Archiv für die Kategorie ‘Erledigte Fälle’

Treffsichere Tipprunde

Herr Noz am Freitag den 16. Juli 2021

Sie erinnern sich: Wir hatten Ihnen unlängst empfohlen, sich unserer Tippgruppe anzuschliessen, damit Sie sich mit dem Fussballsachverstand der Redaktion messen können. Etliche von Ihnen haben das getan. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Sieger der gemütlichen EM-Tipprunde aus 43 Mitgliedern ist nun unser notorischer Herr Maldini, was uns zwar grundsätzlich sehr stolz machen würde, aber Herr Maldini musste leider wegen Betrugsgerüchten einmal mehr disqualifiziert werden. Er wird beim nächsten Mal durch einen integren Funktionär ersetzt, dies versprechen wir.

Nachrücken darf deshalb unser Premium-Leser Herr Habistuta, der sich mit fantastischen 188 Punkten das Podest mit dem allseits beliebten Sergeant Pepper (186) und dem unvergessenen Wortakrobaten Herr Natischer (183) teilen darf.

Die weiteren Ränge der Redaktion: Herr Shearer (6.), Herr Noz (16.), Herr Winfried (25.), Herr Briger (26.), Herr der Ama (35.) sowie auch Herr Rrr (36.).

P.S.: Zum Gewinn des Hauptpreises hätten Sie übrigens 221 Punkte erreichen müssen. Die Tippgruppe «ZumRundenLeder» belegte mit durchschnittlich 145,4 Punkten lediglich Rang 55 von 134. Dies zu Ihrer Information.

Geld weg, Groti weg

Herr Maldini am Dienstag den 29. Juni 2021

Der KFC Uerdingen ist bankrott.

So sah der Grotifant aus, wenn er recht anständig war. Foto: Screenshot reviersport.de.

Und das ist schade. Denn damit muss sich der in Krefeld, Nordrhein-Westfalen ansässige Verein aus dem deutschen Profifussball verabschieden. Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: 1991 hatte ein gewisser Stéphane Chapuisat, liebevoll “Chappi” genannt, bei Uerdingen angeheuert. In der abgelaufenen Spielzeit reichte es immerhin noch für den Klassenerhalt in der 3. Bundesliga (Platz 16).

Doch nun fehlt das Geld. Offenbar tut es das auch für den Grotifanten, das legendäre Maskottchen des Clubs. Kurz: kein Profibetrieb, kein Grotifant. Das ist ebenfalls schade, denn der Grotifant sorgte für einige Gänsehautmomente, etwa wenn er den Schiedsrichter antrompetete oder sich mit Fans prügelte. Damit schaffte er es gar zur Weltberühmtheit.

Jetzt ist Schluss. Der Grotifant sagt dazu gegenüber dem Runden Leder in einer kurzen Stellungnahme lediglich: “Tätärätätätätä”.

HEUTE LIVE ab 17.45 Uhr: Schnapschat mit England-Deutschland

Plattentellerduelle (3)

Herr Noz am Freitag den 18. Juni 2021

Welcome zu einer neuen Episode der kurzweiligen «Plattentellerduelle». Wenn Sie dachten, dass Sie schon viel ertragen mussten – wait for it! Heute spielt nämlich England gegen Schottland.

Die Engländer wählen für das heutige Duell eine nachvollziehbare, aber irrationale Strategie: Sie denken irrtümlich, dass, besängen sie nur ganz ganz fest das famose Jahr 1966, das Glück sie dann bestimmt fände. Wie verzweifelt kann man sein. Hören Sie aber gut hin: Wenn Sie mehr als sieben Stücke aus diesem Medley namens «Flashback ’66» (DJ Bear, 1990) erkennen, dürfen Sie sich stolz Pop Historian nennen.

 

Der schottische Beitrag stammt aus dem Jahr 1974. Das Nationalteam singt sich fröhlich warm zum Turnier in Deutschland und findet gerade alles total «Easy, Easy» (und ja, auch ein wenig ringi-dinga-dong). Sympathisch, rockig (wegen Schottenrock, verstehen Sie, haha) – rasch zu Ende. Die Devise der Schotten lautet ja bekanntlich seit jeher: Dabeisein ist alles.

 
(Songs via 45football.com)

Nächste Caption Competition am Freitag, 25. Juni

Persistentes Punktesammeln

Herr Noz am Samstag den 8. Mai 2021

Das Championnat neigt sich seinem ersehnten Ende zu, und die Young Boys sammeln weiterhin fleissig Punkte.

Bild: Keystone

Der Charakter der Begegnung liess sich lange nicht bestimmen. YB bemühte sich, Basel hielt recht aufsässig dagegen. Die von mehrfachen Nickligkeiten geprägte Partie verlief phasenweise animiert, zuweilen fahrig, punktuell gar harzig.

Der Treffer von Fassnacht (71.) war nachgerade sinnbildlich für das bis zu diesem Zeitpunkt Gebotene: Irgendwie landete der Ball hinter Lindner im Tor, aber keiner im Stadion vermochte genau zu erklären wie. Dann aber schien der Knoten gelöst: Gleich im Anschluss erhöhte Martins nach einer sehenswerten Kombination das Skore auf 2:0 (72.). Dieser Spielstand blieb bis zuletzt bestehen.

Ihnen und Ihren Lieben ein schönes Wochenende.

Strip, hipp, hurra

Rrr am Mittwoch den 5. Mai 2021

Vor 25 Jahren: Das Nasenpflaster erobert die Fussballwelt.

Erfunden wurde es 1993 in den USA als probates Mittel gegen das Schnarchen. Die Pflaster sollen die engen Atemwege auf den Nasenflügeln erweitern und so das Atmen erleichtern. US-Footballer bekamen das mit und begannen mit Breathe Right Nasal Strips herumzupröbeln. Bald schwappte der Hype auf die Fussballwelt über.

Den grossen Durchbruch schaffte das kleine Teil an der EM 1996. Spieler aller Länder glaubten an eine Art Wunderwirkung. Als Vorreiter galten die Italiener (unser Bild zeigt Alessandro del Piero) und die Kroaten, bei denen das Nasenpflaster schon fast standardmässig zum Einsatz kam.

In Deutschland etablierte Kaiserslauterns Stürmer Olaf Marschall das Pflaster. “Der Hersteller bat mich, das doch mal bei einem Spiel zu tragen. Er hat sich dafür auch erkenntlich gezeigt”, berichtete Marschall später. “Das Spiel lief ganz gut, und da wir Fussballer alle ein wenig abergläubisch sind, habe ich es die gesamte Saison getragen.”

Kaiserslautern wurde 1998 sensationell Meister. Die Wissenschaft wies allerdings nach, dass das Nasenpflaster für Fussballer bestenfalls einen Placebo-Effekt hat. Vor allem, weil man bei grösser körperlicher Anstrengungen verstärkt durch den Mund atme.

Nichtsdestotrotz blieb das Nasenpflaster noch einige Jahre auf dem Platz präsent. Prominteste Träger waren Cristiano Ronaldo und Neymar in ihren frühen Jahren. Aber irgendwann verschwand das Teil dann ganz. Nach wie vor genutzt wird es allerdings von notorischen Schnarchern.

Klaassens Kalamität

Val der Ama am Dienstag den 4. Mai 2021

Ajax feiert #XXXV und Klaassen ein Wiedersehen.

Ajax Amsterdam werden die meisten von Ihnen kennen und just diesen Sonntag konnte besagter Fussballverein erneut einen Titel feiern. Schauen Sie sich mal diesen Tweet an, das ist Meisterfreude, wie sie früher einmal war.

Tragischer Held des Tages wäre dann beinahe Davy Klaassen geworden. Der Ex-Werderaner hatte anlässlich der entscheidenden Partie nach Vorlage von Dusan Tadic mit seinem zwölften Saisontreffer für den 4:0-Endstand gesorgt. Und dann bei den Feierlichkeiten, da hatte er, wie viele Teamkollegen auch, die schöne Idee, seine Schuhe in die Menge zu werfen, weil so Gesten erfreuen den gemeinen Fussballfan ungemein.

Gestern dann das böse Erwachen am Tag danach und mehrere Notrufe auf Social Media: Davy Klaassen heeft jullie hulp nodig! Klaassen hat mit den Schuhen auch noch grad seine Spezialeinlagesohlen weggeworfen und die braucht er zum Fussballspielen unbedingt. Das Happyend folgte nur kurze Zeit später: Die Schuhe sind wieder da, die Sohlen noch drin.

Madrilenische Menschenansammlung

Herr Winfried am Mittwoch den 17. März 2021

Anhänger zweier spanischer Fussballvereine haben sich zu einem Ernstkampf getroffen.

Die Rede ist vom Hauptstadtderby Real Madrid gegen Atlético, das auf neutralem Boden etwas ausserhalb des Zentrums stattfand. In diesem Fall starteten beide Mannschaften mit einer Roten Karte – je zehn Mann standen sich gegenüber. Und der Ball fehlte auch.

Foto: AS

Spanische Medien berichteten von “russischer Spielweise” – was bedeute, dass gewisse Regeln gälten und keine Waffen erlaubt seien.

Wie weiter zu vernehmen war, hat Real Madrid die Begegnung für sich entschieden.

Instinktiv instabil investiert

Herr Winfried am Mittwoch den 17. Februar 2021

Yannick Bolasies Pläne für den Valentinstag gingen, nun ja, etwas schief.

Neulich war, wie Sie vielleicht mitbekommen haben, der 14. Februar. Was auch immer Ihnen dieser von Konsumlogik gesteuerten Mächten Tag der Liebe so bedeutet, dem Fussballer Yannick Bolasie bedeutet er offenbar viel. Bolasie, 31 Jahre alt, Stürmer des FC Middlesbrough, hatte sich für eine bestimmte, nicht öffentlich genannte Person, etwas ganz Spezielles ausgedacht. Lesen Sie selbst.

Oh, das ist schon neun Jahre her?

Nun gut, auch eine Nachbesprechung lohnt sich. Mehrere Fragen bleiben nämlich bis heute ungeklärt:

  • Warum hat Herr Bolasie nicht wenigstens beim Essen alles versucht? 75 Pfund klingen nicht, als hätte er alles auf diese Karte gesetzt. Zumal das Date ja bestimmt in London stattfand.
  • Drinks für 50 Pfund: eindeutig ausbaufähig. Aber er ist ja Fussballprofi, es sei ihm verziehen.
  • Hat die Frau etwa
  • Und vor allem: Warum war der Spuk bereits um viertel nach sechs abends vorüber?

 

Irritierendes Inserat

Herr Shearer am Donnerstag den 11. Februar 2021

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Lieber Dr. Rüdisühli, mit Erstaunen habe ich in der Dienstagsausgabe des “Bund” auf Seite 19 dieses Inserat gesehen. Ist es neu Usus, dass Fussballklubs ihre Trainerwechsel per Annonce bekanntgeben? uawg, Ihr D.M., Bern.

Werter Dario, wir haben leider auch keine konkrete Antwort auf Ihre Frage. Aber schauen Sie es doch mal so an: der Trainerwechsel einer Drittliga-Mannschaft steht in der Zeitung, diese spart sich die journalistische Aufarbeitung der Meldung und bessert sogar ihr Budget mit den Inseratekosten auf. Win-Win-Situation nur Hilfsausdruck und ein Beispiel für innovative Berichterstattung! mfg, Ihr Doktor Rüdisühli

Konkrete Kontemplation

Val der Ama am Donnerstag den 28. Januar 2021

Nein, heute nicht.

Fachexpertentipp: Lassen Sie Ihren inneren Hippie oder Sutter im Dämmerzustand und vergessen Sie mal einen Moment dieses Meditationszeug. Wenn Sie unbedingt einen Bewältigungsmechanismus zur Selbstoptimierung Ihres Aufmerksamkeitsdefizits suchen, dann rufen Sie doch mal Ihr Grosi oder den Götti oder sonstwen an, die oder den Sie wegen ständiger Selbstoptimierung und Ich-Fixiertheit beinahe vergessen haben.

Und wenn Sie wollen, dann schauen Sie sich dann gemeinsam obiges Bild und raten Sie, was oder wer da gezeigt sein könnte. Um 14 Uhr lösen wir.

Systematisches Shopping

Rrr am Samstag den 2. Januar 2021

Einkaufen mit Jack Pritchard – es ist ganz einfach.

Der 24-Jährige ist Fussballtrainer mit UEFA-B-Lizenz. Ein Mann mit vielen Talenten, doch das Einkaufen gehörte bislang nicht dazu. Dauernd vergass er irgendwas Wichtiges zu posten, mal die Milch, mal die Bagels.

Seine Freundin Lia schrieb ihm zuerst Listen – mit wenig Erfolg. Besser läuft es erst, seit sich Pritchard alles auf seinem Taktik-Block notiert. “So funktioniere ich, und so kann ich mir das Zeugs merken.”

In der Regel greift er auf zwei bewährte Spielsysteme zurück: Ein 4-4-2 und ein 4-3-3. Seine Freundin findet Fussball übrigens doof, ist aber froh, dass Jack nun den Einkauf im Griff hat. “Als Nächstes schreibe ich ihm seine Pflegeprodukte in einem 4-3-3 auf, damit er die endlich mal gebraucht.”

Magistrale Metamorphose

Herr Winfried am Freitag den 18. Dezember 2020

An einem lauen Sommerabend begann YB, das Cupverliererimage langsam abzustreifen.

Wir schreiben den 18. August 2018, Fussballbern ist natürlich noch vollgepumpt mit Serotonin und schwebt mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit in die neue Saison hinein. Gerardo (excusé: Gerry) Seoane hat an der Seitenlinie Adi Hütter abgelöst, das Meisterteam ist aber fast ganz beisammen geblieben und denkt an dem Samstagabend bereits mit einer Gehirnhälfte an das Champions-League-Qualifikations-Hinspiel gegen Dinamo Zagreb vier Tage später.

Aber da ist zuerst: 1. Cuprunde in Biel. Zahlreich reiste Gelb-Schwarz in die Tissot Arena, das “Armenhaus der Schweiz”, wie auf einem Transparent im Bieler Sektor zu lesen war. Derjenige für die Gäste, der war derweil hoffnungslos überbucht, die neugewonnenen Modefans damals, Sie wissen schon.

Mit der Arroganz des Meisters spielte YB 90 Minuten lang nonchalanten Fussball. Biel hielt wacker dagegen und witterte kurz vor Schluss sogar die Sensation, Mike Natoli traf zum 2:1. Dann schlug die Stunde von Ulisses Garcia. Meistergoalie Wölfli (ja!) kam nach einem Corner zum Kopfball, Garcia staubte ab und rettete YB in die Verlängerung. Auch dort bekundete der haushohe Favorit grösste Mühe mit den viertklassigen Seeländern. In der allerletzten Minute überlief Garcia drei Gegenspieler, flankte butterweich auf Hoarau – 3:2 für YB. Die Highlights in Bewegtbild? Bitte sehr.

Bild: Daniel Teuscher / Keystone-sda

Die spektakuläre Wende aktivierte das Winnergen in Seoanes Ensemble endgültig: Zehn Tage später war der Einzug in die Gruppenphase der Champions League perfekt. Und die Schmachs (Schmachen?) von Buochs, Le Mont, Winterthur, War da noch was mit dem Cup? Ach ja, zwei Jahre danach gewann YB in diesem Wettbewerb zum 7. Mal den Titel.