Archiv für die Kategorie ‘Der Internetpranger’

Bedenkliche Bären-Begegnung

Herr Shearer am Donnerstag den 2. Februar 2023

Moment mal – ist das nicht Mani, das Maskottchen vom YB-Kids-Club??

Natürlich ist er das, und das Bild ist hochbrisant. Es wurde auf der Plaça de la Reina in Valencia aufgenommen und uns anonym zugestellt. “Ich war sehr überrascht, als ich letzten Donnerstag nichtsahnend aus der Kathedrale trat und das allseits beliebte Maskottchen Mani erblickte. Was mich aber richtig schockierte: Mani hatte neben sich einen Becher aufgestellt und erwartete offensichtlich Almosen von den Passant:innen im Zentrum Valencias. Als ich ihn darauf ansprach, tat er so, als verstünde er kein Berndeutsch und wandte sich von mir ab. Ich hab dann mein Handy genommen und ein Bild geschossen. Und ein einen Fünf-Euro-Schein in den Becher gelegt. Man ist ja kein Unmensch. Ich hoffe, dass er das Geld für die Rückreise irgendwie zusammenbekommen hat und am Sonntag zurück in Bern war. Herzliche Grüsse, H.S.,B.”

Besten Dank, Herr H.S.! Auch wir auf der Redaktion waren einigermassen geschockt, als wir vom bettelnden Mani gehört haben. Gerüchteweise soll er im Trainingslager der Young  Boys in Marbella vergessen gegangen sein, daraufhin habe er mit Betteleien das Geld für die Rückreise zusammenkratzen müssen. Weder Mani noch der BSC Young Boys wollten uns gegenüber zu diesem Vorfall Stellung nehmen.

Immer Ärger mit Waldi

Herr Shearer am Donnerstag den 26. Januar 2023

Bei den Reichen lernt man sparen.

KEYSTONE/Fabrice Coffrini

Heute lernen Sie Waldemar Kita kennen – obwohl, den kennen Sie ja schon, schliesslich war er vor kurzem (1998 – 2001) Besitzer und Präsident von Lausanne-Sport. Zu Geld gekommen ist der gelernte Augenarzt mit medizinaltechnischen Firmen, inzwischen gehört ihm der FC Nantes in Frankreichs höchster Liga. Und ein guter Geschäftsmann, der wirft auch immer einen strengen Blick auf die Buchhaltung.

Sehr zum Leidwesen von kleinen Vereinen. Denn in Frankreichs Cup gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die Profiklubs nach Begegnungen gegen Amateure ihren Anteil an den Ticketeinnahmen den Kleinen überlassen. Aber ungeschriebende Gesetze interessieren Herrn Kita leider nicht. Und am vergangenen Wochenende reiste Nantes in die Vogesen zum FC Thaon. Dort fürchtete man also um die Einnahmen, die man dringend brauchte, schliesslich fand das Spiel nicht auf eigenem Platz statt, sondern im grösseren Stadion von Epinal. Denn mit Herrn Kita hatten in den vergangenen Jahren bereits mindestens zwölf Klubs diese Erfahrung gemacht, letztes Jahr die AF Virois: “Am Ende des Spiels kommt Waldemar Kita zu mir und sagt, dass er mir die Einnahmen aus dem Spiel überlässt, aber nur seine Reisekosten abzieht. Als ich den Einnahmebogen unterschreiben wollte, war Kita schon weg und sein Teammanager schämte sich ein wenig und ging in die Ecke, um seinen Präsidenten noch einmal anzurufen und zu fragen, wie viel sie uns lassen würden. Ich spüre, wie er etwas verlegen zurückkommt, und er erklärt uns: “Der Präsident sagt, dass wir mit 18.000 Euro unsere Kosten nicht decken können, also nehmen wir alles.” Auf ihrem Ausflug ins die Normandie sparten die Kanarienvögel nicht; die Übernachtungen im teuersten Hotel der Gegend, die Massageräume, die Sitzungszimmer und auch der Teambus, der leer von Nantes nach Vire gefahren wurde wurden dem Unterklassigen gnadenlos verrechnet. Das ärgert Christoph Lécuyer, den Präsi: “Wenn wir ein Cupspiel gegen eine Mannschaft der obersten Liga organisieren, müssen wir so viele Auflagen einhalten, und dann sollen wir ihm auch noch seine Spesen bezahlen”.  Aus Nantes sind nur 250 Gäste angereist, welche auch nur fünf Euro Eintritt bezahlen mussten.

So hoffen wohl weiter alle kleinen Vereine, dass sie im Cup ein Team aus der Ligue 1 zugelost bekommen – aber bloss nicht Nantes. Letzten Sonntag wäre der Grosse aber fast über den Kleinen gestolpert; Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung stand es 0:0, erst im Penaltyschiessen konnte sich Kitas Klub durchsetzen. Die Heimfans zeigten derweil ein passendes Spruchband: “Behaltet die Einnahmen, wir nehmen die Qualifikation”.

Ob Herr Kita seine Angewohnheiten geändert hat oder ob auch der FC Thaon mit leeren Händen dasteht, konnte infolge akutem Fachkräftemangel auf der Redaktion dieses Mediums bis dato nicht eruiert werden.

 

 

Speditiver Spielbeginn

Herr Maldini am Dienstag den 1. November 2022

Fussball, heute mit: Feyenoord Rotterdam U21 gegen ADO Den Haag U21.

Wir präsentieren Ihnen den Anpfiff.

Henusode, das kann passieren.

Despotisch degenerierte Denkmuster

Herr Winfried am Mittwoch den 29. Juni 2022

Kevin Grossenbacher massregelt die angesehene spanische Sportzeitung “Marca”.

Estimad@s periodistas und sonstige Leser*innenschaft,

Ich bin soeben vom Backpacken in Patagonien (Rückreise per Anhalter mit dem Segelboot über den Atlantik) zurück, und habe unfassbar viel über mich und das Leben gelernt. Gerade auch nach dem total authentischen und schönen Kontakt mit Vertreter*innen der indigenen LGBTQIAx+-Community, mit der ich einige Kundgebungen organisiert habe, empöre ich mich umso mehr über den eurozentrischen Alltagsrassismus.

Ich hatte kaum den WG-Kühlschrank geöffnet, um meinen “New Roots” Käse mit einem Demeter-Smoothie abzuwrappen, da ploppt dieses Bild auf meinem Smartphone auf.

Das ist die Titelseite der renommierten spanischen Sportzeitung “Marca”.

Sie induziert den Begriff “Africa Power”, um zu statuieren, dass bei Real Madrid vor allem POC (People of Color) zu den tragenden Elementen gehören – und um zu sagen, dass die abgebildeten Menschen keine europäischen Menschen sind, sondern von “anderswo” her kommen. Dabei ist die Faktenlage klar: Sie sehen hier sechs Menschen, No Borders No Nations! (weil eine nationale Zugehörigkeit dennoch existiert, sind das vier Franzosen, ein Deutscher, ein Österreicher).

Es zählt zu den gängigen stereotypisierten Darstellungen von nichteuropäischen Menschen, dass man “Afrika” als einen einzigen Herkunftsort begreift und zudem afrikanischen Menschen besondere Muskelkraft zuschreibt – dies alles zeigt, wie tief rassistisch die Denkmuster im weissen Cis-Europa nach wie vor verwurzelt sind. Das geschah neulich auch in der Schweiz.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, empfehle ich Ihnen auf Anfrage gern einige Papers von Kolleg*innen der postkolonialen Forschung, da habe ich sehr gute Kontakte aus wissenschaftlichen Lesekreisen.

Stinksauerer Stoyne

Briger am Montag den 23. Mai 2022

Heute lernen Sie Stoyne Manolov kennen.

Der frühere Vorsitzende von CSKA Sofia gründete 2015 den Club Zarsko Selo, im Sofioter Stadteil Dragalevtsi. Nun ist nach sieben Jahren Schluss. Schuld daran trägt auch Manolov selbst.
Am Samstag trat das Schlusslicht der Efbet Liga gegen Lokomotive Sofia an. Nach 97 Minuten stand es 1:1 und die Zaren erhielten einen Elfmeter zugesprochen. Yusupha Yaffa, Gambier mit zwielichtiger Vergangenheit, im Winter gekommen und seither nur 60 Minuten im Einsatz, wollte zum Strafstoss antreten. Doch dies passte Manolov so gar nicht.

Kapitän Martin Kavdanski versagten nach dem Unterbruch die Nerven und Zarsko Selo verpasste es, Botev Vratsa zu überholen und noch in die Barrage zu kommen. Manolov beschloss am Sonntag den Verein aufzulösen, einen Käufer habe er nicht gefunden, ob und wie intensiv er gesucht hatte, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Perfider Pariser Prellballer

Herr Shearer am Donnerstag den 5. Mai 2022

Enkeltricks, falsche Polizisten – und jetzt auch noch das. Unser Sicherheitsexperte wendet sich erneut mit einer dringlichen Warnung an die Leserschaft.

“Betrüger sind überall. Falls Sie im Gastgewerbe tätig sind, wurden Sie sicher auch schon Opfer von Zechprellerei. Von einer neuen, sehr perfiden Masche berichten nun meine französischen Kollegen. Glücklicherweise konnten sie den Schuldigen überführen und vor ein Gericht stellen, welches ihn letzte Woche für seine Untaten verurteilte.

Das kam so: Am 12. Dezember des vergangenen Jahres spielte die U19 von Paris St-Germain in der Coupe Gambardella auswärts in der Normandie gegen Lisieux und gewann dort auch standesgemäss mit 5:1. In einem örtlichen Hotel übernachtete an diesem Wochenende auch ein Herr Diarra, der sich als Nachwuchsspieler des PSG ausgab und bei der Abreise, als es ums Bezahlen des Aufenthalts ging, die Nummer seines Agenten hinterliess, der das regeln würde. Die Rezeptionistin wurde skeptisch, als sie auf dem Anrufbeantworter der Prepaid-Nummer landete. Für die Polizei sei es dann ein leichtes gewesen, den bereits mehrfach vorbestraften Übeltäter zu überführen und ihn – wie oben bereits geschildert – seiner gerechten Strafe von zwei Jahren Gefängnis zuzuführen.

Also, passen Sie auf, wenn da irgenwer in ihrer Beiz auftaucht und behauptet, er sei so ein Fussballprofi. Wobei, wenn Sie mich fragen, ist es eigentlich deutlich verwerflicher, Fussballprofi bei PSG zu sein als sich bloss als einer auszugeben. Aber mich fragt ja niemand.”

Geballte Bussen

Val der Ama am Freitag den 1. April 2022

Es gibt sie, die mühsamen Fans.

Da kann sich Feyenoord zwar in dieser Conference League gegen FK Partizan für die nächste Runde qualifizieren, aber dann die UEFA und die bestraft den Verein, weil sich so genannte Fans mal wieder daneben benommen haben. 79.375 Euro für die UEFA und ein anständiger Batzen nach Belgrad, damit die dort das Stadion reparieren können.

Erleichtert ist Feyenoord, dass die Ausschreitungen nicht zu einem Verbot von Auswärtsfans beim nächsten Europapokalspiel geführt haben, aber so insgesamt überwiegt die Enttäuschung über die bereits achte und neunte europäische Strafe der Saison.

Das summierte Bussgeld beträgt diese Saison bereits 405.250 Euro. Noch nie in der Geschichte musste Feyenoord in einer einzigen Saison so viel Geld an die UEFA zahlen. Nachvollziehbar, dass der Verein nun an seine Fans appelliert, sich künftig anständiger zu verhalten.
(Foto: Pro Shots)

Plumpes Plakat

Herr Maldini am Dienstag den 29. März 2022

Juhui, endlich für Katar qualifiziert, sagten sich die Amis und rollten ein Banner aus.

Hier ist das Banner. Foto: Keystone.

Sie taten es gestern nach dem 5-1 gegen Panama und einem Hattrick von Christian Pulisic. Jetzt aber: Eine Recherche des Runden Leders ergab, dass die USA noch gar nicht fix für die WM qualifiziert sind! Ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht das:

Am Donnerstag kommt es zum delikaten letzten Qualifikationsspiel gegen Costa Rica. Gut, allzu viel schiefgehen sollte nicht mehr. Pulisic sagte: “Die Jungs wussten überhaupt nicht, was auf dem Banner stand. Es wurde ihnen einfach in die Hand gedrückt.” Sie hätten nun noch einen Job zu erledigen. “Wir gehen es ehrlich gesagt wie jedes andere Spiel an. Wir werden uns genauso vorbereiten, wie wir es tun würden, wenn wir einen Sieg bräuchten.”

Kanada hingegen qualifizierte sich zum zweiten Mal für eine WM-Endrunde und beendete damit eine 36 Jahre währende Durststrecke. Im Land freut man sich jetzt sehr auf Katar.

Oha Lätz (MCMXVII)

Val der Ama am Donnerstag den 13. Januar 2022

Finden Sie heute die drei Unterschiede

Links sehen Sie den Spieler Douglas Bergqvist von Kalmar FF, rechts sehen Sie den Spieler Douglas Bergqvist, neu beim FC Chernomorets Odessa.

Und wenn Sie dem zuständigen Social Media Team ein Kompliment aussprechen möchten, dann tun Sie das doch hier.

Vielfach verloren

Dr. Rüdisühli am Mittwoch den 15. September 2021

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Lieber Doktor Rüdisühli, jetzt hat der Cristiano Ronaldo gestern schon wieder gegen YB verloren. Zwei Spiele, null Punkte – das ist aussergewöhnlich oder irre ich mich? Freundliche Grüsse, VdA aus B.

Lieber Herr der Ama, Wie recht Sie haben! Eine derartige Nullbilanz hat der Portugiese nur gegen einen einzigen weiteren Verein. Damals in der Saison 2002/03 verlor er mit Sporting in der heimischen Meisterschaft beide Partien gegen den Gil Vicente FC. Der Vollständigkeit halber hier kurz eine Aufzählung aller Vereine, gegen die Cristiano ebenfalls noch nie gewinnen konnte (jeweils aber nur ein Spiel): Burton Albion, VfB Stuttgart, Crystal Palace, Southend United, SC Braga, Partizan Belgrad, União Leiria, Benevento Calcio, Fenerbahce Istanbul und Associação Naval 1893.

Die meisten Niederlagen insgesamt musste er gegen den FC Barcelona hinnehmen (15 in 34 Spielen). Die meisten Siege konnte Cristiano Ronaldo gegen Atlético Madrid feiern: 17 Mal ging er in 25 Partien als Sieger vom Platz. Beste Grüsse, Ihr Dr. Rüdisühli

Plattentellerduelle (3)

Herr Noz am Freitag den 18. Juni 2021

Welcome zu einer neuen Episode der kurzweiligen «Plattentellerduelle». Wenn Sie dachten, dass Sie schon viel ertragen mussten – wait for it! Heute spielt nämlich England gegen Schottland.

Die Engländer wählen für das heutige Duell eine nachvollziehbare, aber irrationale Strategie: Sie denken irrtümlich, dass, besängen sie nur ganz ganz fest das famose Jahr 1966, das Glück sie dann bestimmt fände. Wie verzweifelt kann man sein. Hören Sie aber gut hin: Wenn Sie mehr als sieben Stücke aus diesem Medley namens «Flashback ’66» (DJ Bear, 1990) erkennen, dürfen Sie sich stolz Pop Historian nennen.

 

Der schottische Beitrag stammt aus dem Jahr 1974. Das Nationalteam singt sich fröhlich warm zum Turnier in Deutschland und findet gerade alles total «Easy, Easy» (und ja, auch ein wenig ringi-dinga-dong). Sympathisch, rockig (wegen Schottenrock, verstehen Sie, haha) – rasch zu Ende. Die Devise der Schotten lautet ja bekanntlich seit jeher: Dabeisein ist alles.

 
(Songs via 45football.com)

Nächste Caption Competition am Freitag, 25. Juni

Sørloths Social Media Stress

Val der Ama am Donnerstag den 3. Juni 2021

Wie man heute Spieler verpflichtet.

Alexander Sörloth ist von Beruf Mittelstürmer und aktuell bei RB Leipzig unter Vertrag. Dort hat er es in 37 Spielen auf 6 Tore gebracht und das macht weder ihn, noch seinen Verein so richtig glücklich. Weil vorher, bei Trabzonspor, da hat er für 33 Tore nur gerade 49 Spiele gebraucht und deshalb finden ihn die Fans des Süper Lig-Vereins richtig gut und sehr gerne hätten sie den Norweger wieder zurück.

Um Sørloth zur Rückkehr zu überzeugen, tun sie nun das einzig Richtige und bombardieren seinen Instagram-Account. Während der norwegische Nationalspieler normalerweise pro Beitrag rund 2.000 Kommentare zu lesen hat, sind es beim aktuellen Post bereits über 3,2 Millionen.

Sörloth tut deswegen überfordert und twittert wie folgt: “Hallo Trabzonspor-Fans, Ich schätze eure Liebe und Unterstützung, aber bitte hört auf mich anzurufen und mir Nachrichten zu schicken. Es macht mein Leben sehr stressig. Genug ist genug.”