Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Wonnige Weihnachten an der Wolga

Herr Shearer am Mittwoch den 30. Dezember 2020

Nur noch acht mal schlafen bis Weihnachten!

Russland hinkt dem Westen ja bekanntlich etwas hinterher, darum wird die Geburt Jesu Christi in der russisch-orthodoxen Kirche erst am 7. Januar gefeiert. Ein schönes Geschenk macht der FC Rubin Kasan seinen Anhängerinnen und Anhängern bereits jetzt – Trainer Leonid Sluzky höchstpersönlich singt eine wunderschöne Coverversion eines Songs, das Ihnen in der Festzeit normalerweise in der Originalversion von Mariah Carey auf die Nerven geht. So hingegen klingt es irgendwie nach Leningrad Cowboys auf schlechten Drogen. Aber hören und schauen Sie selbst!

Fussball in Nicht-Fussball-Büchern

Briger am Montag den 23. November 2020

Rundes-Leder-Literaturtipp in der Vorweihnachtszeit.

Via decathlon.ch

“Ausgestreckt auf dem Bett seiner Zelle, errinerte sich Joxe Mari. An was? Daran, dass er in jenem Jahr einundzwanzig wurde und von den dreien der Jüngste war. Weit waren sie aber nicht auseinander. Txopo war mit vierundzwanzig der Älteste.
‘Warum nennt man dich Txopo?’
‘Das ist eine Kindergeschichte.’
Als Kind spielte er oft Fussball auf einer Grasfläche in der Nähe seines Elternhauses. Die Metallpfosten einer Wäscheleine mussten als Torpfosten herhalten. Für eine richtige Mannschaft gab es nicht genügend Kinder. Also spielten sie drei gegen drei, vier gegen vier, mehr meistens nicht, und er war der einzige Torwart. Er hielt für beide Mannschaften die Bälle und moderierte vom Tor aus das Spiel.
‘Das musst du uns erklären.’
Na ja, er gab jedem Spieler den Namen eines berühmten Fußballers und kommentierte den Spielverlauf, wie ein Radiosprecher. Und da er sich in Erinnerung an Iríbar – der damals sein Idol war – selbst oft Txopo nannte, behielt er den Spitznamen einfach bei.
Patxo war auch Fußballer und Fan der Real Sociedad de San Sebastián.
‘Sag bloss, du bist für Athletic.’
‘Und das mit Stolz.’
‘Das fängt ja gut an mit uns beiden. Warum hast du dich dann nicht fürs Kommando Vizcaya gemeldet?’
‘Weil mir keiner gesagt hat, dass ich es hier mit einem Typen wie dir aushalten muss.’
Joxe Mari griff vermittelnd ein:
‘Schon gut, Jungs, es gibt auch noch andere Sportarten.’
‘So, welche denn?’
‘Handball’
Um ihn hochzunehmen:
‘Ach geh, das ist doch kein Sport.’
‘Nein? Was dann’
‘Handball ist zu Fußball wie Pingpong zu Tennis.’
‘Oder wie wichsen zu ficken.’
Ha, ha, ha, hi, hi, hi, da schütteten sie sich aus vor Lachen, die Drecksäcke, während er sie anstarrte, ohne mit einer Wimper zu zucken.”

(aus: Fernando Aramburu: Patria. Hamburg 2019)

ZWISCHENSTAND RL-TOTO – “Herr Rrr, was haben Sie getrunken?!”
1. Dr_Wu, 51; 2. zuffi, 47; 3. Pidrea, 46; 22. Herr Rrr, SwissFootyBot, 39; 50. Herr Maldini, Herr der Ama, 33; 70. Herr Briger, 28; 77. Herr Shearer, 26; 87. Herr Winfried, 21; Die Tipps der Runde: Herr Rrr (16 Punkte).

Kleine Kulturreise

Dr. Rüdisühli am Samstag den 10. Oktober 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinee. Wir fahren ans Rheinknie.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr zuffi

Wenn es eine Stadt gebe in der Schweiz, in der Kultur und Fussball so richtig dicke zusammengehören, dann sei das Basel. Wie oft habe ich das gehört… Ständig wird einem das um die Ohren gehauen, bei sporadischen Blockflöteneinsätzen in der Stadt am Rhein, in Podcasts, in Aufarbeitungen der aktuellen Situation des dortigen FCs … Kurz: ich musste einfach verifizieren, ob da etwas dran ist. Und so reiste ich in eine durchaus fussballaffine Stadt voller Kultur.

Bereits bei der Ankunft fielen mir die zahlreichen Werbesticker für einen mutigen Independent-Film auf. Es scheint eine Art kritisches Remake eines Hollywood-Klassikers zu sein, aber diverser und mit mehr Lokalbezug. Scheinbar wurde der lahmen Schiffsgeschichte eine Prise Fussball hinzugefügt, was sicher nicht schaden kann.

Leider hatte das von mir aufgefundene Kleinstkino den Film (noch?) nicht im Programm. Aber trotzdem ein eindrücklicher Start!

Dann die Überraschung: Bei der Rheinquerung wurde mir bewusst, dass irgendetwas mit dem Selbstverständnis dieser Stadt nicht in Ordnung sein kann. Oder können Sie sich blau-rote Pontonierboote auf der Aare vorstellen? Eben.

Dann aber zägg: Museum Tinguely. Und Fussball im Überfluss. Geniessen Sie hier einige Bilder aus der Ausstellung von Taro Izumi. Izumi hat sich enorm viel Arbeit aufgehalst, weil er es lustig findet, Fussball-Fotos mit Hilfe von unglaublichen Konstruktionen nachzuempfinden. Der flüchtige Moment wird eingefangen, konserviert und reproduzierbar gemacht. Es bleibt einem der Mund offen vor Staunen und Lachen.

Interessant auch, dass sogar japanische Künstler anscheinend den Drang verspüren, das grosse Thema FCB-BSCYB verarbeiten müssen.

Nach einer weiteren Fährfahrt, einem äusserst leckeren spanischen Mittagessen in der schmucken Altstadt und dem obligaten Plunder am Hauptbahnhof (zuff’scher Tip: der beste aller Bahnhofsverpflegungsstände der Schweiz) musste ich die Stadt bereits wieder verlassen.

Zuhause wartete die obligate RL-Nachlesestunde, man will ja sein Abonnement nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Und da traute ich meinen Augen kaum: Irgendwie hat sich diese Stadt sprichwörtlich in mein System geschlichen und versucht nun anscheinend, zumindest meinen kleinen Rechner in Beschlag zu nehmen.

Arschkarte im Adamskostüm

Rrr am Montag den 24. August 2020

Endlich erfunden: Der Nacktfussball!

22 Fussballer aus dem Ruhrpott, aus Hessen und aus Holland trafen sich in Oer-Erkenschwick zu einem viel beachteten Nacktspiel. Sie folgten einem Aufruf des Aktionskünstlers Gerrit Starczewski.

“Wir zeigen dem modernen Fussball die Arschkarte”, sagte Starczewski. Ausserdem wollte er “Bilder schaffen, die es zuvor noch nicht gegeben hat. Wie etwa verhält sich der Körper beim Kopfball, beim Dribbling?”

Bekleidet waren die Kicker nur mit Fussballschuhen sowie Stutzen in schwarz und blau. So konnte der (bekleidete) Schiedsrichter die Mannschaften auseinanderhalten.

Als Nächstes möchte Starczewski nun die deutsche Nacktionalmannschaft gründen.

Marseilles magischer Megafon-Mann

Herr Shearer am Donnerstag den 30. Juli 2020

Heute schauen wir in die Röhre.

Foto: Alain Sauvan

Weil wir haben da einen Filmtip. Praktischerweise müssen Sie dafür nicht einmal ins Kino, abendfüllend ist der Streifen mit einer guten halben Stunde Dauer auch nicht. Sie könnten also auch jetzt gerade, wo Sie doch sicher immer noch in Ihrem Büro daheim sind…

Vor zwanzig Jahren, am 28. Juli, starb in Marseille Patrice de Peretti, bekannt unter seinem Spitz- und Künstlernamen Depé. Alles über dessen kurzes, aber sehr bewegtes Leben als Capo im Stade Vélodrome und im Umfeld des grossen OM von Anfang der Neunzigerjahre lesen Sie in diesem langen und lehrreichen Artikel bei unseren Kollegen von SoFoot (allerdings auf französisch, mais ça vous fait certainement du bien). Ältere Leserinnen und Leser mögen sich vielleicht noch erinnern: früher waren bei Fussballspielen auch Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt, und bei den ganz heissblütigen sorgte ein Capo als Vorsänger dafür, dass die Anfeuerungen und Gesänge koordiniert durchs Stadion schallten. Hach, das waren Zeiten… Jetzt aber Film ab!

Sensationelle Szenen

Herr Maldini am Dienstag den 9. Juni 2020

Der heutige Morgen steht im Zeichen der Kunst.

유르이프 aus Seoul interessiert sich für Fussball, der sich dank der Globalisierung auch in Südkorea einer grossen Beliebtheit erfreut. Er widmet sich aber nicht nur dem modernen Fussball, sondern auch längst vergangenen Zeiten. Aus diesem Grund hat er das Projekt “My Own Stadium” gezeichnet (ein Klick auf das Bild vergrössert das Erlebnis):

Bild: 유르이프 / instagram.com/youminsang

Noch detaillierter finden Sie die “My Own Stadium”-Szenen hier. Der Künstler mit Hang zum FC Liverpool fertigt Ihre Helden auch einzeln an: Diesen Beitrag weiterlesen »

Gezeichnete Goalies

Herr Shearer am Donnerstag den 28. Mai 2020

Torhüter sind anders.

Mit den Goalies im Fussball ist es etwa so wie mit dem Social Distancing im aktuellen Alltag: ohne ist schöner, mit ist sicherer. Trotzdem gibt es Leute, die ein Faible für diese Position haben und sich auch künstlerisch damit beschäftigen. So zum Beispiel auch Doug Nash, der sich ebenfalls – allerdings erfolglos – zwischen den Pfosten versucht hat, dessen Talente aber eher kreativer Natur sind. Deshalb zeichnet er nun seine Helden, und Sie können diese Werke auf verschiedenen Trägermaterialien erwerben, so Sie denn wollen. Alle grossen Goalies der Fussballgeschichte sind vertreten, ausser verwunderlicherweise die Legenden Eichenberger, Zurbuchen und Wölfli. Wir können uns das auch nicht erklären.

Wie, Sie möchten sich Ihre vier Wände ja schon gerne mit so Fussballzeugs verschönern, kaufen neuerdings aber prinzipiell nur noch lokal ein? Auch da haben wir was für Sie. Da kriegen Sie dann zum Beispiel auch einen Wolf.

Naturschutzgebiet Allmend

Harvest am Dienstag den 19. Mai 2020

Geht es nach den Grünen der Stadt Luzern, wird in der Swisspor-Arena nie mehr Fussball gespielt.

Seit dem Lockdown Mitte März wurde der Rasen in der Swisspor-Arena in Luzern nicht mehr gemäht und das ganze Stadion war so gut wie ausgestorben. „Ausgestorben? Alles andere als das!“ sagt Ruth Bucher (Grüne) lachend. „Durch den Lockdown und die damit verbundene Ruhe im Stadion konnte sich die Natur die Grünfläche zurück erobern.“ Inzwischen sei die Wiese ökologisch so wertvoll, dass an eine Wiederaufnahme des Fussballbetriebs nicht zu denken sei. „Wir verlangen, dass die Stadt die Fläche unter Naturschutz stellt und im Stadion nie mehr Fussball gespielt wird.“

Im Stadion soll ein Naturschutzgebiet entstehen. Quelle: Wikipedia

Unterstützt wird Bucher von Petra Gmür von Pro Natura Luzern. „Es handelt sich um eine Fläche von etwas mehr als 7’000 Quadratmeter, das entspricht etwa einem Fussballfeld, so viel sollte uns eine gesunde Natur schon wert sein.“ Eine Online Petition sei bereits erfolgreich gestartet. „Schon über 50 Personen haben die Petition unterschrieben.“ sagt Gmür und fügt an: „Bis Ende Monat werden wir gemeinsam mit Parlamentariern einen Vorstoss vorbereiten, der Fussball in der Swisspor-Arena bis auf Weiteres untersagt.“ Danach soll geprüft werden, in welcher Form die Fläche weiter aufgewertet werden kann.

Gmür und Bucher träumen gross. „Ein Teich mit einem Schilfgürtel wäre toll. Wir stellen uns vor, dass Schulen Exkursionen ins Stadion machen können, da lernen die Schüler deutlich mehr als von überbezahlten Fussballern.“

Anmutiger Auftritt

Herr Winfried am Mittwoch den 29. April 2020

GC will nicht nur den Fussball, sondern auch die Kinowelt aufmischen.

Was macht eigentlich… Veroljub Salatic? Der Sympathieträger vieler Fussballfans ist nach diversen Umwegen und Turbulenzen wieder bei seinem Stammverein, den neuerdings wieder hoch ambitionierten Grasshoppers angesiedelt.

Während sich Spieler und Fans eines anderen bekannten Schweizer Fussballclubs gerade an den Meistertitel vor zwei Jahren zurückerinnern, durchlebt GC den Anfang von Phase eins nach der Übernahme durch die Champion Union HK Holdings Limited mit Besitzerin Jenny Wang.

Schritt 1: die Spieler in den Schauspielunterricht schicken. Natürlich schreitet Salatic als Kapitän des GC-Heers vorbildlich voran.

Quelle: Instagram GC Zürich

Superkräfte werden auch dem früheren YB-Stürmer Nassim Ben Khalifa attestiert. Einfach durch die Bildergalerie klicken.

Fidele Figur

Herr Maldini am Dienstag den 21. April 2020

Willkommen zur Kunstmatinée des Runden Leders.

Für einmal machen wir die Kunst heute selber. Sie benötigen:

  • Ton und Farbe
  • ein paar Werkzeuge, u. a. Modellierhölzchen und Pinsel
  • etwas Talent

Das Ergebnis sollte so aussehen:

Der allseits beliebte Lionel Andrés Messi Cuccittini, geformt aus Ton. Bild: Internet

Wie wir dazu kommen: Diesen Beitrag weiterlesen »

Schönes Schaffen

Herr Maldini am Dienstag den 24. März 2020

Herzlich willkommen zur zweiten Kunstmatinée an einem Dienstagmorgen in Serie.

Illustrator Arley Byrne aus Halifax (Grafschaft West Yorkshire) macht Kunst, wo es drin um Fussball geht. Dabei lässt er sich durchaus auch vom Tagesgeschehen beeinflussen, wie die ersten beiden Bilder zeigen:

  • Gutes Vorbild: Michael Owen.

  • Er auch: Héctor Bellerín.

  • Fergie in ungewohnter Aufmachung.

  • Cantona in bekannter Manier.

Alex Ferguson im City-Shirt ging viral, Cantona im Apéro ist Byrnes liebstes Werk.

Der Künstler verschliesst seine Augen vor der Realität nicht. Aktuell dürfte es vielen Fussballerinnen und Fussballern, aber auch der Leserschaft des Runden Leders, wie folgt gehen:

Sie möchten ein Bild von Alex Byrne käuflich erwerben? Das können Sie hier tun.

Bildquellen: instagram.com/_yelradoodles und cultkits.com.

Zeitlose Zeichnungen

Herr Maldini am Dienstag den 17. März 2020

Willkommen zur Kunstmatinée im Runden Leder.

Der brasilianische Künstler mit dem Namen Wedscley Melo malt Szenen der Fussballgeschichte nach, an die wir uns alle erinnern. Zum Beispiel diese da:

Melo hat ein Faible für seine Heimat, widmet sich aber durchaus auch dem Fussball ausserhalb Brasiliens. Er verfasste Werke zur spanischen Liga, zur Champions League oder zu Weltmeisterschaften. Erkennen Sie auch diese Partien?

Bestellen können Sie hier: Faz Meu Gol.