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Ein Ball für YB

Rrr am Samstag den 17. April 2021

Das Wort zum Sonntag spricht heute Pfarrer Kurt Marti.

Für jedes Nationalliga-Fussballspiel wird ein neuer Ball, der sogenannte «Matchball», verwendet. Das soll keine billige Angelegenheit sein. Einer meiner Buben behauptet, er koste ungefähr 80 bis 90 Franken. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Auf jeden Fall werden diese Matchbälle meistens von Firmen gestiftet, die im gedruckten Matchprogramm und am Lautsprecher dankend erwähnt werden.

Bei einem Meisterschaftsspiel in Bern, im Stadion Wankdorf, nun – Young-Boys gegen Lugano – hatten sich Kirchgemeinderat und Pfarrer der Markus-Gemeinde in Bern an der Stiftung des Matchballs beteiligt und wurden gebührend erwähnt. Auf den Rängen quittierten amüsierter Beifall und Gelächter die entsprechende Mitteilung im Lautsprecher. Ein Journalist schrieb zwar hintendrein, es wäre vielleicht «christlicher» gewesen, statt den Young Boys einem armen, kleinen Fussballklub einen Ball zu spenden.

Nun muss man aber wissen, dass das Wankdorfstadion der YBs zum Gebiet der Markus-Kirchgemeinde gehört. Da war es vielleicht keine so üble Idee, dass Kirchgemeinderat und Pfarrer diese Tatsachen durch ihre Spendegeste einmal manifest gemacht haben. Trotz des Kirchenballs hat der Platzklub das Spiel verloren. Das war vielleicht gut so. Sonst wären abergläubische Gemüter noch auf den Gedanken gekommen, dass Kirchenbälle Erfolgsbälle sind und auf übernatürliche Weise ins Goal des Gegners fliegen. Man weiss ja nie.

Natürlich ist die Stiftung eines Matchballes Werbung. Oder: PR (= Public Relations). Immerhin: sympathischere PR als die sehr christlichen Kugelschreiber aus Beinwil! Zudem gehörten die Young Boys seinerzeit zu den Vorkämpfern der Samstagabendspiele, und der kirchliche Matchball mag als nachträgliche Honorierung ihres erfolgreichen Einsatzes für die Verlegung des «grossen» Matches vom Sonntag auf den Samstag gelten.

Kurt Marti, Notizen und Details 1964 – 2007, Göttingen 2021, S. 255/256 (reformatio 8-1968)

(Anm. d. Red.: Beim erwähnten Spiel muss es sich nach unseren Recherchen um die Begegnung vom 8. Mai 1968 handeln, Sie erinnern sich sicher. Denn das war das einzige Mal zwischen 1950 und dem Zeitpunkt der Publikation des Textes, dass YB daheim gegen Lugano verlor.)

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14 Kommentare zu “Ein Ball für YB”

  1. Rrr sagt:

    Dieser löbliche Beitrag wurde Ihnen präsentiert von unserem Premium plus 5Stern Leser Herr Lich. Messi Herr Lich!

  2. Herr Shearer sagt:

    Deheim gegen Lugano verlieren? Solcherlei passiert heutzutage zum Glück kaum noch.

  3. Baresi sagt:

    Mai 68, ein Monat in dem sehr viel Interessantes und Gutes passiert ist. MM

  4. Alleswisser sagt:

    Herr Lich ist ein Multitalent, wobei diese Feststellung eigentlich nicht wirklich überrascht.

    Herzlichen Dank für diesen (fast) Kultur-Beitrag.

    Ich bin nun allerdings etwas in einem Dilemma, da ich mich nicht entscheiden kann ob ich

    Kirchenball

    oder Spielgerät schlimmer finde.

  5. Herr Shearer sagt:

    Gibt es so etwas wie einen Oskar für Slapstick-Komiker? Wir hätten da einen Bewerber aus West Ham.

  6. gavagai sagt:

    Thuns Stürmer hatten Schussstiefel versorgt

    Dafür mit

    Latour

    im Tor. Biel vor YB und Konietzka Torschützenkönig der Nationalliga B. Wunderbarer Fund, grandioser Beitrag!

    Und morgen weder

    Kirchenball

    noch

    Spielgerät

    ,

    aber gerne

    Erfolgsbälle

    !

    Aber jetzt ist auszitiert.

  7. nadisna sagt:

    Das Wankdorf ist meine „Kirche“, also eigentlich die einzige, die ich regelmässig besuche, wenn ich denn darf.

    Daher finde ich die Ballspende der Kirchgemeinde völlig naheliegend.

  8. Bäne II sagt:

    Das Wankdorf ist meine „Kirche“

    Passt, Frau nadisna. Weil, bestimmt beten Sie da auch regelmässig. Gut – vor wenigen Jahren vielleicht noch etwas häufiger.
    YOUNG!!

  9. nadisna sagt:

    BOYS!

    Sie sagen es, Herr Bäne II.

  10. Herr Lich sagt:

    Es freut mich, dass ich für einmal nicht nur als Goalieexperte 1b etwas beitragen könnte. Das Buch, aus dem das Zitat stammt, empfehle ich im Übrigen auch kirchlich Uninteressierten wärmstens. Die Gedanken von Dichterpfarrer Marti zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind auch heute noch überraschend aktuell und zeitgemäss.

    Und ja: Die Ähnlichkeit von Kirche und Stadion ist offenkundig.

  11. Herr Shearer sagt:

    Falls Sie Lust auf schlimme Bilder haben, sollten Sie heute “Match Of The Day” auf BBC schauen und dort ein Auge auf Herrn Fabianski von West Ham richten, die Herren Lich und Alleswisser.

  12. ManU97 sagt:

    Hoarau trifft mal wieder!

  13. Mr.P sagt:

    Sehr schön

    Hoarau trifft mal wieder!

    Hätte er vielleicht schon früher, wenn etwas länger auf dem Platz

  14. Alleswisser sagt:

    schlimme Bilder

    ein Auge auf Herrn Fabianski von West Ham richten

    sehr akkurate Frisur und Langarm, hatte es schlimmer erwartet.

    (ernsthafte) Frage: lässt die BBC die Spielszenen etwas schneller laufen? Mir scheint, dass das Tempo unnatürlich hoch ist, besonders auch im Vergleich zu Liverpool-Real vom MIttwoch (und dort gibt’s ja bei Liverpool auch schnelle Stürmer)?

    Oder lag’s an meinem Ruckel-Stream?