Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Kleine Kulturreise

Dr. Rüdisühli am Samstag den 10. Oktober 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinee. Wir fahren ans Rheinknie.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr zuffi

Wenn es eine Stadt gebe in der Schweiz, in der Kultur und Fussball so richtig dicke zusammengehören, dann sei das Basel. Wie oft habe ich das gehört… Ständig wird einem das um die Ohren gehauen, bei sporadischen Blockflöteneinsätzen in der Stadt am Rhein, in Podcasts, in Aufarbeitungen der aktuellen Situation des dortigen FCs … Kurz: ich musste einfach verifizieren, ob da etwas dran ist. Und so reiste ich in eine durchaus fussballaffine Stadt voller Kultur.

Bereits bei der Ankunft fielen mir die zahlreichen Werbesticker für einen mutigen Independent-Film auf. Es scheint eine Art kritisches Remake eines Hollywood-Klassikers zu sein, aber diverser und mit mehr Lokalbezug. Scheinbar wurde der lahmen Schiffsgeschichte eine Prise Fussball hinzugefügt, was sicher nicht schaden kann.

Leider hatte das von mir aufgefundene Kleinstkino den Film (noch?) nicht im Programm. Aber trotzdem ein eindrücklicher Start!

Dann die Überraschung: Bei der Rheinquerung wurde mir bewusst, dass irgendetwas mit dem Selbstverständnis dieser Stadt nicht in Ordnung sein kann. Oder können Sie sich blau-rote Pontonierboote auf der Aare vorstellen? Eben.

Dann aber zägg: Museum Tinguely. Und Fussball im Überfluss. Geniessen Sie hier einige Bilder aus der Ausstellung von Taro Izumi. Izumi hat sich enorm viel Arbeit aufgehalst, weil er es lustig findet, Fussball-Fotos mit Hilfe von unglaublichen Konstruktionen nachzuempfinden. Der flüchtige Moment wird eingefangen, konserviert und reproduzierbar gemacht. Es bleibt einem der Mund offen vor Staunen und Lachen.

Interessant auch, dass sogar japanische Künstler anscheinend den Drang verspüren, das grosse Thema FCB-BSCYB verarbeiten müssen.

Nach einer weiteren Fährfahrt, einem äusserst leckeren spanischen Mittagessen in der schmucken Altstadt und dem obligaten Plunder am Hauptbahnhof (zuff’scher Tip: der beste aller Bahnhofsverpflegungsstände der Schweiz) musste ich die Stadt bereits wieder verlassen.

Zuhause wartete die obligate RL-Nachlesestunde, man will ja sein Abonnement nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Und da traute ich meinen Augen kaum: Irgendwie hat sich diese Stadt sprichwörtlich in mein System geschlichen und versucht nun anscheinend, zumindest meinen kleinen Rechner in Beschlag zu nehmen.

Arschkarte im Adamskostüm

Rrr am Montag den 24. August 2020

Endlich erfunden: Der Nacktfussball!

22 Fussballer aus dem Ruhrpott, aus Hessen und aus Holland trafen sich in Oer-Erkenschwick zu einem viel beachteten Nacktspiel. Sie folgten einem Aufruf des Aktionskünstlers Gerrit Starczewski.

“Wir zeigen dem modernen Fussball die Arschkarte”, sagte Starczewski. Ausserdem wollte er “Bilder schaffen, die es zuvor noch nicht gegeben hat. Wie etwa verhält sich der Körper beim Kopfball, beim Dribbling?”

Bekleidet waren die Kicker nur mit Fussballschuhen sowie Stutzen in schwarz und blau. So konnte der (bekleidete) Schiedsrichter die Mannschaften auseinanderhalten.

Als Nächstes möchte Starczewski nun die deutsche Nacktionalmannschaft gründen.

Marseilles magischer Megafon-Mann

Herr Shearer am Donnerstag den 30. Juli 2020

Heute schauen wir in die Röhre.

Foto: Alain Sauvan

Weil wir haben da einen Filmtip. Praktischerweise müssen Sie dafür nicht einmal ins Kino, abendfüllend ist der Streifen mit einer guten halben Stunde Dauer auch nicht. Sie könnten also auch jetzt gerade, wo Sie doch sicher immer noch in Ihrem Büro daheim sind…

Vor zwanzig Jahren, am 28. Juli, starb in Marseille Patrice de Peretti, bekannt unter seinem Spitz- und Künstlernamen Depé. Alles über dessen kurzes, aber sehr bewegtes Leben als Capo im Stade Vélodrome und im Umfeld des grossen OM von Anfang der Neunzigerjahre lesen Sie in diesem langen und lehrreichen Artikel bei unseren Kollegen von SoFoot (allerdings auf französisch, mais ça vous fait certainement du bien). Ältere Leserinnen und Leser mögen sich vielleicht noch erinnern: früher waren bei Fussballspielen auch Zuschauerinnen und Zuschauer erlaubt, und bei den ganz heissblütigen sorgte ein Capo als Vorsänger dafür, dass die Anfeuerungen und Gesänge koordiniert durchs Stadion schallten. Hach, das waren Zeiten… Jetzt aber Film ab!

Sensationelle Szenen

Herr Maldini am Dienstag den 9. Juni 2020

Der heutige Morgen steht im Zeichen der Kunst.

유르이프 aus Seoul interessiert sich für Fussball, der sich dank der Globalisierung auch in Südkorea einer grossen Beliebtheit erfreut. Er widmet sich aber nicht nur dem modernen Fussball, sondern auch längst vergangenen Zeiten. Aus diesem Grund hat er das Projekt “My Own Stadium” gezeichnet (ein Klick auf das Bild vergrössert das Erlebnis):

Bild: 유르이프 / instagram.com/youminsang

Noch detaillierter finden Sie die “My Own Stadium”-Szenen hier. Der Künstler mit Hang zum FC Liverpool fertigt Ihre Helden auch einzeln an: Diesen Beitrag weiterlesen »

Gezeichnete Goalies

Herr Shearer am Donnerstag den 28. Mai 2020

Torhüter sind anders.

Mit den Goalies im Fussball ist es etwa so wie mit dem Social Distancing im aktuellen Alltag: ohne ist schöner, mit ist sicherer. Trotzdem gibt es Leute, die ein Faible für diese Position haben und sich auch künstlerisch damit beschäftigen. So zum Beispiel auch Doug Nash, der sich ebenfalls – allerdings erfolglos – zwischen den Pfosten versucht hat, dessen Talente aber eher kreativer Natur sind. Deshalb zeichnet er nun seine Helden, und Sie können diese Werke auf verschiedenen Trägermaterialien erwerben, so Sie denn wollen. Alle grossen Goalies der Fussballgeschichte sind vertreten, ausser verwunderlicherweise die Legenden Eichenberger, Zurbuchen und Wölfli. Wir können uns das auch nicht erklären.

Wie, Sie möchten sich Ihre vier Wände ja schon gerne mit so Fussballzeugs verschönern, kaufen neuerdings aber prinzipiell nur noch lokal ein? Auch da haben wir was für Sie. Da kriegen Sie dann zum Beispiel auch einen Wolf.

Naturschutzgebiet Allmend

Harvest am Dienstag den 19. Mai 2020

Geht es nach den Grünen der Stadt Luzern, wird in der Swisspor-Arena nie mehr Fussball gespielt.

Seit dem Lockdown Mitte März wurde der Rasen in der Swisspor-Arena in Luzern nicht mehr gemäht und das ganze Stadion war so gut wie ausgestorben. „Ausgestorben? Alles andere als das!“ sagt Ruth Bucher (Grüne) lachend. „Durch den Lockdown und die damit verbundene Ruhe im Stadion konnte sich die Natur die Grünfläche zurück erobern.“ Inzwischen sei die Wiese ökologisch so wertvoll, dass an eine Wiederaufnahme des Fussballbetriebs nicht zu denken sei. „Wir verlangen, dass die Stadt die Fläche unter Naturschutz stellt und im Stadion nie mehr Fussball gespielt wird.“

Im Stadion soll ein Naturschutzgebiet entstehen. Quelle: Wikipedia

Unterstützt wird Bucher von Petra Gmür von Pro Natura Luzern. „Es handelt sich um eine Fläche von etwas mehr als 7’000 Quadratmeter, das entspricht etwa einem Fussballfeld, so viel sollte uns eine gesunde Natur schon wert sein.“ Eine Online Petition sei bereits erfolgreich gestartet. „Schon über 50 Personen haben die Petition unterschrieben.“ sagt Gmür und fügt an: „Bis Ende Monat werden wir gemeinsam mit Parlamentariern einen Vorstoss vorbereiten, der Fussball in der Swisspor-Arena bis auf Weiteres untersagt.“ Danach soll geprüft werden, in welcher Form die Fläche weiter aufgewertet werden kann.

Gmür und Bucher träumen gross. „Ein Teich mit einem Schilfgürtel wäre toll. Wir stellen uns vor, dass Schulen Exkursionen ins Stadion machen können, da lernen die Schüler deutlich mehr als von überbezahlten Fussballern.“

Anmutiger Auftritt

Herr Winfried am Mittwoch den 29. April 2020

GC will nicht nur den Fussball, sondern auch die Kinowelt aufmischen.

Was macht eigentlich… Veroljub Salatic? Der Sympathieträger vieler Fussballfans ist nach diversen Umwegen und Turbulenzen wieder bei seinem Stammverein, den neuerdings wieder hoch ambitionierten Grasshoppers angesiedelt.

Während sich Spieler und Fans eines anderen bekannten Schweizer Fussballclubs gerade an den Meistertitel vor zwei Jahren zurückerinnern, durchlebt GC den Anfang von Phase eins nach der Übernahme durch die Champion Union HK Holdings Limited mit Besitzerin Jenny Wang.

Schritt 1: die Spieler in den Schauspielunterricht schicken. Natürlich schreitet Salatic als Kapitän des GC-Heers vorbildlich voran.

Quelle: Instagram GC Zürich

Superkräfte werden auch dem früheren YB-Stürmer Nassim Ben Khalifa attestiert. Einfach durch die Bildergalerie klicken.

Fidele Figur

Herr Maldini am Dienstag den 21. April 2020

Willkommen zur Kunstmatinée des Runden Leders.

Für einmal machen wir die Kunst heute selber. Sie benötigen:

  • Ton und Farbe
  • ein paar Werkzeuge, u. a. Modellierhölzchen und Pinsel
  • etwas Talent

Das Ergebnis sollte so aussehen:

Der allseits beliebte Lionel Andrés Messi Cuccittini, geformt aus Ton. Bild: Internet

Wie wir dazu kommen: Diesen Beitrag weiterlesen »

Schönes Schaffen

Herr Maldini am Dienstag den 24. März 2020

Herzlich willkommen zur zweiten Kunstmatinée an einem Dienstagmorgen in Serie.

Illustrator Arley Byrne aus Halifax (Grafschaft West Yorkshire) macht Kunst, wo es drin um Fussball geht. Dabei lässt er sich durchaus auch vom Tagesgeschehen beeinflussen, wie die ersten beiden Bilder zeigen:

  • Gutes Vorbild: Michael Owen.

  • Er auch: Héctor Bellerín.

  • Fergie in ungewohnter Aufmachung.

  • Cantona in bekannter Manier.

Alex Ferguson im City-Shirt ging viral, Cantona im Apéro ist Byrnes liebstes Werk.

Der Künstler verschliesst seine Augen vor der Realität nicht. Aktuell dürfte es vielen Fussballerinnen und Fussballern, aber auch der Leserschaft des Runden Leders, wie folgt gehen:

Sie möchten ein Bild von Alex Byrne käuflich erwerben? Das können Sie hier tun.

Bildquellen: instagram.com/_yelradoodles und cultkits.com.

Zeitlose Zeichnungen

Herr Maldini am Dienstag den 17. März 2020

Willkommen zur Kunstmatinée im Runden Leder.

Der brasilianische Künstler mit dem Namen Wedscley Melo malt Szenen der Fussballgeschichte nach, an die wir uns alle erinnern. Zum Beispiel diese da:

Melo hat ein Faible für seine Heimat, widmet sich aber durchaus auch dem Fussball ausserhalb Brasiliens. Er verfasste Werke zur spanischen Liga, zur Champions League oder zu Weltmeisterschaften. Erkennen Sie auch diese Partien?

Bestellen können Sie hier: Faz Meu Gol.

Wunderlicher Wandel

Herr Maldini am Samstag den 23. November 2019

Rundes-Leder-Kultur-Samstag!

Im November kürte das Landesradio die Musikhoffnung Naomi Lareine zu seinem Best Talent. Die Sängerin hat Wurzeln in Senegal, Mauretanien und der Schweiz und der Rapper Stress ist ein Freund (“Seelenverwandtschaft”!) von ihr.

Naomi Lareine klingt so:

Bild: drs3.ch

Was das alles mit Fussball zu tun hat? Als Kind widmete sich Naomi Lareine dem Sport. Zuerst spielte sie Eishockey, später Fussball. Sie lief für die Züricher Grasshoppers auf und die U-19-Auswahl der Schweizer Nationalmannschaft und bestritt eine EM-Qualifikation. Währenddessen entdeckte sie ihr musikalisches Talent, für das sie sich schliesslich entschied.

Bei den Redaktoren des Runden Leders war es übrigens genau umgekehrt (Herr JimBobIII ausgenommen). Sie waren eher erfolglos in der Musik, verdienten sich danach grosse Meriten im Fussball und tun dies teilweise bis heute.

Mauris Magie

Herr Winfried am Montag den 18. November 2019

Der neue Lugano-Trainer hat sich in einem wahrhaften Heldenepos verewigen lassen.

Maurizio Jacobacci ist ein mutiger Mann. Nach seinem Engagement bei Monsieur Constantin im Wallis traut er sich auch noch zu Signore Renzetti ins Tessin. Der Erfolgsdruck in Lugano ist fast so gross wie in Sitten. Jacobaccis Beratungsagentur Front Group hat deshalb, um ihrem Klienten den Rücken zu stärken, einen Imagefilm über “Mauri” produziert.

Der Auftakt ist furios. Begleitet von heroischer Musik ist Herr Jacobacci zu sehen, wie er sich wild gestikulierend an den Rändern der Coaching Zonen bewegt. Ein leidenschaftlicher Coach eben. Einmal wird er von seiner Mannschaft auf Händen getragen. Ein beliebter Trainer eben.

In der Folge äussern sich Weggefährten zu ihren Erfahrungen mit Jacobacci. Neben den Cedrola-Brüdern, Mitinhaber der Front Group GmbH, sind es alles ehemalige Spieler des FC Schaffhausen. Patrick Rossini, Gianluca Frontino, André Luis Neitzke, Igor Djuric. In Schaffhausen feierte der Berner seine grössten Erfolge als Trainer, er stieg zweimal auf und blieb über vier Jahre. Während diese Männer reden, macht Jacobacci eifrig Notizen im mittelmässig gefüllten St. Jakob-Park. Bringt er sich damit beim FCB ins Gespräch? Und was wohl Herr Constantin über Herrn Jacobacci sagen würde?

Die letzten fast vier Minuten schliesslich sind Jacobaccis erstem und bisher einzigen Sieg als Lugano-Trainer gewidmet. Übrigens: Das Stück heisst “The Next Level”, und natürlich wollen wir es Ihnen nicht vorenthalten. Film ab!

Nicht zu vergessen ist Jacobaccis Vergangenheit als YB-Spieler. Nach seiner Juniorenzeit bei Bethlehem und Bümpliz trug er von 1978-1983 Gelb-Schwarz. Vielleicht beerbt er ja dereinst Gerry Seoane als Trainer der Young Boys. Das wäre dann “next level”.

Und um ihn zu würdigen, hier noch ein Bild des Filmregisseurs, Mikail Oezkilic.

Bild: Front Group GmbH