Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Im Prinzenpark

Herr Pelocorto am Samstag den 29. September 2012

Herzlich willkommen zum dritten und letzten Teil der Kunst-Matinée. Wir besuchen ein Fussballspiel.

Also eigentlich nicht wir, sondern der Künstler Nicolas de Staël und seine Frau. Sie besuchen am 26. März 1952 im Parc des Princes in Paris das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Schweden. Ein aussergewöhnliches Spiel, das abends stattfindet, denn zum ersten Mal wird bei Flutlicht gespielt. Es ist bitterkalt, was aber dem Enthusiasmus der knapp 36’000 Zuschauer keinen Abbruch tut. Schweden gewinnt das Spiel durch ein Tor Westerbergs in der 86. Minute.

De Staël ist aufgewühlt vom Gesehenen und Erlebten. Kaum zuhause, beginnt er zu malen. Er arbeitet die ganze Nacht wie ein Besessener; am anderen Morgen ist die erste Serie Footballeurs entstanden. Wie stark ihn das Fussballspiel bewegt hat, zeigt sich im Brief, den er seinem Freund, dem Dichter René Char, einige Tage später schreibt:

« … Entre ciel et terre, sur l’herbe rouge ou bleue, une tonne de muscles voltige en plein oubli de soi avec toute la présence que cela requiert. Quelle joie ! René, quelle joie ! Alors j’ai mis en chantier toute l’équipe de France et de Suède (…) »

In den Tagen nach dem Spiel entstehen 15 Werke und am Schluss malt de Staël ein riesiges Bild, zwei Meter hoch und dreinhalb Meter breit – Le Parc des Princes:

Nicolas de Staël, Parc des Princes (Les Grands Footballeurs), 1952, Öl auf Leinwand, 200 x 350 cm

Opium für das Volk

Herr Pelocorto am Samstag den 29. September 2012

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in der Kirche?

Orlan, No Comment, Videoinstallation, 2009

Die Künstlerin Orlan aus Saint-Étienne setzt sich kritisch mit der Heiligsprechung des Fussballs auseinander. Die 75 Bälle am Fusse des Kreuzes sind mit Bibelauszügen bedruckt.

Fussball und Fledermäuse

Herr Pelocorto am Samstag den 29. September 2012

Herzlich willkommen zur 27. Kunst-Matinée. Zuerst schauen wir nach China. Oder Afghanistan.

Huang Yong Ping; A Football Match of June 14, 2002 (2003)

Detail aus: Huang Yong Ping; A Football Match of June 14, 2002 (2003)

Huang Yong Ping nimmt Bezug auf den Krieg in Afghanistan, wo die Amerikaner versuchten, das Land von den Taliban und der Al Kaida zu befreien. Auf dem Fussballplatz spielen amerikanische Soldaten gegen verschleierte Afghaninnen. Das Ganze wird überschattet von einem Meteoriten, der von Hunderten von Fledermäusen umkreist wird. Ping meinte, das sei eine traumähnliche Darstellung der Welt, in der wir heute leben.

Peruanisches Stimmungsbarometer

Herr Pelocorto am Samstag den 15. September 2012

Herzlich willkommen zum dritten und letzten Teil der Kunst-Matinée. Wir hören etwas genauer hin.

Das peruanische Nationalstadion in Lima ist mit einer raffinierten interaktiven Lichtinstallation ausgestattet. Im Stadioninnern unter dem Dach erfassen verschiedene Mikrofone den Geräuschpegel der Fans. Aus der Stärke und der Art des Lärms werden vier Stimmungslagen des Publikums ermittelt und an der Aussenhaut des Stadions über verschiedene Lichtmuster laufend visualisiert. So sehen Sie also, ob das Publikum sich langweilt, aufgeregt ist, feiert oder seiner Enttäuschung Ausdruck verleiht.

Blick von Innen nach Aussen

Das Spiel plätschert dahin

Tor für Peru!

Zehn Wochen Kunst

Herr Pelocorto am Samstag den 15. September 2012

Herzlich willkommen zur 25. Kunst-Matinée im Runden Leder. Aus aktuellem Anlass gegen wir nach Liverpool.

Dort startet heute Liverpool Biennial, das zweijährlich stattfindende Kunstfestival. Das grösste Festival der Insel über moderne Kunst erstreckt sich über die ganze Stadt – Galerien, Museen und weitere Austellungsorte beherbergen während zehn Wochen die Werke, Installationen, Projekte, Aktionen und Veranstaltungen.

Ein besonderes Augenmerk schenkt die siebte Ausgabe von Liverpool Biennial dem Thema Gastfreundschaft. Unter dem Titel The Unexpected Guest (der unerwartete Gast) werden Künstler und andere kluge Köpfe eingeladen, unsere Vorstellungen von Gastfreundschaft zu untersuchen.

Eines dieser Projekte ist The Anfield Tour, 2012. Nein, es geht nicht um eine Stadionbesichtigung, sondern um eine Bäckerei in unmittelbarer Nähe der Anfield Road, die diesen Januar nach über 85 Jahren wegen des bevorstehenden Abbruchs schliessen musste, weil das ganze Quartier aufgewertet werden sollte.

Die holländische Künstlerin Jeanne van Heeswijk in der ehemaligen Mitchells Bäckerei

Eine Künstlergruppe bestehend aus Jeanne van Heeswijk, Britt Jurgensen, Debbie Morgan und Graham Hicks sowie Einwohnern von Anfield geben jetzt Gegensteuer. Unter ihrer Leitung wird in den nächsten 18 Monaten eine Gruppe junger Leute die Mitchells Bäckerei nach und nach wieder in Betrieb nehmen. Was jetzt schon klar ist: Auch wenn man langsam startet, will man an Matchtagen den Fans des Liverpool FC Scouse Pies anbieten.

Diese Blase platzt nicht

Herr Pelocorto am Samstag den 1. September 2012

Herzlich willkommen zum zweiten Teil des Liverpool-Vormittags! Jetzt wird es schweinisch.

Regelmässige Leserinnen und Leser der Kunst-Matinée erinnern sich vielleicht an den Künstler John O’Shea, der an Workshops Fussbälle aus Schweinsblasen herstellen lässt.

Als O’Shea vor einem Jahr hörte, dass eine künstlich gezüchtete menschliche Blase erfolgreich transplantiert worden ist, überlegte er sich, wie er diese Biotechnologie für den Fussball nutzen könnte. Er liess sich in einem Liverpooler Labor während sechs Monaten in die Geheimnisse der Züchtung von Geweben einweihen. Unzählige Experimente später gelang es ihm und den Professoren John Hunt und Theun Van Veen (Clinical Engineering Research Unit, Universität Liverpool) aus Schweine-Stammzellen einen Fussball zu züchten.

Sie möchten nichts mehr von Fussball wissen? Hier sind Sie richtig!

Herr Pelocorto am Samstag den 25. August 2012

Herzlich willkommen zum dritten und letzten Teil der heutigen Kunst-Matinée. Es geht nicht mehr um Fussball.

Wenn Sie sich gar nicht für Fussball interessieren, dann sollten Sie Ende September in Hamburg die Millerntor Gallery besuchen. Dort wird junge deutsche Kunst unter den Tribünen des FC St. Pauli ausgestellt und vor allem verkauft. Der Erlös kommt einem Wasserprojekt der Welthungerhilfe im ostafrikanischen Uganda zugute.

Helge Schwarzer

Christian Rinke

Rebelezer

Mer Informationen finden Sie bei Viva con Agua; Sie treffen bei der Vernissage auch einen Greis.

Sie möchten keine Tore sehen? Hier sind Sie richtig!

Herr Pelocorto am Samstag den 25. August 2012

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Wir machen hinten dicht.

Günther Uecker, 'Tor vernagelt', 2000, Draht, Stahl, Holz und Farbe, 43 cm hoch

Wer kein Tor kassiert, verliert das Spiel nicht. So einfach ist Fussball.

Günther Uecker, 'Tor vernagelt', 2000, Draht, Stahl, Holz und Farbe, 43 cm hoch

Sie lesen nicht? Hier sind Sie richtig!

Herr Pelocorto am Samstag den 25. August 2012

Herzlich willkommen zur 24. Kunst-Matinée im Runden Leder. Zuerst schaffen wir das Lesen ab.

Dieter Roth, Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Werke in 20 Bänden, 1974, Assemblage, Material: Taschenbuch

Sie lesen noch? Wie retro. Der Schweizer Künstler Dieter Roth hat das Lesen schon vor 40 Jahren für Sie abgeschafft und alle Bücher einer wesentlich nützlicheren Verwendung zugeführt. Er hat einfach alles verwurstet.

Seine ‹Literaturwürste› hat er anhand richtiger Wurstrezepte hergestellt und dabei einfach die Fleischmasse durch die Buchschnipsel ersetzt. Die Masse wurde rezeptgetreu gewürzt und in Därme abgefüllt. Die Würste hat Roth dann mit den Etiketten der Buchtitel versehen und fertig war die attraktive Kost. So würde sogar ich Hegel lesen.

Dieter Roth machte aber nicht Halt bei den deutschen Idealisten. Selbstverständlich wurde auch der Fussball verwurstet.

Dieter Roth: Literaturwurst (Martin Walser " Halbzeit"), 1961

Menschenmengenmalerei

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juli 2012

Herzlich willkommen zum dritten und letzten Teil der heutigen Kunst-Matinée. Wir suchen die Nähe zu Ihnen und mischen uns unter das Publikum.

Thomas Strobl, Vienna, Öl auf Leinwand, 2011, 70 x 240 cm

Thomas Strobl, St. Pölten, Öl auf Leinwand, 2011, 70 x 240 cm

Thomas Strobl, Im Stadion #1, Öl auf Leinwand, 2011, Grösse unbekannt

Tomas Castellani, Los Borrachos del Tablón, Datum und Grösse unbekannt

Diesen Beitrag verdanke ich einem kunstsinnigen Leser, der mich kürzlich auf Thomas Strobl und Tomas Castellani aufmerksam machte. Leider kann ich ihn aus technischen Gründen hier nicht nennen. Trotzdem herzlichen Dank für die Hinweise.

Kleinkram

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juli 2012

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Jetzt sollten Sie zuerst eine Lupe holen.

Nicht alles muss gross sein, was mit Fussball zusammenhängt. Manchmal lohnt es sich, genau hinzuschauen.

Christopher Boffoli, Constant sneezing added an additional element of challenge to the game, Datum unbekannt

Kevin Collins, Soccer miniatures, Juli 2009

Provenienz unbekannt, Wembley Stadion, Datum unbekannt (Fotografie im Tilt-Shift-Verfahren)

Gut im Schuss

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juli 2012

Herzlich willkommen zur 23. Kunst-Matinée im Runden Leder. Zuerst werden wir fein stofflich.

Fussbälle müssen nicht zwingend aus Leder oder Polyurethan sein. Der Designer Klas Herbert hat 2008 und 2009 eine ganze Serie Fussbälle aus erlesenen Wollstoffen geschaffen.

Bei Geweben heissen die Querfäden Schuss oder Schussfäden, die in Längsrichtung nennt man Kette oder Kettfäden.