Archiv für die Kategorie ‘Aufmachen’

Dr. Rüdisühli erforscht das Publikum. Heute: Was mit den Stadien?

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 20. Oktober 2020

Alternative Lösungen sind gefragt.

Sie haben es vermutlich mitbekommen: In Berner Stadien sind ab sofort wieder nur noch 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Nicht alle haben ihre Freude daran. Da schadet es bestimmt nicht, per Du zu sein mit den wichtigsten Entscheidungsträgerinnen und -trägern.

Nur: Was, wenn alles noch viel schlimmer wird? Plötzlich kein Publikum mehr erlaubt, Saisonabbrüche, Konkurse, Vereinsauflösungen, Anarchie und so weiter. Dann nützt auch das Duzis nichts mehr.

Wie auch die sechs Profistadien im Kanton Bern (zwei in Bern, eines Biel, eines in Thun, eines in Langnau und eines in Langenthal). Die sind dann leer. Auf Immobilienportalen ausgeschrieben oder auf Tutti.

Was also würden Sie mit diesen Arenen anstellen? Wir haben vieles schon gesehen: In den einen fanden Konzerte statt, andere hatten den Sohn Gottes zu Gast oder wurden auch einfach bepflanzt. Teilen Sie Ihre Ideen in der Kommentarspalte mit uns.

Spezielles Spielgerät

Rrr am Samstag den 17. Oktober 2020

Das Runde Leder hat jetzt Brustwarzen.

Jedenfalls in der Serie “Pelota de fútbol” der argentinischen Künstlerin Nicola Costantino.

Einige ihrer Werke sind ab Ende Oktober im Kunstmuseum Bern zu sehen, zusammen mit anderen spannenden Objekten aus Lateinamerika.

Genau genommen bestehen die Bälle von Frau Costantino aus Leder und Silikon. Die Intention der Künstlerin ist, die Widersprüchlichkeiten des Fussballs auf das Spielgerät zu projizieren, indem selbiges mit männlichen Brustwarzen versehen wird, wenn uns Deepl alles richtig übersetzt hat. Wobei, es müssen nicht immer Brustwarzen sein.

Und es müssen auch nicht immer Bälle sein.

Kleine Kulturreise

Dr. Rüdisühli am Samstag den 10. Oktober 2020

Herzlich willkommen zur heutigen Kunstmatinee. Wir fahren ans Rheinknie.

Von unserem Sonderkorrespondenten Herr zuffi

Wenn es eine Stadt gebe in der Schweiz, in der Kultur und Fussball so richtig dicke zusammengehören, dann sei das Basel. Wie oft habe ich das gehört… Ständig wird einem das um die Ohren gehauen, bei sporadischen Blockflöteneinsätzen in der Stadt am Rhein, in Podcasts, in Aufarbeitungen der aktuellen Situation des dortigen FCs … Kurz: ich musste einfach verifizieren, ob da etwas dran ist. Und so reiste ich in eine durchaus fussballaffine Stadt voller Kultur.

Bereits bei der Ankunft fielen mir die zahlreichen Werbesticker für einen mutigen Independent-Film auf. Es scheint eine Art kritisches Remake eines Hollywood-Klassikers zu sein, aber diverser und mit mehr Lokalbezug. Scheinbar wurde der lahmen Schiffsgeschichte eine Prise Fussball hinzugefügt, was sicher nicht schaden kann.

Leider hatte das von mir aufgefundene Kleinstkino den Film (noch?) nicht im Programm. Aber trotzdem ein eindrücklicher Start!

Dann die Überraschung: Bei der Rheinquerung wurde mir bewusst, dass irgendetwas mit dem Selbstverständnis dieser Stadt nicht in Ordnung sein kann. Oder können Sie sich blau-rote Pontonierboote auf der Aare vorstellen? Eben.

Dann aber zägg: Museum Tinguely. Und Fussball im Überfluss. Geniessen Sie hier einige Bilder aus der Ausstellung von Taro Izumi. Izumi hat sich enorm viel Arbeit aufgehalst, weil er es lustig findet, Fussball-Fotos mit Hilfe von unglaublichen Konstruktionen nachzuempfinden. Der flüchtige Moment wird eingefangen, konserviert und reproduzierbar gemacht. Es bleibt einem der Mund offen vor Staunen und Lachen.

Interessant auch, dass sogar japanische Künstler anscheinend den Drang verspüren, das grosse Thema FCB-BSCYB verarbeiten müssen.

Nach einer weiteren Fährfahrt, einem äusserst leckeren spanischen Mittagessen in der schmucken Altstadt und dem obligaten Plunder am Hauptbahnhof (zuff’scher Tip: der beste aller Bahnhofsverpflegungsstände der Schweiz) musste ich die Stadt bereits wieder verlassen.

Zuhause wartete die obligate RL-Nachlesestunde, man will ja sein Abonnement nicht fahrlässig aufs Spiel setzen. Und da traute ich meinen Augen kaum: Irgendwie hat sich diese Stadt sprichwörtlich in mein System geschlichen und versucht nun anscheinend, zumindest meinen kleinen Rechner in Beschlag zu nehmen.

Fussi mit Fedayi

Rrr am Montag den 7. September 2020

Filmmatinee, zweiter Teil: “Das Spiel” von Roman Hodel.

Am 10. September 2017 spielten die Young Boys daheim gegen Lugano (und siegten 3:0). Die herkömmliche Zusammenfassung finden Sie im Internet.

Einen anderen Blick aufs Spiel wirft der Regisseur Roman Hodel, dessen 21-minütiger Film “Das Spiel” nun am Filmfestival Venedig Premiere feiert. Am besten lassen Sie zunächst seine fantastische Einstiegsseite im Netz auf sich einwirken.

Hodel zeigt Fussball aus der Sicht des Unparteiischen und gibt (auch dank mehr als 20 Mikrofonen) auf ungewohnte Weise die Emotionen auf dem Platz und auf den Zuschauerrängen wieder. Im Zentrum steht das Spiel Lugano-YB, manche Szenen stammen aber auch aus anderen Partien, wie man bereits im Trailer unschwer erkennen kann. Das liegt auch daran, dass Hodel ursprünglich in Basel drehen wollte, der FCB aber die Zustimmung zurückzog, nachdem Trainer Koller mal auf die Tribüne verbannt wurde. Das Projekt wurde dann im Wankdorf vollendet.

The Game / Das Spiel – Trailer from Roman Hodel on Vimeo.

Wann und wo der Film in der Schweiz zu sehen ist, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Wir verraten es Ihnen, sobald wir es wissen.

Kicken in Kambodscha

Val der Ama am Montag den 7. September 2020

Herzlich willkommen zu unserer zweiteiligen Filmmatinee.

Teil 1: Lotus Sports Club!

Es ist nicht immer einfach, so als einer der Chefredaktoren des Runden Leders. Nicht der Kollegen oder der Leserschaft wegen, es ist, weil ab und zu, da findet sich grad keine Story, aber wegen Sendeplan muss man dann Beliebiges über verwöhnte Fussballbengel schreiben und glücklich macht das dann alle nicht.

Schön dann sowas: Gestern habe ich beim Stöbern zufällig die Seite “Document Our History Now” gefunden, und dort einen Verweis auf einen Film, den ich mir bestimmt ansehen werde. Lotus Sports Club portraitiert Sovan, die 61-jährige Gründerin und Trainerin des gleichnamigen Fussballclubs für Mädchen verschiedenster sexueller Orientierungen und zeigt, dass Fussball auch im ländlichen Kambodscha integrierend wirken kann (das tönt zwar nach Sepp Blatter, ist aber ernst gemeint). Schauen Sie sich bitte den Trailer an, ich denke, es lohnt sich.

Die Erstaufführung des Films leider erst früh im 2021.

Was macht eigentlich …

Herr Maldini am Freitag den 4. September 2020

… Thomas Berthold?

Ältere Leserinnen und Leser erinnern sich: Berthold spielte in seiner Aktivkarriere für diverse Vereine in Deutschland, Italien und der Türkei. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Aussenverteidiger 62 Länderspiele, 1990 wurde er Fussballweltmeister. Auch danach blieb er dem Fussball verbunden, etwa als Manager von Fortuna Düsseldorf oder als TV-Experte.

Das ist er bis heute, auch wenn er das Fachgebiet mittlerweile gewechselt hat. In diesem Sommer etwa begeisterte Berthold seine Fans in Stuttgart und gerade erst am letzten Samstag brillierte er in Berlin. Dabei spielt er stets gross mit Fachwissen zu den Themen Grundrechte und Hygienemassnahmen auf und entpuppt sich als kompetenter Medienkritiker.

Berthold gelingt es, die Themen nur kurz und knackig anzusprechen, ohne dass seine Beiträge zu langatmigen Monologen ausufern. Dabei schafft er geschickt eine Verbindung zu seiner früheren Tätigkeit als Beackerer der rechten Aussenbahn. Aufgrund der grossen Beliebtheit seiner Einschätzungen werden diese gerne bei einem deutschsprachigen Sender für Russlandinteressierte ausgestrahlt.

Bild: Screenshot Deutschlandfunk.

Sie möchten sich das selber anschauen? Das glaube ich Ihnen nicht. Klicken Sie jedenfalls nicht hier.

Oha Lätz (MCMX)

Val der Ama am Freitag den 21. August 2020

Sehen Sie die vier Unterschiede?

Links übrigens David Seaman, ehemaliger Nationaltorhüter, der rechts ist David, Kontrahent von Goliath.

Den Herrn rechts sehen Sie in der Galleria dell’Accademia in Florenz, den links im Promovideo zu Arsenals neuem Auswärtstrikot.

Dr. Rüdisühli erforscht das Publikum. Heute: FCB

Dr. Rüdisühli am Dienstag den 18. August 2020

BREAKING NEWS: Sulejmani verlängert um 2 Jahre // Hoarau nur noch bis Ende Monat bei YB // Faivre neuer Ersatzgoalie // Ngamaleu, Vanetta und Knutti verlängern // Assalé Corona-positiv

Der FC Basel benötigt Ihre Unterstützung.

«Vielleicht haben Sie es mitgekriegt: Der dritte der abgelaufenen Super-League-Saison benötigt einen neuen Sportchef. Ruedi Zbinden ist nur ein Jahr, nachdem er von Marco Streller übernommen hatte, bereits wieder zurückgetreten. Doch das ist nicht das einzige Problem des Ligakrösusses: Er benötigt vielleichtziemlich sicher auch einen neuen Trainer. Und eventuell ist auch sonst nicht ganz alles in Ordnung, aber das ist reine Spekulation.

Jetzt also sind Sie gefragt: Wer soll denn übernehmen, wer kann und will? Wen wünschen Sie dem FCB als neuen Sportchef, wer soll den Trainer machen? Und was wünschen Sie dem zwanzigfachen Schweizermeister sonst noch? Mal wieder einen Meistertitel, oder vielleicht einfach nur alles Gute?

Ich freue mich auf Ihre Antworten! Herzlich, Ihr Dr. Rüdisühli»

Preiswerter VAR

Val der Ama am Freitag den 14. August 2020

Den Schiedsrichter-Assistenten gibts jetzt auch günstiger.

Sie erinnern sich: Als der Fussballverband ankündigte, dass künftig auch in der Schweiz so technische Installationen zur Schirikorrektur eingesetzt werden sollen, war der Aufschrei laut. Wer soll das bezahlen und wie und der FC Thun sah sich vom Konkurs bedroht, weil Sie wissen schon.

Findige Menschen in Tunesien zeigen nun: Ein VAR muss nicht teuer sein und Volketswil brauchts gar nicht. Ein paar Mobiltelefone und ein Notebook und et puis voilà.

Endlich ernst

Val der Ama am Donnerstag den 6. August 2020

Der Promotion-League-Klub Rapperswil-Jona darf heute wieder spielen.

Der BSC Young Boys spielt heute im Cup um 18 Uhr auswärts gegen den FC Luzern. Das ist wichtig, weil immerhin Viertelfinal und brisant auch, weil die 0:4-Niederlage vor einem Jahr teilweise immer noch wurmt. YB ist in Form, YB ist Meister und also wird das nicht ganz einfach fürs Heimteam.

Parallel dazu spielt der FC Rapperswil-Jona gegen Sion und auch hier: alles andere als einfach fürs Heimteam. Seit 264 Tagen haben die Ostschweizer keinen Ernstkampf mehr bestritten. Die letzte Partie war am 16. November 2019, als man den FC Münsingen gleich mit 4:0 wegputzte. Dann aber Winterpause und den Rest kennen Sie.

Aber Achtung, für den FC Sion wird das kein Selbstläufer. Der FC Rapperswil-Jona hat den Trainigsbetrieb schon längst wieder aufgenommen und die Resultate der Testspiele lassen hoffen: Erst 4:0 gegen Eschen Mauren, dann 2:1 gegen den FC Blazers, 4:2 gegen Thalwil, ein beachtliches 4:0 gegen die U19 des Bundesligisten! SC Freiburg , 6:1 gegen die U21 der Grasshoppers und schliesslich 4:1 gegen den FC Wettswil-Bonstetten. Die sind parat und zudem ist Cup und da ist bekanntlich alles möglich.

(Bild: https://www.fcrj.ch)

Armut und Stolz im Osten

Lars: L am Samstag den 1. August 2020

Auch in der Stunde des Triumphes wollen wir unsere ärmeren Mitmenschen nicht vergessen.

Krisenkorrespondent Lars L meldet sich aus der östlichen Randregion der Schweiz:

«Gross war hier die Hoffnung. Nach Jahren des Elends sollte mit einem neuen Präsidenten alles anders, besser werden. Die von der Weltgemeinschaft vergessene Region wollte zehn Jahre nach dem Bau eines massiven Infrastrukturprojekts endlich zeigen, was in ihr steckt.

Tatsächlich sah es in diesem Jahr so gut aus wie noch nie. Die neuen Führungspersonen verfolgten einer Entwicklungsdiktatur gleich ihr Ziel, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Plötzlich tauchte eine Horde junger, wilder Männer in verschiedensten Regionen des Landes auf.

Und schon bald erfasste eine Euphorie die ganze Region. Menschen versammelten sich eng zusammengepfercht in einem leeren Fussballstadion. Die jungen Wilden wurden verehrt, das Führungstrio praktisch für die Ewigkeit installiert.

Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen.

Tatsächlich haben sich nun die Hoffnungen zerschlagen. Wieder stehen die Menschen mit leeren Händen da. Das ist bitter wie Galle. Und doch versucht hier krampfhaft, dem Misserfolg etwas Positives abzugewinnen. Der glatzköpfige Anführer gibt vor, «sehr stolz» zu sein. Ist es falscher Stolz, blosse Bescheidenheit oder ganz einfach Realitätsverleugnung?

Es ist erstaunlich: Immer wieder raffen sich die leidgeprüften Menschen auf und klammern sich an das Wenige, das sie haben. Sie können gar nicht anders. Denn während sich andere Regionen im McDonalds verlustieren, isst man hier weiter hartes Brot. Und weisse Würste. Ohne Senf.»

Bereichernde Bekanntschaften

Rrr am Montag den 27. Juli 2020

Sie möchten viele Leute kennenlernen? Werden Sie Trainer und spielen Sie regelmässig gegen de FC Sion.

YB trat diese Saison dreimal gegen Sion an, und Gerardo Seoane konnte jedes Mal einen neuen Übungsleiter bei den Wallisern begrüssen. Am 28. September 2019 war es Stéphane Henchoz. Das passende Bild haben wir grad nicht zur Hand, dafür eines, das Seoane mit Sion-Assistenzrainer Oscar Londono zeigt.

Am 24. November folgte das 4:3 im Tourbillon, Seoane traf auf den Sion-Trainer Christan Zermatten.

Neues Jahr, neuer Trainer: Beim 1:0 im Wankdorf am 8. Februar 2020 lernte Seoane den Portugiesen Ricardo Dionísio kennen.

Das vierte Saisonspiel gegen Sion steigt am kommenden Freitag im Tourbillon (20.30/live auf SRF2). YB-Trainer ist immer noch Gerardo Seoane, für Sion wird voraussichtlich Paolo Tramezzani an der Seitenlinie stehen.