Archiv für die Kategorie ‘Glotze’

Win Win Stream Team

Rrr am Samstag den 24. Juli 2021

Die volle Fussi-Dröhnung – es ist ganz einfach.

“Hallo Fussi-Fans, ich bin’s wieder, Euer TV-Typ. Die neue Saison in Europas Profi-Ligen steht vor der Tür (Start in den Top-5-Ligen am 13./14. August, ausser Italien eine Woche später) und wieder stellt sich die Frage: Welche Sender muss ich abonnieren?

Es ist einfacher als auch schon. Zunächst müsst Ihr Blue TV (Fr. 29.90/Monat) abonnieren, damit habt Ihr eine solide Grundversorgung: Natürlich die Super League, weiterhin Champions League, Europa League und neu auch die Conference League (ab Gruppenphase). Nach wie vor im Programm ist die Serie A und neu auch sämtliche Spiele von La Liga.

Dazu kommt die Premier League, wobei zum Teil zeitversetzt. Die Premier League kriegt Ihr aber bei Sky (19.90/Monat), und dieses Paket braucht Ihr sowieso – für die Samstagsspiele der Bundesliga.

Um freitags und sonntags BuLi zu gucken, musst Ihr noch DAZN abonnieren (Fr. 12.90/Monat). Das gibt Gesamtkosten von Fr. 62.70 pro Monat, aber da Ihr ja sonst kein Hobbys und keine Freunde habt – voll easy. Ausserdem könnt Ihr dann voll kompetent hier im Brillenblog mitlabern. Cheers!

Delikate Doppelbelastung

Rrr am Dienstag den 8. Juni 2021

Public Viewing war gestern. Jetzt kommt Home Office Viewing!

“Nie war eine Fussball-EM schöner”, weiss Arbeitspsychologe Arnold Amseler. “Die meisten von uns sitzen nach wie vor im Home Office, und was liegt da näher, als sich spätestens um 15 Uhr mit dem Nachmittagsspiel ganz dem runden Leder hinzugeben.”

Der lästige Chef, der bislang durchs Grossraumbüro schlich und argwöhnisch auf die Bildschirme schielte – spurlos verschwunden. Der doofe Büronachbar mit den dummen Fragen über Fussball – weit weg. Und es blockiert auch kein humorloser Techniker mehr die Streamingdienste im Firmennetz.

Doch Home Office Viewing ist nicht ohne Risiken, wie Amseler im Gespräch mit dem Runden Leder sagte. “Natürlich kann man ab 11 Uhr vorglühen, in der Gruppensitzung auf MS Teams merkt ja niemand, dass Sie Bier aus der Kaffeetasse trinken. Also jedenfalls solange Sie nicht rülpsen.” Allerdings sei die Arbeitslast für die Leber über 30 Tage gerechnet schon beträchtlich.

Hinzu komme die Doppelbelastung: “Es gibt so viel zu tun im Home Office, Wäsche aufhängen, Nägel schneiden, Altglas entsorgen – und jetzt kommt noch Fussballgucken in Endlosschlaufe zu tun. Da wird der eine oder andere Arbeitnehmer schon an seine Leistungsgrenzen kommen.”

Amseler rät, die Kräfte gut einzuteilen. “Also am besten die anderen Tätigkeiten wie Wäsche aufhängen und Altglas ensorgen konsequent auf den Morgen verlegen. Dann hat man am Nachmittag den Kopf frei für Nordmazedonien gegen die Ukraine.” Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie wie immer Ihren Vorgesetzten oder einen Arbeitsrechtler.

Einleuchtende Expertisen

Rrr am Montag den 10. Mai 2021

Unsere Kolumnistin hört Unerhörtes.

“Am Samstag war das Hildi zu Besuch. Es gab weisse Spargeln aus dem Seeland an einer Frühlings-Vinaigrette, und zum Dessert den Match der Young Boys gegen Basel. Das Hildi hat drum kein Bezahlfernsehen, deshalb schaut sie die Spiele ganz gern bei mir. Gerade hatte die zweite Halbzeit begonnen.

“Der junge Mann am Mikrofon hat völlig recht”, rief Hildi plötzlich aus. “YB zeigt heute wieder eine hochstehende Leistung.”

Ich musste lachen. “Nein, Hildi, Herr Signer vom Teleclub hat gerade gesagt, YB sei zu Beginn der zweiten Hälfte hoch stehend.”

“Ja, eben, das sagte ich doch. YB ist hochstehend! Deshalb sind sie ja auch Meister.”

“Nein, Hildi. YB ist hoch stehend. Jetzt. In der ersten Halbzeit waren sie nicht so hoch stehend.”

“Aber Du hast doch in der Pause gesagt, dass beide Mannschaften gut spielen?”

“Nun gut, es war ansprechend. Nicht unbedingt hochstehend.”

“Aber jetzt schon?”

“Hochstehend ist es noch nicht. Aber YB ist hoch stehend, das ist sicher eine gute Voraussetzung, um gegnerische Fehler zu erzwingen.”

Ich mache mir manchmal ein wenig Sorgen, ob das Hildi langsam schwerhörig wird. Aber wir werden alle älter, keine Frage. Am Schluss sagte der ältere Herr im Studio übrigens: “Wir sahen ein hochstehendes Spiel.” Das hat das Hildi überhört, und ich wollte die Sache nicht verkomplizieren, aber im Grunde hatte Herr Fringer natürlich recht.

Umbauten am Rheinknie

Rrr am Dienstag den 9. Februar 2021

Es sind unruhige Zeiten in Basel.

Bereits zum dritten Mal innert sieben Wochen hat “FCB total”, das Fachmagazin auf TeleBasel, das Studiodesign gewechselt.

Kurz vor Weihnachten empfing Moderator Chris Stöcklin seine Gäste noch an einem hufeisenförmigen Holztisch, wobei sich Vereinspräsident Reto Baumgartner und Experte Erni Maissen auf ihren zweckmässigen Interio-Schalensitzen einigermassen wohl zu fühlen schienen.

Doch der Nachteil dieses Innenausstattungskonzepts liegt auf der Hand, und es geht hier nicht um den möglichen Milbenbefall im pflegetechnisch anspruchsvoll wirkenden Teppich aus aufgerauhter Kunstfaser. Nein, die Abstände konnten nicht eingehalten werden, und Plexiglas hätte das ästhetische Gesamtbild zweifellos beeinträchtigt.

So begrüsste im Januar der inzwischen sichtlich verjüngte Moderator seine Gäste Gaetano Giallanza und Erni Maissen auf ergonomisch herausfordernden Sitzgelegenheiten, die nicht von Ikea stammen, sondern vom Polit-Talk desselben Senders entlehnt wurden. Das Ganze wirkte vielleicht etwas breitbeinig, doch immerhin war der Gin auf dem schlichten Beistelltisch stets in Griffnähe.

Doch auch dieses Design hatte nur eine kurze Halbwertszeit. Die Sitzgelegenheiten wurden zwar beibehalten, hingegen wurde der hufeisenförmige Holztisch aus den früheren Sendungen vom Hausschreiner in Kleinbasel zu einem ausladenden, leicht geschwungenen Beistelltisch auf sogenannter Ischiasnerv-Höhe umgearbeitet. Zur Sicherheit wurde noch eine Plexiglasscheibe eingebaut. Sie schützt den letzten verbleibenden Studiogast – es ist Erni Maissen – vermutlich vor tiefschwebenden Aerosolen.

Alles in allem scheint uns, dass bei “FCB total” im Moment ein wenig die Konstanz fehlt.

Fernseherfachmann

Val der Ama am Freitag den 5. Februar 2021

Heute: Lockdownkonforme Karrieremodelle.

Ashwin Raman ist aus Bangalore, aber Sie hatten ihn bestimmt noch nie am Telefon. Denn Raman sitzt vor dem Fernseher und schaut professionell Fussi. Auf diese Weise verdient der 17-Jährige seit 2019 sein Geld als Scout und Analyst für den schottischen Verein Dundee United.

Bevor sie nun Ihren Lebenslauf neu frisieren und die Adresse der Geschäftsstelle Ihres Lieblingsvereins suchen, vielleicht noch dies: Ramans Karriere startete an seinem 13. Geburtstag, als er einen Fussballblog lancierte. Und wahrscheinlich tat er das besser, als die Redakteure hier, weil “Stevie Grieve, der Chefscout von Dundee United, tauchte in meinen DMs auf und fragte, ob ich eine Rolle im Verein haben möchte.”

Er wollte selbstverständlich und beschreibt zum Abschluss dieser Geschichte noch kurz seinen Arbeitsalltag: “Ich bekomme gesagt, welchen Spielertyp wir wollen, gehe die Datenbank durch und schaue, wer gut zu dem Profil des Spielers passt, den wir wollen. Und wenn wir eine Chance haben, ihn zu verpflichten, verbringe ich Stunden damit, ihn zu beobachten und melde zurück, ob er es wert ist.”

Ramans Job ist durchaus ertragbar und also liegt nebendran noch ein Studium drin. Aber item, er wird auch einen Anteil daran haben, dass Dundee nach dem Aufstieg vergangene Saison, aktuell auf dem immerhin siebten Platz der Premiership steht.

Boxbedingter Boykott

Herr Winfried am Mittwoch den 13. Januar 2021

Bei Jim Gannon ist “nachtragend” nur ein Hilfsausdruck.

Jim (mit bürgerlichem Namen James Paul) Gannon hatte 2008 ein Problem: Seine Sky-TV-Box war defekt. Und keiner erbarmte sich seiner – erst recht nicht Mitarbeiter des britischen Bezahlfernsehsenders. Ein harter Schlag für einen fussballverrückten Iren.

Bild via Danehouse/Getty

Sky Sports kam das Malheur in Gannons Fall aber teuer zu stehen. Der damals 40-Jährige war Trainer der Profifussballmannschaft von Stockport County. Von Zeit zu Zeit baten ihn auch Fernsehstationen zum Interview – die Leute von Sky ignorierte der enttäuschte Coach aber konsequent.

Der Boykott dauerte neun Monate, dann hatte Gannon keine andere Wahl mehr, als hinzustehen. Stockport kämpfte um den Aufstieg in die League One, Sky Sports übertrug die Playoff-Spiele live. Interviewpflicht für die Trainer war vertraglich festgehalten. Und so musste sich Jim Gannon versöhnen.

Das alles erzählte Gannons damaliger Schützling Liam Dickinson neulich in einem Podcast:

Dem Vernehmen nach hat dann auch das mit der TV-Box geklappt.

Und heute ist Herr Gannon wieder in Stockport – bereits zum dritten Mal. Nach einem Umweg über Motherwell (Schottland), Peterborough und Port Vale, einer Zwischenstation in Stockport, und schliesslich einem Ausflug nach Northwich, landete er vor ziemlich genau fünf Jahren erneut im Vorort der Grossstadt Manchester. Diesmal lediglich in der fünfthöchsten Liga.

Oha Lätz (MCMXII)

Herr Shearer am Donnerstag den 3. Dezember 2020

Wer findet die zehn Unterschiede?

Links: Dieter Meier, ex-Popmusiker, jetzt Oenologe. Rechts: Urs Meier, ex-Schiedsrichter, jetzt TV-Experte.

Fantastischer Fussballabend

Rrr am Dienstag den 3. November 2020

Herrlich, schon wieder Champions League!

Auf Blue Sport sehen Sie alle Spiele live – einzeln oder in der Konferenz. Ekstase pur! Was, Sie haben kein Pay TV und wollen auch die zweite Welle ohne Blue-Abo überstehen?

Nun gut, dann schauen Sie eben Fussballtrainer Wulff, die unvergessene Kultserie der ARD. Geniessen Sie die frühen 1970er-Jahre, als der Profi-Fussball noch viel weniger kommerziell war. Fiebern Sie mit Trainer Wulff, der den fiktiven FC Neuenberg in der Bundesliga zu halten versucht.

In der Episode 12/1 gehts um alles. Gegen den HSV liegt man im letzten Spiel der Saison 2:3 zurück, ein Punkt muss her, kurz vor Schluss gibts Penalty für Neuenberg … und spätestens jetzt schaut auch Zeter Peidler interessiert zu. Viel Spass!

Ah, Sie finden das toll und wollen alle anderen Episoden auch sehen? Kein Problem. Aber das kostet dann halt wieder. So geht das im Profifussball.

Glattes Glotzenerlebnis

Herr Winfried am Mittwoch den 28. Oktober 2020

Heute befassen wir uns mit der Kunst der Kameraführung.

Besonders jetzt, wo nur noch 1000 keine Fans mehr ins Stadion dürfen, sind sie die heimlichen Helden: Kameramänner und -frauen. Dank ihnen flimmert weiterhin Fussi in der Glotze.

Wobei: Auch diese hoch geschätzte Berufsgattung hat es zunehmend schwierig. Die künstliche Intelligenz schreitet rasant vorwärts – neben automatisierten Matchberichten kann sie auch filmen. Und wie! Die Geräte sind nämlich so programmiert, dass die Kamera dem Ball ganz automatisch folgt.
Auch in den schottischen Highlands gibt es derartige Hightech-Installationen. Neulich bei Inverness Caledonian Thistle klappte aber nicht alles wie gewünscht.

Auf dem Bild sehen Sie den Schiedsrichter-Assistenten. Dessen Glatze wurde vom für die Highlands typischen Nieselregen glatt poliert, so dass die künstliche Intelligenz nicht mehr zwischen Ball und Fleischkappe unterscheiden konnte.

Die Fans vor dem TV waren frustriert – und der Kommentator des schottischen Fernsehens musste sich dem Vernehmen nach entschuldigen. Es ist eben doch nicht alles mit Robotern zu lösen.

Um Risiken und Nebenwirkungen zu vermeiden, sind deshalb menschliche Kameraleute empfehlenswert. Am allerbesten engagieren Sie für schwierige Einsätze den Berufsmann des Jahrhunderts.

Eskalationsexport

Herr Winfried am Mittwoch den 23. September 2020

Heutiger TV-Tipp: Hooligans in den USA.

Fussi in den USA ist ja so etwas wie ein lauwarmes Planschbecken für frühere Tiefseetaucher in der arktischen See. Also fast. In der geschlossenen «Major League Soccer» finden immer wieder grosse Namen Unterschlupf. Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Neulich hat Gonzalo Higuaín beim neu gegründeten Inter Miami CF unterschrieben. Das ist der Verein von David Beckham.

Bild: Instagram

Das Besondere an dem Verein ist aber nicht der gutaussehende Engländer oder der neue Stürmer aus Argentinien. Sondern Derek «Diablo» Alvarez – auch «The D» genannt. Alvarez ist selbsternannter Hooligan und gründete einen Fanclub (die Miami Casuals), bevor der Verein überhaupt existierte. Laut eigener Aussage will er den englischen Hooliganismus in die Vereinigten Staaten importieren.

Das mit dem Körperkontakt unter Zuschauern ist ja derzeit etwas schwierig. Aber Derek hat grosse Pläne – und ist gut vorbereitet. Lernen Sie den «Diablo» etwas näher kennen, indem Sie das folgende Filmchen angucken. Viel Spass!

Dr. Rüdisühli erforscht das Publikum.
Heute: YB gucken

Dr. Rüdisühli am Montag den 15. Juni 2020

Nur noch viermal schlafen, dann ist endlich wieder YB.

Gross ist die Vorfreude vor dem Re-Start der Super League (der Ausdruck kommt aus dem Englischen und bedeutet “Wiederaufnahme der Schweizer Fussballmeisterschaft”). Los gehts am Freitag um 20.30 Uhr mit YB-FCZ.

Jetzt aber das Problem: Ins Wankdorf pilgern darf man nicht. Die Fans müssen also in die Röhre gucken, wobei in einigen Fällen ein Zugang zum Pay-TV-Sender Teleclub notwendig sein wird. Die Frage ist:

Wie gedenken Sie die anstehenden YB-Spiele zu verfolgen?

Allein daheim? Zusammen mit Freunden? Irgendwo beim Public Viewing (das Herr Nause unter gewissen Umständen zulassen will)? Sonstige Ideen? Wir sind gespannt auf Ihre Antworten.

(PS: Unsere löbliche Leserin Kiwi Stärn hat letzte Woche erfolgreich die Wohnzimmer-Variante getestet und ist voll parat. Sie hoffentlich auch.)

A fonds perdu

Rrr am Sonntag den 22. März 2020

Pay-TV und Corona: Teleclub knausert, Dazn hält sich bedeckt, Sky legt Abos auf Eis.

Teleclub verlangt für sein Sportangebot 29.90 Franken pro Monat. Dafür gibts zum Beispiel heute Sonntag genau vier Sendungen: Eine “Highlightshow Champions League”, eine Diskussionsrunde über die Folgen von Corona für den Spitzensport, ein Dokfilm über Nachwuchs-Ballettänzerinnen und eine angegraute Hollywood-Konserve namens “Foxcatcher”.

Viel Geld für wenig Inhalt? Teleclub wiegelt ab: “Wir erlassen im April die Gebühren für das Sportpaket”, sagte Chef Wolfgang Elsässer. Kein übertrieben grosszügiges Angebot, für dass am 23. Februar der letzte Super-League-Match zu sehen war und es danach nur noch ein klein wenig Auslandfussball gab. Die März-Gebühr erlässt der Sender trotz weitgehender Mattscheibe nicht.

Es gab Kunden, die schon Ende Februar die Konsequenzen zogen und das Abo kündigten – auf Ende Mai, früher ging nicht. Sie bekamen umgehend den Anruf aus dem Callcenter: Ein netter Herr versuchte sie mit einem “Vorzugsabo für die zweite Jahreshälfte” zu locken (20.- statt 30.- pro Monat) und versprach noch am 12. März, es werde schon sehr bald wieder Fussball geben.

Etwas einfacher ist die Lage bei Dazn und Sky. Beide Streamingdienste sind deutlich günstiger und innerhalb eines Monats kündbar, es geht also nicht viel Geld verloren. Dazn lässt sich nicht in die Karten schauen, was man den Kunden genau bieten will. Sky zeigt sich kulant: Wer jetzt kündet, kriegt das Angebot, dass das Abo ab sofort auf Eis gelegt wird, bis wieder Live-Fussball zu sehen ist.