Archiv für die Kategorie ‘Eulersche Statistik’

Besonders betroffene Bundesliga

Herr Noz am Sonntag den 30. Mai 2021

Eitel Freude allenthalben: Bald dürfen wir alle wieder ins Stadion, dann kommt endlich auch der Heimvorteil zurück. Oder? ODER?

Es ist kompliziert.

Keystone

Der Heimvorteil ist kein Mythos, es gibt ihn wirklich, das weiss nicht nur der common sense, das lässt sich auch statistisch belegen. Erklärt wird der Vorteil in der Regel durch die Anwesenheit der Fans, die das Heimteam zu mehr Leistung antreiben und zudem den Schiedsrichter beeinflussen, der unbewusst lieber auf Probleme verzichtet und darum die gegnerische Mannschaft benachteiligt.

Dank Corona flippt die Forschung natürlich aus, weil: Endlich kann man das mal anständig testen.

Eine soeben erschienene Studie (Matos et al. 2021) stellt dann zum Beispiel recht überraschend fest, dass es in der obersten portugiesischen Liga trotz Geisterspielen weiterhin einen Vorteil für das Heimteam gegeben hat. Eine andere Studie (Fischer/Haucap 2020) kommt zum Schluss, dass dies in Deutschland nur in der Zweiten und Dritten Liga der Fall gewesen ist, in der Ersten Bundesliga aber nicht, dort sei der Heimvorteil tatsächlich weggefallen. Tilp und Thaller (2020) aus dem diesbezüglich neutralen Österreich bestätigen diesen Befund und sprechen sogar von einem Heimnachteil.

Das polnische Team Krawczyk/Strawiński (2020) vergleicht die Effekte für die vier europäischen Top-Ligen (England, Spanien, Italien, Deutschland) und kann belegen, dass der Heimvorteil tatsächlich ausschliesslich in der Bundesliga verschwunden ist. Eine Erklärung könnte sein, so die Autoren, dass in der Bundesliga Tickets, Bier und Würste billiger sind und insgesamt eine engere Bindung zwischen dem Klub und der Fangemeinschaft besteht, so dass es eben wirklich weh tut, wenn diese fehlen. Oder andersrum: In den anderen Topligen kommt es gar nicht mehr drauf an, ob noch Leute im Stadion sind.

Mit dieser Erkenntnis entlassen wir Sie nun ins Restwochenende.

Hauptsache Harmonie

Herr Winfried am Mittwoch den 25. November 2020

Will denn keiner mehr so richtig gewinnen?

Heute Abend ist ausnahmsweise Super-League-Fussi und wenn Sie jetzt direkt zum Kiosk hetzen, um noch rasch Ihren Sporttip-Zettel auszufüllen, dann könnte das hochdotierte “X” eine gute Idee sein.

Die Remis-Quote in der hiesigen Liga schwebt nämlich momentan auf einem Rekordhoch. Fast die Hälfte aller Super-League-Spiele enden ohne Sieger – unglaublich! Der Abstand zur zweitplatzierten Saison beträgt aus statistischem Blickwinkel geradezu Lichtjahre.

Twitter / OptaFranz

Anstatt nun die lineare Regression dazu zu zeichnen und eine Differentialgleichung aufzustellen, lassen Sie uns nach den wahren Gründen für die Unentschiedenorgie suchen.

  • Wärme und Nächstenliebe im Hinblick auf die Festtage?
  • Zuneigung gegenüber den Gegnern in den harten finanziellen Zeiten? Quasi solidarisch haften, solidarisch Punkte teilen – wie einst von Bundesrätin Amherd angeordnet?
  • Will man dem Gegner lieber nicht zu nahe kommen (Ansteckungsgefahr!) und spielt deshalb öfter 0:0?
  • Oder gibt YB etwa absichtlich zwischendurch Punkte ab, damit die Meisterschaft spannend bleibt?

Fragen über Fragen. Bestimmt wundern Sie sich auch, warum auf obigem Bild Herr Sforza zu sehen ist. Ciri findet es nämlich unnötig, mit dem Gegner die Punkte zu teilen, das sieht man deutlich an seinem empörten Gesichtsausdruck. Der FC Basel hat von allen Teams der Liga klar am wenigsten Remis auf seinem Konto (1).

Tipptoppes Tippspiel

Herr Maldini am Dienstag den 15. September 2020

Bitte beachten Sie folgende Durchsage:

«Freundinnen und Freunde des gepflegten Fussballs!

Am Samstag ist es so weit: Die Super League startet in die neue Saison. Mit an Bord sind die titelverteidigenden Young Boys, der Meister der Herzen FC St. Gallen, noch der FC Basel und vor allem auch Servette (denken Sie daran: die zweite Saison nach dem Aufstieg ist immer die schwierigste), das von uns beinahe vergessen gegangene Lugano, aber auch Luzern, immerhin hier noch der FC Zürich, Sion mit dem wie immer eigentlich supermässigen Kader, Lausanne, auf das wir ganz gespannt sind und halt auch Vaduz.

Swiss Football Data

Deshalb gibt es wieder ein Rundes-Leder-Tippspiel. Es freut uns, Ihnen ein paar Neuerungen zu präsentieren: In der kommenden Ausgabe tippen Sie nämlich gegen die sechs sehr sympathischen Redakteure des Runden Leders, die Sie problemlos hinter sich lassen werden. Sie werden aber nicht nur die sechs sehr sympathischen Redakteure des Runden Leders herausfordern, sondern auch den berühmten SwissFootyBot! Beruhigend für Sie: Auch der Bot hat keine Ahnung. Er sagt seine Resultate nämlich aufgrund irgendwelcher trümmliger Statistiken voraus.

Item, melden Sie sich hier für das Tippspiel des Runden Leders an und gewinnen Sie am Ende der Saison allenfalls ein meisterliches Gesöff.

Herzlichen Dank

Die Redaktion des Runden Leders

PS: Als Dessert dürfen Sie Ihre Tipps gerne auch drüben beim SwissFootyBot abgeben.»

Ende der Durchsage.

Dembeles Debüt

Herr Maldini am Dienstag den 21. Mai 2019

Am Sonntag spielte Karamoko Dembele erstmals für Celtic Glasgow.

Foto: Dailymail

Der Engländer wurde im Spiel gegen Hearts of Midlothian nach der Pause beim Spielstand von 1-1 eingewechselt, Celtic gewann am Ende 2-1. Das Spezielle an Dembeles Einwechslung: Mit seinem Debüt war Dembele der erste im 21. Jahrhundert geborene Spieler, der für Celtic zum Einsatz kam. Der Jungspund war am Sonntag 16 Jahre und 86 Tage alt und damit auch der jüngste in dieser Saison in der schottischen Liga eingesetzte Spieler. Doch wie sah das eigentlich in anderen europäischen Topligen aus? Ein Überblick.

  • Bundesliga: Antonis Aidonis debütiert am 10. November 2018 in der 91. Minute. Er ist 17 Jahre, 5 Monate und 9 Tage jung und erlebt hautnah mit, wie sein VfB Stuttgart gegen Nürnberg 2-0 gewinnt.
  • Premier League: Erst 16 Jahre und einen Monat ist Fulham-Spieler Harvey Elliot jung, als er am 4. Mai dieses Jahres mithilft, die Niederlage gegen Wolverhampton zu besiegeln. Sein Anteil hält sich jedoch in Grenzen – er wird erst in der 88. Minute eingewechselt.
  • Serie A: Gleichentags wie Elliot feiert auch Angelo Ndrecka seine Premiere. Der Spieler von Chievo Verona steht in der Startaufstellung und spielt durch, und das im Alter von erst 17 Jahren, 7 Monaten und 10 Tagen. Leider bringt das nichts, Chievo unterligt SPAL 0-4. Es bleibt das bislang einzige Serie-A-Spiel des italienisch-albanischen Doppelbürgers.
  • La Liga: Ander Barrenetxea heisst der jüngste Debütant der abgelaufenen Saison, der Akteur von Real Sociedad San Sebastián ist bei seinem Debüt am 21. Dezember 2018 zarte 16 Jahre, 11 Monate und 24 Tage jung. San Sebastián unterliegt Deportivo Alavés 0-1.
  • Ligue 1: Er spielt bei Nizza, hört auf den klingenden Namen Pedro Brazão und ist bei seinem Debüt am 20. April 16 Jahre, 3 Monate und 21 Tage jung. Nützen tuts nicht viel, Nizza unterliegt Caen 0-1. Seither durfte Brazão nicht mehr ran.
  • Super League: Der St. Galler Leonidas Stergiou ist bei seinem Einsatz am 6. Februar gegen den FCZ 16 Jahre, 11 Monate und 3 Tage alt. Der FCSG gewinnt 3:1. Danach steht Stergiou 10 weitere Male auf dem Rasen und absolviert insgesamt 766 Super-League-Minuten.

Der jüngste YB-Akteur der Saison ist übrigens Felix Mambimbi, dem bei seinem Debüt im Alter von 18 Jahren und 30 Tagen am 17. Februar gegen den FCZ beinahe ein Tor gelingt.

Zündstoff

Harvest am Freitag den 26. Januar 2018

Dr. Euler wird eine viel beachtete Studie zum Ausgang der Super League Saison 2017/2018 veröffentlichen. Dem Runden Leder gibt er exklusiv einen ersten Einblick.

EulerRL: Guten Tag Herr Doktor, Sie werden bald eine Studie veröffentlichen. Worum geht es?

Dr. Euler: Ich habe mich intensiv mit der Super League befasst und mit komplizierten statistischen Methoden versucht, die Schlussrangliste 2017/2018 vorauszusagen. Die Studie wird viel Zündstoff enthalten.

Sagen Sie uns mehr zur Methode.

Für Laien ist das viel zu komplex, ich werde aber versuchen, die Idee für Ihre Leserschaft verständlich zu erklären. Als Grundlage dienten mir ausführliche Daten aller bisherigen Meisterschaften im Rahmen der Super League. Besonderes Augenmerk legte ich dabei auf die Rangierung bei der Winterpause und dem folgenden Schlussrang. Die Veränderung des Ranges diente dann als Indikator für die Rangveränderung in der laufenden Saison.

Nun gut, das versteht wohl auch unser dümmster Leser (Name der Redaktion bekannt). Sagen Sie uns, was dabei rausgekommen ist.

Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht in einem Satz zusammenfassen. Ich habe drei verschiedene Methoden angewendet. Die ersten beiden beziehen sich auf die Entwicklung der Clubs in der zweiten Saisonhälfte, die dritte auf den Rang, den die Teams in der Winterpause belegen. Aus den Daten wurden dann Erwartungswerte berechnet und schlussendlich die drei Resultate gewichtet aggregiert. Das Resultat sehen Sie in der Tabelle, „rot“ bedeutet, dass der Club bei dieser Variante Plätze verliert, „grün“, dass er Plätze gewinnt.

Das sieht eher langweilig aus. Können Sie uns noch etwas zur Interpretation sagen?

Kurz gesagt, meine Studie zeigt, dass sich die Tabelle bei Saisonende genau gleich präsentieren wird wie in der Winterpause.

Und wo ist da der Zündstoff?

Genau, viel Zündstoff.

Wie Sie wollen.

Prügel bringen Punkte

Harvest am Mittwoch den 25. Oktober 2017

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerSie haben es sicher gelesen, auch dieses Wochenende gab es im Umfeld von Fussballspielen in der Schweiz wieder Verletzte. Doch wieso diese Gewalt? Die Antwort ist einfach: es hilft der Mannschaft.

Ältere Leser erinnern sich an die Ereignislisten zu den Hooliganvorfällen in der Schweiz der KKJPD. Die Anzahl Vorkommnisse pro Club hat das Runde Leder vor langer Zeit schon für Sie aufbereitet. Die Daten sind eindeutig, mehr Ereignisse führen zu mehr Punkten!

Heissblütige Fans spornen ihre Mannschaft an, immer das Beste zu geben und an die Grenzen zu gehen. Manchmal überschäumt das Heissblut dann allerdings und die Leidenschaft schlägt um in Gewalt. Je mehr Leidenschaft also, desto mehr Ereignisse und aber auch mehr Erfolg. Gleichzeitig schwächen die Täter die leidenschaftliche Heissblütigkeit der gegnerischen Fans und ergo die gegnerische Mannschaft. Win-win also, zumindest für die einen.

Fussballfans werden nun reklamieren, diese Gewalt sei ein gesellschaftliches Problem und überall, wo sich viele Menschen versammeln, findet sich dieses Problem. Der klare Zusammenhang zwischen der Anzahl Vorfällen und dem Erfolg eines Teams lässt allerdings klar auf Vorsatz schliessen. Es ist nun auch völlig offensichtlich, warum sich die Clubs immer wieder aus der Verantwortung stehlen wollen, wenn es darum geht, die Gewalt zu mindern. Ich bin ja eigentlich kein Verschwörungstheoretiker, doch es würde mich nicht überraschen, wenn die Clubs gar hinter einigen dieser Vorfällen stecken würden.

Frauen als Problem?

Harvest am Mittwoch den 5. April 2017

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerWieso ist Basel so viel besser als der Rest der Schweiz (zumindest im Fussball)? Es hängt direkt damit zusammen, wie viele Leute in einem Haushalt leben (leider nur kantonale Zahlen, Quelle: BfS).

Als einziger Kanton schafft es Basel Stadt die durchschnittliche Haushaltsgrösse unter zwei Personen zu halten. Kein Wunder also, ist der FC Basel deutlich vor der Konkurrenz in der heimischen Fussballliga. Denn was ist die Hauptstörung eines jeden Mannes, der sich auf den Fussball konzentrieren möchte? Genau, eine Frau! Natürlich sind Frauen nicht nur ein Störfaktor, sie haben einige Vorteile, doch das Leben eines Fussballers beansprucht viel Zeit und da ist es hilfreich, wenn die Wohnung nicht geteilt werden muss. Für einen Fussballer ist es zum Beispiel wichtig, dass er nicht nur auf dem Platz trainieren kann, sondern auch zu Hause. Dabei geht es hauptsächlich um das Videostudium anderer Spiele und das erlernen oder automatisieren spezieller Spielzüge an der PlayStation.

Die grössten Haushalte finden sich, wen wunderts, bei den Katholiken in Luzern, St. Gallen und Sion (resp. im Wallis). Erstaunlicherweise fallen die Clubs in der Liga allerdings nicht ab, hauptsächlich der in diesen Regionen noch intakten Familienstrukturen wegen. Die Frau kümmert sich traditionell um den Haushalt und wenn Kinder in die Beziehung kommen, sind die Damen soweit beschäftigt, dass die Männer ihren Hobbies resp. ihrem Beruf wieder nachgehen können.

Persönlich geniesse ich natürlich die Gesellschaft von Frauen, ich bin schliesslich auch kein Fussballer und kann mich ihnen somit vollständig widmen, d.h. könnte, wenn ich denn die Gelegenheit bekäme. Als Statistiker bin ich für das gegnerischeweibliche Geschlecht nur unwesentlich attraktiver als ein Buchhalter.

Schweizer vor Ausländern

Harvest am Mittwoch den 18. Januar 2017

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerNach den Festtagen lag ich vollgefressen und träge auf dem Sofa und liess meine Gedanken schweifen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die ersten Plätze der Super League alle von Schweizer Clubs belegt sind. Kann es sein, dass Schweizer einfach besser sind als Ausländer? Die Daten lassen keine Zweifel zu, wie Sie der folgenden Tabelle entnehmen können.

Schweizer sind besser als Ausländer. Doch wieso ist das so? Ich wollte mit Spezialisten darüber sprechen und habe mich mit Politikern aus verschiedenen Lagern unterhalten. Wobei, unterhalten habe ich mich eigentlich nur mit einem anonym bleiben wollenden Exponenten der grössten Volkspartei, der Rest hat mich mit Schimpf und Schande zum Teufel gejagt und einen Rassisten genannt. Von diesem Exponenten allerdings erhielt ich eine konstruktive Erklärung:
„Die Schweizer sind rechtschaffen, schon als Kind lernen sie, sich durchzubeissen und auf eigenen Beinen zu stehen. Schweizer hängen am Abend nicht am Bahnhof rum und trinken Bier, sie glotzen nicht jeder Frau nach und machen primitive Sprüche. Schweizer wissen, was es braucht, um sein Leben selber zu meistern und nicht den Staat dafür zahlen zu lassen. Schweizer übernehmen Verantwortung für ihr Leben und wissen, wie sie ihre Ziele erreichen können.“

Hilfe, Hooligans! (2)

Harvest am Mittwoch den 23. November 2016

Randsport ist des Toifels!
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Bereits letzte Woche haben Sie (bei uns zuerst!) erfahren, dass die KKJPD eine Ereignisliste über Hooliganvorkommnisse führt. Und zwar nicht nur im Umfeld des Fussballs, sondern bei allen Sportanlässen. Da können Sie Beispiele finden aus dem Ski Weltcup (Missbrauch von Pyrotechnik im Zielbereich des Lauberhornrennens), dem Wasserball (Knall- und Leuchtpetarden vor Hallenbad, Eingangssturm durch 30-40 vermummte Gästefans bei SC Kreuzlingen – Unihoc Bassersdorf) oder dem Unihockey (Konfrontation zwischen gegnerischen Fangruppierungen mit sechs Verletzten, Polizeiintervention bei SV Waldenburg – Belgrad). Diese Liste ist abschliessend.

Nicht ganz, da ist ja noch der Superrandsport, bei dem sich auch gestandene Redaktöre nicht scheuen, sich öffentlich als Fan zu outen (kaum zu glauben, aber wahr). Eishockeyspiele sind offensichtlich auch ein beliebter Tummelplatz für dümmliche Halbstarke und Halbstarkinnen, allerdings immer noch deutlich seltener als Fussballspiele.

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Obwohl im Eishockey deutlich mehr Spiele durchgeführt werden, finden sich dort weniger Vorfälle. Ist der Sport einfach friedlicher? Sind die Zuschauer gesitteter? Sind sie vernünftiger? Intelligenter gar?

Nix da, Grund ist, dass bei gefühlten tausend Spielen, dessen Sinn einzig und alleine darin besteht herauszufinden, wer gegen wen antreten muss, auch dem angefressesten Hooligan die Lust vergeht, ein Stadion zu besuchen.

Das Hooliganproblem im Fussball lässt sich also einfach lösen. Es braucht so schnell wie möglich einen einschläfernd langweiligen Modus.

Mit Ach und Krach zum Kasach (V und Schluss)

Dr. Rüdisühli am Donnerstag den 29. September 2016

Das ging aber rassig! Unser Sonderkorrespondent Herr Shearer ass Kartoffelsuppe mit Kurt und ist nach fünfeinhalb Tagen Reise in Astana eingetroffen.

astana_logo_320_3„Liebe Freunde des eurasischen Fussballs, ich melde mich zum letzten Mal aus dem Zug; Juri und Igor sind letzte Nacht in Ufa wieder ausgestiegen, dafür ist ein junger Kerl aus Karaganda neu im Abteil. Als er sein Gepäck unter der Sitzbank versorgen wollte und diese deshalb hochklappte, kam ein grosser Kessel Honig zum Vorschein. Das Schlafwagenpersonal treibt offenbar nebenbei noch etwas Import-Business.

Morgens wurde ich dann auch noch in ihr Abteil zum Tee eingeladen und mit einer Flasche kasachischen Wodkas der Marke Parlament beschenkt. Dafür musste ich zum wiederholten Male über Löhne und Lebenshaltungskosten Auskunft geben. Wussten Sie übrigens, dass der Bruder des einen „Provodnik“ (Schlafwagenbegleiters) Fussballprofi ist und beim Zweitligisten Kairat Almaty die Nummer sieben trägt? Sehen Sie, da war ich auch ein bisschen überrascht. Er zeigte mir dann ein Bild seines Bruders, und ab sofort ist Kairat meine Lieblingsmannschaft in der zweithöchsten kasachischen Liga, weil auch Gelb-Schwarz.

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Etwas später werde ich wieder ins vorderste Abteil gerufen; kaum habe ich mich gesetzt, stellt man mir schon eine Schüssel Suppe auf den Tisch. Auch mein kasachischer Abteilgenosse isst mit. Die Begleiter haben in ihrem Abteil eine Kochplatte, und heute haben Sie eben Suppe gekocht, mit Kartoffeln, Nüdelchen – und Kurt! Kurt ist eine Art Frischkäse aus Stutenmilch, er gibt dem ganzen einen angenehm säuerlichen Geschmack. Und Dill darf natürlich auch nicht fehlen, viel Dill schwimmt da in der weissen Brühe. Es schmeckt lecker und macht satt. Ich werde mich für die grosszügige Gastfreundschaft mit einem Kilo Schoggi und YB-Feuerzeugen zu revanchieren versuchen.

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Ausländer rein!

Harvest am Mittwoch den 28. September 2016

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

EulerWieso dümpelt Ihr Lieblingsclub fortwährend im Ligamittelfeld oder gar den Niederungen des Tabellenendes umher? Sicher wollen Sie etwas dagegen unternehmen. Neben einem vernünftigen Vereinsvorstand und einigermassen stabilen Strukturen gibt es vor allem eine Massnahme, das Ihren Club aus der Misere rausholen könnte.

Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht eine grosse Menge an demographischen Daten, da ist es oftmals schwer, die wirklich wichtigen und vor allem aussagekräftigen herauszufiltern. Wenn man sich die Mühe aber macht, können bahnbrechende Erkenntnisse daraus gewonnen werden. Wir wenden uns heute einer Minderheit zu, den Inländern ohne Schweizer Pass (also alle, die sich weder “Schweizer” noch “Eidgenossen” nennen können). Dabei wird deutlich, dass ein hoher Ausländeranteil in der städtischen Bevölkerung zu einem erfolgreichen Club führt.

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Der Ausreisser YB profitiert von oben genannten Strukturen, die den tiefen Ausländeranteil grösstenteils wettmachen.

Doch wieso ist das so?
Der Grund ist so einfach wie offensichtlich. Ausländer spielen besser Fussball! Das glauben Sie nicht? Seit es europäische Wettbewerbe gibt, haben diese immer ausländische Club gewonnen, die Schweizer haben es noch nicht mal je ins Finale geschafft. Die Sieger von Welt- und Europameisterschaften? Alles Ausländer!

Wenn Sie also Ihren Club wirklich weiterbringen wollen, setzen Sie sich für die Aufnahme von Ausländern in Ihrer Stadt ein. Ich verspreche Ihnen, Ihr Club wird längerfristig vorne mitmischen.

Isländisches Wunder?

Harvest am Mittwoch den 6. Juli 2016

Unser Kolumnist Dr. Euler ist Statistiker und erklärt uns in unregelmässigen Abständen wichtige Zusammenhänge aus dem Spannungsfeld „Gesellschaft und Fussball“.

Euler

Wie haben sich die Menschen in ganz Europa gefreut über und erfreut an den wilden Männern von der unwirtlichen Insel Island. Überaus sympathisch seien sie und von einer Männlichkeit, die in Kontinentaleuropa seinesgleichen sucht. Selbst Frau Dr. Euler hat sich in überschwänglichen Lobeshymnen über die Insulaner geäussert. Aber das gehört jetzt nicht hierher.

Sowieso und überhaupt sind sich alle Fussballfans und -experten einig, dass der Erfolg der isländischen Fussballnationalmannschaft eine der dicksten Überraschungen in der Geschichte der Europameisterschaften sei. Ich will diese Plattform nicht nutzen um anzugeben, doch für mich war da kein Wunder zu erkennen. Wer sich ein wenig mit Statistik auseinandersetzt, konnte schon im Vorfeld des Turniers mit diesem Abschneiden rechnen. Schliesslich hat Island die deutlich höchste Quote an Beschäftigten im Sportbereich aller europäischen Staaten. Das untenstehende Balkendiagramm zeigt die Gesamtzahl der Beschäftigten im Sportbereich, ausgedrückt als Prozentanteil an der Gesamtbeschäftigung (Quelle: eurostat, Zahlen von 2012).

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Der Anteil ist bei den Isländern um 57% höher als bei den Schweden! Da können Sie noch lange versuchen, mit der richtigen Taktik Erfolg zu haben, wenn Ihnen der Grundstock, das Arbeitsmaterial in Form von Sportlern, fehlt, sind Sie zum Misserfolg verdammt.

Für mich die grosse Überraschung war, dass Island bereits nach dem Viertelfinale nach Hause reisen musste. Aber wie mein Lieblingsexperte Gürkan Sermeter jeweils zu sagen pflegt: “So isch ebe Fuess­ball.”