Archiv für die Kategorie ‘Aufmachen’

Phänomenale Polyvalenz

Val der Ama am Donnerstag den 12. November 2020

Er kann hinten links und vorne aber auch.

Bei Primož Roglič staunt man ja immer, dass er mal erfolgreicher Skispringer war und nun als Radfahrer grosse Rundfahrten gewinnt. Der Färinger Hilmar Leon Jakobsen ist aber mindestens ebenso vielseitig, wie der slowenische Hungerhaken, das haben Sie gestern Abend anlässlich des Freundschaftsspielklassikers Litauen – Färöer (2:1) bestimmt mitgekriegt.

Mittelstürmer Jakobsen absolvierte da sein erstes Länderspiel und konnte in der 31. Minute immerhin eine Gelbe Karte und in der Nachspielzeit dann sogar ein Assist vermelden.

Gar nicht mal so schlecht für einen 23-Jährigen, der im Januar als linker Verteidiger sein letztes Länderspiel im Handball absolvierte und aufgrund einer Verletzung dann halt zum Fussball konvertierte. Bei HB Tórshavn steht er nach 17 Spielen übrigens bei 12 Toren und 6 Assists.

(Bild: https://twitter.com/ArgeTrondur, Hinweis: Harry Schlender (oléolé!))

Endstation im Stadion

Herr Shearer am Donnerstag den 5. November 2020

Kinos? Zu. Theater? Zu. Fussballstadien? Eigentlich auch.

 Foto: picture alliance / Zumapress

Dieses Bild zieht sich quasi über ganz Europa, und Zerstreuung finden ist in diesen Zeiten gerade ein bisschen schwierig. Aber Autofahren geht immer, und so mit einem vierrädrigen Vehikel kann man allerlei Abenteuer erleben. Das dachte sich auch ein Autofahrer, der vorgestern Abend am Lissaboner Estadio da Luz vorbeikam, dort ein offenes Einfahrttor auffand und die Gelegenheit beim Schopf packte.

Nachdem der Eindringling in Benficas Heimstadion eine Ehrenrunde gedreht hatte, gelang es den Sicherheitskräften, den Fahrer zu stoppen und ihn der Polizei zu übergeben. Einer dieser Stadionmitarbeiter verletzte sich dabei allerdings und musste ins Spital gebracht werden.

Immerhin, dem Rasen ist nichts passiert und der Austragung der heutigen Partie zwischen Benfica und den Rangers aus Glasgow steht nichts im Wege. Der Anpfiff erfolgt um fünf vor sieben hiesiger Zeit.

Autos im Stadion, ein immer wiederkehrendes Problem, welches in diesem Fachblog bereits mehrfach thematisiert werden musste. Hier zum Beispiel ist es für den Rasen noch einmal gut ausgegangen, in einem anderern Fall entstand Totalschaden und auch im Wallis sorgten Nachtbuben für Kalamitäten.

Kecker Kreisligakick

Herr Winfried am Mittwoch den 4. November 2020

Wer will schon Champions League gucken, wenn es in tieferen Ligen derart spannend ist?

Qualität liegt immer im Auge des Betrachters. Ein Amateurkick ist mit der richtigen Begleitung Alkoholmenge mindestens ebenso reizvoll wie klinisch vorgetragener Hochgeschwindigkeitsfussball. Wenn diese Schlussphase das Eintrittsgeld nicht wert war… sehen Sie selbst.

Zur Ihrer Information: Sie sahen gerade die 92. Minute. Blau hat nach 1:3-Rückstand zum 3:3 ausgeglichen. Falls sie mehr über dieses famose Team wissen möchten: Hier geht’s zur Startaufstellung:

Bild: Facebook

 

Dr. Rüdisühli erforscht das Publikum. Heute: Was mit den Stadien?

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 20. Oktober 2020

Alternative Lösungen sind gefragt.

Sie haben es vermutlich mitbekommen: In Berner Stadien sind ab sofort wieder nur noch 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Nicht alle haben ihre Freude daran. Da schadet es bestimmt nicht, per Du zu sein mit den wichtigsten Entscheidungsträgerinnen und -trägern.

Nur: Was, wenn alles noch viel schlimmer wird? Plötzlich kein Publikum mehr erlaubt, Saisonabbrüche, Konkurse, Vereinsauflösungen, Anarchie und so weiter. Dann nützt auch das Duzis nichts mehr.

Wie auch die sechs Profistadien im Kanton Bern (zwei in Bern, eines Biel, eines in Thun, eines in Langnau und eines in Langenthal). Die sind dann leer. Auf Immobilienportalen ausgeschrieben oder auf Tutti.

Was also würden Sie mit diesen Arenen anstellen? Wir haben vieles schon gesehen: In den einen fanden Konzerte statt, andere hatten den Sohn Gottes zu Gast oder wurden auch einfach bepflanzt. Teilen Sie Ihre Ideen in der Kommentarspalte mit uns.

Spezielles Spielgerät

Rrr am Samstag den 17. Oktober 2020

Das Runde Leder hat jetzt Brustwarzen.

Jedenfalls in der Serie “Pelota de fútbol” der argentinischen Künstlerin Nicola Costantino.

Einige ihrer Werke sind ab Ende Oktober im Kunstmuseum Bern zu sehen, zusammen mit anderen spannenden Objekten aus Lateinamerika.

Genau genommen bestehen die Bälle von Frau Costantino aus Leder und Silikon. Die Intention der Künstlerin ist, die Widersprüchlichkeiten des Fussballs auf das Spielgerät zu projizieren, indem selbiges mit männlichen Brustwarzen versehen wird, wenn uns Deepl alles richtig übersetzt hat. Wobei, es müssen nicht immer Brustwarzen sein.

Und es müssen auch nicht immer Bälle sein.

Kleine Kulturreise

Dr. Rüdisühli am Samstag den 10. Oktober 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinee. Wir fahren ans Rheinknie.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr zuffi

Wenn es eine Stadt gebe in der Schweiz, in der Kultur und Fussball so richtig dicke zusammengehören, dann sei das Basel. Wie oft habe ich das gehört… Ständig wird einem das um die Ohren gehauen, bei sporadischen Blockflöteneinsätzen in der Stadt am Rhein, in Podcasts, in Aufarbeitungen der aktuellen Situation des dortigen FCs … Kurz: ich musste einfach verifizieren, ob da etwas dran ist. Und so reiste ich in eine durchaus fussballaffine Stadt voller Kultur.

Bereits bei der Ankunft fielen mir die zahlreichen Werbesticker für einen mutigen Independent-Film auf. Es scheint eine Art kritisches Remake eines Hollywood-Klassikers zu sein, aber diverser und mit mehr Lokalbezug. Scheinbar wurde der lahmen Schiffsgeschichte eine Prise Fussball hinzugefügt, was sicher nicht schaden kann.

Leider hatte das von mir aufgefundene Kleinstkino den Film (noch?) nicht im Programm. Aber trotzdem ein eindrücklicher Start!

Dann die Überraschung: Bei der Rheinquerung wurde mir bewusst, dass irgendetwas mit dem Selbstverständnis dieser Stadt nicht in Ordnung sein kann. Oder können Sie sich blau-rote Pontonierboote auf der Aare vorstellen? Eben.

Dann aber zägg: Museum Tinguely. Und Fussball im Überfluss. Geniessen Sie hier einige Bilder aus der Ausstellung von Taro Izumi. Izumi hat sich enorm viel Arbeit aufgehalst, weil er es lustig findet, Fussball-Fotos mit Hilfe von unglaublichen Konstruktionen nachzuempfinden. Der flüchtige Moment wird eingefangen, konserviert und reproduzierbar gemacht. Es bleibt einem der Mund offen vor Staunen und Lachen.

Interessant auch, dass sogar japanische Künstler anscheinend den Drang verspüren, das grosse Thema FCB-BSCYB verarbeiten müssen.

Nach einer weiteren Fährfahrt, einem äusserst leckeren spanischen Mittagessen in der schmucken Altstadt und dem obligaten Plunder am Hauptbahnhof (zuff’scher Tip: der beste aller Bahnhofsverpflegungsstände der Schweiz) musste ich die Stadt bereits wieder verlassen.

Zuhause wartete die obligate RL-Nachlesestunde, man will ja sein Abonnement nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Und da traute ich meinen Augen kaum: Irgendwie hat sich diese Stadt sprichwörtlich in mein System geschlichen und versucht nun anscheinend, zumindest meinen kleinen Rechner in Beschlag zu nehmen.

Fussi mit Fedayi

Rrr am Montag den 7. September 2020

Filmmatinee, zweiter Teil: “Das Spiel” von Roman Hodel.

Am 10. September 2017 spielten die Young Boys daheim gegen Lugano (und siegten 3:0). Die herkömmliche Zusammenfassung finden Sie im Internet.

Einen anderen Blick aufs Spiel wirft der Regisseur Roman Hodel, dessen 21-minütiger Film “Das Spiel” nun am Filmfestival Venedig Premiere feiert. Am besten lassen Sie zunächst seine fantastische Einstiegsseite im Netz auf sich einwirken.

Hodel zeigt Fussball aus der Sicht des Unparteiischen und gibt (auch dank mehr als 20 Mikrofonen) auf ungewohnte Weise die Emotionen auf dem Platz und auf den Zuschauerrängen wieder. Im Zentrum steht das Spiel Lugano-YB, manche Szenen stammen aber auch aus anderen Partien, wie man bereits im Trailer unschwer erkennen kann. Das liegt auch daran, dass Hodel ursprünglich in Basel drehen wollte, der FCB aber die Zustimmung zurückzog, nachdem Trainer Koller mal auf die Tribüne verbannt wurde. Das Projekt wurde dann im Wankdorf vollendet.

The Game / Das Spiel – Trailer from Roman Hodel on Vimeo.

Wann und wo der Film in der Schweiz zu sehen ist, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir verraten es Ihnen, sobald wir es wissen.

Kicken in Kambodscha

Val der Ama am Montag den 7. September 2020

Herzlich willkommen zu unserer zweiteiligen Filmmatinee.

Teil 1: Lotus Sports Club!

Es ist nicht immer einfach, so als einer der Chefredaktoren des Runden Leders. Nicht der Kollegen oder der Leserschaft wegen, es ist, weil ab und zu, da findet sich grad keine Story, aber wegen Sendeplan muss man dann Beliebiges über verwöhnte Fussballbengel schreiben und glücklich macht das dann alle nicht.

Schön dann sowas: Gestern habe ich beim Stöbern zufällig die Seite “Document Our History Now” gefunden, und dort einen Verweis auf einen Film, den ich mir bestimmt ansehen werde. Lotus Sports Club portraitiert Sovan, die 61-jährige Gründerin und Trainerin des gleichnamigen Fussballclubs für Mädchen verschiedenster sexueller Orientierungen und zeigt, dass Fussball auch im ländlichen Kambodscha integrierend wirken kann (das tönt zwar nach Sepp Blatter, ist aber ernst gemeint). Schauen Sie sich bitte den Trailer an, ich denke, es lohnt sich.

Die Erstaufführung des Films leider erst früh im 2021.

Was macht eigentlich …

Herr Maldini am Freitag den 4. September 2020

… Thomas Berthold?

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Berthold spielte in seiner Aktivkarriere für diverse Vereine in Deutschland, Italien und der Türkei. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Aussenverteidiger 62 Länderspiele, 1990 wurde er Fussballweltmeister. Auch danach blieb er dem Fussball verbunden, etwa als Manager von Fortuna Düsseldorf oder als TV-Experte.

Das ist er bis heute, auch wenn er das Fachgebiet mittlerweile gewechselt hat. In diesem Sommer etwa begeisterte Berthold seine Fans in Stuttgart und gerade erst am letzten Samstag brillierte er in Berlin. Dabei spielt er stets gross mit Fachwissen zu den Themen Grundrechte und Hygienemassnahmen auf und entpuppt sich als kompetenter Medienkritiker.

Berthold gelingt es, die Themen nur kurz und knackig anzusprechen, ohne dass seine Beiträge zu langatmigen Monologen ausufern. Dabei schafft er geschickt eine Verbindung zu seiner früheren Tätigkeit als Beackerer der rechten Aussenbahn. Aufgrund der grossen Beliebtheit seiner Einschätzungen werden diese gerne bei einem deutschsprachigen Sender für Russlandinteressierte ausgestrahlt.

Bild: Screenshot Deutschlandfunk.

Sie möchten sich das selber anschauen? Das glaube ich Ihnen nicht. Klicken Sie jedenfalls nicht hier.

Oha Lätz (MCMX)

Val der Ama am Freitag den 21. August 2020

Sehen Sie die vier Unterschiede?

Links übrigens David Seaman, ehemaliger Nationaltorhüter, der rechts ist David, Kontrahent von Goliath.

Den Herrn rechts sehen Sie in der Galleria dell’Accademia in Florenz, den links im Promovideo zu Arsenals neuem Auswärtstrikot.

Dr. Rüdisühli erforscht das Publikum. Heute: FCB

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 18. August 2020

BREAKING NEWS: Sulejmani verlängert um 2 Jahre // Hoarau nur noch bis Ende Monat bei YB // Faivre neuer Ersatzgoalie // Ngamaleu, Vanetta und Knutti verlängern // Assalé Corona-positiv

Der FC Basel benötigt Ihre Unterstützung.

«Vielleicht haben Sie es mitgekriegt: Der dritte der abgelaufenen Super-League-Saison benötigt einen neuen Sportchef. Ruedi Zbinden ist nur ein Jahr, nachdem er von Marco Streller übernommen hatte, bereits wieder zurückgetreten. Doch das ist nicht das einzige Problem des Ligakrösusses: Er benötigt vielleichtziemlich sicher auch einen neuen Trainer. Und eventuell ist auch sonst nicht ganz alles in Ordnung, aber das ist reine Spekulation.

Jetzt also sind Sie gefragt: Wer soll denn übernehmen, wer kann und will? Wen wünschen Sie dem FCB als neuen Sportchef, wer soll den Trainer machen? Und was wünschen Sie dem zwanzigfachen Schweizermeister sonst noch? Mal wieder einen Meistertitel, oder vielleicht einfach nur alles Gute?

Ich freue mich auf Ihre Antworten! Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli»

Preiswerter VAR

Val der Ama am Freitag den 14. August 2020

Den Schiedsrichter-Assistenten gibts jetzt auch günstiger.

Sie erinnern sich: Als der Fussballverband ankündigte, dass künftig auch in der Schweiz so technische Installationen zur Schirikorrektur eingesetzt werden sollen, war der Aufschrei laut. Wer soll das bezahlen und wie und der FC Thun sah sich vom Konkurs bedroht, weil Sie wissen schon.

Findige Menschen in Tunesien zeigen nun: Ein VAR muss nicht teuer sein und Volketswil brauchts gar nicht. Ein paar Mobiltelefone und ein Notebook und et puis voilà.