Archiv für die Kategorie ‘Der schwarze Kontinent’

Beistand von oben

Briger am Montag den 24. Oktober 2022

Ghana ist auf der Suche nach der WM-Form.

Ghanas U20-Team beim Gebet anlässlich der WM 2000.(KEYSTONE/AP Photo/Roberto Candia)

Die “Black Stars” sind 2022 in der Krise. Nur gerade zwei von zwölf Partien konnte das Nationalteam Ghanas 2022 gewinnen (3:0 gegen Madagaskar und 1:0 gegen Nicaragua). Den Trainer, Milovan Rajevac, ersetzte man bereits nach dem schwachen Auftreten beim Afrika-Cup durch Otto Addo, aber auch unter dem immer noch als Talent Manager bei Borussia Dortmund tätigen 47-jährigen geht es nicht wirklich aufwärts. In der Diaspora wurde nach neuen Spielern gesucht, wie der ghanaische Fußball-Verband GFA im Juli mitteilte, sind die bisherigen deutschen U21-Nationalspieler Ransford-Yeboah Königsdörffer und Stephan Ambrosius (beide Hamburger SV) sowie Ex-Junioren-Nationalspieler Patric Pfeiffer (SV Darmstadt 98) von sofort an für die Nationalmannschaft von Ghana spielberechtigt. Daneben wechselten auch Iñaki Williams (Athletic Bilbao) und der englische U21-Nationalspieler Tariq Lamperty den Verband.

Doch das ist offenbar nicht genug und so vertraut man auf ein afrikanisches Gebet, das besagt: “Was Gott nicht kann, das gibt es nicht.” In Ghana wurden daher zwei nationale Gebets- und Fastentage ausgerufen, an denen die muslimische Bevölkerung am Freitag und die Christen am Sonntag teilnahmen. Ob es nützt wird sich vielleicht schon beim Freundschaftsspiel gegen die Schweiz am 17. November in Abu Dhabi zeigen.

Kulturelle Aneignung

Briger am Montag den 3. Oktober 2022

Für einmal nicht in Bern, sondern in Nordafrika.

Das marokkanische Kulturministerium hat bei Adidas interveniert, wie unter anderem die BBC meldet. Grund ist das neue Aufwärmtrikot Algeriens. Das geometrische Muster in Blau, Türkis und Gelb sei ein so genanntes Zellige-Muster, das in marokkanischen Mosaiken üblich sei, so der Anwalt des Ministeriums. Adidas wiederum sagt, dass man sich vom Mechouar-Palast in Tlemcen, unweit der Grenze zu Marokko habe inspirieren lassen.

Der Anwalt Mourad Elajouti schrieb auf Facebook, dass er Adidas im Namen des marokkanischen Kulturministeriums eine rechtliche Verwarnung erteilt habe. In einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden von Adidas, Kasper Rorsted, bezeichnete der Anwalt das neue Design als kulturelle Aneignung und “einen Versuch, eine Form des marokkanischen Kulturerbes zu stehlen und es ausserhalb seines Kontextes zu verwenden”. Adidas soll nun das Trikot-Design innerhalb von zwei Wochen ändern.

Zwischen Marokko und Algerien bestehen seit der Unabhängigkeit vom französischen Kolonialreich Spannungen. 1963 kam es zum “Guerre des sables” zwischen den Nachbarstaaten, später unterstützte Algerien die Frente Polisario in der Westsahara und vor rund einem Jahr brach Algerien die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarn wegen “feindlicher Handlungen” ab, was Marokko als ungerechtfertigt zurückwies.

Tierische Transformation

Herr Winfried am Mittwoch den 24. August 2022

Die Nationalmannschaft Benins wechselt ihre Identität. Also ihr Tier.

Wer kennt sie nicht, “Les Ecureuils”, die Eichhörnchen. So nannte man in der Welt des Fussballs bis vor kurzem das Nationalteam von Benin.

Auch ein passendes Maskottchen war jeweils mit dabei, ein Bild von diesem können Sie hier einsehen.

Jetzt wollen die Fussballer aus dem Land in Westafrika aber nicht mehr länger die niedlichen Eichhörnchen sein. Die Fans forderten schon lange eine mächtigere Identifikationsmöglichkeit, wie etwa die nahe gelegenen Länder Kamerun (“die unzähmbaren Löwen”) und Elfenbeinküste (“Elefanten”).

“Les Ecureuils” sind also Geschichte, neu heissen die Beniner “Les Guépards”. “Wir hoffen, dass sie das Feuer, die Geschwindigkeit und die Präzision von Geparden haben”, schreibt der Politjournalist Amir Nourdine Elbachir auf Twitter. Voilà!

Bilder beide via Keystone-SDA

Ein neues Maskottchen für die “Guépards” ist gemäss RL-Recherchen noch nicht designt worden. Gerne erinnern wir Sie an dieser Stelle dafür an eine frühere Serie über Tiere und afrikanische Fussballmannschaften. Ältere Leser*innen erinnern sich.

Despotisch degenerierte Denkmuster

Herr Winfried am Mittwoch den 29. Juni 2022

Kevin Grossenbacher massregelt die angesehene spanische Sportzeitung “Marca”.

Estimad@s periodistas und sonstige Leser*innenschaft,

Ich bin soeben vom Backpacken in Patagonien (Rückreise per Anhalter mit dem Segelboot über den Atlantik) zurück, und habe unfassbar viel über mich und das Leben gelernt. Gerade auch nach dem total authentischen und schönen Kontakt mit Vertreter*innen der indigenen LGBTQIAx+-Community, mit der ich einige Kundgebungen organisiert habe, empöre ich mich umso mehr über den eurozentrischen Alltagsrassismus.

Ich hatte kaum den WG-Kühlschrank geöffnet, um meinen “New Roots” Käse mit einem Demeter-Smoothie abzuwrappen, da ploppt dieses Bild auf meinem Smartphone auf.

Das ist die Titelseite der renommierten spanischen Sportzeitung “Marca”.

Sie induziert den Begriff “Africa Power”, um zu statuieren, dass bei Real Madrid vor allem POC (People of Color) zu den tragenden Elementen gehören – und um zu sagen, dass die abgebildeten Menschen keine europäischen Menschen sind, sondern von “anderswo” her kommen. Dabei ist die Faktenlage klar: Sie sehen hier sechs Menschen, No Borders No Nations! (weil eine nationale Zugehörigkeit dennoch existiert, sind das vier Franzosen, ein Deutscher, ein Österreicher).

Es zählt zu den gängigen stereotypisierten Darstellungen von nichteuropäischen Menschen, dass man “Afrika” als einen einzigen Herkunftsort begreift und zudem afrikanischen Menschen besondere Muskelkraft zuschreibt – dies alles zeigt, wie tief rassistisch die Denkmuster im weissen Cis-Europa nach wie vor verwurzelt sind. Das geschah neulich auch in der Schweiz.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, empfehle ich Ihnen auf Anfrage gern einige Papers von Kolleg*innen der postkolonialen Forschung, da habe ich sehr gute Kontakte aus wissenschaftlichen Lesekreisen.

Göttliche Eingebung

Briger am Montag den 7. Februar 2022

Janny Sikazwe, Fussballschiedsricher aus Sambia, erklärt sich.

Vor rund einem Monat hatte er als Spielleiter die Afrika-Cup-Partie zwischen Mali und Tunesien gleich zweimal zu früh abgepfiffen. Einmal nach rund 85 Minuten, und dann nochmals in der 89. Minute. Nun zurück in Sambia erklärte er, wieso es dazu kommen konnte.

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Fataler Fehlschuss

Briger am Montag den 24. Januar 2022

Kei Kamara verschiesst einen Elfmeter. Nicht gut für sein Zuhause.

Kei Kamara erhält Trost von Frau und Kindern. via sierraloaded.sl

Sierra Leone, die mit dem Goalie, unterlag im abschliessenden Gruppenspiel am Afrika-Cup Äquatorialguniea mit 0:1. In der 85. Minute hatte Kei Kamara von HIK Helsinki, ältere Leser kennen ihn als Spieler der Kansas City Wizzards, die grosse Chance auf den Ausgleich, doch er scheiterte aus 11 Metern. Sierre Leone blieb auf 2 Punkten sitzen und musste nach Hause fahren. Die Komoren profitierten und zogen dank des Abschlusssieges gegen Ghana ins Achtelfinale (heute gegen Kamerun) ein.

Das Haus des Stürmers in Freetown stand anschliessend unter Polizeischutz. “Ich kann bestätigen, dass die Polizei immer noch in Kei Kamaras Haus ist, um es vor verärgerten Jugendlichen zu schützen, die nicht glücklich darüber sind, dass er einen Elfmeter gegen Äquatorialguinea verschossen hat”, sagte der stellvertretende Medienchef der Polizei von Sierra Leone gegenüber BBC Sport Africa.
Die Polizei habe Hinweise bekommen, dass wütende Jugendliche das Haus angreifen wollten und sei noch vor Spielschluss zum Haus Kamaras gefahren.

Grund für das Handeln der Polizei war auch, dass das Haus von Umaru Bangura (Ex-FCZ, aktuell Xamax) im September 2019 mit Steinen beworfen wurde, nachdem er in der Nachspielzeit einen Penalty gegen Liberia verschoss, was das Aus in der WM-Qualifikation 2022 bedeutete.

Die Polizei fügte hinzu, dass Kamaras Haus “nicht beschädigt wurde” und die “Jugendlichen in der Gegend mit uns kooperieren”.

Die Komoren, die heute nun anstelle Sierra Leones auf Kamerun treffen haben derweil ein Torwartproblem. Stammkeeper Salim Ben Boina ist verletzt, die Ersatzkeeper Moyadh Ousseini und Ali Ahamada und fünf weitere Spiele wurden positiv auf das Corona-Virus getestet.

Möglicherweise mit Magie

Herr Winfried am Mittwoch den 19. Januar 2022

Gabun hat sich besonders gut auf das Spiel gegen Marokko vorbereitet.

Die Vorzeichen standen schlecht für Gabun. Anfang Woche wurde zuerst bekannt, dass die Mannschaft vor dem Turnier das Hotel in Yaoundé gewechselt hatte, weil ihr das zugewiesene nicht genügte. Dafür gab’s 20’000 Dollar Busse vom Kontinentalverband.

Dann musste Captain und Rekordtorschütze Pierre-Emerick Aubameyang wegen Herzproblemen vorzeitig abreisen. Also besann sich der Gabunische Verband vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Marokko auf überirdische Kräfte (siehe Bild).

Es brauche nicht nur den 12., sondern auch den 13. Mann, um im Turnier zu verbleiben. So oder ähnlich vermeldete es Gabuns Nationalteam in den sozialen Medien. Man kann das Bild deuten oder interpretieren wie man will – auf jeden Fall scheint das durchgeführte Ritual böse Geister vertreiben zu können. Gabun errang gegen Marokko ein 2:2-Unentschieden und steht damit im Achtelfinal.

Geht’s raus und schaut’s Fussball

Briger am Montag den 17. Januar 2022

Kameruns Regierung möchte vollere Stadien am laufenden Afrika-Cup

REUTERS/Mohamed Abd El Ghany

Abgesehen von den Spielen der kamerunischen Nationalmannschaft und einigen Ausnahmen befinden sich im seit einer Woche laufenden Afrika-Cup kaum Zuschauer in den Spielstätten ein. Die Regierung des Gastgeberlandes veröffentlichte am Samstag ein Communiqué, in der sie auf die Verkürzung der Arbeitszeiten hinwies:

Sur très hautes instructions de Monsieur le président de la République, le Premier ministre, chef du gouvernement, informe la communauté nationale que, pendant les jours de la tenue des rencontres de la CAN TOTAL ENERGIES 2021 – les activités scolaires et académiques se tiendront de 7h 30 à 13 h – les activités professionnelles s’étaleront de 7 h 30 à 14 h »

Diese Massnahme gilt für den öffentlichen Sektor ab Montag, 17. Januar und gilt bis Freitag, 4. Februar 2022. Normalerweise endet der Arbeitstag in Kamerun zwischen 15 und 17 Uhr. Die Arbeitnehmer sollen somit die 14:00 und 17:00 Uhr Spiele besser besuchen können.

Allerdings dürfte es weitere Probleme geben. Die Stadionkapazität wurde vom afrikanischen Verband auf 60% festgelegt, bei Spielen Kameruns 80%, die Zuschauer müssen geimpft – was gerade einmal 6% der Kameruner über 18 Jahre sind – und negativ getestet sein und die Ticketpreise. Das günstigste Ticket kostet rund 5 Franken, in einem Land, in dem 40% unter der Armutsgrenze leben und ein Drittel mit 2 Dollar am Tag auskommen muss viel Geld. Ab dem Viertelfinale kostet das günstigste Ticket dann 8 Franken und im Finale um die 11 Franken. Die Stadien dürften auch weiterhin nicht allzu voll sein.

Als die Namen kamen

Rrr am Mittwoch den 12. Januar 2022

Am Afrika-Cup stand gestern Ägypten im Einsatz.

Die Namen konnten Sie sich sicher merken, oder?

Die Ägypter verloren ihr Auftaktspiel gegen Nigeria übrigens mit 0:1.

Für Aufsehen sorgte auch das 0:0, das Sierra Leone den favorisierten Algeriern abtrotzte. Man of the Match war Sierra Leonas Torhüter Mohamed Kamara, der mit seinen unkonventionellen Paraden für beste Unterhaltung sorgte. Die Torhüter-Expert*innen unter Ihnen führen sich zu diesem Zweck diesen Videobeweis zu Gemüte.

Wenn Sie den Afrika Cup in geselligem Rahmen verfolgen möchten: Unser Lieblingscoiffeur Walter vom Barbershop im Breitenrain zeigt alle Spiele live. Ob er 90 Minuten braucht, um Ihnen eine neue Frisur zu verpassen, ist allerdings eine andere Frage.

Bröckelnde Bauten

Briger am Montag den 27. Dezember 2021

In wenigen Tagen startet der 33. Afrika Cup in Kamerun.

Im Land des vorletzten Gastgebers, Gabun, sind die Stadien knapp fünf Jahre nach dem Turnier in einem traurigen Zustand, aber sehen Sie selbst.

  • Es steht ein Baum im Tor

  • Eine Hütte!

  • Es steht ein Baum im Feld

  • Aschenbahn


Bilder via @VinesFoot

Zu den Stadien auf den Bildern gehört unter anderem das Stadion von Oyem, das während des Afrika-Cups 2017 genutzt wurde. Eine weitere Arena ist das Stade Omar Bongo, deren Bau kurz vor dem Turnier eingestellt wurde.
In Gabun ruht die nationale Meisterschaft wegen Covid-19 seit zwei Jahren.

Derweil laufen in Kamerun die letzten Vorbereitungen auf das Turnier vom 9. Januar bis 6. Februar. Aus der Schweiz sind folgende Spieler aufgeboten:

BSC YB: Nicolas Moumi Ngamaleu (Kamerun), Mohamed Ali Camara (Guinea)

Grasshopper: Eliseu Mendja Nadjack Soares Cassamá (Guinea Bissau)

FC Basel: Nasser Djiga (Burkina Faso)

FC Lugano: Mohamed El Amine Amoura (Algerien)

FC St. Gallen: Lawrence Ati Zigi (Ghana)

FC Sion: Mauro Rodrigues (Guniea Bissau), Geoffroy Serey Dié (Elfenbeinküste)

FC Zürich: Assan Ceesay (Gambia)

Neuchâtel Xamax: Dylan Tavares (Kapverden), Umaru Bangura (Sierra Leone)

Stade Lausanne Ouchy: Abdallah Ali Mohammed, Rafidine Abdullah (Komoren)

FC Dietikon: Pa Modu Jagne (Gambia)

Musah manipuliert

Briger am Montag den 4. Oktober 2021

Hashim Musas Geschichte beginnt im Juli.

Der Verteidiger des gahnaischen Clubs Inter Allies schoss damals zwei bemerkenswerte Eigentore.

Nach dem Spiel erklärte er sein “Missgeschick” folgendermassen. Er habe vor dem Spiel vernommen, dass es auffällige Wetten auf das Resultat 5:1 für Ashanti Gold gegeben habe. Er habe daraufhin, beim Stand von 5:0 für den Gegner, seinen Trainer gebeten, dass er, wenn er nun eingewechselt würde, die Wette zerstören werde. Gesagt getan, kaum eingewechselt stand es 6:0 und wenig später gar 7:0, also eindeutig nicht 5:1. Die Teamkollegen und der technische Staff hätten ihn nach dem Spiel gelobt, so Musah damals, er habe so gehandelt, weil er Wetten nicht dulde.

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Fussballer für Flora und Fauna

Briger am Montag den 27. September 2021

Naturnahe Neuigkeiten aus Norwegen und Paris.

Der aktuelle Meister Norwegens, Bodø/Glimt, plant ein neues Stadion, welches 2024 eröffnet werden soll. Es soll sich dabei um ein energieautarkes Stadion handeln, welches über einen Kunstrasen, versetzt mit Olivenkernen und Sand, verfügen soll. Zur Bewässerung wird Schnee gesammelt und geschmolzen, der Abfall wird recyclet und auch Sonnenkollektoren wird es geben. Zudem ist ein mit Gras bewachsenes Dach vorgesehen, welches dann von Wanderern begehen werden können soll. Im Untergeschoss werden eine Leichtathletikbahn, eine Handballhalle und eine E-Sport-Halle eingerichtet.

So soll es aussehen, das neue Stadion.
via: https://www.glimt.no/nyheter/velkommen-til-bodos-nye-storsute-copy

Doch dies sind längst nicht alle naturnahen Neuigkeiten, die uns an diesem Wochenende erreicht haben. Spieler von Paris St-Germain haben nämlich am vergangenen Freitag drei niedliche Berggorillas getauft. Dies geschah im Rahmen der Partnerschaft des Pariser Clubs mit Visit Rwanda und anlässlich des Weltgorillatags. Die drei kleinen Primaten hören von nun an auf die Namen Ingeri, Nshongore und Mudasumbwa. Dies alles soll das Bewusstsein für Berggorillas und ihren Schutz schärfen. Die letzte Zählung im Jahr 2016 ergab eine Population von 604 Gorillas im Virunga Volcanoes Massif National Park, der sich über Ruanda, Uganda und die Demokratische Republik Kongo erstreckt.

Wenn Sie jetzt noch keine Reise nach Ruanda gebucht haben, dann ist Ihnen nicht mehr zu helfen.