Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Wie es Euch gefällt.

Herr Shearer am Sonntag den 28. Januar 2018

Fast hätten wir es verpasst, unser kulturaffines Publikum auf eine wichtige Veranstaltung hinzuweisen!

Denn bereits am vergangenen Mittwoch hat im schönen Nizza das Festival Shake Nice begonnen. Bis am 11. Februar steht in der südfranzösischen Stadt Shakespeare im Mittelpunkt. Nein, nicht Craig Shakespeare, der ehemalige Leicester-Interimstrainer, sondern William. Der hat vor langer langer Zeit ebenfalls  in England gelebt und ein paar berühmte Theaterstücke geschrieben, so liest man.

Um diesen Anlass zu bewerben, hat auch der örtliche Fussballverein in einem Werbeclip mitgemacht. Geniessen Sie jetzt wunderbare Shakespeare-Rezitationen durch Dante, Balotelli und Co.!

Keepers Kunst (II)

Dr. Rüdisühli am Samstag den 20. Januar 2018

Herzlich willkommen zurück, geschätzte Leserschaft.

Von unserem Sonderkorrespondenten A. L. Leswisser

Im zweiten (und letzten) Teil der heutigen Kunstmatinée setzt sich Zdzisław Sosnowski mit meinen beiden Lieblings-Goalie-Themen auseinander.

3: Antizipation

Die Komposition dieser dritten Sequenz ist geprägt durch einen langen, spielerischen Prozess der Verdichtung. Diese edle Aesthetik führt bei der Betrachtung unweigerlich zu einer gesteigerten spirituellen Achtsamkeit.

Indem Zdzislaw Sosnowski die Spielsituation vorangehend richtig antizipiert und seine Aktion richtig timt, gelingt es ihm in der der Videosequenz vorgelarten Szene, sich so in Position zu bringen, dass sein Oberkörper systematisch einen erfolgreichen Torschuss verhindert. Wie unbeeindruckt und mit welcher Gelassenheit Sosnowski der gegnerischen Intensität begegnet, zeigt auch hier seine Goalie-Klasse, somit ist auch er eine YB-Option als von Ballmoos Ersatz.

4: Touch

Die Bildfindung in dieser vierten Sequenz ist zugleich die wunderbarste, eine vollkommene Komposition aus Bruchstücke innigster Momente der Verbundenheit, gefolgt von zerstörerischen Zerstückelung bis hin zur zauberhaften Versöhnung. Ein cineastisches Momentum erster Güte. Das Pathos flüstert dabei ganz unaufdringlich. Wenn sonst nichts bliebe von Zdzisław Sosnowski – das bleibt.

Da mir nun die Tränen kommen, bin ich nicht mehr in der Lage goaliemässig etwas anzufügen. Da ich mich zum wunderbaren Thema “Touch” im Rahmen meiner Kommentare regelmässig äussere, sei mir das verziehen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ein schönes Wochenende, Ihr Herr A. L. Leswisser.

Keepers Kunst (I)

Dr. Rüdisühli am Samstag den 20. Januar 2018

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinée. Es ist mir eine Ehre in die grossen Fussstapfen von Herrn Pelocorto zu treten, respektive einen Versuch zu starten.

Von unserem Sonderkorrespondenten A. L. Leswisser

Wir begeben uns nun ins Jahr 2016. Breslau (polnisch Wroclaw) ist zusammen mit San Sebastian Kulturhauptstadt in Europa. Zusätzlich zum Kulturprogramm in Breslau findet, dies als eine Neuerung, erstmals auch ein Kultur-Export statt. Als Begleiter von Frau Alleswisserin besuche ich im September 2016 im Ludwig Museum of Contemporary Art in Budapest diese Wander-Sonderausstellung aus Breslau mit den Schwerpunkten Geschichte und Kunst. Eine alleswissende (und entsprechend ausführlich referierende) Kunsthistorikerin führt uns anlässlich einer Privatführung durch das moderne Gebäude am Donauufer.

Relativ schnell stellt sich bei mir ein resignativer Dämmerungszustand ein, bis ich auf das Werk des grossartigen Künstlers Zdzisław Sosnowski treffe, die ältere RL-Leserschaft erinnert sich an ihn. Mehrmals visualisiere ich die herausragende Video-Installation basierend auf Sosnowskis Film “Goalkeeper” aus dem Jahr 1975 (die Führung wird mittlerweile ohne mich fortgesetzt…). Schnell ist klar, dass ich die Höhepunkte daraus für den Fussballblog Zum Runden Leder aufarbeiten werde . Die nächsten 15 Monate wende ich für die Konzeption der Kunstmatinée auf und zudem muss ich mein einschlägiges Feuilleton-Vocabular erweitern. Anhand von vier Video-Sequenzen würdige ich nun heute das künstlerische Schaffen von Zdzisław Sosnowski und selbstverständlich fehlen auch Goalie-Analysen nicht (kursive Schrift), Herr Rrr hat mich ja mehrjährig dazu vertraglich verpflichtet.

Viel Vergnügen!

1: Goalietraining

In der ersten Sequenz führt uns Zdzisław Sosnowski vor, dass Soziale Mobilität jederzeit und überall möglich ist, sofern man bereit ist die Gegenstromanlage der Systeme zu durchschwimmen. Aber selbst der soziale Überläufer kann seine Abstammung nie ganz abstreifen. Die Vehemenz und der schier unermüdliche Einsatz beim Versuch des Einfangens des göttlichen Atemhauchs stellt einen ersten Glanzpunkt im Film “Goalkeeper” dar.

Es überrascht nicht wirklich, dass Zdzislaw Sosnowski nicht seinem Landsmann Jan Tomaszewski (einer meiner Lieblingsgoalies) oder dem grossen Lew Jaschin nacheifert. Seine Geschmeidigkeit, das Arm-Übergreifen und Abrollen bereits bei halbhohen Schüssen, sein Schalk und seine Begeisterung für die beste aller Positionen auf einem Fussballfeld lässt klar erkennen, dass Sosnowski sich die Freiheit nimmt, den damaligen Klassenfeind Sepp Maier zu imitieren und dies durchaus überzeugend und talentiert. Vergleichbare Torhüter hinsichtlich Ausstrahlung und Technik sind später Jean-Marie Pfaff und auch Joël Corminboeuf (Gruss an Herrn dres!). Mittlerweile setzt sich aber dieser Typ Goalie auf höchstem Niveau nicht mehr durch

2: Frauenfussball

Die Kamera fängt in dieser zweiten Sequenz unermüdlich Bilderwellen von Feierlichkeit und gleichzeitiger Traurigkeit ein. Die scheue Liebe führt zu einer gewissen keuschen Erotik, in der die Welt einem leicht abhanden kommt. Kein wirkliches Drama folgt, sondern die immerzu gleiche Predigt.

Meine mangelnde Begeisterung für den Frauenfussball ist leider geprägt, durch zu viel ungenügende Leistungen der Torhüterinnen (Ausnahme Hope Solo selbstverständlich) und meinen frühpubertären negativen Erstkontakten zu Fussballerinnen wie Marie-Theres Nadig (live im Wankdorf gesehen), deren Technik und Fussballer-Aura nicht einmal an die eines Ackergauls herankommt. Bei der wiederholten Visualisierung dieser zweiten Videosequenz wird mir mein Irrtum bewusst: Frauenfussball ist bereits in den 70-er Jahren toll! (Anmerkung der Redaktion: den Zusatz “und heute erst recht!” streicht der Autor beim “Gut zum Druck” nachträglich raus).

Die dritte und vierte Sequenz folgen im nächsten Beitrag.

Entstellter Essien

Herr Shearer am Donnerstag den 4. Januar 2018

Fahren Sie mit uns nach Kumasi!

Die mutmasslich grösste Touristenattraktion in Ghanas zweitgrösster Stadt, der Königspalast , wurde leider bereits 1874 von den Briten in ihrem Krieg gegen den Stamm der Ashanti zerstört. Ansonsten scheint es dort an Attraktionen etwas zu mangeln. Sehenswert sind sicher die traditionellen Ashanti-Dörfer, welchen die UNO den Status des Weltkultur-Erbes verliehen hat. Aber eben, die sind ausserhalb.

Aber jetzt! Jetzt hat Kumasi endlich wieder eine richtige Sehenswürdigkeit. Kürzlich wurde an der Boadi Road eine Statue errichtet. Dafür hätte Michael Essien Modell stehen sollen, der dafür aber wohl mutmasslich keine Zeit hatte, weil er gerade seine Karriere in Indonesien ausklingen lassen muss. Und wir hoffen nun, dass Michael Essien nicht so bald nach Kumasi kommt. Sie möchten das eigentlich lieber auch nicht sehen, aber irgend ein Bild müssen wir in jeden Beitrag machen, hat der Chef gesagt.

Bild: Twitter / @addojunr

Ja, es ist schlimm. Aber es hätte durchaus noch schlimmer kommen können.

Fussball und Friedhöfe

Herr Shearer am Donnerstag den 28. Dezember 2017

Herzlich willkommen zu einer ausserordentlichen Kulturmatinée.

Vielleicht haben Sie vor über einer Woche bereits die SRF-Dokumentation Sie waren Helden am Fernseher gesehen, welche die Wege der U17-Europameister von 2002 nachzeichnet. Während einige von ihnen (wie Philippe Senderos und Tranquillo Barnetta) beachtliche Karrieren hinlegten, hängten andere nach und nach ihre Fussballschuhe an den Nagel. Die wohl beachtlichste Wandlung hat dabei Henry Siqueira-Barras hingelegt. Der schweizerisch-brasilianische Dopppelbürger begann seine Profikarriere bei GC und setzte diese in vielen verschiedenen Vereinen in der Schweiz, Rumänien und auf Zypern fort. Zuletzt war er 2013 in Chiasso angestellt. Bereits während seiner Zeit in Rumänien begann er sich für die Fotografie und Antroposphie zu interessieren.

Ständiges Verletzungspech verhinderte wohl eine grössere Karriere von Siqueira-Barras, führte aber schlussendlich dazu, dass er seiner wahren Berufung folgte. Inzwischen lebt er davon; seine Auftraggeber sind sowohl NGOs wie auch Medienunternehmen, seine Arbeiten thematisieren zumeist soziale Ungerechtigkeiten.

Auch als Regisseur ist er tätig, und weil Sie gegen den Jahreswechsel sicher etwas Zeit haben, sollten Sie sich jetzt diesen schönen Film ansehen, welcher sich der Frage widmet, warum auf manchem brasilianischen Grabstein auch noch ein Klubemblem prangt. Film ab!

Foto oben: Camo

Matchtag mit Ajax

Rrr am Sonntag den 17. Dezember 2017

Willkommen zur Kunstmatinee für Tulpensöhne.

Ob daheim oder auswärts: Ajax Amsterdam gestaltet für jeden Matchtag ein Plakat, wobei sich der Grafiker gerne mit dem Gegner auseinandersetzt. Hier zum Beispiel sehen Sie die Affiche für ADO Den Haag gegen Ajax:

Das Wappentier von ADO Den Haag ist ein Storch, die drei Andreaskreuze sind das Erkennungszeichen im Wappen der Stadt Amsterdam. – Weitere Beispiele (für sachdienliche Erläuterungen fahren Sie mit Ihrer Maus über das Vorschaubild):

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Ajax liegt zurzeit fünf Verlustpunkte hinter Leader PSV auf Platz 2. Das Team hat sich also vom Sommer-Schock halbwegs erholt. Damals verpasste Ajax erstmals seit 1965 die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb.

Once upon a time in the south

Harvest am Mittwoch den 13. Dezember 2017

Die spinnen, die Aussies!

Wir starten mit einem Video.

Sie haben richtig gesehen, die letzte Runde der Hyundai A-League wurde “Star Wars Round” genannt. Der australische Verband (oder Hyundai, wer weiss das schon so genau) und der Filmkonzern Walt Disney haben sich da was ganz lustiges ausgedacht. Um den Film zu bewerben hat Walt Disney etwas Geld bezahlt und sich so die Namensrechte an einer Runde der Liga erkauft. Doch nicht nur das, Star Wars war auch auf dem Feld präsent.


Wenn Sie durch diesen Werbecoup nun Lust auf den Stuhlfilm bekommen haben, hier der Trailer:

Veranstaltungshinweis:
Am nächsten Sonntag um 16.00 messen sich in Luzern der FCL und die YB. Herr Harvest wird sich das Spiel ansehen gehen und von Bern aus anreisen. Interessierte dürfen sich gerne anschliessen und bei harvestbodenstrichrlätgmxpunktch melden. Das Programm und allfällige Aktivitäten (Achtung Sonntagsverkauf!) werden per Mail organisiert.

Sako trägt Goku

Herr Maldini am Freitag den 22. September 2017

Bakary Sako trägt Mangas am Fuss.

Dragonball Z ist eine japanische Mangaserie um Son-Goku und Son-Gohan, die auch hierzulande im TV lief. Sie ist dem Shōnen-Genre zuzuordnen, es gab sie auch als Bücher zu kaufen. Vielleicht erinnern Sie sich: Es waren jene Bücher, die Sie von hinten nach vorne lesen mussten und am Ende trotzdem drauskamen.

Was das mit Sako zu tun hat? Der französisch-malische Fussballer in Diensten von Crystal Palace – das ist jener Verein, der in der laufenden Premier-League-Saison weder ein Spiel gewinnen konnte noch ein Tor schoss – liess sich vom französischen Künstler Pierre Navarro einige Schuh-Modelle zum Thema Dragonball Z designen. Sie gehören zur “Manga-Collection” und gelten als die ersten zu 100 Prozent von Hand bemalten Fussballschuhe.

Im Vergleich zu dem, was Navarro sonst so entwirft, sind sie übrigens ganz hübsch (Klick auf eigene Gefahr).

Bilder: orravan_design/Twitter

Schläger in Öl

Herr Shearer am Donnerstag den 31. August 2017

Rembrandt, Van Gogh, Hodler? Alle nicht so gut wie der Schöpfer dieses Werks.

Vor einigen Jahren kam es vor dem St James’ Park zu Newcastle zu einem unschönen Rencontre zwischen einem Polizeipferd und einem aufgebrachten Anhänger des Heimteams, welches zuvor ein Derbyspiel gegen den Sunderland AFC unerklärlicherweise mit 0:3 verloren hatte. Das Foto von Barry Rogerson, der auf das Ross namens Bud eindrischt, gelangte darauf im Internet zu einiger Berühmtheit und ging auch ein bisschen in die Folklore der Geordies ein.

Bild: Twitter / @popeformosus

Jetzt wird es sogar Kunst! Im Schaufenster eines lokalen Bilderhändlers hat ein aufmerksamer Tourist dieses wunderschöne Werk entdeckt. Öl auf Leinwand, Künstler unbekannt, zu sehen ist Barry Rogerson, der einsame Kämpfer in seiner aussichtlosen Schlacht gegen die Symbole des übermächtigen Staats, ein letzter Versuch, diese verlorene Schlacht doch noch zu gewinnen. Seither ist viel passiert. Newcastle hat auf noch unerklärlichere Art und Weise noch mehr Derbys verloren, ist abgestiegen und sofort wieder raufgekommen. Dieses Sunderland, der Gegner von damals, kämpft seinerseits gerade darum, nicht in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abzusinken. Nach dem lange fälligen Abstieg und fünf Runden in der Championship trennt die “Black Cats” gerade noch ein Punkt von den Abstiegsplätzen.

 

Schneller Sprayer

Herr Shearer am Samstag den 12. August 2017

Eben noch im Internet, jetzt schon an der Mauer.

Ältere Leser erinnern sich: vom Supercup 2017 in Skopje zwischen Manchester United und Real Madrid dürfte mehr als das Resultat dieses Bild eines zerknautschten Marouane Fellaini in Erinnerung geblieben sein. Nun, es hat bloss etwa zwei Tage gedauert, bis ein unbekannter Graffitikünstler das viral gegangene Motiv auf eine Betonwand im australischen Melbourne gesprüht hatte. Wir lieben es!

Bild: FourFourTwo

 

Courtois, Mairesse, Duhart & Co.

Herr Maldini am Freitag den 7. Juli 2017

Wir reisen 80 Jahre zurück.

Was viele nicht wissen: Bereits Herr Rrr sammelte Bildchen seiner Fussballhelden, um diese dann in sein Album hineinzukleben. Nur hiessen diese damals nicht Panini-Bildli, sondern beispielsweise Nestlé-Bildli. Jeder Tafel Schokolade lag ein Bildchen bei, aber das wissen Sie ja bereits.

Das Kapitel “Fussball” in der Ausgabe 1936/37 war grossen französischen Fussballern gewidmet. Nachfolgend erfahren Sie, weshalb die französische Rasse im Fussball brillieren musste, aber auch, weshalb sie international noch nicht die Nummer eins war (ein Klick auf das jeweilige Bild vergrössert das visuelle Erlebnis). So viel sei verraten: L’ésprit, liebe Leserinnen und Leser, l’ésprit!

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La défense du but

Herr Maldini am Freitag den 30. Juni 2017

Frankie erklärt, worauf es ankommt.

Nestlé Peter Cailler Kohler behandelten wir bereits vor einer Woche, doch im wie beschrieben etwas gar randsportlastigen Band von 1938 war noch eine zweites Kapitel zum Runden Leder. Und was für eines! La défense du but. 

Was dort zu lesen war, ist für Sie natürlich nicht neu: Ein richtiger Torhüter trägt selbstverständlich langarm, und auf dem Kopf ein Béret. Er beherrscht das periphere Sehen, verkürzt den Winkel geschickt und antizipiert rechtzeitig. Aber schauen Sie selbst (ein Klick auf das jeweilige Bild vergrössert das visuelle Erlebnis):

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