Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Plattentellerduelle (2)

Herr Noz am Dienstag den 15. Juni 2021

Willkommen zur bereits zweiten Folge der beliebten Serie «Plattentellerduelle». Heute trifft Ungarn auf Portugal.

Die ungarische Delegation schickt das gewöhnungsbedürftige, aber durchaus gefällige Stück «Hajrá» aus dem Jahr 1982 ins Rennen. Das von den beiden ehemaligen Nationalspielern András Töröcsik und Tibor Nyilasi recht freihändig interpretierte Lied klingt wie das uneheliche Kind von My Sharona und Prins Póló. Aber überzeugen Sie sich selbst.

 

Aus Portugal erreichen uns derweil ungewohnt fröhliche Töne. Nichts mit tristeza und melancholischem Fado, nein, in dem eingängigen Stück «Selecção de todos nós» (Tozé Brito, 1984) wird ein gerüttelt Mass an Zuversicht verströmt. Wir können es alle spüren: Dieses Team will das Turnier erneut gewinnen.

 

Nun denn. Möge das Duell ein Ergebnis zeitigen.

(Songmaterial via 45football.com)

Plattentellerduelle (1)

Herr Noz am Samstag den 12. Juni 2021

BREAKING NEWS: Heinz Einz in Baku – Schweiz und Wales trennen sich unentschieden

Willkommen zur ersten Folge der bereits jetzt schon legendären «Plattentellerduelle», wo Fussballsongs gegeneinander antreten. Heute: Wales gegen die Schweiz.

Wales hat den lüpfigen Titel «The Dragon’s Army» aus dem Jahr 1985 eingereicht, das mit einer zeitgeisttypischen Synthi-Melodie auftrumpft. Mutig mutig. Das Lied möchte insgeheim von Rod Stewart sein, aber es reicht doch irgendwie nicht ganz. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Ui ui.

 

Für die Schweiz treten an die Ganglords mit ihrem Stück «Penalty Goal» von 2008. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Ui ui. Die älteren Leute kennen diese Ganglords übrigens noch von früher, zum Beispiel vom Stop-F/A-18-Benefiz-Doppelalbum. Lassen Sie also bitte jetzt geregelt die Knie bouncen und chillen Sie Ihre Basis. Hopp de Bäse.

 

(Das Songmaterial zu diesem Beitrag haben wir übrigens der sehr gut kuratierten Seite 45football.com entnommen. Danke, sehr gut kuratierte Seite 45football.com!)

Muntere Musik

Briger am Montag den 7. Juni 2021

Zum Wochenstart, ein paar Takte Musik.

Der französische Rapper Vald (bürgerlich Valentin Le Du) hat letzte Woche den Song “footballeur”, gedreht im Stade de la Licorne in Amiens, präsentiert. In diesem Stück träumt er davon, als Spieler des FC Échelon, sein Label heisst Echelon Records, die “Super Mega League” gegen Real Madrid zu gewinnen. Leider sieht Vald dann im Finale beim Stand von 1:6 die rote Karte.

Zuvor schaltete das Team bereits Juventus und die Bayern aus und wer genau hinsieht, wird auch noch eine Szene der jüngeren Fussballgeschichte sehen. Welche das ist, erfahren Sie, wenn Sie nach dem Video auf “Diesen Beitrag weiterlesen” klicken.

Musik ab:

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Rot-Gelb-Grüner Reggae-Gott-Gedenkstoff

Herr Winfried am Mittwoch den 28. April 2021

Ajax Amsterdams neues “Ausweichtrikot” ist ziemlich gelungen.

Wenn die Pandemie nicht wäre, dann wäre YB gegen Ajax Amsterdam wohl trotzdem aus dem Europacup ausgeschieden. Bestimmt aber hätten Tausende Gästefans die holländische Hauptstadt bevölkert und beräuchert, für das grünkrautaffine Berner Fussballpublikum wäre Amsterdam eine durchaus beliebte Destination gewesen. Hätte, wäre, item.

Die Rastafari-Bewegung und ihre Lieblingspflanze ist in den Niederlanden auch sonst bedeutsam. Zum Beispiel in der Fanszene von Ajax Amsterdam. Diese besingt gerne und oft Bob Marleys “Three Little Birds” – gerne auch gemeinsam mit dessen Sohn. Das dritte Trikot der Amsterdamer für die Saison 2021/2022 ist eine Hommage an die verstorbene Reggae-Legende.

Die drei kleinen Vögelein übrigens, die hocken den Spielern auf den hinteren Schulterblättern. Nun braucht Ajax noch dafür zu sorgen, dass Heim- und Auswärtstrikot möglichst gleich aussehen, damit das “Ausweichtrikot” auch regelmässig getragen wird.

Akzeptable Alternative

Herr Noz am Samstag den 24. April 2021

Sie finden die Musikgruppe “Queen” grundsätzlich in Ordnung, aber vom einschlägigen Meisterlied haben Sie mittlerweile wirklich die Nase gestrichen voll? Dann geht es Ihnen gleich wie Kulturkorrespondent Noz.

Auf der Suche nach etwas Linderung sind wir auf die wunderliche Hipster-Combo Øzwald gestossen, die sich nicht zuletzt mit gefälligen Cover-Versionen verdient macht. Øzwalds nachgespielte Version des unsäglichen Queen-Klassikers halten wir denn auch für eine akzeptable Alternative. Sie ist zudem auch filmisch ausserordentlich gelungen, Text-Bild-Schere Hilfsausdruck!!!

Der Rest von Øzwalds musikalischem Schaffen klingt ein wenig so, als hätte ein selbstlernender Entschleunigungsalgorithmus die Hälfte der Tonspur von Cake auf subtile Weise rückwärts durch eine leere Spieldosenfabrik geschwummpt, dann aber sehr kundig und souverän einen Beatle-esken Gesang darüberquadröselt. Genauer können wir es leider auch nicht bestimmen. Hören Sie doch einfach mal selber rein.

Luzide Lektüre

Herr Noz am Dienstag den 20. April 2021

Zur Abwechslung mal was Lesenswertes aus Basel.

Auch farblich gelungen

Der unlängst zu Unrecht verstorbene Grüne Politiker und Rechtsanwalt Daniel Vischer (1950–2017) hat Memoiren hinterlassen, die nun bei der löblichen Edition 8 als Buch erscheinen.

Das umfangreiche Werk versammelt präzis analysierte Episoden der jüngeren Schweizer Politik, persönliche Erinnerungen an den Basler ‘Daig’ und allerhand anderweitig gesellschaftlich Relevantes (stets nach dem einschlägigen Motto ‘parteiisch, aber fair’). Einige Promis werden dabei durchaus in den wohl verdienten Senkel gestellt, aber es handelt sich nicht eigentlich um fiese Tacklings oder Blutgrätschen.

Fussball? Richtig, um den geht es regelmässig auch, denn Vischer war nicht nur ein animal politique, sondern verstand auch was vom Runden Leder. Was für linke Politiker ja nun nicht gerade selbstverständlich ist. (Aber Sie wissen: Ein anderer grüner Daniel hatte sich kürzlich auch schon bereits als Fussballchecker geoutet.) Ja, der Vischer wäre womöglich gar einer fürs Radio Gelbschwarz gewesen, denn eigentlich habe er Fussballreporter werden wollen, sich dann aber leider nie getraut.

Das Buch ist rhetorisches Tiki-Taka – filigrane Technik, präzise Querpässe, solide Defensive –, wobei Vischer zuweilen etwas anachronistisch den Libero gibt. Dafür wird endlich mal Luhmann rehabilitiert. Und die 80er-Bewegung. Und sogar der Fall DD wird kurz angeschnitten (allerdings derjenige von 1968).

Daniel Vischer: Eckdaten. Linke Politik und rechter Fussball. Zürich 2021. 328 Seiten. 24 Franken

Spannung total im Kinosaal

Herr Shearer am Donnerstag den 4. März 2021

Sehnen Sie sich auch nach einem gemütlichen Kinoabend?

Wer weiss, vielleicht ist das ja bald schon wieder möglich. Die Produktionsgesellschaften haben auf alle Fälle schon wieder einige Knaller in der Warteschlaufe. Besonders gespannt darf man auf eine Fortsetzung von Francis Ford Coppolas Klassiker “The Godfather” sein, der demnächst auf die grossen Leinwände kommt. Sehen Sie hier einen ersten Trailer – wir sind jedenfalls schon ganz gespannt, was es mit Don Bernardos Drohungen auf sich hat und wer diesmal ins Gras beissen muss. Film ab!

Super Soccer Sound

Herr Noz am Dienstag den 2. März 2021

Willkommen zu einer weiteren Ausgabe unserer beliebten Reihe “Lieder wo es drin um Fussball geht”. 

Logo der Serie Lieder wo es drin um Fussball gehtSie haben ja inzwischen brav alle bisherigen Folgen auswendig gelernt, deshalb können wir jetzt endlich weitermachen. Heute stelle ich Ihnen die geeignete Musik für lauschige Frühlingstage im Home Office vor.

Die Künstlerin heisst Soccer Mommy, und das ist es vermutlich bereits schon im Wesentlichen mit dem Fussballbezug. Aber sei’s drum, die Musik ist recht ordentlich gut. Hören Sie doch einfach mal rein, es kostet ja nichts.

Soccer Mommy ist übrigens auf Europa-Tournee, also das heisst, Sie wissen ja. Vielleicht im Sommer dann.

Warum Soccer gar nichts Böses aus USA ist, hat Ihnen übrigens unser Briefkastenonkel unlängst schon erklärt.

Plastiline Pausenplatzidole

Herr Maldini am Dienstag den 2. März 2021

William Child macht Kunst.

Der Brite kreiert in seinem Studio in Bristol Figuren aus Plastilin und haucht ihnen manchmal auch Leben ein, zum Beispiel in diesem Musikclip. Child befasst sich aber auch mit Fussball. So entwarf er unter anderem eine lebensgrosse Büste von Carles Puyol für die Champions-League-Sendung eines TV-Senders (unser Funkbild).

Bild: gravymercedes.com

Child kennt aber noch mehr Fussballer: Etwa Erling Haaland, den einzigartigen Ronaldo, Carlo Ancelotti und Raphinha. Wenn Sie mehr sehen möchten, gehen Sie bei Childs Studio Gravy Mercedes vorbei. So, und jetzt schauen wir noch ein Video:

Wonnige Weihnachten an der Wolga

Herr Shearer am Mittwoch den 30. Dezember 2020

Nur noch acht mal schlafen bis Weihnachten!

Russland hinkt dem Westen ja bekanntlich etwas hinterher, darum wird die Geburt Jesu Christi in der russisch-orthodoxen Kirche erst am 7. Januar gefeiert. Ein schönes Geschenk macht der FC Rubin Kasan seinen Anhängerinnen und Anhängern bereits jetzt – Trainer Leonid Sluzky höchstpersönlich singt eine wunderschöne Coverversion eines Songs, das Ihnen in der Festzeit normalerweise in der Originalversion von Mariah Carey auf die Nerven geht. So hingegen klingt es irgendwie nach Leningrad Cowboys auf schlechten Drogen. Aber hören und schauen Sie selbst!

Fussball in Nicht-Fussball-Büchern

Briger am Montag den 23. November 2020

Rundes-Leder-Literaturtipp in der Vorweihnachtszeit.

Via decathlon.ch

“Ausgestreckt auf dem Bett seiner Zelle, errinerte sich Joxe Mari. An was? Daran, dass er in jenem Jahr einundzwanzig wurde und von den dreien der Jüngste war. Weit waren sie aber nicht auseinander. Txopo war mit vierundzwanzig der Älteste.
‘Warum nennt man dich Txopo?’
‘Das ist eine Kindergeschichte.’
Als Kind spielte er oft Fussball auf einer Grasfläche in der Nähe seines Elternhauses. Die Metallpfosten einer Wäscheleine mussten als Torpfosten herhalten. Für eine richtige Mannschaft gab es nicht genügend Kinder. Also spielten sie drei gegen drei, vier gegen vier, mehr meistens nicht, und er war der einzige Torwart. Er hielt für beide Mannschaften die Bälle und moderierte vom Tor aus das Spiel.
‘Das musst du uns erklären.’
Na ja, er gab jedem Spieler den Namen eines berühmten Fußballers und kommentierte den Spielverlauf, wie ein Radiosprecher. Und da er sich in Erinnerung an Iríbar – der damals sein Idol war – selbst oft Txopo nannte, behielt er den Spitznamen einfach bei.
Patxo war auch Fußballer und Fan der Real Sociedad de San Sebastián.
‘Sag bloss, du bist für Athletic.’
‘Und das mit Stolz.’
‘Das fängt ja gut an mit uns beiden. Warum hast du dich dann nicht fürs Kommando Vizcaya gemeldet?’
‘Weil mir keiner gesagt hat, dass ich es hier mit einem Typen wie dir aushalten muss.’
Joxe Mari griff vermittelnd ein:
‘Schon gut, Jungs, es gibt auch noch andere Sportarten.’
‘So, welche denn?’
‘Handball’
Um ihn hochzunehmen:
‘Ach geh, das ist doch kein Sport.’
‘Nein? Was dann’
‘Handball ist zu Fußball wie Pingpong zu Tennis.’
‘Oder wie wichsen zu ficken.’
Ha, ha, ha, hi, hi, hi, da schütteten sie sich aus vor Lachen, die Drecksäcke, während er sie anstarrte, ohne mit einer Wimper zu zucken.”

(aus: Fernando Aramburu: Patria. Hamburg 2019)

ZWISCHENSTAND RL-TOTO – “Herr Rrr, was haben Sie getrunken?!”
1. Dr_Wu, 51; 2. zuffi, 47; 3. Pidrea, 46; 22. Herr Rrr, SwissFootyBot, 39; 50. Herr Maldini, Herr der Ama, 33; 70. Herr Briger, 28; 77. Herr Shearer, 26; 87. Herr Winfried, 21; Die Tipps der Runde: Herr Rrr (16 Punkte).

Kleine Kulturreise

Dr. Rüdisühli am Samstag den 10. Oktober 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinee. Wir fahren ans Rheinknie.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr zuffi

Wenn es eine Stadt gebe in der Schweiz, in der Kultur und Fussball so richtig dicke zusammengehören, dann sei das Basel. Wie oft habe ich das gehört… Ständig wird einem das um die Ohren gehauen, bei sporadischen Blockflöteneinsätzen in der Stadt am Rhein, in Podcasts, in Aufarbeitungen der aktuellen Situation des dortigen FCs … Kurz: ich musste einfach verifizieren, ob da etwas dran ist. Und so reiste ich in eine durchaus fussballaffine Stadt voller Kultur.

Bereits bei der Ankunft fielen mir die zahlreichen Werbesticker für einen mutigen Independent-Film auf. Es scheint eine Art kritisches Remake eines Hollywood-Klassikers zu sein, aber diverser und mit mehr Lokalbezug. Scheinbar wurde der lahmen Schiffsgeschichte eine Prise Fussball hinzugefügt, was sicher nicht schaden kann.

Leider hatte das von mir aufgefundene Kleinstkino den Film (noch?) nicht im Programm. Aber trotzdem ein eindrücklicher Start!

Dann die Überraschung: Bei der Rheinquerung wurde mir bewusst, dass irgendetwas mit dem Selbstverständnis dieser Stadt nicht in Ordnung sein kann. Oder können Sie sich blau-rote Pontonierboote auf der Aare vorstellen? Eben.

Dann aber zägg: Museum Tinguely. Und Fussball im Überfluss. Geniessen Sie hier einige Bilder aus der Ausstellung von Taro Izumi. Izumi hat sich enorm viel Arbeit aufgehalst, weil er es lustig findet, Fussball-Fotos mit Hilfe von unglaublichen Konstruktionen nachzuempfinden. Der flüchtige Moment wird eingefangen, konserviert und reproduzierbar gemacht. Es bleibt einem der Mund offen vor Staunen und Lachen.

Interessant auch, dass sogar japanische Künstler anscheinend den Drang verspüren, das grosse Thema FCB-BSCYB verarbeiten müssen.

Nach einer weiteren Fährfahrt, einem äusserst leckeren spanischen Mittagessen in der schmucken Altstadt und dem obligaten Plunder am Hauptbahnhof (zuff’scher Tip: der beste aller Bahnhofsverpflegungsstände der Schweiz) musste ich die Stadt bereits wieder verlassen.

Zuhause wartete die obligate RL-Nachlesestunde, man will ja sein Abonnement nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Und da traute ich meinen Augen kaum: Irgendwie hat sich diese Stadt sprichwörtlich in mein System geschlichen und versucht nun anscheinend, zumindest meinen kleinen Rechner in Beschlag zu nehmen.