Archiv für die Kategorie ‘Bebremte Zauberer’

Fertig Essensgeld dank Eggestein

Val der Ama am Freitag den 20. August 2021

Wie ein Transfer satt machen kann.

Die Abgänge von Milot Rashica (Norwich), Josh Sargent (dito), Ludwig Augustinsson (Sevilla) und Johannes Eggestein (Antwerpen) haben bereits so ungefähr 25 Millionen Euro in die klamme Kasse des SV Werder Bremen gespült. Und nun verabschiedet sich auch der der zweite Eggestein: Maximilian hat vorgestern beim SC Freiburg einen Vertrag bis 2025 unterschrieben.

Den Kassier wird freuen, die ehemaligen Kollegen wohl noch mehr. Wie wir neulich gelesen haben, wurde drum auf diese Saison hin das Budget von Team-Koch Jens Vaassen um 50.000 Euro gekürzt. Um aber weiterhin einigermassen gesund ernährt zu werden, haben die Spieler und das Trainerteam daraufhin beschlossen, künftig pro Monat 200 Euro Essensgeld aus der eigenen Tasche zu zahlen.

Vielleicht ist nun damit Schluss. Vielleicht ermöglichen die ca. 5 Millionen, welche Werder für den Transfer einnimmt, künftig wieder ab und zu ein wenig Gemüse oder Fruchtsaft.

(Bild: imago images/Joachim Sielski)

Schafts Schaaf?

Val der Ama am Freitag den 21. Mai 2021

„Herr Schaaf“ – und nicht mehr „Flo“

Ab 15.30 Uhr erfahren wir morgen, ob der SV Werder Bremen mindestens den Direktabstieg, aber gerne auch die Relegation verhindern kann. Zuhause gegen Mönchengladbach müssen sie ran, während Köln daheim gegen Schalke darf und Bielefeld auswärts gegen immerhin den VfB Stuttgart spielt. Zum Variantenrechnen diese Tabelle:

Und Sie haben es selbstverständlich oder halt ansonsten spätestens anhand des Bildes oben schon lange gewusst: Thomas Schaaf wird an der Linie stehen und hoffentlich seinen Verein retten. Ohne zu zögern sagte er zu, “eine Herzensangelegenheit.” Comeback des Jahres, mindestens.

Auch Innenverteidiger Ömer Toprak zeigte sich nach den ersten Trainingseinheiten von “Herrn Schaaf” beeindruckt und bitte glauben Sie mir, dass er genau so zitiert wurde: „Wir wissen, dass es um sehr viel für den Verein geht, wir wollen den Bock umstossen.“

(Bild oben: Imago, Printscreen: Bundesliga.de)

Das Davie-Dilemma

Val der Ama am Freitag den 7. Mai 2021

Wie würden Sie entscheiden?

Es ist derzeit nicht einfach für den SV Werder Bremen. Es sind noch drei Spieltage, in der Tabelle steht man gerade mal einen Punkt vor dem Relegationsplatz und in den letzten sieben Bundesligaspielen kassierte man sieben Niederlagen. Und dann noch dies: Es war Ende Januar 2020, als Werder Bremen an einem Stürmerproblem laborierte und deshalb kurz vor Transferschluss den Davie Selke für eine Million Euro Leihgebühr von Hertha Berlin zurückholte. In seinem ersten Halbjahr erzielte Selke keinen einzigen Treffer, heute steht er bei 3 Toren und klar hat sich sein Marktwert halbiert Auf dem Preisschild bei transfermarkt.de, steht aktuell noch 5 Mio. Euro geschrieben.

Das ist alles recht blöd für den immer noch sehr sympatischen Verein, weil bei dem Deal mit Hertha wurde damals eine Kaufpflicht vereinbart: Sollte Werder 2021 erneut der Klassenerhalt gelingen, muss Selke fest verpflichtet werden. Für zwölf Millionen Euro. Es wäre die zweithöchste Transferzahlung in der Geschichte des Vereins, nur Davy Klaassen (Ja, der mit den Sohlen) war noch teurer.

Was meinen Sie: Abstieg oder Selke?

Frau Professor bügelt das schiefe Bild aus

Frau Götti am Dienstag den 16. März 2021

Ilse v. Mueller-Fridnau begrüßt Sie zur heutigen Sprechstunde.

Vor kurzem ist Frau Götti mit einer Frage sprachlicher Natur an mich gelangt. Und dies, obwohl sie doch seinerzeit bei mir studiert hatte und es eigentlich selbst wissen sollte. Aber item. Ich stelle meine Expertise selbstverständlich zur Verfügung.

Es geht ihr um das Wortbild «alles in die Waagschale werfen». Immer wieder, sagt Frau Götti, werde dies im Fussball falsch verwendet, und zwar von Spielern gleichermaßen wie von Spielkommentatorinnen oder Trainern. Zum Beispiel hier:

Sie alle verwendeten die Formulierung fast schon inflationär häufig, um zu sagen, die Spieler hätten alles gegeben, alles aufs Ganze gesetzt. Dabei brauche man das Wortbild doch bei jemandem, der oder die etwas vergleichend und genau abgewogen habe – eben sorgsam in die Waagschale gelegt. Etwas abwägen könne man nicht mehr, wenn man voll im Spiel sei, meint Frau Götti. Das wäre ja, wie eine Partie Schach spielen zu wollen, während man am Besteigen der Eigernordwand sei.

Nun, dazu kann ich Folgendes sagen: Die Wendung «etwas in die Waagschale werfen» bedeutet schlicht und einfach «etwas als Mittel zur Erreichung von etwas einsetzen». In diesem Sinne kann es durchaus als Metapher in der Welt des Fussballes verwendet werden.

Woran sich Frau Götti wohl stößt, ist das Wort «Waagschale» in seiner etymologischen Bedeutung. Ein Gespür für die Herkunft eines Wortes an den Tag zu legen, ist grundsätzlich lobenswert. In diesem Falle mündet dies aber in einer überkorrekten — um nicht zu sagen spitzfindigen — Interpretation von Sprache und ist fehl am Platze.

Aber item. Zum Schluss noch dies Angebot: Haben auch Sie eine Frage zur Metaphorik des Fussballes oder möchten ein schiefes Bild ausgebügelt sehen? Gerne nehme ich mich des Problems an, via meinen geschätzten Kollega Dr. Rüdisühli.

Freundliche Grüsse, Ihre Ilse v. Mueller-Fridnau

Prekäre Pensionspläne

Val der Ama am Freitag den 3. April 2020

Für den SV Werder Bremen kommt es knüppelhart.

Das Positive vorneweg: Der sympathische Verein dümpelt verdient ganz unten in der Tabelle der Bundesliga, kann aber hoffen, auch in der nächsten Saison ganz oben mitzumachen. Ein mögliches Szenario bei Saisonabbruch ist nämlich: Keine Absteiger in der Bundesliga, zwei Aufsteiger aus der Zweiten Liga.

Andererseits leidet der Verein, wie die anderen auch: Kurzarbeit, Ungewissheit und gelangweilte Profis und Medien und also täglich Tranfergerüchte. Richtig schlimm aber: Clublegende Claudio Pizarro plant den Abgang.

Er, der in 317 Pflichtspielen für Werder Bremen insgesamt 153 Tore erzielte, soll ab Sommer Markenbotschafter bei ausgerechnet dem FC Bayern werden. Auch Werder hatte um ihn für diese Funktion gebuhlt und muss sich nun damit abfinden, dass der Peruaner wohl nie mehr vor Publikum ein Profispiel absolviert.

Tolles Törchen (22)

Val der Ama am Sonntag den 22. Dezember 2019

Heute machen wir Lutscher, es ist ja bald Weihnachten.

Sie brauchen 150 g Zucker, Zitronensaftkonzentrat, Sirup wegen Farbe und Aroma, Lebensmittelfarbe und Spiesslistäbchen sowie Backpapier. Und wenn Sie vom Güetzibacken noch Zuckerperlen oder was weiss ich haben: passt auch.

Zucker, ein Spritzer Zitronensaftkonzentrat, 3 EL Sirup und ca. 6 EL kaltes Wasser verrühren bis Brei. Sauber aufkochen und köcheln lassen bis gut (also dann, wenn ein Tropfen davon im kalten Wasser sofort erstarrt).

Wenn wirklich gut, den Topf vom Herd, die Farbe rein und rühren. Dann den Brei portionenweise auf das Backpapier giessen (so ca. 3cm Durchmesser), die Stiele in die Kreise drücken und Deko drauf.

Warten, hiermit.

Doppelpack bei Delmenhorst

Val der Ama am Sonntag den 11. August 2019

Werder Bremen feierte zuhause einen Auswärtssieg.

Jetzt schreibt der Fussball schon wieder eine Geschichte und zwar die: Der SV Atlas Delmenhorst durfte gestern im DFB-Pokal den Nachbarn SV Werder Bremen empfangen. Und da dieses Delmenhorst nur knapp 15 Minuten von Bremen weg liegt, durfte der Oberligist die Partie im Weserstadion ausrichten. Gute Idee: 41.500 Zuschauer, ausverkauft, noch nie kamen so viele Besucher zu einem Spiel in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Werder gewann das Spiel mit 6:1 und Mann des Spiels war selbstverständlich einmal mehr Claudio Pizarro. In der 65. Minute eingewechselt, versenkte er nur drei Minuten später eine Hereingabe von Füllkrug zum 5:1. Das 6:1? Auch Pizarro.

Mit 40 Jahren und 311 Tagen ist der Peruaner neu der zweitälteste Torschütze in der Geschichte des DFB-Pokals. Vor ihm liegt nur noch Karl Lambertin (44 Jahre, 164 Tage) von der Spielvereinigung Frechen 20. Der hat 1980 in der 2. Runde gegen den Bünder SV getroffen.

Kohle dank Kohfeldt

Val der Ama am Mittwoch den 31. Juli 2019

Der SV Werder Bremen verlängert den ohnehin noch bis 2021 gültigen Vertrag mit Trainer Florian Kohfeldt um zwei weitere Jahre bis 2023.

Aus Gründen: Schliesslich spielt Werder unter dem 36-Jährige recht schön und gar nicht unerfolgreich und zudem hat das auch die Konkurrenz mitbekommen: Kohfeldt gehört zu den gefragtesten Bundesliga-Trainern aktuell.

Und noch ein Grund: Der Mannschaftswert ging unter Führung Kohfeldts, also seit dem 1.11.2017, um 84,48 Millionen Euro nach oben – ein Zuwachs von fast 114 Prozent. Unter den Klubs, die damals wie heute in der Bundesliga spielten bzw. spielen, konnten dies nur grad Mainz 05 und Eintracht Frankfurt übertreffen.

Selbstverständlich ist das Nasenwasser für die berühmten Berner Young Boys: Plus 121,7 % in diesem Zeitraum, um Meilen besser als die Konkurrenz.

(Bild: Kreiszeitung)

Super Sprüche

Val der Ama am Donnerstag den 13. September 2018

Jetzt ist es offiziell: Die Fans des SV Werder Bremen haben gute Wörter.

Und preiswürdige dazu, aber von vorn: In Deutschland hat so eine Jury der Deutschen Akademie für Fussballkultur insgesamt 11 Zitate für den Fussballspruch des Jahres ausgewählt. Und eben mit dabei ein Spruch auf einem Plakat der Werder-Fans und da war zu lesen: “Videoschiri, wir wissen nicht, wo dein Auto steht”.

Hier die Konkurrenz:

  • “Es kommt mir vor, als ob wir mehr gegen Pyrotechnik kämpfen als gegen Rassismus.” (Kevin-Prince Boateng)
  • “Bruder, schlag den Ball lang!” (Kevin-Prince Boateng und Ante Rebic von Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern. Boateng dazu: “Rebic hat vor dem Spiel gesagt mit seinem super Deutsch: “Bruder, schlag den Ball lang!” Und dann hab ich gesagt: “Bruder, ich schlag den Ball lang!”)
  • “Die Schweden sind wie die Mittdreissiger in der Disco: Hinten reinstellen und warten, ob sich was ergibt.” (ARD-Experte und Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger vor dem WM-Spiel Schweden gegen Deutschland)
  • “Bitte bleiben Sie in der Halbzeit auf Ihren Plätzen. Sie könnten ein Tor verpassen!” (Spruchband der Fans des SC Freiburg in Bezug auf den nachträglich via Videobeweis verhängten Halbzeit-Elfmeter beim Spiel in Mainz)
  • “Anspruchsvolle Fans suchen motivierte Mannschaft.” (Plakat der Fans des VfL Wolfsburg)
  • “Stark! Ein Tor gemacht, eins vorbereitet.” (Felix Kroos in einem Tweet über seinen Bruder zum WM-Spiel gegen Schweden, in dem dieser zwar den Siegtreffer in der Nachspielzeit erzielte, aber durch einen Fehlpass auch das Gegentor einleitete)
  • “Wäre, wäre, Fahrradkette.” (Rekord-Nationalspieler und Sky-Experte Lothar Matthäus)
  • “So wie wenn man in der Kreisklasse aufsteigt, nur vielleicht ein bisschen gedämpfter.” (Nationalspieler Thomas Müller über die Feier nach dem Sieg in Augsburg, mit dem sich der FC Bayern vorzeitig die Meisterschaft sicherte)
  • “Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann.” (Nils Petersen)
  • “Das ist hier alles keine Zeitlupe, das sind reale Bilder.” (Béla Réthy beim WM-Spiel der DFB-Elf gegen Südkorea)

Und so gehts weiter: Bis zum 16. Oktober wird eine sogar 14-köpfige Jury vier Sprüche auswählen, die in die Endauswahl kommen. Die Besucher der Gala zur Verleihung des Deutschen Fussball-Kulturpreises entscheiden dann am 26. Oktober über den Sieger. Der seit 2006 vergebene Preis ist mit 5000 Euro für einen gemeinnützigen Zweck dotiert.

Ronaldinho auf Rechts

Val der Ama am Donnerstag den 22. März 2018

Und wieder ein Fussballer, der in die Politik will.

Ganz ehrlich, es gibt kaum einen Fussballer, der auf dem Platz für so viel Freude und Erstaunen gesorgt hat, wie der zweimalige Weltfussballer Ronaldo de Assis Moreira oder auch Ronaldinho Gaúcho. Aber auch seine spassorientierte Freizeitgestaltung sorgte für Aufsehen, Sie finden per Bildersuche massig Beispiele dafür.

Aus und vorbei jetzt aber, denn nach seinem endgültigen Rücktritt als Fussballprofi will der 37-Jährige nun in die Politik. Er hat sich der Partido Republicano Brasileiro (PRB) angeschlossen und soll der 2003 gegründeten Mitte-rechts-Partei bei den Wahlen im kommenden Oktober mit seiner Popularität zu Stimmen verhelfen.

“Ich freue mich, an einem Projekt teilnehmen zu können, das das Beste für unser Land will und der gesamten Bevölkerung Modernität, Glück und Gesundheit bringt”, verkündete Ronaldinho gestern in den brasilianischen Medien.

Und weil Fussball und Brasilien, dann aber auch noch Jesus und dies zu Ihrer Information: Die PRB gilt übrigens als politischer Arm der Universalkirche des Königreichs Gottes, einer der grössten evangelikalen Freikirchen des Landes.

Piza a gogo

Rrr am Samstag den 10. März 2018

Er trifft und trifft und trifft.

Claudio Pizarro kam 1999 nach Deutschland. Und seither hat der Peruaner in der Bundesliga jedes Jahr mindestens ein Tor erzielt – für Werder Bremen, Bayern München und neuerdings für Köln. Hier sind 20 Tore aus 20 Jahren:

Pizarro spielte fast ausschliesslich in der Bundesliga. 2007 wechselte er zwar zu Chelsea, konnte sich aber dort nicht durchsetzen und war rasch wieder in Bremen.

20 Tore in 20 Jahren, ist das einmalig? Nicht ganz. Ältere Leser erinnern sich, dass Klaus Fischer dasselbe Kunststück gelungen ist. Der deutsche Nationalstürmer traf zwischen 1968 und 1987 vor allem für Schalke, aber auch für 1860 München, Köln und Bochum. Den Schweizer Fussballfreunden ist Klaus Fischer bekannt durch sein Tor im Länderspiel vom 16. November 1977 – es wurde in Deutschland zum Tor des Jahrhunderts gewählt.

Spion im Strauch

Val der Ama am Freitag den 23. Februar 2018

Morgen im Weserstadion: Das 108. Nordderby der Bundesliga-Geschichte.

Früher, da war das Nordderby öfters mal das Topspiel der Runde. Damals, als entweder Werder oder der HSV oder gar beide im Kampf um die Meisterschale mitspielen konnten. In den vergangenen Jahren – und leider auch heute – ganz anders: Aktuell belegt der SV Werder Bremen Tabellenplatz 15 mit 23 Punkten aus ebenso vielen Spielen und schlimmer noch der HSV: Platz 17, 17 Punkte.

So schlimm, dass die Hamburger vor dem richtungsweisenden Spiel ziemlich viele Register ziehen. Am Mittwoch, da wunderte man sich bei Werder über einen ungebetenen Gast, der sich während eines Geheimtrainings im Gebüsch versteckt hielt.

Werder-Coach Florian Kohfeldt an der gestrigen Medienkonferenz: „Der HSV hat gestern versucht, unser nicht-öffentliches Training öffentlich zu machen. Aber wir haben den Herrn gesehen in der Hecke. Als wir ihn angesprochen haben, fragte er nach Autogrammen. Die haben wir ihm für später zugesichert.“

Die Aktion ist aber durchaus zu verstehen, schliesslich verlor Werder nur eines der letzten 10 Heimspiele gegen den HSV (8 Siege, 1 Remis) und dieser spielt die schlechteste Bundesliga-Saison seiner Vereinsgeschichte. Ach, irgendwie läufts beim HSV insgesamt grad überhaupt nicht gut.

(Bild: nordphoto)