Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

VAR-haftige Veränderung

Frau Tifosa am Dienstag den 18. Oktober 2022

Kennen Sie das? Sie gehen an ein Fussballspiel und müssen danach während mehreren Stunden über den VAR diskutieren? Die Fans hier in Schottland kennen dieses Gefühl noch nicht. 

Dies wird sich aber ab Freitag ändern, denn ab der nächsten Runde wird der VAR eingeführt. Das Heimspiel des Hibernian F.C. gegen St. Johnstone wird das erste Spiel in der Geschichte der Scottish Premiership sein, an dem die Technologie eingesetzt wird.

Die Easter Road in Edinburgh

Die geplante Einführung führte schon im Vorfeld zu Diskussionen: Ist es fair, wenn der VAR während einer laufenden Saison eingeführt wird? Was wenn der VAR nicht eingeführt würde und dann ein Fehlentscheid die Meisterschaft entscheidet?

Der schottische Schiedsrichterchef Crawford Allan sagt dazu im Interview bei Sky Sports: “VAR ist mein neuer Spieler, sobald ich einen neuen Spieler habe, will ich ihn auch einsetzen. Es macht keinen Sinn, all das Geld für den VAR auszugeben und ihn danach während Monaten nicht zu verwenden.“

Man wird sehen, was für Folgen die VAR-Einführung auf den schottischen Fussball hat. Werden sich jetzt plötzlich alle mögen oder führt es nur zu mehr Verschwörungstheorien und Unmut in den Fanlagern? Als RL-Korrespondentin hier in Schottland werde ich mir das auf jeden Fall ganz genau anschauen und mich am Freitag bei diesem historischen Ereignis an der Easter Road auf die Tribüne setzen. 

Fussball aus dem Archiv (IV)

Briger am Montag den 10. Oktober 2022

Die Schlacht von Bern

Oder wie “Neues Deutschland”, das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei (SED), am 29. Juni 1954 nach dem Auftritt der brasilianischen Elf im Wankdorf-Stadion gegen Ungarn titelte: “Brasilianer entpuppten sich als tollwütige Raufbolde.”

Nach einem harten Spiel auf beiden Seiten im Viertelfinal der Fussball- Weltmeisterschaft zwischen Ungarn und Brasilien am 27. Juni 1954 im Wankdorf-Stadion in Bern eskalierte das Spiel durch eine Schlägerei auf dem Spielfeld. Der Schiedsrichter hat den Brasilianer D. Santos und den Ungaren Bozsik nach einem Zuammenstoss und verweigertem Händedruck vom Feld geschickt, was den Tumult auslöste. Ungarn gewinnt den Viertelfinal der Fussball WM gegen Brasilien mit 4:2. Sicherheitsleute der Securitas versuchen ein grösseres Handgemenge zu verhindern. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Der Korrespondent wusste zudem zu berichten, dass knapp eine Woche zuvor, am 20. Juni 1954, bei einem Spiel des Rio-Sao-Paulo-Pokals zwischen Botafogo und Partuguesa in Sao Paolo gleich alle 22 Akteure des Feldes verwiesen wurde und die Polizei eingreiffen musste, damit die “Zuschauer [nicht] an der allgemeinen Rauferei teilnahmen.”

Dass schon wenige Tage später die “aus Berufsspielern zusammengesetzte Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz die gleichen Kostproben südamerikanischer Auffassung vom Fußballsport” preisgeben werde, habe da noch niemand geahnt. Das Ziel der Brasilianer sei “Sieg um jeden Preis” gewesen, “von ihren mehrere hundert Mann umfassenden Landsleuten auf wild schreiende und gestikulierende Art unterstützt und durch allerlei mögliche und unmögliche Lärminstrumente noch angefeuert.” Radioreporter Wolfgang Hempel schilderte für die “BZ am Abend” unter anderem, dass “[d]er normale Sportplatzbesucher entsetzt [war] – die Südamerikaner aber in ihrem Element. Sie schrien, ließen Sirenen ertönen, schwenkten Fahnen und last not least, sie fingen an zu Boxen, zuerst bei Spielende gegen die Schweizer Bundespolizisten, die absolut kein Verständnis dafür hatten, daß man jetzt das Spielfeld stürmen müßte…” Diesen Beitrag weiterlesen »

C wie Corner

Rrr am Dienstag den 6. September 2022

Die 250.000-Euro-Frage – wir klären auf.

Für die sieben Mitglieder der RL-Redaktion handelt es sich natürlich um Grundwissen. Aber damit Sie uns auch glauben, zitieren wir nun die Kollegen von Collinas Erben, die den Fall neulich auf Twitter erörtert haben.

Also: Richtig ist Antwort C – Corner für den Gegner. Grund laut Collinas Erben: “Aus einem Vorteil (Ballbesitz, nachdem der Gegner den Ball aus dem Spiel befördert hat) soll kein direkter Nachteil werden.” Deshalb wird das Spiel fortgesetzt, als stünde kein Tor auf der Torlinie.

Das Wort »versehentlich« in der Frage ist eigentlich überflüssig, wie die Experten unter Ihnen zu Recht einwenden. Schiesst der Goalie (oder ein Mitspieler) den Ball absichtlich ins eigene Tor, aus welchem Grund auch immer, gibt es ebenfalls einen Corner für den Gegner.

Die Regel gilt natürlich bei allen Spielfortsetzungen (Abstoss, Freistoss, Einwurf). Anders sieht es aus, wenn es sich um einen Abwurf des Goalies handelt. Das Missgeschick unterlief Frankfurt-Goalie Jürgen Pahl, der am 4. Dezember 1982 in Bremen den Ball bei einem Abwurf irrtümlich ins eigene Tor beförderte (nein, es gibt keine Bewegtbilder). Das war dann natürlich ein Tor.

Und nun bitte alle zurück an Ihre Arbeitsplätze.

Kniffliges Quiz

Rrr am Dienstag den 6. September 2022

Sind Sie klug genug für “Wer wird Millionär”?

Die korrekte Antwort auf diese Frage war neulich eine Viertelmillion Euro wert. Auflösung um 15 Uhr im Fachforum Ihres Herzens.

Deftige Demütigung

Rrr am Samstag den 25. Juni 2022

Vor 35 Jahren: Mini Jakobsens Tor, das wegen Torheit kein Tor war.

In der zweiten Runde des norwegischen Pokals traf Mo Idrettslag am 24. Juni 1987 auf Bodø/Glimt. Bei den Gästen spielte im Sturm ein kleiner Wirbelwind namens Mini Jakobsen. Das Spiel war längst entschieden, als der 22-jährige Mini von einem Missverständnis von Goalie und Mitspieler beim Gegner profitierte und allein aufs leere Tor stürmen konnte. Mini wurde übermütig.

Auf der Torlinie stoppte er, kniete nieder und bugsierte den Ball seelenruhig mit dem Kopf über die Linie.

Toooooor! Nein, der Schiedsrichter annullierte den Treffer und zeigte Mini die gelbe Karte.

Zurecht, wie ein Blick ins Regelwerk zeigt: Sogenannte “Verhöhungstore” gelten als Unsportlichkeit. Wir haben leider keine Bewegtbilder von Minis aberkanntem Treffer zur Hand, aber vor einigen Jahren gab es ja im französischen Cup im Match zwischen US Concarneau und Voltigeurs de Chateaubriand eine fast identische Szene, Sie erinnern sich sicher. Und auch da wurde das Tor aberkannt.

Mini Jakobsen machte später Karriere unter anderem beim BSC Young Boys Bern (1990-1993). Dass sein Tor seinerzeit nicht zählte, hat er inzwischen verkraftet. Er habe damals aber nicht den Gegner verhöhnen, sondern einfach dem Publikum ein bisschen Spektakel bieten wollen, erklärte er neulich in der norwegischen Presse.

(Foto: Twitter)

Verheerende Verunstaltungen

Rrr am Mittwoch den 22. Juni 2022

Das Runde Leder deckt auf: Vandalismus im Nordquartier!

News-Scout H. N. aus B. (er möchte unbedingt anonym bleiben) traute seinen Augen nicht, als er neulich mit seinem Labrador Retriever unter den Bäumen der Winkelriedstrasse Gassi ging. “Zahlreiche YB-Verteilkästen waren verschandelt, versprayt, mit Plakaten überklebt. Es sah wirklich schlimm aus. Wer macht so was?”

H. N. griff spontan zu seiner Leica und fotografierte alles. “So was gehört ganz klar an den Internet-Pranger. Da gibt sich das ewb so viel Mühe, alle Stromverteilkästen gelbschwarz anzumalen, und dann kommen Vandalen und machen alles kaputt. Wo leben wir eigentlich?”

Klicken Sie sich nun durch unsere Bildergalerie (18.98.-/Klick).

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

Etwas gesehen, etwas gehört, das unbedingt an den Internet-Pranger gehört? Schicken Sie uns Ihren Input! Wir zahlen nichts und bringen alles. Whatsapp 07918981898, Signal RL_Newsscout, Threema *RL_quick.

Bittere Varheit

Rrr am Montag den 13. Juni 2022

Belgiens Trainer hat ein Gewitter im Auge. Aber alles der Reihe der nach.

In Wales reichte es Belgien am Samstag nur zu einem 1:1. Die Waliser glichen in der 86. Minute aus. Johnson traf auf Vorarbeit von Ramsey.

Das kommt Ihnen irgendwie spanisch vor? Belgiens Trainer Roberto Martínez auch. Wir zitieren aus der belgischen Tageszeitung “Le Soir”:

In der Erinnerung eines Nationalmannschaftsbeobachters hat sich der Trainer noch nie so stark von seiner sonst fast stoischen Ruhe verabschiedet. Kurz nach seinen Fernsehinterviews hat sich das Schwarz seiner Augen innert kürzester Zeit in ein Gewitter gewandelt, als er auf seinem Stuhl für die Pressekonferenz Platz genommen hatte. “Die UEFA als Verband schuldet dem belgischen Verband eine Erklärung in Bezug auf die Ziehung dieser Linie, das Computerprogramm, das diese kalibrierte Linie zieht, muss überarbeitet werden. Wir sind in einem milliardenschweren Geschäft und bekommen lächerliche Bilder zu sehen, die beweisen, dass diese Linie nicht parallel zu der des Rechtecks verläuft. Diese zufällige Linienführung kostet uns die Punkte eines Sieges. Das ist nicht seriös. Es ist sogar schockierend!”

Hat Martínez recht? Der Experte von “Le Soir” sah es anders: Martinez sei womöglich Opfer einer optischen Täuschung geworden. “So sehen wir ja manchmal, wie sich Zugsgleise, die parallel verlaufen in der Ferne am Horizont treffen oder der Parthenon-Tempel in Athen, bei dem die Stützen leicht gebogen gebaut wurden, damit das menschliche Auge sie als gerade sieht.”

Pih pah poh, findet Martínez. “Es ist offside. Der Linienrichter hat einen guten Job gemacht und seine Fahne gehoben. Aber ihm ist man nicht gefolgt.” Nun gut, das mit dem Linienrichter ist aus den TV-Bildern nicht ersichtlich. Die ganze VARheit bleibt wohl schleierhaft.

(Screenshots: SRF / Le Soir)

Schädliche Schallwellen

Herr Shearer am Donnerstag den 7. April 2022

Was wäre der Fussball ohne die ehrenamtlichen Helfer*innen allenthalben?

Bei allen Kontroversen um exzessive Gehälter, Sponsoringdeals und Übertragungsgebühren in den Top-Ligen darf doch nicht vergessen werden, dass die allerallermeisten Fussballspiele immer noch auf Amateurniveau stattfinden, wo niemand auch nur einen Batzen verdient, sondern im Gegenteil auch noch seine ganze Ausrüstung und Spesen selbst finanzieren muss. Auch Unparteiische braucht es überall, und das ist definitiv nicht die beliebteste Rolle im Fussball.

Pierre Hackler wird sich in Zukunft allerdings gut überlegen, ob er weiterhin seine Wochenenden auf Hessens Kreisliga-Plätzen verbringen will. Herr Hackler steht diese Woche vor Gericht, die Anklage lautet auf Körperverletzung, obwohl er im Spiel zwischen der SpVgg Sonnenberg und dem SC Klarenthal selbst gar nicht handgreiflich wurde. Nein, nach einer Rudelbildung wollte er  die Situation beruhigen und blies kräftig in seine Pfeife. Sehr kräftig allerdings und auch nur dreissig Zentimeter vom Ohr eines Spielers entfernt. Der klagte danach über einen Tinnitus (was wirklich nicht lustig ist) und verklagte den Schiri. Das Strafgericht brummte ihm 80 Sozialstunden auf. Das reichte dem Spieler allerdings nicht, er fordert 5000 Euro Schmerzensgeld und zog den Fall an die nächste Instanz weiter. Der Beschuldigte ist darob verständlicherweise fassungslos: “Das ist ein Präzedenzfall in Deutschland. Das Problem ist ja, dass jeder Schiedsrichter, der einen Pfiff auslöst während des Spiels, angezeigt werden kann.“

Die Redaktion des Runden Leders hat beschlossen, dass für Herrn Hackler doch schon eher die Unschuldsvermutung gelten sollte.

Bild: Imago

Penetrante Petarden

Herr Winfried am Mittwoch den 30. März 2022

Aus der Leser:innenschaft: Es brennt lichterloh im Schweizer Fussball!

Der Rechtsstaat, der Demokratie höchstes Gut, ist wieder einmal in seinen Grundfesten erschüttert. Nebulöse Gesetzestexte verhindern es, dass in den Schweizer Fussballstadien Recht und Ordnung herrscht. Massnahmen über Massnahmen, doch den Durchblick hat kaum eine:r. Sehen und den Überblick behalten ist schliesslich ein Menschenrecht. Oder wie meint das Herr Matter aus Langenthal  genau?

Bei all dem Rauch merkt ja auch kein Mensch, dass in den Hinterzimmern der Fansektoren reichlich Schnee liegen bleibt. Noch so ein grober Verstoss.

Betörende Bildbetrachtung

Rrr am Sonntag den 27. Februar 2022

Grosser Psychotest: Was geht Ihnen beim Betrachten dieses Bildes spontan durch den Kopf?

Ein Klick aufs Bild intensiviert das Seherlebnis.

➊ Die Gelbschwarzen sind glaubs YB. Die anderen – puh, schwierig. Real Madrid?

➋ Was macht Bob Dylans Man in the Long Black Coat in der Coaching Zone?

➌ Die socios-Bandenwerbung macht mich richtig spitz auf eine KrYBto-Wurst.

➍ Moment, steht Siebatcheu nicht im Abseits?

Auflösung nach dem Klick.

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Tricky Tor

Rrr am Dienstag den 18. Januar 2022

Willkommen zum dienstäglichen Regeltalk.

Heutige Frage: Erlaubt oder nicht erlaubt?

Geordnete Gefühle

Rrr am Dienstag den 11. Januar 2022

Emotionen kontrollieren mit Seko Fofana. Es ist ganz einfach!

Der Kapitän von Lens war der Held im Cupspiel gegen Lille. Ihm gelang der Ausgleich zum 2:2, das Lens die Verlängerung sicherte. Die Freude war gross, und Seko Fofana entledigte sich zwecks Jubel seines Trikots. Dafür sah er natürlich Gelb.

Die Entscheidung fiel dann im Penaltyschiessen. Zum letzten Elfmeter trat … Seko Fofana an.

Der begab sich erst einmal zu Schiedsrichter Willy Delajod und fragte ihn, ob er im Fall eines Treffers sein Trikot erneut ausziehen dürfe oder ob das dann Gelbrot zur Folge hätte, obwohl das Spiel ja dann beendet wäre. Der Referee beschied ihm, dass er da keine Gnade kennen würde. Fofana versenkte den Penalty und jubelte regelkonform mit Trikot.

“Herr Fofana ist ein Vorbild für uns alle”, sagte Herr Rrr heute mittag an der Redaktionssitzung des Runden Leders. “Man kann seine Emotionen auch angekleidet ausleben, gerade am Arbeitsplatz. Ich hoffe, dass sich daran künftig alle Redakteure halten werden. Ich danke Ihnen.”