Ausscheiden des PSG auch noch in einem Nachtclub gesehen. Letztmals zu einem Kurzeinsatz kam er im Dezember gegen Belgrad (7 Minuten), danach gehörte er nicht einmal mehr zum Kader. Ein Transfer im Winter zu Barcelona zerschlug sich, da der PSG ihn nicht ablösefrei ziehen lassen wollte.

Bis Ende Monat bleibt Rabiot suspendiert, in dieser Zeit darf er das Trainingsgelände nicht betreten. Danach muss er sich mit seinen Vorgesetzten zusammensetzen und es wird über seine Zukunft entschieden.

Teure Tat

Herr Maldini am Dienstag den 12. März 2019

Überlegen Sie sich das mit dem Platzsturm nochmals.

Denn die Konsequenzen können unangenehm sein. 14 Tage Gefängnis (oder je nach Quelle 14 Wochen), eine Zahlung von 100 Pfund als Genugtuung plus eine Busse, ein zehnjähriges landesweites Stadionverbot und ein lebenslanger Bann von ihrem Lieblingsclub beispielsweise. Zumindest, wenn Sie einem Spieler von hinten einen Faustschlag verpassen.

Sein Mandant könne sich nicht erklären, was ihn geritten habe, sagte Vaughn Whistance, der Anwalt des Übeltäters P. M., gestern. M. hatte Aston Villas Captain Jack Grealish in der 10. Minute der Partie attackiert, der Spieler stürzte zu Boden, blieb unverletzt und erzielte in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer. Der Birmingham City FC entschuldigte sich nach der 0:1-Niederlage beim Grealish und dessen Club.

Erhebliche Entgleisung

Rrr am Dienstag den 12. Februar 2019

BREAKING NEWS: YB einen Monat ohne Guillaume Hoarau

Doofer DJ! City entschuldigt sich bei Chelsea.

6:0 demütigte Manchester City am Sonntag die Gäste aus Chelsea. Und kaum hatte der Referee das Spiel abgepfiffen, dröhnte One Step Beyond von Madness aus den Boxen des Etihad Stadiums.

Total daneben, denn der Song gehört (wie Ska-Musik generell) zum Kulturerbe der Chelsea-Fans. Der Klub spielt ihn daheim nach besonders wichtigen Siegen, am liebsten in der Champions League. Madness-Frontmann Graham “Suggs” McPherson und Drummer Dan “Woody” Woodgate sind glühende Chelsea-Fans.

City bemerkte den Fauxpas übrigens rasch, der DJ wurde genötigt, einen anderen Song zu spielen (“Love Will Tear Us Apart” von Joy Division). Nichtsdestotrotz entschuldigte sich der Verein mittlerweile bei Chelsea für die Entgleisung.

Geniessen Sie nun, wie mad es an der Stamford Bridge tönt, wenn Chelsea einen Triumph feiert (hier am 18. April 2012 nach dem Sieg über Barcelona)

Kamaras Kalamitäten

Val der Ama am Freitag den 25. Januar 2019

Er wollte doch nur reden.

Das ist der Aboubakar Kamara aus Frankreich. Oder AK-47, wie er sich gerne nennt. Und es ist nicht ganz einfach mit ihm. In der Altjahrswoche, zum Beispiel, da gabs einen Penalty gegen Huddersfield und da packte sich der Fulham-Stürmer einfach den Ball und trat anstelle von Standardschütze Aleksandar Mitrović zum Elfer an. Und verschoss. Trainer Ranieri kommentierte die Szene darauf wie folgt: “Ich wollte ihn umbringen. Es ist unglaublich, was er tat. Er hat mich nicht respektiert, den Klub nicht respektiert, seine Mitspieler nicht respektiert und die Fans auch nicht.”

Ein guter Grund, sich mit dem Verein über die sportliche Zukunft zu unterhalten, wird sich der 23-Jährige gesagt haben und also schaute er am Montagabend mal kurz auf dem Trainingsgelände vorbei. Nun, das Gespräch scheint definitiv eskaliert zu sein, weil nur kurze Zeit später schaute die Polizei vorbei und verhaftete den Franzosen aufgrund des Verdachts der Körperverletzung.

Kamara hat ab sofort massig Zeit für Penaltytraining, denn Fulham veröffentlichte kurze Zeit nach dem Vorfall folgendes Statement: Der Club dankt der Metropolitan Police für das rasche Handeln. Das verhaftete Subjekt (Kamara) ist auf unbestimmte Zeit von allen Clubaktivitäten ausgeschlossen.”

(Bild: Getty)