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Grenzerfahrung bei Ilja

Herr Shearer am Donnerstag den 9. März 2017

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!

Manchmal muss man einfach ein bisschen Distanz vom Fussball gewinnen. Dazu fährt man am besten natürlich – zum Fussball! Vor Jahren bereits hatte eine Delegation dieses Fachblogs eine Reise ins schöne Mömpelgard geplant, welche damals leider aufgrund kurzfristiger Spielplanänderungen nicht zustande kam.

Aber eben, es ist ja nicht weit zum FC Sochaux-Montbéliard! Mit dem Auto schafft man die Strecke von Bern aus in gut zwei Stunden. Dabei darf man auf der Transjurane tatsächlich durch 25 Tunnels fahren. Etwas gemütlicher und bei mehr Tageslicht geht es per Zug: mit Umsteigen in Basel, Mulhouse und Belfort dauert die Reise gute drei Stunden. Der kürzeste Weg per Bahn würde eigentlich über Biel und Porrentruy führen, aber in Delle ist derzeit noch Schluss mit Gleisen. Wer aber sein Velo einlädt, hat vom französischen Grenzstädtchen aus nur noch gute flache 20 Kilometer zu radeln.

Der FC Sochaux wurde 1928 als Werksmannschaft von Peugeot ins Leben gerufen; das Stade Auguste-Bonal steht denn auch direkt neben dem riesigen Firmengelände des französischen Autobauers. Der Klub gehörte jahrelang zum Inventar in der höchsten französischen Spielklasse, gewann je zwei Mal die Meisterschaft und den Cup und durfte auch einige Male im Europacup antreten. Der grösste sportliche Erfolg des FC Sochaux dürfte allerdings der Sieg 1966 im einzigartigen Uhrencup in Grenchen gewesen sein. In einer schweren wirtschaftlichen Krise trennte sich Peugeot vor einigen Jahren von seinen Kickern, sie wurden darauf von einem übermässig fussballbegeisterten chinesischen Millionär übernommen, welcher seine Leuchtmittel auch gerne in Europa vermarkten möchte. Über Mister Li und den für ihn als CEO tätigen Ilja Kanzig berichteten unsere Freunde vom Fussballmagazin Zwölf in der Ausgabe 54 (Artikel online nicht verfügbar). Ein Achtungserfolg gelang dieses Jahr im Cup, dort eliminierten die Sochaliens immerhin das zwar auch nicht mehr ganz so grosse Olympique Marseille aus dem Wettbewerb.

Letzten Freitag verirrten sich allerdings nur gerade 2’542 Zuschauerinnen und Zuschauer ins 20’000 Nasen fassende und vor 17 Jahren neugebaute Stadion. Es war etwas kalt, und auf dem Rasen ging es auch nicht gerade spektakulär zu und her. Le Havre, Guillaume Hoaraus Ex-Verein, war etwas weniger ungefährlich und gewann das Spiel mit 1:0. Damit dürften für Sochaux auch noch die letzten Chancen auf einen Wiederaufstieg dahin gegangen sein.

Warum soll man sich nun aber einen Ausflug zu einem Verein antun, der seine grossen Zeiten vorerst hinter sich hat, sich gerade so im Mittelfeld der zweithöchsten französischen Liga hält und nicht wirklich attraktiven Fussball spielt? Wegen dem ganzen Drumherum! Wenn Sie einer von diesen Groundhoppern sind oder einfach auch sonst gerne mal fremdschauen, machen Sie mit eigentlich nicht viel falsch. Schon vor dem Stadion können Sie ein Bier trinken, möglicherweise hat es auch Alkohol drin. Drinnen können Sie das auch haben. Die Biermarke konnte leider nicht eruiert werden – das könnte damit zusammenhängen, dass kein seriöser Braumeister mit diesem Produkt in Verbindung gebracht werden möchte. Das Verpflegungsangebot ist ebenfalls reichhaltig und beinhaltet Burger, Pommes Frites, Kebap und die Stadionwurst Le Sochalien (3,50€). Der Service ist fix und freundlich, die Ambiance ums und im Stadion angenehm und entspannt. Also, fahren Sie mal hin!

 

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17 Kommentare zu “Grenzerfahrung bei Ilja”

  1. 12er sagt:

    Ein Besuch im Peugeot Museum loht sich auch für nicht Auto Fans, da der Konzern in seiner Firmengeschichte so ziemlich alles herstellen lies.

  2. Je sagt:

    Ich besass eine Peugeot-Pfeffe’mühle.

  3. Herr Lich sagt:

    Das ist ein hervorragender Bericht! Wenn Sie schon mit dem Velo unterwegs sind, können Sie dann auch gleich der Eurovelo 6 bis an den Atlantik folgen.

  4. Val der Ama sagt:

    Ich war auch schon einmal dort und zwar neulich und da gab es glaub ich 1664 und Desperados als “Bier”.

  5. Max Power sagt:

    Um grössere Stadien zu sehen mit leeren Rängen, muss man nicht unbedingt ins Ausland. Genf, Lausanne, Biel, Xamax zuweilen auch YB und Zürich erfüllen auch diesen Wunsch nach Stille.

  6. Rrr sagt:

    Ilja, es zieht!

    Fantastischer Bericht, Herr Shearer. Ich hoffe einfach, dass die Spesenrechnung nicht zu hoch ausfällt,wir brauchten diesen Monat schon viel Geld für Psychopharmaka.

  7. Max Power sagt:

    Kennt in dieser Runde jemand das Spettacolo in Biel beim Bahnhof? Dieses Spettacolo ist ja eine Kette, trotzdem war es ordentlich eingerichtet und hatte einen wunderschönen schwarz/weiss karierten Boden. Nun wurde es renoviert und verlor seinen Charme, was Stuhl ist. Aber trotzdem muss die Bestuhlung gelobt werden, aber sehen Sie selbst:

  8. spitzgagu sagt:

    Herr Shearer, besten Dank für den Link. Als bekennender Soledurn-Fän erinnere ich mich gerne an unseren gloriosen Sieg im alten Wankdorf über das “grosse” YB.

  9. imi sagt:

    Dann kann es ja bald zum firmeninternen Derby zwischen Sochaux und Bochum kommen. Guten Morgen, toller Bericht!

  10. Rrr sagt:

    Sie trinken Kaffee als Schotte, Herr Power? Das überrascht mich jetzt.

  11. Harvest sagt:

    Gibt’s da kein Bier, Herr Rrr? Ich glaube, ich habe Herrn Power noch nie ohne gesehen.

  12. dres sagt:

    Sehr schöner Bericht, Herr Shearer. Von Sochaux bin ich jetzt auch noch Fan wegen Peugeot und Ihren schönen Fotos.

  13. Max Power sagt:

    Sie trinken Kaffee als Schotte, Herr Power? Das überrascht mich jetzt

    Kennen Sie Gaelic Coffee?

    NUn, ich war nicht selber in Biel. Ich habe meine Funktion als Kommentierender outgesourcet.. Ich fahre doch nicht nach Biel, was will man in diesem Nebelloch? oh…

  14. Natischer sagt:

    Sehr schöne Herr Shearer und aber auch Herr Sury.

  15. Herr Maldini (C) sagt:

    Schöne Bilder, Herr Shearer. Und aber auch schöner Bericht, klar.

  16. Bäne II sagt:

    Ich fahre doch nicht nach Biel, was will man in diesem Nebelloch?

    Was erlauben Power!?

    @Herr Shearer: Merci bien!