Archiv für die Kategorie ‘Serie A’

Serie zur Serie A (11). Die Mitspieler: Lecce

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 16. September 2004

Der Verein US Lecce aus der schönen Barockstadt Apuliens gehörte immer wieder der Serie A an; letzte Saison belegte man den zehnten Rang. Dass sich die Rot-Gelben dem Abstieg entziehen konnten, verdankten sie insbesondere einem Mann: dem Stürmer Ernesto Javier Chevanton aus Uruguay und seinen 20 Toren. Das konnte nicht gut gehen: bereits in der laufenden Saison wurde Chevanton mit diversen Klubs in Verbindung gebracht. Zur Überraschung aller wechselte er nicht innerhalb Italiens, sondern ging nach Frankreich zu Monaco. Damit verlieren die Süditaliener ihr wichtigstes Argument im Kampf gegen den Abstieg. In die Lücke springen sollen Samuele Dalla Bona (Atalanta, Chelsea, Milan, Bologna seine bisherigen Stationen) und der Russe Alexei Eremenko von AJK Helsinki. Trainiert werden die Leccesen neu vom tschechischen Kettenraucher Zdenek Zeman, genannt «El Boemo», letztes Jahr in Avelino und zuvor bei Salernitana in der Serie B engagiert. In den 90er Jahren buk Zeman grössere Brötchen, als er Lazio und Roma trainierte und einen Abstecher in die Türkei zu Fenerbahce machte. Aber was interessiert uns dies alles? Wo doch 1998 «unser» David Sesa von Servette zu Lecce wechselte, dort zwei Spielzeiten blieb und jeweils 7 Tore erzielte. Im Jahr 2000 wechselte Sesa zu Napoli, was eine unkluge Entscheidung war. In Lecce war er ein Star, sein Leibchen hing prominent beim Kiosk an der Piazza Sant Oronzo – ein Exemplar ist heute im Besitz des Berner Fan-Lokals Halbzeit. Bei Napoli konnte sich Sesa nie einen Stammplatz erkämpfen, der Verein ging bankrott und versucht einen Neustart in der dritten Liga. Bitter! Und Lecce? Die Südländer müssen sich warm anziehen diese Saison.


Vor dem Anpfiff des Spiels Lecce-Inter 1997. Von den Fotografen umringt: Ronaldo (Foto: Pinarello)

Frisk in Rom

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 16. September 2004

Seit der EM leben Skandinavier in Italien gefährlich. Da nützte es gestern dem schwedischen Schiri in Rom nichts, sich als Young Boy zu verkleiden.

Serie zur Serie A (10). Die Mitspieler: Lazio

Dr. Eichenberger am Dienstag den 14. September 2004

«Was bedeutet Lazio Rom?», fragte sich schon der kleine Klaus Theweleit, wie er im Buch «Tor zur Welt» verrät. Kurz gesagt: Lazio ist nicht Rom, sondern das bourgeoise Gegenteil der AS Roma und benennt sich nach dem italienischen «Kanton» Lazio. In der ewigen Stadt ist man entweder für die Roma oder für Lazio. Also eigentlich für die Roma. Dass Lazio überhaupt in die neue Saison starten darf, würde anderswo an ein Wunder grenzen – nicht so in Italien.
Der Verein in den hellblau-weissen Farben hing lange am Tropf des Unternehmers Sergio Cragnotti, der Lazio 1992 für 24 Milliarden Lire kaufte. Zwei Jahre später übernahm er das Cirio-Imperium und machte sich daran, Firma und Fussballclub in den Ruin zu treiben. Cragnotti richtete bei Lazio stets mit der grossen Kelle an und kaufte bekannte Spieler wie Boksic, Casiraghi, Gasgoine, Veron, Vieri, Signori und Crespo und engagierte illustre Trainer wie Zoff, Zeman, Eriksson, Zaccheroni und Mancini. Die investierten (Schwarz?)Gelder zahlten sich aus: Cup- und Supercup-Sieg Italiens 1998, Gewinn des Cups der Cupsieger und des Supercups Europas 1999, Cupsieger Italiens und zweiter italienischer Meistertitel 2000. Dann ging es bergab, die Cirio-Gruppe war mit 150 Millionen Euro in der Kreide, es folgten Gerichtsverfahren, die Spieler mussten monatelang auf ihre Gehälter warten. Weiter nördlich, in der Rohschinkenstadt Parma, las man von ähnlichen Skandalen, und tatsächlich fand zwischen den beiden Vereinen resp. deren Besitzern ein reger (Spieler)Handel statt – mehr darüber in Folge 12.
Lazio machte hierzulande 1993 auf sich aufmerksam, als der Schaffhauser Roberto Di Matteo überraschend zu Lazio wechselte. Der Zweitgeneratiönler italienischer Abstammung wusste schon damals, was er wollte: Nati-Spieler Italiens werden, und das schaffte er auch. Seine Karriere beendete er schmerzvoll bei Chelsea in London. Seit 1995 hält sich der ehemalige YB-Spieler Guerino Gottardi tapfer im Kader von Lazio. Er kam zwar in den letzten Jahren kaum mehr zum Einsatz (99/2000: 5 mal, 2000/01: 3 mal, 2001/02: 5 mal, 2002/03 und 2003/04: je 1 mal), soll aber gemäss gewöhnlich gut unterrichteten Quellen immer noch soviel verdienen, dass er sich einmal am Tag eine warme Mahlzeit und eine Ausfahrt in seinem Ferrari leisten kann. Tatsächlich verdankt Gottardi sein langfristiges Engagement einem einzigen Tor: Als er 1998 im Cupfinal gegen Milan traf, erhielt er am nächsten Tag von Cragnotti gleich einen neuen (besser dotierten) Vertrag unterbreitet. Wie es Gottardi, abgesehen vom Einkommen, so lange bei diesem Verein aushalten konnte, ist schleierhaft. Viele Lazio-Fans sind als üble Rassisten bekannt, vor deren Angriffen nicht einmal die eigenen Spieler gefeit sind: so wurde der dunkelhäutige holländische Spieler Aron Winter regelmässig mit rassistischen Schmierereien belästigt, als er noch bei Lazio spielte. Liebling dieser «Fans» war der serbische «Sympathieträger» Sinisa Mihajlovic, der seinem Trainer Manchini zu Inter folgte. Als «das Schlimmste, was ich je auf einem Fussballplatz erlebt habe», bezeichnete der schwarze Mittelfeldspieler Vieira nach dem Champions-League-Spiel zwischen Lazio und Arsenal die Hasstiraden seines Gegenspielers Mijajlovic.
Nebst Mihajlovic verkaufte Lazio im Sommer weitere Bestandteile seines Tafelsilbers: Stam zu Milan, Favalli zu Inter, Fiore und Corradi zu Valencia, Albertini zu Atalanta, Lopez zu America Mexiko. Neuerdings geht es beim Verein wieder sauber zu: Lazio ist im Besitz des 45jährigen Unternehmers Claudio Lotito. Der ist u.a. an einer Reinigungsfirma beteiligt. Prognose: Es wird schwer.


Unangenehm aufgefallen: Der langjährige Lazio-Spieler Sinisa Mihajlovic.

Serie zur Serie A (9). Die Mitspieler: Chievo

Dr. Eichenberger am Montag den 13. September 2004

Vor noch nicht langer Zeit, so gegen Ende des letzten Jahrhunderts, geschah es, dass sich der Italienreisende beim Studium der Serie B-Partien fragte, wo denn Chievo liege. Ein solcher Ort liess sich partout auf keiner Landkarte finden. Heute sind wir gewitzt und ziehen längst den Hut vor den Leistungen des kleinen Quartiervereins aus Verona. Jener Stadt, die bisher durch den bekannteren Stadtklub Hellas Verona vor allem für negative Schlagzeilen sorgte. So im Jahr 2001, als der Hellas-Präsident Giambattista Pastorello öffentlich zugegeben hatte, dass er den dunkelhäutigen Stürmer Patrick Mboma aus Angst vor den als äusserst rassistisch bekannten Hellas-Fans nicht verpflichten könne. Bereits früher hatten Verona-Anhänger – mit Ku-Klux-Klan Mützen verkleidet – die Verpflichtung eines Schwarzen verhindert. Inzwischen hat Chievo dem Stadtclub (19. Platz in der Serie B) den Rang abgelaufen. Der Erfolg hat einen Namen: Trainer Luigi Del Neri. Er wurde in den letzten Jahren immer wieder ins Spiel gebracht, als bei einem Grossen der Serie A der Trainerposten frei wurde. Ende Saison packte Del Neri tatsächlich seine Koffer, allerdings mit anderer Destination: er wechselte zum Champions League Sieger FC Porto. Dort wurde er aber nach wenigen Trainings entlassen, noch bevor die Mannschaft 1 Spiel ausgetragen hatte. Der Mann, der das schwere Erbe auf der Trainerbank antritt, heisst Mario Beretta und ist ein Trainer ohne Serie A Erfahrung: Ternana (Serie B) und Varese (Serie C) waren seine letzten Stationen. Die Kohlen aus dem Feuer holen sollen auf dem Platz der Juve-Spieler Matteo Brighi und zwei Spieler, die vom B-Klub Torino kamen: der Stürmer Simone Tiribocchi und der Verteidiger Davide Mandelli. Der Nati-Spieler Simone Perrotta hingegen hat den Verein Richtung Roma verlassen. Prognose: hinteres Mittelfeld.

Blickt schweren Zeiten entgegen: Chievo-Präsident Luca Campedelli.

Serie zur Serie A (8). Die Mitspieler: Brescia

Dr. Eichenberger am Samstag den 11. September 2004

Brescia hat in seiner Vereinsgeschichte noch keine Geschichte geschrieben, das heisst: noch keinen Titel gewonnen, ausser dass der Klub einige Male Meister der Serie C wurde. Im September startet Brescia Calcio zur schwierigen Nach-Baggio-Ära: Il Codino hat die Fussballschuhe bekanntlich an den Nagel gehängt und der Brescia-Trainer Giovanni De Biasi sieht nur eine Möglichkeit, den Ausfall des Ausnahmekönners wett zu machen: mit «griechischem Geist», also hoffen auf ein zufälliges Freistoss- oder Eckballtor. Helfen soll ihm dabei der neue Stürmer Giuseppe Sculli von Chievo. Bei Brescia gelandet ist auch der Servettien Fabrizio Zambrella. Ein Stammplatz ist aber für den jungen Mann mit der Rückennummer 21 nicht in Sicht. Nicht mehr bei Brescia ist der österreichische Torwart Alexander Manninger, der von Bologna auf die neue Saison an die Blau-Weissen ausgeliehen werden sollte. «In Brescia hat schon nach dem zweiten Tag nichts gepasst, es war auch ein bisschen rassistisch», begründet Manninger seinen raschen Abgang. Er darf jetzt in Siena die Bälle fangen. Prognose: Abstiegsgefahr.

Seltenheit: Tor gegen Milan-Goali Dida. Giuseppe Sculli gelingt es.

Serie zur Serie A (7). Die Mitspieler: Bologna

Dr. Eichenberger am Freitag den 10. September 2004

Bologna ist nach den letzten Kommunalwahlen wieder in linker Hand, nachdem selbst die traditionell rote Stadt kurzzeitig vom Berlusconi-Virus befallen wurde. Fussballmässig zerreist der Bologna FC in letzter Zeit keine grossen Stricke. Uns bleibt in Erinnerung, dass hier Kubilay Turkilmaz zwischen 1989 und 1993 in 83 Partien 21 Tore schoss und im Jahr 2000 in Brescia nochmals auf Italiens Rasen stürmte (das wird in der Folge 8 dann nicht mehr erwähnt). In dieser Saison werden die Erwartungen in Bologna einmal mehr nicht sehr hoch geschraubt. Dem 67jährigen Trainervater Carlo Mazzone stehen mit dem 36jährigen Beppe Signori (verabschiedete sich aus Italien und geht nach Saloniki – sic!) und dem Japaner Nakata (wechselt zu Aufsteiger Fiorentina) zwei wichtige Kräfte nicht mehr zur Verfügung. Eingekauft wurden u.a. der Mittelfeldspieler Federico Giunti (früher Parma, Milan, Brescia und zuletzt mit Besiktas Istanbul in der Champions League engagiert) und der Grieche (!) Theodoros Zagorakis von AEK Athen. Mazzone erwartet eine schwierige Saison und liess verkünden: «Für Roberto Baggio habe ich die Nummer 10 schon bereit, falls er weitermachen will.» Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zu einem unteren Mittelfeldplatz sollte es wohl auch ohne Baggio reichen.

Wo ist Roberto? Bologna-Trainer Carlo Mazzone

Serie zur Serie A (6). Die Neuen: Palermo

Dr. Eichenberger am Donnerstag den 9. September 2004

Ein frischer Südwind weht ab dem 12. September durch die Serie A. Neben Messina steigt mit Palermo ein zweiter Klub aus Sizilien in die höchste Klasse auf. Die beiden Vereine bilden mit den Apuliern aus Lecce, den Sarden aus Cagliari und den Kalabresen aus Reggio Calabria ein lange Zeit vermisstes Gegengewicht zu den dominierenden Clubs aus dem reichen Norden. Palermo verschwand 1973 aus der Serie A und galt seither als stabiler B-Klub mit gelegentlichen Abstechern in die Serie C. Letztmals sorgte 1979 der Einzug in den italienischen Cubfinal für Emotionen, der gegen Juve verloren ging. Gefeierter Spieler der Aufsteigermannschaft war Stürmer Luca Toni (2001 von Brescia nach Palermo gewechselt), der im ersten Jahr auf Sizilien 30 Tore schoss – und jetzt, mit 27, auch in der Nati für Furore sorgt. Nach dem ungefährdeten Aufsteig der Rosa-Schwarzen hat der Präsident Maurizio Zamparini tüchtig in seinen Geldbeutel gereckt und für 18 Mio € über 20 neue Spieler gekauft, darunter den 22jährigen brasilianischen Verteidiger Adriano Pereira da Silva von Gremio und den 23jährigen argentinischen Mittelfeldspieler Mariano Nicolas Gonzales von Racing Avellaneda. Trainiert wird Palermo weiter von Franceso Guidolin, einem Serie A erfahrender Trainer. Er ahnt schon, was in dieser Saison auf den Aufsteiger zukommt: «Es wird hart werden wie eine Bergetappe, wir müssen in die Pedale treten.» Der Aufstieg hat Palermo in Entzückung versetzt: der Verein hat über 30 000 Saisonabonnemente vekauft. Prognose: Sicherer Mittelfeldplatz.

So sieht ein glücklicher Fussballpräsident in Sizilien aus: Maurizio Zamparini, Presidente del Palermo

Serie zur Serie A (5). Die Neuen: Messina

Dr. Eichenberger am Dienstag den 7. September 2004

Messina ist für die Reisenden der erste Kontakt mit Sizilien, wenn sie mit der Fähre vom Festland auf die Insel fahren. Die meisten von ihnen reisen gleich weiter zu den Touristenorten Siracusa und Agrigento oder besuchen die Städte Palermo und Catania. Dass in Messina auch Fussball gespielt wird, ging 1965 vergessen, als der Club letztmals in der Serie A spielte. Nach mässigen Resultaten in der Serie B (14 und 16 Platz in den beiden letzten Jahren), profitierten die Gelb-Roten als Vierter von der Austockung der Serie A auf 20 Klubs. Einer der Protagonisten in Messina war letzte Saison Arturo Di Napoli (nicht zu verwechseln mit Patrick De Napoli), der 2003 von Palermo an die Ostküste wechselte und 19 Tore zum Aufsteig beitrug. Mit ihm und diversen Neueinkäufen soll unter dem bisherigen Trainer Bortolo Mutti der Klassenerhalt angestrebt werden. Von Partizan Belgrad kam der Stümer Ivica Iliev, und von Olympiakos Piräus (ein Grieche!) der Torhüter Dimitrios Eleftheropoulos (schreibe den Namen 10 mal fehlerfrei auf ein Blatt Papier!). Prognose: Abstiegsgefahr.

Gefeierter Held: Messina-Trainer Bortolo Mutti nach dem Aufstieg.

Serie zur Serie A (4). Die Neuen: Livorno

Dr. Eichenberger am Sonntag den 5. September 2004

Livorno ist nicht gerade jener Name, der den Freunden des gepflegten Fussballs auf der Zunge vergeht. Schon eher ein Begriff ist das wenige Kilometer nördlich gelegene Pisa, dessen Mannschaft zu Zeiten, als Maradona bei Napoli mit dem Ball jonglierte, in der Serie A spielte. Der schiefe Turm zu Pisa wurde inzwischen mit viel Bauaufwand stabilisiert, nicht aber Pisa’s Fussballer: der Verein dümpelt in den Niederungen der C1 herum. Item, die Hafenstadt Livorno kann tourismusmässig mit Pisa zwar nicht mithalten, Livorno Calcio aber machte in den letzten Jahren eine fulminante Karriere, die an das Wunder von Castel di Sangro erinnert: die Squadra schaffte 2002 den Aufsteig von der C1 in die Serie B und jetzt, nach einem guten Jahr in der Serie B, den Sprung in die Serie A. Dabei behaupten die Statistiken, Livorno habe 1949 bereits einmal in der höchsten Liga gespielt. Am Aufstieg massgeblich beteiligt waren die Stümer Igor Protti (38) und Christiano Lucarelli (trägt die Nr. 99). Protti, trotz seines Vornahmens ein gebürtiger Riminianer, spielte bei Bari, Lazio und Napoli in der Serie A und schiesst seine Tore seit 1999 für Livorno. Der gebürtige Livorneser Lucarelli wurde letzte Saison von Torino an Livorno ausgeliehen und will seine Karriere in seiner Heimatstadt beenden. Die Bemühungen der Toskaner um ihren geliebten Sohn sind nachvollziehbar: Lucarelli und Protti waren letzte Saison zusammen für 53 Tore verantwortlich. Soviel brachten bei YB nicht einmal Chapuisat und der Brasilianer, dessen Name mir gerade entfallen ist, zustande. Prognose: Abstiegsgefahr.

Portugiesische Zustände: Livorno-Fans feiern den Aufstieg in die Serie A.

Serie zur Serie A (3). Die Neuen: Fiorentina

Dr. Eichenberger am Sonntag den 5. September 2004

Wer über Fiorentina Bescheid wissen möchte, muss Wirtschaftsfachmann sein. Wie es der Verein geschafft hat, nach der Pleite, in die ihn sein Besitzer Vittorio Cecchi Gori geritten hat, schon wieder bei den Grossen mitzuspielen (Fiorentina gewann als 6. der Serie B das Ausscheidungsspiel gegen Perugia, den viertletzten der Serie A), ist höchst undurchsichtig. Cecchi Gori, Filmproduzent und Abgeordneter der Partito Popolare, kaufte den Verein 1990, stieg später in das Fernsehgeschäft ein und erwarb die Sender Telemontecarlo, Videomusic und TMC2. Er verstand sich, politisch und fussballmässig, stets als Gegenspieler seines Feindes Sivlio Berlusconi. Just diesem musste er 2001 aber den Lieblingsspieler der Fans, Rui Costa, verkaufen, eine Transaktion, die nicht mehr verhindern konnte, dass der Klub und Checci Goris Imperium bankrott gingen. Fiorentina wurde in die C2 degradiert und machte nach einer Neugründung unter dem Name Florentina Viola einen Neuanfang. Präsidiert wurde die Florentina Viola interimistisch von keinem geringerem als dem linken Sindaco von Firenze, Leonardo Domenici. Der unglückliche Checchi Gori brachte als Präsident immerhin manch illustren Spieler nach Florenz, daruner Batistuta (ihn kaufte er 1991, er blieb 9 Jahre in Florenz), Brian Laudrup, Effenberg, Toldo, Baiano, Baggio, Rui Costa, Heinrich, Edmundo, Oliveira, Torricelli, Mijatovic, Chiesa, Nuno Gomes. Und Angelo Di Livio: der frühere Juve- und 40fache Nati-Spieler kickt seit 1999 in Florenz, machte alle Tiefen des Vereins mit und ist zur Symbolfigur der Violetten geworden. Am direkten Aufstiegen von der C2 in die Serie A mitbeteiligt war auch der Stürmer Christian Riganò (23 Tore letztes Jahr in der Serie B), der sich nun mit 30 Jahren erstmals im Schaufenster der Serie A präsentieren darf. Verstärkt hat sich der Club, der sich heute ACF Fiorentina nennt, mit dem Japaner Nakata (von Bologna), dem Nigerianer Chris Obodo (von Perugia), dem Däne Martin Jorgensen (von Udinese), dem Internationalen Fabrizio Miccoli (von Juve) und dem ausgeliehenen Stürmer Javier Portillo (von Real Madrid). Neu in violett kleidet sich auch der Tscheche Tomas Ujfalusi, 26jähriger Mittelverteidiger vom HSV, der von sich behauptet, stärker zu sein als Nesta. Schnösel! Für all die Neuzuzüge waren im Verein plötzlich wieder über 17 Millionen Euro vorhanden. Ihren Griechen übrigens haben die Florentiner gekauft, als dies noch nicht so in Mode war: Zisis Vryzas kam 2003 von Perugia. Prognose: gesichertes Mittelfeld.

Spuckt grosse Töne: Tomas Ujfalus (links) neben Trainer Mondonico.

Serie zur Serie A (2). Die Neuen: Cagliari

Dr. Eichenberger am Samstag den 4. September 2004

Die blau/roten Tenus von Cagliari Calcio ähneln jenen des FC Barcelona oder des FC Basel. Aber auf Sardinien ist alles ganz anders. Cagliari pendelt regelmässig nicht nur zwischen der Insel und dem Festland, sondern zwischen der Serie A und der Serie B. Die glorreiche Vergangenheit liegt weit zurück: 1970 wurde Cagliari mit dem grossen Gigi Riva Meister, was die ganze Insel in Ekstase versetzte.


An Cagliari haben wir Schweizer besonders gute Erinnerungen. Vor unserem Auge sehen wir, als wäre es gestern gewesen, wie am 14. Oktober 1992 im Stadion Sant’Elio der italienische Torhüter Marchegiani in der 22. Minute beschloss, unseren Stürmer Chapuisat zu umdribbeln. Das ging bekanntlich schief und die Schweiz führte 0:2, nachdem Ohrel schon zum 0:1 getroffen hatte. Roberto Baggio (83.) und Eranio (90.) retteten Italien kurz vor Schluss vor der Blamage. Das Rückspiel gewann die Schweiz im Wankdorf 1:0 (Tor durch Hottiger) und fuhr mit Trainer Roy Hodgson an die WM in die USA. Im gleichen Stadion schnupperte der GC-Spieler Ramon Vega in der Saison 1996/97 während 14 Spielen für Cagliari Serie-A-Luft, bevor er sein Zelt in Tottenham aufbaute. Bref, das denkwürdige Stadion Sant’Elia im sonnigen Cagliari wurde gänzlich ohne schattenspendendes Dach gebaut. Dafür war im Verein lange Feuer unter selbigem. Die Frage, die die Fans nach dem Wiederaufstieg, auf den sie vier Jahre gewartet haben, in Rage brachte, lautete: bleibt Gianfranco Zola oder nicht? Gegen den 38jährigen, der seine ersten Bälle 1984 beim sardischen Verein Nuorese in der C2 trat, bevor er zu einer glanzvollen Karriere aufbrach (Napoli an der Seite von Maradona, Parma, Chelsea, ein Stammplatz in der Nationalmannschaft) und wesentlich am Aufsteig von Cagliari beteiligt war (13 Tore in der letzten Saison) – gegen ihn stellte sich der Präsident Massimo Cellino, der dem Spieler vorwarf, ein zu hohes Gehalt zu fordern und verkündete, er plane die neue Saison ohne Zola. Cagliaria in der Serie A ohne Zola: das war zuviel für die Fans: sie streikten bei der ersten Zusammenkunft der neuen Mannschaft. Die Entwarnung kam Ende Juli, als sich die Parteien doch noch auf einen neuen Vertrag einigen konnten. Für Aufsehen sorgte der Präsident schon kurz nach dem Wiederaufsteig, als er seinen neuen Trainer vorstellte: den unbekannten Daniele Arrigoni, letzte Saison beim Serie C-Klub Frosinone und zuvor je ein Jahr in Sizilien in der Serie B bei Messina und Palermo beschäftigt. Star bei Cagliari ist der Stürmer David Suazo, der 1999 auf die Insel kam – 19 Tore letzte Saison. Treffsicher zeigte sich auch Mauro Esposito: 17 Tore. Spuren hinterlassen hat bei Cagliari die EM in Portugal. Neu soll der Grieche Katergiannakis bei den Sarden das Tor hüten. Ihnen, den Griechen, werden wir in dieser Serie noch einige Male begegnen. Prognose: Abstiegsgefährdet.

Gianfranco Zola bleibt ein Sarde

Serie zur Serie A (1). Die Neuen: Atalanta

Dr. Eichenberger am Freitag den 3. September 2004

Das wie Inter blau-schwarz gestreifte Atalanta ist eine klassische Liftmannschaft Italiens, die regelmässig zwischen der Serie A und der Serie B pendelt. Mehr als 6 A-Saisons in Folge (zwschen 1988 und 1994) brachten Mannen aus Bergamo nicht zustande. Auch in dieser Saison ist der Erhalt der Klassenzugehörigkeit das einzig erstrebenswerte Ziel, der Nichtabstieg würde vom Präsidenten Ruggeri wie ein Titelgewinn gefeiert. Atalanta profitierte Ende Saison davon, dass die Serie A unverständlicherweise von 16 auf 20 Mannschaften aufgestockt wird und schaffte den direkten Aufstieg gerade noch als 5. der Serie B. Teure Transfers kann sich der Verein nicht leisten. Atalanta gilt als Talentschmiede und finanziert sich regelmässig durch den Verkauf von Jungstars aus den eigenen Reihen. Die Hoffnungen von Trainer Andrea Mandorlini, der die Bergamasken in die Serie A führte, ruhen auf drei ehemaligen Milan-Spielern. Der Verteidiger Luigi Sala wechstelte 2001 von Mailand nach Bergamo, spielte letzte Saison in Chievo und findet jetzt zurück. Mit Sala kam der von Milan einst als Stürmertalent verpflichtet Gianni Comandin, der sich aber gegen die Konkurrenz (Shevchenko, Pipo Inzaghi) nicht durchsetzen konnte. Neu trainieren wird unter Mandorlini Demetrio Albertini, der letzte Saison bei Lazio nicht viel zum Einsatz kam, zuvor mit Milan aber alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Prognose: Abstiegsgefahr.


Demetrio Albertini (das ist der Mann rechts im Bild) und sein neuer Präsident.