Archiv für die Kategorie ‘Erledigte Fälle’

Systematisches Shopping

Rrr am Samstag den 2. Januar 2021

Einkaufen mit Jack Pritchard – es ist ganz einfach.

Der 24-Jährige ist Fussballtrainer mit UEFA-B-Lizenz. Ein Mann mit vielen Talenten, doch das Einkaufen gehörte bislang nicht dazu. Dauernd vergass er irgendwas Wichtiges zu posten, mal die Milch, mal die Bagels.

Seine Freundin Lia schrieb ihm zuerst Listen – mit wenig Erfolg. Besser läuft es erst, seit sich Pritchard alles auf seinem Taktik-Block notiert. “So funktioniere ich, und so kann ich mir das Zeugs merken.”

In der Regel greift er auf zwei bewährte Spielsysteme zurück: Ein 4-4-2 und ein 4-3-3. Seine Freundin findet Fussball übrigens doof, ist aber froh, dass Jack nun den Einkauf im Griff hat. “Als Nächstes schreibe ich ihm seine Pflegeprodukte in einem 4-3-3 auf, damit er die endlich mal gebraucht.”

Magistrale Metamorphose

Herr Winfried am Freitag den 18. Dezember 2020

An einem lauen Sommerabend begann YB, das Cupverliererimage langsam abzustreifen.

Wir schreiben den 18. August 2018, Fussballbern ist natürlich noch vollgepumpt mit Serotonin und schwebt mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit in die neue Saison hinein. Gerardo (excusé: Gerry) Seoane hat an der Seitenlinie Adi Hütter abgelöst, das Meisterteam ist aber fast ganz beisammen geblieben und denkt an dem Samstagabend bereits mit einer Gehirnhälfte an das Champions-League-Qualifikations-Hinspiel gegen Dinamo Zagreb vier Tage später.

Aber da ist zuerst: 1. Cuprunde in Biel. Zahlreich reiste Gelb-Schwarz in die Tissot Arena, das “Armenhaus der Schweiz”, wie auf einem Transparent im Bieler Sektor zu lesen war. Derjenige für die Gäste, der war derweil hoffnungslos überbucht, die neugewonnenen Modefans damals, Sie wissen schon.

Mit der Arroganz des Meisters spielte YB 90 Minuten lang nonchalanten Fussball. Biel hielt wacker dagegen und witterte kurz vor Schluss sogar die Sensation, Mike Natoli traf zum 2:1. Dann schlug die Stunde von Ulisses Garcia. Meistergoalie Wölfli (ja!) kam nach einem Corner zum Kopfball, Garcia staubte ab und rettete YB in die Verlängerung. Auch dort bekundete der haushohe Favorit grösste Mühe mit den viertklassigen Seeländern. In der allerletzten Minute überlief Garcia drei Gegenspieler, flankte butterweich auf Hoarau – 3:2 für YB. Die Highlights in Bewegtbild? Bitte sehr.

Bild: Daniel Teuscher / Keystone-sda

Die spektakuläre Wende aktivierte das Winnergen in Seoanes Ensemble endgültig: Zehn Tage später war der Einzug in die Gruppenphase der Champions League perfekt. Und die Schmachs (Schmachen?) von Buochs, Le Mont, Winterthur, War da noch was mit dem Cup? Ach ja, zwei Jahre danach gewann YB in diesem Wettbewerb zum 7. Mal den Titel.

Am achten Juli

Val der Ama am Dienstag den 8. Dezember 2020

Deutschlands Nationalfeiertag.

Wir hatten es letzte Woche bereits einmal von der Fussball-WM 1982 und bestimmt erinnern Sie sich auch noch an die “Nacht von Sevilla” am 8.7.1982, als Deutschlands Torhüter Schumacher den Patrick Battiston niederstreckte und nach dem Spiel dessen ausgeschlagene Zähne  wie folgt kommentierte: „Wenn es nur die Jacketkronen sind, die bezahle ich ihm gerne”. Das Foul und Schumachers Arroganz haben in Frankreich nachhaltig das Bild vom Nachbarn geprägt und es brauchte jede Menge Kohl und Mitterrand, um dies wieder zu korrigieren. Item, Deutschland gewann das Halbfinale gegen Frankreich mit 5:4 im Penaltyschiessen nach Verlängerung.

Zurück zum Datum: Genau acht Jahre später verwandelte Andreas Brehme gegen Argentinien einen Penalty und dies reichte aus, um das schlechteste WM-Finalspiel aller Zeiten zu gewinnen. Und am 8.7.2006, im Spiel um Platz 3 der Weltmeisterschaft 2006, besiegte die deutsche Fussballnationalmannschaft Portugal in Stuttgart mit 3:1. Über das Spiel, welches sich am 8.7.2014 in Belo Horizonte zugetragen hat, müssen wir nicht weiter berichten. Herr Rrr ärgert sich immer noch, dass damals auch der Spieler “Klose” einen Treffer erzielte.

Nächstes Jahr wird an der EM für die deutsche Nationalmannschaft am 8.7. voraussichtlich nichts zu holen sein, an diesem Tag sind keine Spiele geplant.

Adäquater Adventskalenderauftakt

Herr Maldini am Dienstag den 1. Dezember 2020

Herzlich Willkommen zum Adventskalender des Runden Leders. Wir von der Redaktion des Runden Leders nehmen Sie in diesem Monat mit auf Zeitreisen, an Spiele, die wir nie mehr vergessen werden.

Wir schreiben den 2. Juli 2000, es ist Sonntagabend und klein Maldini musste soeben an einer Darbietung des örtlichen Jugendorchesters mitwirken, also auf der Bühne (Klarinette) und verpasste deshalb den Grossteil des Finales der Fussballeuropameisterschaft 2000. Das ist ärgerlich, weil ihm entgeht deshalb das siegbringende 1:0 von Marco Delvecchio (55., nach einer Flanke von Gianluca Pessotto, aber vor allem schön Tottis Assist zum Assist).

Sie erinnern sich eventuell, es fallen dann doch noch zwei Tore, Sylvain Wiltord trifft in der Nachspielzeit (93.) und David Trezeguet kurz vor der Halbzeit der Verlängerung. Es gilt das unsägliche Format Golden Goal, und Trezeguets Grinsen, als er jubelnd abdreht – Herr Maldini ist jetzt schon etwas älter, aber er hat diese Szene noch immer nicht vergessen können. Die sexy Kappa-Leibchen immerhin, an die erinnert er sich gerne.

Misere im Maracana

Val der Ama am Donnerstag den 16. Juli 2020

Früher war auch Drama.

Heute vor genau 70 Jahren war das letzte Spiel der Finalrunde der WM 1950 in Brasilien. Die Gastgeber spielten und siegten beeindruckend und schienen auf dem besten Weg, erstmals den Titel zu holen. Im letzten Spiel der Finalrunde benötigte die Seleção gegen Aussenseiter Uruguay nur gerade noch ein Unentschieden.

Bereits gegen Mittag des 16. Juli 1950 fanden sich mehr als 200.000 Zuschauer im Maracana-Stadion ein, alle anderen Brasilianer sassen gespannt vor den Empfangsgeräten. Und es lief zu Beginn wie geplant oder erhofft: Friaça brachte Brasilien kurz nach der Pause in Führung. Nicht viel später aber erzielte Schiaffino den Ausgleich und zehn Minuten vor Abpfiff schockte Alcides Ghiggia ganz Brasilien und machte Uruguay zum zweiten Mal zum Weltmeister.

Zuschauer und Spieler waren erstarrt. Die letzten Minuten vergingen still und die Brasilianer brachten ausser ausser Fernschüssen nichts mehr zustande. Dann der Schlusspfiff, eine schnelle Pokalübergabe, aber weder Jubel, noch Konfetti, noch Gratulationen. Später entdeckten Putzkolonnen vier Tote im Stadion. Ein Zuschauer hatte sich von der Tribüne herabgestürzt, drei waren einem Herzinfarkt erlegen.

Zwei Jahre lang trägt Brasilien kein Länderspiel mehr zuhause aus und bis heute ist Brasilien nie mehr in den bis dahin üblichen weissen Trikots aufgetreten. Der Schriftsteller Nelson Rodrigues beschreib das Drama wie folgt: „Überall gibt es eine unheilbare nationale Katastrophe, etwas wie Hiroshima. Unsere Katastrophe, unser Hiroshima, war die Niederlage gegen Uruguay im Jahre 1950“.

Fertig Fussball

Herr Maldini am Dienstag den 31. März 2020

Jetzt hat es die Ersten gelupft.

MŠK Žilina ist der FCB der Slowakei: Der erfolgreichste und beliebteste Fussballclub seines Landes im aktuellen Jahrhundert, ja Jahrtausend. Meister 2002, 2003, 2004, 2007, 2010, 2012 und 2017 und immer gut für eine Fussball-Reise.

Doch MŠK Žilina ist nicht mehr. Der Club wird liquidiert.

Photo: stadionwelt.de

Die Verantwortlichen begründen den Schritt mit den dringend benötigten Transfererlösen, die im Sommer ausbleiben werden. Mit den Löhnen der Angestellten, die sie nicht mehr lange bezahlen können. Und mit der fehlenden Bereitschaft der Spieler, auf Gehälter zu verzichten.

Das ist jetzt auch etwas blöd für die Spieler selber, weil die haben keinen Verein mehr und werden wohl so leicht keinen neuen finden. Den Club-Besitzenden blieb aber offenbar nichts anderes übrig: Per 1. April ist Schluss. Sie schliessen aber nicht aus, dass der Verein irgendwann aufersteht.

War MŠK Žilina nur der Anfang? Was hat das alles für den Schweizer Fussball zu bedeuten? Und erst für den FCB? Wir wissen es nicht.

Was macht eigentlich …

Rrr am Samstag den 21. März 2020

… Ilja Kaenzig?

Er macht sich Gedanken über das Coronavirus. Film ab!

Für die jüngeren Leser: Ilja Kaenzig war auf dem Höhepunkt seiner Karriere CEO der Berner Young Boys (2010-2012). Zuvor arbeitete er beim “Blick”, danach beim FC Sochaux und seit 2018 beim deutschen Zweitligisten VfL Bochum.

Buffons Buffet

Rrr am Freitag den 6. März 2020

Drei Tonnen Leckereien für die armen Menschen in Turin.

Möglich gemacht hat es Juventus, wie der Verein im Internet mitteilte. Der wollte vorgestern abend das Cup-Halbfinalrückspiel gegen Milan austragen, doch fiel das Spiel im Allianz Stadium dem Coronavirus zum Opfer.

Die Tische in den exklusiven Premium Suites waren festlich gedeckt, und es war schon alles eingekauft, um die 4000 Gäste dieser Wohlfühlzone hoch über dem Spielfeld glücklich zu machen. Aber eben. Kein Buffon, kein Buffet.

Wie es aussieht, können die Bedürftigen und Obdachlosen der Stadt jetzt Austern auf Eis schlürfen, überbackene Jakobmuschel mit Kaviar vom Belugastör degustieren und glasig gebratenen Langustenschwanz auf Mango schnabulieren. Ein Ersatzdatum fürs Spiel wurde übrigens noch nicht festgelegt. Das Hinspiel im San Siro endete 1:1.

Ammar analysiert

Val der Ama am Donnerstag den 13. Februar 2020

Fakten, Fakten, Fakten – wir haben sie.

Sie waren über Mittag besonders achtsam und wissen es längst: Das Bild zeigt, welcher Art die 41540 internationalen Fussballspiele zwischen 1872 und 2018 waren.

Noch viel mehr zu diesem Thema weiss Ammar Alyousfi. Er hat in Jordanien und Malaysia studiert und lebt aktuell in Dubai. Und beschäftigt sich – wer nicht? – ganz gerne mit Datenanalyse und Machine Learning, mit Data Visualization und Cloud Computing. Neulich, da hat er sich hier einen Datensatz besorgt und ein wenig damit rumgespielt.

Brandexklusiv hier schon mal ein paar interessante Dinge:

– Die meisten Länderspiele hat Schweden absolviert (1104 Spiele). Dahinter England (999), dann Brasilien und Argentinien (966).
– Brasilien und Deutschland haben je 109 WM-Spiele verbucht. Es folgen Italien (83) und Argentinien (81)
– Brasilien hat 617 Länderspiele gewonnen, England 565, Deutschland 548
– Grösster Loser ist Finnland (395 Spiele verloren), dann die Schweiz (342), dann Nordirland (329)
– Oder vielleicht noch ein Schmankerl für Geographieinteressierte: Die häufigste Paarung war Argentinien-Uruguay (175), gefolgt von Österreich-Ungarn (also Österreich gegen Ungarn und nicht Österreich-Ungarn gegen wen auch immer) (133).

Klar, Sie wollen noch mehr davon, also los!

Blöder Besuch

Val der Ama am Freitag den 27. Dezember 2019

Er wollte Leeds, gekommen ist Manchester United.

Wir berichten immer gern, wenn Fussballer Kinder im Spital besuchen. Gute Sache meist. Und in Bern auch völlig unproblematisch, weil da geht YB mit Spielern in ein Krankenhaus zu Besuch und welches brauchbare Kind ist in Bern nicht YB-Fan?

Für den kranken Eddie hat die Besucherei neulich nicht so gepasst, er musste sich von Ashley Young, also dem Kapitän von Manchester United, langweilen lassen.

Sein Vater hat davon ein Bild geknipst und nach ein paar Runden auf Twitter haben dann die Verantwortlichen von Leeds United reagiert und zum Trost immerhin Mittelfeldspieler Adam Forshaw mit Geschenken vorbeigeschickt. Das gefällt Eddie schon besser.

Tolles Törchen (19)

Rrr am Donnerstag den 19. Dezember 2019

Vor vielen Jahren kaufte sich Herr Rrr dieses Trikot.

“Dieser Messi war damals die grosse Nachwuchshoffnung der Argentinier. In Europa kannte ihn noch fast niemand. Also kaufte ich dieses Shirt, in der Hoffnung, dereinst als Visionär in die Annalen einzugehen.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Messi habe ich bald einmal aus den Augen verloren. Vermutlich zu klein, zu verspielt, zu wenig ehrgeizig – keine Ahnung. Es gibt halt so viele Talente im Weltfussball … wirklich durchsetzen können sich nur die Wenigsten.

Gesehen habe ich Messi zwar noch ein paar Mal an Weltmeisterschaften, aber da scheiterte er stets. 2010 die 0:4-Schlappe gegen Deutschland, 2014 der grosse Finalverlierer, 2018 schon im Achtelfinal gescheitert. Copa America, dasselbe. Kein Titel, niemals. Es ist tragisch.

Möchte jemand mein Shirt kaufen? Original Adidas, XXL, gratis. (Muss abgeholt werden.)”

Tierische Trägodie

Briger am Montag den 11. November 2019

Heute lernen Sie Ivan Gazdek kennen.

Oben links: die Welt ist noch in Ordnung, oben rechts: Der letale Tritt.
Unten links: das Huhn fliegt, unten rechts: das Huhn fliegt immer noch. Foto via: @JurajVrdoljak

Der junge Mann spielt für das kroatische Team NK Jelengrad in der Sisak-Moslavina-County-Liga. Beim Spiel gegen Jasenovac wurde das Spielfeld zum wiederholten Male von ungebetenen Gästen heimgesucht – Hühnern von einem angrenzenden Bauernhof. Dies brachte Gazdek dermassen in Rage, dass er die Hühnern zu verscheuchen versuchte. Dabei trat er in Richtung der Hühner und traf ein rötliches Huhn dermassen unglücklich, dass das Ferdervieh den Ausflug auf das Spielfeld nicht überlebte. Gazdek entsorgte das tote Tier dann mit einem Wurf über die Spielfeldbegrenzung.

Der Schiedsrichter schickte ihn wegen unsprotlichen Verhaltens vorzeitig unter die Dusche. Gazdek gab nach dem Spiel geknickt zu Protokoll, dass die Hühner ständig aufs Feld rennen würden und ihre Hinterlassenschaften zu unhygienischen Zuständen führten. Er habe die Tiere wegjagen wollen und dann aus Versehen eins mit dem Fuss getroffen. Nach dem Spiel, dass sein Team trotz des Platzverweises mit 8:1 gewann, überreichte er der Besitzerin des verstorbenen Huhns einen Entschuldigungsbrief und kaufte ihr ein Neues.

Er sei, so Gazdek, überdies ein Tierfreund. Nach eigenen Angaben besitzt er einen Hund, zwei Katzen und einen Papagei – dieser ist allerdings vor kurzem verstorben.