Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Ersatz um die Ecke

Rrr am Montag den 29. März 2021

Konsternation in St. Gallen.

“Eimol chunnt was weg üserem verein und denn da”, seufzte ein Ostschweizer User im Fussballforum von Reddit. Das Tordebakel im Kybunpark sorgte in der Tat europaweit für wenig vorteilhafte Schlagzeilen.

Aber egal, zum Glück hatte es ja nebenan bei der IKEA ein Ersatztor.

Tor-Probleme sind in St. Gallen übrigens nicht neu. Europas ältester Fussballverein spielte offensichtlich die ersten 13 Jahre seines Bestehens mit zu kleinen Toren. Das fiel erst 1892 den Grasshoppers auf, die nach der 0:1-Niederlage reklamierten. Das Rückspiel in Zürich mit normalen Toren gewann GC 6:0. “Der FCSG ersetzte darauf seine Tore durch solche in der Normgrösse”, heisst es in der Klubhistorie.

Der zwölfte Mann

Rrr am Sonntag den 28. Februar 2021

Ballbub verhindert Tor.

Wir schalten um nach Algerien und kommen gerade rechtzeitig zum Zweitliga-Spiel zwischen HB Chelghoum Laïd und MSP Batna.

Ein Angriff der Gastgeber wird abgeblockt, und die Gäste glänzen durch blitzsauberes Umschaltspiel. Schon läuft der Konter! Und da, der Schuss am herausgeeilten Torwart vorbei … gleich wird der Ball im Netz zappeln … oder doch nicht? Film ab.

Und wie reagierte der Schiedsrichter? Das geht aus den algerischen Medienberichten leider nicht eindeutig hervor. Die einen schreiben, es habe Penalty für Batna gegeben. Andere behaupten, der Referee habe einfach das Spiel weiterlaufen lassen. Klar ist, dass die betrogenen Gäste das Spiel 1:2 verloren.

Prima Premiere

Rrr am Sonntag den 21. Februar 2021

Im dritten Anlauf hats geklappt: Erster YB-Saisonsieg gegen Servette.

2:0 gewannen die Young Boys im Wankdorf und bauten ihren Vorsprung auf den Tabellenzweiten auf 18 Punkte aus. Es war der siebte Sieg in Folge für den Fussball-Schweizermeister.

(Foto: Stefan Wermuth)

Schon nach drei Minuten lagen die Gastgeber vorn, weil Rouiller den von Camara abgelenkte Ball ins eigene Tor beförderte. Die frühe Führung spielte dem Meister in die Karten, er kontrollierte fortan das Spiel gegen die unbequemen Servietten. Noch vor der Pause verwertete Nsame eine schöne Flanke von Maceiras zum 2:0.

In der zweiten Halbzeit versuchten sich die Young Boys im schwierigen Spagat zwischen Spielkontrolle und Kräfteschonen vor dem Europa-League-Gastspiel in Leverkusen. Die Genfer kamen nun besser ins Spiel und hatte ein leichtes Plus bei den Ballanteilen, ohne dass sie sich zwingende Chancen hätten erarbeiten können.

Pechvogel des Tages: Felix Mambimbi. Ein Tor aberkannt, weil Camara zuvor gefoult hatte. Und ein Foulpenalty nicht bekommen, weil der Videoreferee kein Foul sah. Traurig aber VAR.

Komplett überflüssig war die gelbrote Karte, die sich Camara in der Nachspielzeit einhandelte. (Für Trainer Seoane war sie “sehr ärgerlich”). Wie auch immer: Weiter geht es für YB am Donnerstag (21.00) in Leverkusen. Die Werkself spielte heute 1:1 in Augsburg.

Ein klarer Ball

Rrr am Montag den 25. Januar 2021

Zwei Bälle im Spiel. Und niemand merkt es.

Bei Vaduz-YB lag von der 46. bis zur 54. Minute ein zweiter Ball auf dem Spielfeld, auf der Platzhälfte der Liechtensteiner, nahe der Seitenlinie.

Den Schiedsrichtern entging das Malheur. Der VAR in Volketswil blieb auch stumm, obwohl der Ball in der TV-Übertragung mehrmals zu sehen war. Allerdings nur am Rand, weil die Young Boys in der fraglichen Zeitspanne keinen einzigen Angriff über links vortrugen.

Und wieso konnte da einfach ein Ball liegen?

Weil es seit dieser Runde keine Balljungen mehr gibt. Die Swiss Football League hat die Corona-Massnahmen verschärft, um den Kreis der in ein Spiel involvierten Personen zu verkleinern. Neu werden einfach zwölf Bälle rund ums Spielfeld deponiert (Beispiel hier) – die Spieler müssen sie selber holen.

Der Ball, der zu viel war, schaute sich also ein bisschen das Spiel an; ob es ihm gefiel, wissen wir nicht. Klar ist nur: Als die Kamera in der 55. Minute wieder in die Gegend schwenkte, war er plötzlich weg. Irgendjemand hatte ihn diskret verschwinden lassen. Ein Balljunge wars nicht. Vielleicht ein Security? Der Fürst? Oder hatte ihn einfach ein Vaduzer Spieler weggekickt?

Wir werden es wohl nie wissen.

Ein Fall für Sturs Uder (IX)

Herr Maldini am Dienstag den 29. Dezember 2020

Unser altbekanner TV-Richter hat ein weiteres Urteil gefällt.

“Der Fussballer Jean-Pierre Nsame, Stürmer des BSC Young Boys, beging im Spiel YB-Cluj vom 10. Dezember 2020 in der 90. Spielminute ein grobes Foul an seinem Gegenspieler Andrei Burca, für welches er korrekterweise vom Unparteiischen Benoît Bastien umgehend des Feldes verwiesen wurde.

Die Schwere von Herrn Nsames Vergehen war daran zu erkennen, dass sich Burca nach dem Zusammenstoss mehrfach auf dem Kunstrasen wälzte und danach länger liegen blieb.

Als Einzelrichter ist es meine Pflicht, solch’ krassen Verfehlungen nachzugehen und entsprechend Bildmaterial zu visionieren. Nach längerem Studium komme ich zu folgendem Schluss: Herr Nsame wollte in dieser Szene nicht nur einen Angriff Clujs unterbinden, sondern seinem Gegner zustätzlich einen klassischen Pferdekuss verpassen.

Leider war das Einsteigen von Herrn Nsame alles andere als perfekt, weshalb ich als Stilnote nur 7 von 10 möglichen Punkten vergeben kann. Bei 10 von 10 Punkten hätte ich ein Auge zugedrückt, aber so muss ich Herrn Nsame leider noch eine zweite Spielsperre aufbrummen. Das Urteil kann nicht angefochten werden, ich muss jetzt dringend in die Ferien fahren. Sie haben sich über den gestrigen Tweet der Uefa drum leider zu früh gefreut.”

Mit Schalk und Schiri

Rrr am Samstag den 12. Dezember 2020

Zwei Bälle, ein Schuss – die Berner.

Am 12. Dezember 2004 trafen die Young Boys daheim auf Xamax (natürlich im Neufeld). Das 2:1 schoss Stéphane Chapuisat unmittelbar vor der Pause – es sollte das Siegestor sein. Und ein historisches Tor obendrein.

“Dem Treffer haftete zweierlei Makel an”, berichtete die NZZ tags darauf. “Erstens verlegte der schalkhafte Sermeter den Ort zum Einwerfen derart weit nach vorne, dass fast die gesamte Xamax-Abwehr überrumpelt wurde. Zweitens befand sich während der gesamten Angriffsszene ein zweiter Ball auf dem Feld – etliche Neuenburger Spieler erwarteten deshalb, Schiedsrichter Rogalla würde die Partie demnächst unterbrechen. Doch dieser pfiff erst, nachdem Chapuisat ins Tor getroffen hatte – und zeigte zur Mitte.”

Xamax legte nach dem Spielschluss schriftlich Protest ein, der aber abgewiesen wurde (das Runde Leder berichtete darüber an Weihnachten 2004). Gemäss Disziplinarkommission handelte es sich um einen Tatsachenentscheid des Referees. Und da sei Protest grundsätzlich ausgeschlossen.

Glück gehabt! Der Sieg war im Trockenen (ganzer SRF-Bericht hier). YB beendete die Saison auf Rang 4 und qualifizierte sich damit fürs europäische Geschäft. Das wiederum ermöglichte im Sommer 2005 das erste grosse Europacup-Spiel im neuen Wankdorf (2:3 gegen Marseille).

Die volle Varheit

Rrr am Sonntag den 15. November 2020

Toooooor! Oder doch nicht? Ein Fall für den VAR.

Was dann folgt, ist eine manchmal minutenlange Warterei, schier unerträglich für Fans und Spieler. Was läuft in diesem Moment eigentlich hinter den Kulissen?

Der südamerikanische Kontinentalverband CONMEBOL sorgt für Transparenz, er stellt VAR-Szenen mitsamt O-Ton der Referees ins Netz. Wir schalten um nach Paraguay, WM-Qualispiel Argentinien-Paraguay, 57. Minute.

Falls Sie nicht fliessend südamerikanisch sprechen: Lionel Messi traf zum vermeintlichen 2:1. Während die Argentinier jubeln, will der VAR zuerst checken, obs abseits war, kommt dann aber zum Schluss, dass das Problem woanders lag: Der Angriff der Gastgeber könnte durch das Foulspiel eines Argentiniers ermöglicht worden sein. Hektisches Spulen, aufgeregte Diskussionen … dann nimmt der Referee das Tor zurück – zum Ärger von Messi, der sich gemäss Interview nach dem Spiel “verarscht” fühlte. Wie auch immer, das Spiel endete 1:1. In der Tabelle liegt Argentinien zwei Punkte hinter Brasilien und muss in der Nacht auf Mittwoch in Peru antreten.

Falsche Fussballer

Rrr am Samstag den 26. September 2020

Der FC Tuapse gibt dem Begriff “Ersatzspieler” eine ganz neue Bedeutung.

Der russische Drittligist hat Sorgen. Zwar hat er ein wunderschön gelegenes Stadion am Schwarzen Meer, verlor aber seit dem Saisonstart sämtliche sieben Pflichtspiele. Nun gab es auch noch einen Covid-Ausbruch, der 16 Spieler ausser Gefecht setzte.

Fürs Heimspiel gegen SKA Rostow standen nur noch 9 Spieler zur Verfügung. Eine Forfait-Niederlage drohte. Was tun in der Not?

Ganz einfach: Der Klub fand in der Stadt zwei arbeitslose Kicker, die bereit warten einzuspringen. Sie übernahmen die Nummern 7 und 85 von kranken Spielern und machten ihre Sache glänzend: Das Spiel endete 1:1. Der eine “Ersatzspieler” schlug in der Schlussminute sogar noch den Ball von der eigenen Torlinie und rettete so den Punkt.

Allerdings nur vermeintlich, denn der Skandal flog auf. Der Gegner verglich die Fotos der beiden “Ersatzspieler” mit den Bildern der Spieler, die offiziell die Nummer 7 und 85 trugen (im roten Trikot die richtigen Spieler). Der Verband verhängte darauf eine Forfait-Niederlage für dieses und das kommende Spiel sowie eine Geldstrafe.

Die Abstiegssorgen des FC Tuapse haben sich damit weiter verschärft. Und dabei ist es doch die erste Saison überhaupt – der Verein wurde erst im Februar gegründet und durfte im Sommer aus mysteriösen Gründen gleich in der untersten russischen Profiliga einsteigen.

Erste Erkenntnisse

Rrr am Sonntag den 20. September 2020

Die Corona-Polizei teilt mit: Saisonstart so weit geglückt, aber es gibt Verbesserungspotenzial.

Überbordender Jubel ist bekanntlich ab sofort verboten, das teilrevidierte SFL-Schutzkonzept Covid-19 für den Trainings- und Spielbetrieb sagt es in Artikel 10.19 auf Seite 20 klar: “Beim Torjubel sind intime Berührungen wie Umarmungen oder Küsse, Shakehands oder das Abklatschen mit offener Hand untersagt. Ein Körperkontakt kann mit der Faust, dem Ellenbogen oder mit den Füssen erfolgen.”

Die Young Boys haben das schon gut im Griff, beim FCZ gibt es noch etwas Luft nach oben. Bei Lugano auch, wohingegen die Luzerner löblicherweise die Jubelrudelbildung ganz unterliessen – wobei es sich auch nur um ein Ehrentor in der Nachspielzeit handelte.

  • YB nach dem Ausgleich

  • YB nach dem 2:1

  • FCZ nach dem Führungstor

  • Luganos Jubel nach dem 1:0

Die Maskenpflicht im Stadion wurde in Bern im Grossen und Ganzen ebenfalls gut eingehalten. Im Cornaredo könnten eventuell noch kleine Piktogramme hilfreich sein, die das korrekte Maskentragen auf einfach verständliche Art und Weise erläutern.

Und zu guter Letzt: Die Pflicht für Ultras, das Stadion nicht zu betreten, wurde im Wankdorf und im Cornaredo konsequent befolgt. Wobei die Tessiner Fans deswegen nicht auf den Matchbesuch verzichteten. Sie versammelten sich einfach hinter der eigenen Fankurve – ausserhalb des Stadions. Vom Match sahen sie laut Teleclub nicht viel, aber sie machten viel Stimmung.

(Fotos: Thomas Hodel, Keystone-SDA, Teleclub)

Kurzer Kampf

Herr Shearer am Donnerstag den 10. September 2020

Wie lange dauert ein Fussballspiel?

Das kommt drauf an. Aber zwei mal 45 Minuten, unterbrochen durch eine 15-minütige Pause, sollte man da schon einrechnen. Es geht aber auch in deutlich kürzerer Zeit!

52 Sekunden, um genau zu sein. So lange dauerte letzten Sonntagnachmittag der Match zwischen Louhans-Cuiseaux und Jura Sud in der französischen National 2. Die Gäste von Jura Sud waren bereits arg mitgenommen vom Corona-Virus, wegen Quarantäne konnte das Training erst am Freitag vor dem Spiel wieder aufgenommen werden. Für eine Verschiebung der Partie am Sonntag hatte der Verband auch kein Gehör, und so reiste das Team mit seinem letzten Aufgebot nach Louhans: mit acht Mann. Eine Forfaitniederlage wäre natürlich auch eine Möglichkeit gewesen, hätte aber nach Reglement zusätzlichen Punkteabzug bedeutet.

Bild: JSL/ Michaël Rigollet

Interessant wäre sicher gewesen, wie ein Spiel elf gegen acht geendet hätte, doch leider verletzte sich unmittelbar nach Anpfiff der jurassische Stürmer Mamadou Danfa so blöd, dass er nicht mehr weiterspielen konnte. Dem Unparteiischen blieb nichts anderes übrig, als die Partie abzubrechen.

Und ja, richtig: eine gleichartige Situation gab es schon einmal in der bulgarischen dritten Liga, wie sich ältere Fussballinteressierte vielleicht noch erinnern können.

 

 

Fussi mit Fedayi

Rrr am Montag den 7. September 2020

Filmmatinee, zweiter Teil: “Das Spiel” von Roman Hodel.

Am 10. September 2017 spielten die Young Boys daheim gegen Lugano (und siegten 3:0). Die herkömmliche Zusammenfassung finden Sie im Internet.

Einen anderen Blick aufs Spiel wirft der Regisseur Roman Hodel, dessen 21-minütiger Film “Das Spiel” nun am Filmfestival Venedig Premiere feiert. Am besten lassen Sie zunächst seine fantastische Einstiegsseite im Netz auf sich einwirken.

Hodel zeigt Fussball aus der Sicht des Unparteiischen und gibt (auch dank mehr als 20 Mikrofonen) auf ungewohnte Weise die Emotionen auf dem Platz und auf den Zuschauerrängen wieder. Im Zentrum steht das Spiel Lugano-YB, manche Szenen stammen aber auch aus anderen Partien, wie man bereits im Trailer unschwer erkennen kann. Das liegt auch daran, dass Hodel ursprünglich in Basel drehen wollte, der FCB aber die Zustimmung zurückzog, nachdem Trainer Koller mal auf die Tribüne verbannt wurde. Das Projekt wurde dann im Wankdorf vollendet.

The Game / Das Spiel – Trailer from Roman Hodel on Vimeo.

Wann und wo der Film in der Schweiz zu sehen ist, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir verraten es Ihnen, sobald wir es wissen.

Spass in der Masse

Rrr am Donnerstag den 23. Juli 2020

Public Viewing in St. Gallen. Kein Problem, sagt die Polizei.

Weil maximal 1000 Menschen in den Kybun-Park dürfen, lud der Radiosender FM1Today gestern zum Public Viewing ins Espenmoos. Und die Fans kamen in Massen.

Vielleicht täuschen wir uns, aber es scheint ein wenig, als sei der Abstand von 1.50 Metern zwischen den einzelnen Personen nicht ganz konsequent eingehalten worden. Auch sind auf den ersten Blick nicht allzu viele Schutzmasken sichtbar.

Alles sei mit rechten Dingen zugegangen, beschwichtigt die Stadtpolizei St. Gallen auf Twitter. Nach ihrem Erkenntnisstand befanden sich nicht mehr als 1000 Leute im Stadion. Abstandsregeln und Masken seien gemäss Verordnung des Bundes nicht nötig, solange der Veranstalter die Kontaktdaten aller Anwesenden erfasse.

Die Polizei habe demnach keinen Handlungsbedarf erkannt: “Was erlaubt ist und was nicht, geben Gesetze oder Reglemente vor. Diese werden nicht durch die Polizei gemacht.”