Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Grosse Urs-Meier-Serie!

Rrr am Sonntag den 28. November 2004

Bald ist es soweit: Am 12.Dezember pfeift unser internationaler Erfolgsschiedsrichter Urs Meier sein letztes Spiel.

Das “Runde Leder” blickt zurück! Ab sofort veröffentlichen wir in regelmässiger Abfolge exklusive Auszüge aus dem bewegten Leben von Urs Meier, in einer eigens von uns geschriebenen Autobiographie. Lesen Sie am Dienstag Teil 1:

Farbenvielfalt und faszinierende Oberflächen – mein Leben in Würenlos

Tor oder nicht Tor?

Rrr am Mittwoch den 24. November 2004

Unser Schiedsrichter-Inspizient Lukas Lehmann beantwortet strittige Fragen. Lukas Lehmann pfeift bei den Junioren und kennt das ganze Regelwerk in- und auswendig. Wir auf der Redaktion sagen ihm nur “Lukas die schwarze Sau”. Aber item, die Frage heute:

Stand Celtic-Torschütze Hartson beim 1:1 gegen Barcelona im Abseits? Dazu Lukas Lehmann:

“Ein kniffliger Entscheid! Die schwierige Aufgabe konnte ich erst im Fotoshop lösen. Ich zoomte das Bild auf 1600 Grad und erkannte, dass der Ball von Sutton noch berührt wurde. Deshalb Abseits. In der Praxis ist es allerdings schwierig, weil dem Schiedsrichter kein Fotoshop zur Verfügung steht. Deshalb würde ich jetzt nicht den Stab über Schiedsrichter Lubos Michel brechen. Ich gebe ihm die Note 6 (Maximum 7).

Ein bisschen Tor

Frans am Dienstag den 23. November 2004

Zum Regel-Depp (Zitat BILD) der fussballbewanderten deutschen Nation hat sich Stuttgart-Verteidiger Horst Heldt gemacht, weil er gegenüber den Medien seine Rettung nach einem gegnerischen Kopfball mit den Worten kommentierte: “Er war ein bisschen drin. Aber nicht mit einer halben Umdrehung, vielleicht mit einer Viertel. Aber ich kenn’ die Regeln nicht so genau: Ist das ein Tor?” Wir haben Verständnis: Neben der Lektüre von Werbeverträgen und Geldanlage-Tipps bleibt den gestressten Profis kaum noch Zeit für tief schürfenden Pflichtlesestoff wie die FIFA-Spielregeln.
Strafe muss dennoch sein: Regel 10 (“Wie ein Tor erzielt wird”) dreimal lesen und auswendig lernen, und dann noch den epischen Beitrag über das Wembley-Tor. Viel Vergnügen!

Tante auguri Mauro!

Rrr am Dienstag den 23. November 2004

Aus unserer Leserschaft erreicht uns folgende Anfrage:

Liebes Weblog, die UEFA meldet heute den Geburtstag eines gewissen Mauro Bianchi (1953), angeblich ein Schweizer. Ich weiss nicht genau, warum ich unbedingt wissen möchte, wer es ist, aber ich möchte es unbedingt wissen! Könnt Ihr mir helfen? (F.Z., A.)

Lieber Franz, wir wissen leider auch nicht, warum du das unbedingt wissen willst. Möglicherweise handelt es sich um eine krankhaft deformierte Obsession, wie sie unter Juristen öfters vorkommt. Im Prinzip gibt es heute Medikamente gegen solche Sachen.

Wie auch immer: Der Tessiner Mauro Bianchi nahm in den 80er-Jahren eine vielversprechende Karriere als Linienrichter in Angriff, wurde 1992 zum FIFA-Linesman ernannt, pfiff bei einigen UEFA-Cup-Vorrundenspielen diverse Abseitsstellungen und zog sich später aus dem Geschäft zurück. Heute ist er noch beim FC Rancate ehrenamtlich tätig.

Falls es auch zu Deinen Obsessionen gehört, fremden Leuten zum Geburtstag zu gratulieren: Mauro Bianchi, Rancate, 091 646 64 26.

Jagdsaison in Moldawien

Rrr am Freitag den 19. November 2004

Eine bizarre Geschichte wird uns aus Moldawien berichtet: Ein Klub-Präsident ärgerte sich dermassen über einen Penalty-Entscheid, dass er den Schiedsrichter mit seinem Auto auf dem Rasen angriff. Der aufgebrachte Vereinsboss habe im Audi 100 den Schiedsrichter “kreuz und quer” über den Platz gejagt, berichtet die Tageszeitung “Fakty”.

Mehr als 1000 Fans verfolgten die Attacke beim Heimspiel des Zweitligisten Roso Floreni. Der Schiedsrichter überstand die Jagd unbeschadet.

Das freut uns.

In dubio pro reyo

Frans am Freitag den 19. November 2004

Im Zweifel zugunsten des Angeklagten – in dubio pro reo. Diesen rechtsstaatlichen Grundsatz wendete die Disziplinarkommission der SFL gemäss Medienberichten auf Alexandre Rey an und hob die drei Spielsperren auf, die ihm Disiziplinarrichter Studer wegen absichtlichen Handspiels – eine Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne! – aufgebrummt hatte. Die Kommission begutachtete nicht nur die TV-Bilder, sondern nahm eine “vollständige Beweisaufnahme” vor, die offenbar einen blossen Rey-Flex nicht ausschloss. Oder war Rey geschubst worden? Oder sagte Alexandre bloss “putain”? Oder leidet er gar an unfreywilligen Zuckungen? Im letzten Fall empfehlen wir die griechische Methode.
(Im Bild: Der Finger von Reys torgefährlicher Hand)

Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne

Frans am Mittwoch den 17. November 2004

In der zweiten Ausgabe unserer Rubrik zu Regeln und Recht widmen wir uns dem absichtlichen Handstor, genauer: dessen disziplinarischen Folgen. Ausgehend von den Fällen Neuville (Mönchengladbach) und Rey (Xamax) beleuchtet Fürsprecher und Notar Philippe Frésard – als Ersatzdisziplinarrichter der Swiss Football League ein Kenner der Materie – in seinem aktuellen wissenschaftlichen Beitrag die juristischen Hintergründe:
Erfolgt die Handbewegung – wie im Fall Rey – nicht reflexartig, so “liegt eine Unsportlichkeit im fussballrechtlichen Sinne vor”. Zur Untermauerung zitiert der Sachverständige aus dem Entscheid des DFB-Bundesgerichts in Sachen Neuville: “Eine solche Täuschung enthält in diesem Zusammenhang eine besonders erhebliche Verwerflichkeit. Die Tat geschieht mit Vorsatz, rücksichtslos, zum puren Eigennutz. Die damit einhergehende eklatante Wettbewerbsverzerrung wird bewusst und gewollt herbeigeführt. Es können die Entscheidung über Meisterschaft, Auf- oder Abstieg mit existenzvernichtenden Folgen davon abhängen.”
Schlagartig wird dem Leser vor Augen geführt, dass Fussball kein Spiel, sondern eine Tätigkeit von existenzieller Dimension ist. Leider äussert sich der etwas stark auf die beiden aktuellen Fälle fixierte Beitrag nicht zur auf der Hand liegenden Grundsatzfrage, ob wenigstens die Hand Gottes existenzvernichtend eingreifen dürfte, fussballrechtlich gesehen.
(Bild: Die harte Landung nach der existenziellen Täuschung)

Vom Ermessen des Juristen

Frans am Sonntag den 14. November 2004


Eine seinem Beruf angemessene Begründung liefert uns Schiedsrichter und Jurist Dr. Felix Brych dafür, dass er das Bundesligaspiel Bremen – Leverkusen (2:2) zum Erstaunen aller und zum Ärger der Bremer nach exakt 90 Minuten abgepfiffen hat, obwohl es zahlreiche Unterbrechungen gab:
“Es ist immer eine Ermessensentscheidung. Ich habe heute entschieden, dass wir nur 90 Minuten spielen.”

Was der deutsche Jurist spitzfindig und scheinbar unanfechtbar als pflichtgemässes Ermessen bemäntelt, bezeichnen wir in der ersten Folge unserer neuen Rubrik für Liebhaber von Regeln und Recht mit der rechtlich korrekten Terminologie: Willkür (umgangssprachliche Synonyme: Belieben, Gutdünken, Laune, Rücksichtslosigkeit, Eigenwilligkeit, Selbstherrlichkeit).

Ball geplatzt

Rrr am Montag den 8. November 2004

Konsternation im belgischen Louviere: War das nun ein reguläres Tor oder nicht? Ein kaputter Ball erregt die Gemüter…

Beim Volleyschuss von Anderlecht-Star Walter Baseggio platzte der Ball in der Luft – und landete dennoch im Tor. Mit letzter Kraft schaffte die erschlaffte Kugel den Weg ins Netz. Der Schiedsrichter anerkannte den Treffer, der Anderlecht einen 2:1-Sieg gegen Louviere bescherte. Der Gegner tobte. Jetzt liegt der Ball bei den Sportjuristen.

Bei diesem Schuss platzte der Ball.