Archiv für die Kategorie ‘Bebremte Zauberer’

Stürmerstar abzugeben

Val der Ama am Dienstag den 17. Mai 2011

So, die Saison ist überstanden. Starten wir den Schlussverkauf.

Sehen Sie hier den österreichischen Nationalspieler Marko Arnautović, mit 6,2 Millionen Euro Ablöse immerhin der viertteuerste Einkauf der Vereinsgeschichte von Werder Bremen. Herr Arnautović ist Stürmer und hat als solcher in 1557 Bundesliga-Minuten 3 Tore und 3 Assists vorzuweisen.private_07

Klar, das ist jetzt nicht gerade umwerfend, aber der Arme hatte im Lauf der Saison auch öfters mit Verletzungen zu kämpfen. Da war eine Magen-Darm-Grippe, eine Schienbeinprellung, eine Adduktorenverletzung und eine Suspendierung wegen Disco.

Hinzu kommt, dass der junge Mann immer wieder Opfer von Schmierenkampagnen der Billigpresse geworden ist. Von einer Kabinenschlägerei war da die Rede, von unschönen Ausdrücken auf Serbisch bei einer Auswechslung und einmal, da habe er seinen Verein als “Saftladen” bezeichnet. Dann, als den Pressefritzen gar nichts mehr in den Sinn gekommen ist, konnte man lesen, dieser Arnautović sei arrogant. Bloss weil er einmal im Bentley zum Training gefahren ist.

Nun ist aber alles anders, besser, weil der “mit Abstand der beste Fussballer, der in den letzten 30 Jahre in Österreich herumgelaufen ist” (Andreas Herzog) verspricht: „Es war eine sehr schwere Zeit für mich. Aber ich habe aus meinem Fehler gelernt. So etwas wird bei mir nicht mehr vorkommen.“

Greife also irgendein Verein sofort zu. Danke.

Mit diesem Beitrag verabschiedet sich auch das Dienstagmorgenupdate zu Werder Bremen in die Sommerpause. Bis bald, wir sehen uns am 2. August wieder.

Dank Zweitclub

Val der Ama am Dienstag den 10. Mai 2011

Der SV Werder Bremen hat meine Saison gerettet.

Die Berner Young Boys haben einen neuen Trainer. Und sie haben in Istanbul und später zu Hause gegen Tottenham 30 Minuten gut gespielt. Und sonst? Langeweile. Die Meisterschaft war im November gelaufen und BRE-DORder Cup interessiert mich seit der Erfindung von Sion eigentlich nicht mehr. So war 2010/11.

Gut habe ich einen Zweitklub. Es war zwar in den letzten Monaten nicht immer einfach mit ihm, aber wenigstens interessant. Da war Champions League, da war Abstiegskampf, da war Leidenschaft und jede Menge Unvermögen. Und dazu Spannung – bis zum Schluss.

Nun ja, fast. Letzten Samstag eigentlich nicht mehr. Das Spiel gegen Dortmund habe ich ausgelassen, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass Klopps Goofen so kurz nach dem Titelgewinn bereits wieder voll rangehen. Also habe ich einen kleinen Batzen auf Grün gesetzt und den Nachmittag an der Sonne genossen.

Die Aare ist bereits um die 16 Grad warm. Ich hatte eine spannende Saison.

Keine Geschenke

Val der Ama am Dienstag den 3. Mai 2011

Bremen steigt nicht ab. Herzlichen Glückwunsch Thomas Schaaf.

Thomas SchaafLeider hat der erste Satz noch nichts mit dem zweiten Satz zu tun, weil es ist so: Schaaf konnte am Samstag seinen 50. Geburtstag feiern. Er ist seit 30 Jahren Mitglied des SV Werder Bremen – davon 17 Jahre als Profispieler, sechs Jahre als Amateur- und zwölf Jahre als Cheftrainer. Sein Vertrag läuft noch bis 2012, eine Verlängerung ist sehr realistisch.

Das ist ungewöhnlich. Besonders in der Bundesliga ist es normal, dass ein Trainer nach ein paar Niederlagen entweder selbst das Handtuch wirft oder entlassen wird, weil die Mannschaft dringend eine Veränderung oder neue Impulse benötigt. Nicht so bei Bremen: Thomas Schaaf konnte und kann auch in der Krise weiterarbeiten. Er und sein Duz-Freund Klaus Allofs sind so zu einem Gegenmodell für das gleichsam hektischen Trainer-Geschäft geworden. Der Stoiker, der in Ruhe mit seiner Mannschaft arbeitet und der Manager, der seit Monaten die neue Saison plant.

Und was gibts zum Geburtstag vom Chef? „Wir schenken uns nichts, er hat mir damals auch nichts geschenkt“, so Klaus Allofs auf die Frage.

Es müsste ganz dumm laufen

Val der Ama am Dienstag den 26. April 2011

Der Klassenerhalt ist quasi geschafft.SOCCER-GERMANY/

Die erste Halbzeit war grauenhaft und zum Schluss hat es mal wieder Pizarro richten müssen: Innert 110 Sekunden entschied der Peruaner in der 73. und 74. Minute das Spiel gegen St. Pauli.

Nach der 1:3-Niederlage werden sich die Hamburger wohl wieder aus der Bundesliga verabschieden und wenn sie dort so spielen wie gestern ab der 46.  Minute, dann werden sie wohl gleich durchgereicht.

Für Bremen sollte, muss! es reichen. Noch allerdings sieht Schaaf seine Mannschaft nicht am Ziel und tiefstapelt so: “Wir haben drei wichtige Punkte geholt, aber das Rennen geht weiter.”

Na ja, 38 Punkte haben in diesem Jahrtausend bislang immer gereicht, um oben zu bleiben.

Dieses Jahr auch, gratulieren Sie aber bitte erst nächste Woche.

Beharrlich Unentschieden

Val der Ama am Dienstag den 19. April 2011

1:1 gegen Schalke – der SV Werder Bremen steigt nicht ab.

So ist es, auch wenn der Chef unlängst was anderes behauptete. Indes kraxelt Bremen weiter ungelenk aus dem Keller und immerhin spielt Bremen nicht mehr katastrophal, auch wenn der Spielaufbau weiterhin dem Zufall überlassen wird und die Verteidigung (vor allem Silvestre) bedenklich wackelt. Und immerhin geht es stetig aufwärts: nach dem Spiel gegen Schalke und dem so ungefähr 10. MarinUnentschieden in Serie, hat Bremen bei noch vier ausstehenden Partien in der Tabelle sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Schade nur: Die direkte Konkurrenz hat am Samstag entweder verloren oder sich die Punkte gegenseitig weggenommen und so wäre für Werder mit einem Sieg gegen Schalke der Weg frei gewesen, den Vorsprung auf Relegationsplatz 16 auf acht Punkte zu erhöhen.

Hätte, wäre, könnte. Einen Sieg nur braucht Werder noch, dann ist es geschafft. Das sollte am 23. April gegen St. Pauli zu machen sein.

Augen zu und durch

Rrr am Dienstag den 12. April 2011

Nur 1:1 in Frankfurt – das Abstiegsdrama um Werder Bremen geht weiter.

fischDie Lage ist mittlerweile so ernst, dass unser Werderaktor Herr der Ama abgetaucht ist. Zuletzt wurde er am Freitagabend gesehen, als er nach Frankfurts spätem Ausgleichstor laut schreiend aus der Rundes-Leder-Redaktion rannte. Nach unbestätigten Gerüchten erlitt er dabei einen Bänderabriss am Sprunggelenk. Sachdienliche Hinweise nimmt unser Internotarzt entgegen.

Werder bemühte sich in Frankfurt redlich, an Einsatz mangelte es nicht. Die Mannschaft ist aber stark verunsichert, leistet sich viele unerzwungene Fehler und verspielte einmal mehr den knappen Vorsprung.

Da helfen nur Durchhalteparolen. Torhüter Wiese sagte: “Ein Sieg – und wir sind durch.” In den letzten zwölf Jahren sei schliesslich keine Mannschaft mit 37 Punkten abgestiegen. Dumm nur: Das Restprogramm ist happig.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Unentschieden wegen Ulreich

Val der Ama am Dienstag den 5. April 2011

Stuttgarts Torwart Ulreich war zu gut für Werder: 25 Schüsse brachten die Bremer aufs Tor, nur einer ging rein – und der war abgefälscht. Ulreich

Am Samstag wäre für Werder viel mehr möglich gewesen. Doch dieser Ulreich, den sein Trainer nach Patzern Ende Februar vorübergehend zur Nr. 2 degradiert hatte, der hielt überragend. Die Bremer haben besonders in der Schlussphase der ersten Halbzeit ausgezeichnet gespielt, mehr als den Ausgleich brachten sie ohne Pizarro aber nicht zustande. Und dieses weitere Unentschieden macht den Abstiegskampf noch nicht vergessen. 

Immerhin: Weil St. Pauli eine 0:3-Niederlage erhalten wird und Wolfsburg nur unentschieden spielte, beträgt der Abstand Bremens zur Relegationszone nun sogar fünf Punkte. Wenn die direkte Konkurrenz so weiter macht, wird Bremen nicht absteigen.

Ah, und zum Thema Torhüter noch dies: Jens Lehmann hat Tim Wiese auf 20.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Als Experte des Pay-TV-Senders Sky hatte es Lehmann vergangenen Herbst gewagt, den Bremer für sein Spiel zu kritisieren, worauf Wiese konterte: “Der Lehmann soll in die Muppet Show gehen. Der Mann gehört auf die Couch. Vielleicht wird ihm da geholfen. Einweisen – am besten in die Geschlossene!” Lehmann sieht darin eine schwerwiegende Verletzung seines Persönlichkeitsrechts.

Näkemiin!

Val der Ama am Dienstag den 29. März 2011

Der finnische Abwehrspieler Petri Pasanen wird beim SV Werder Bremen nicht verlängern und den Verein im Sommer nach 7 Jahren verlassen.

Er ist der Mario Raimondi Bremens: Spielerisch gibt es bessere, aber jeder mag ihn und Petri Pasanenund jeder mag seine Einstellung. Er hat nie öffentlich einen Stammplatz gefordert oder über seinen Backupstatus geklagt, ein Musterprofi, der hart arbeitet und geduldig auf seine Chance wartet. Für Werder bestritt er bislang 137 Bundesligaspiele (3 Tore).

Nun zieht’s Pasanen weiter. “Ich werde weggehen und nicht bei Werder bleiben. Ich möchte in meiner Fussballerkarriere auch noch etwas anderes sehen. Mein Weg geht weiter – irgendwo,” so der 30-jährige Finne über seine Zukunftspläne.

Zuerst und immer ist aber noch Werder und da gibts für Pasanen bis zum Saisonende einiges zu tun: Er wird wohl ab sofort Sebastian Prödl ersetzen. Dieser fällt für den Rest der Saison aus, nachdem er sich beim Spass-Rugby im Training einen Muskeleinriss an der linken Gesässhälfte mit langem Riss an der Muskelsehnenplatte zugezogen hat.

Dank Pizarro

Val der Ama am Dienstag den 22. März 2011

Das vierte Spiel ohne Niederlage und vier Punkte Vorsprung auf einen Relegationsplatz: In Bremen wendet sich einiges zum Guten. Wegen, mit und dank Pizarro.

Pizarro

0:1 – Pizarro dribbelt in den Strafraum, spürt ein leichtes Zupfen am Shirt und geht theatralisch zu Boden. Nach dem Penaltypfiff von Schiedsrichter Weiner meldet sich Kollege Wagner bei Pizarro: “Er hat ja schon gefühlte 1000 Bundesliga-Tore geschossen”, erzählte Wagner darauf, “also habe ich Claudio gefragt, ob ich darf.” Er darf. Und trifft.

1:2 – Pizarro schiesst an die Hand von Andreas Wolf – der Ball prallt von dort unhaltbar zum 1:2 ins Nürnberger Tor.

1:3 – Pizarro fällt bei Torhüter Raphael Schäfer zu Boden, Weiner pfeift, Wagner darf wieder.

Neben Pizarro gibt es aber doch auch noch andere Gründe, warum sich Bremen jetzt ein wenig Luft verschaffen konnte. Die Mannschaft spielte am Samstag mutiger, konzentrierter – und ab und zu zeigten die Bremer recht guten, auf jeden Fall aber cleveren Fussball. Die oft kritisierte Abwehr stand trotz Neuformierung gut. Und ganz schön: Zwei Stürmer, drei Tore.

Schade nur, dass Pizarro gegen Stuttgart (2. April) wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist.

Lasst alle Hoffnung zurück

Val der Ama am Dienstag den 15. März 2011

1:1 gegen den Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach. 

“Das war mit die Haare”, jubelte Gladbachs Brasilianer Dante nach dem Spiel. Stimmt. Und es war zum Haare raufen: Wegen des späten Punktverlusts verbesserten sich die Bremer zwar vom 14. auf den zwölften Platz, die Dante et al.Abstiegsgefahr bleibt aber riesig. 

Und da helfen Unentschieden nicht viel: für Werder war es nach dem 1:1 gegen Hannover und dem 2:2 gegen Leverkusen bereits das dritte Remis in Folge im Weserstadion – und schon das vierte im neunten Rückrundenspiel. Beklagen sollten sich die Bremer nicht allzu laut, denn gegen Hoffenheim (2:1), Leverkusen und in Mainz (1:1) hatten sie selbst von Last-Minute-Treffern profitiert und dadurch wichtige Punkte geholt.

Hoffnung? Ja doch: Sandro Wagner hat bereits sein 2. Tor in Folge gemacht, Pizarro ist in blendender Form, Marin spielt ab und zu auch wieder mal ab und Wesley ist wieder dabei (wenn auch mit einen sehr bescheidenen Einstand). Und die nächsten Gegner: am 19.3. der 1. FC Nürnberg, am 2.4. der VfB, dann Eintracht Frankfurt, Schalke, St. Pauli und Wolfsburg. Die Bremer haben es selbst in der Hand.

tabelle

Mit Herz

Val der Ama am Montag den 14. März 2011

Dass die Zuschauer die eigenen Spieler auspfeifen, ist vielerorts schon mal vorgekommen. In Bremen hat sich der Fan-Frust in den vergangenen Wochen fast allein auf Aaron Hunt konzentriert. So ist der Arme beim Heimspiel gegen Leverkusen ausgepfiffen worden, bevor er überhaupt auf dem Platz stand.MitHerzundHunt

“Es gehört sich nicht, seinen eigenen Spieler auszupfeifen. Vor allem dann nicht, wenn er noch nicht mal einen Ball berührt hat. Das schadet der ganzen Mannschaft,” meinten paar Mitglieder eines Internetforums und initiierten deshalb vergangene Woche eine Solidaritätsbekundung.

“Mit Herz und Hunt – 100 % Werder Bremen,” so der Titel der Aktion. Zu lesen auf einem 32 Meter langen Banner, das am Freitag bereits beim Abschlusstraining und dann am Samstag gegen Mönchengladbach zur zweiten Halbzeit in der Ostkurve aufgehängt wurde. Bereits vor dem Spiel haben die engagierten Werder-Fans 10.000 Flyer an die Zuschauer verteilt.

Ob’s was genutzt hat, wissen wir nicht – Hunt fehlte verletzt.

Rauf aus dem Keller!

Val der Ama am Dienstag den 8. März 2011

Der SV Werder Bremen hat sich am Sonntag im Abstiegskampf der deutschen Fussball-Bundesliga ein wenig Luft verschafft. Werder siegte beim SC Freiburg mit 3:1 (1:0) und rangiert damit auf Tabellenplatz 14, nur gerade noch 2 Punkte von Rang 10 entfernt.Werder

Im Abstiegskampf ist die Leistung nebensächlich, Hauptsache wieder mal ein Sieg, ein Auswärtssieg.

Im Abstiegskampf schiesst Freiburgs Stürmer Demba Papiss Cissé nach dem Schlusspfiff vor lauter Frust den Ball aus wenigen Metern an die Schulter von Tim Wiese. Marko Arnautovic stellt sich schützend vor seinen Goalie, schiebt Cissé weg. Dieser lässt sich jedoch nicht beruhigen und packt den Österreicher am Hals, dann noch Rudelbildung, Intervention Frings und zum Schluss Gelb für Wiese und Cissé.

Im Abstiegskampf legt Arnautovic einen 50-Meter-Sprint von der Ersatzbank bis zur Eckfahne hin und feiert dort den Torschützen Sandro Wagner. Und der Kapitän, der sagt: “Mit so einer Leistung wie heute – vom Einsatz und von der Leidenschaft her – holen wir die nötigen Punkte für den Klassenerhalt. Wir stehen 100-prozentig hinter dem Trainer und folgen ihm auf jedem Weg”.

Und Abstiegskampf ist auch, wenn ein Tim Borowski für seinen Trainer spielt und diesem nach dem dritten Tor um den Hals fällt. “Ich spiele seit 1996 mit einem Jahr Unterbrechung in diesem Verein. Das geht mir nicht am Arsch vorbei”, sagte Borowski. “Ich freue mich auch für ihn, denn ich kenne ihn hier länger als jeder andere.”

Im Abstiegskampf gilt nur aufwärts, auch und insbesondere beim nächsten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.