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Magerkost in Marousi

Herr Shearer am Donnerstag den 1. Dezember 2016

Was tun, wenn man gerade schon mal in Athen ist? Gelbschwarz schauen, natürlich!

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Den für abwegige Expeditionen zuständigen Redakteur dieses Fachorgans verschlug es letze Woche zusammen mit einer kleinen feinen Reisegesellschaft in die griechische Hauptstadt. Nach dem zwar guten, aber resultatmässig ungenügenden Auftritt der berühmten Berner Young Boys wurde erst einmal den kulturellen und kulinarischen Höhepunkten Athens gefrönt, bevor am Samstag Abend Konsens herrschte, dass man sich leicht unterfussballt fühle und so ein gemütlicher Match eine feine Sache wäre.

Recht bald stand fest, dass die Affiche AEK gegen Platanias die Affiche der Wahl sein würde; ein definitver Entschluss konnte aber erst gefasst werden, nachdem klar war, dass die griechische Liga ihren Spielbetrieb tatsächlich auch wieder aufnehmen würde – dieser war ja nun einige Zeit aus Gründen unterbrochen. Ein eigenes Stadion hat AEK derzeit nicht. Das traditionelle Nea Filadelfia-Stadion erlitt beim Erdbeben 1999 beträchtliche Schäden und wurde 2003 abgerissen. Das Projekt für einen Neubau stiess immer wieder auf Hürden und Widerstand, seit zwei Jahren hat man nun aber grünes Licht für das Projekt einer eigenen neuen Heimat. Ausweichdomizil ist das riesige Olympia-Stadion im Stadtteil Marousi, das mit seinen 69’618 Plätzen massiv Überkapazitäten hat – gerade einmal 3’822 Zuschauer hatten letzten Samstag Lust auf das Spiel. Zum Stadion gelangt man entweder per U-Bahn, oder man gönnt sich eine Taxifahrt, was bei einer grösseren Gruppe auch keine exorbitanten Kosten auslöst.

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Billette können gegen Vorweisen eines offiziellen Ausweises an der Abendkasse erworben werden. Ein Sitzplatz auf Haupt- oder Gegentribüne kostet im unteren Rang 15 Euro, oben zehn mehr. Im Stadion selbst ist die Versorgungslage relativ dünn, immerhin zirkulieren fliegende Verkäufer mit Getränken und Knabberzeugs. Alkohol ist tabu, aber unter der Hand kann Ihnen auch Ouzo angedreht werden, welcher sich in unserem Fall als Tsipouro entpuppte – leider erst, als er schon ins Wasser geschüttet worden war. Geschmacklich können Sie sich das vorstellen, wie wenn Sie einen stark verdünnten Bauernschnaps trinken würden. Ehrlich gesagt: Sie wollen sich das lieber nicht vorstellen.

Das Spiel war dann etwa von ähnlicher Qualität; die Aufsteiger aus Kreta mischten den Zement im eigenen Strafraum dick an, so dass der bescheiden kreative AEK-Angriff um den Ex-Werder-Stürmer Hugo Almeida kaum je gefährlich werden konnte. Der Spielplan der Gäste ging bis zur 77. Minute auf, dem Zeitpunkt also, an dem sie per Eigentor das 1:0 für AEK erzielten. Mit zwei Treffern aus darauffolgenden Kontern stellte das Heimteam den Sieg definitiv sicher und verbesserte sich in der Tabelle um zwei Ränge auf Platz drei, vor dem lokalen Konkurrenten Panathinaikos.

doppeladler_2Für Stimmung sorgten einerseits ein weiteres grenzdebiles Maskottchen in Form eines Doppeladlers, andrerseits ein übermässig fanatischer Fan im kurzärmligen Trikot, welcher bis zum Führungstreffer nur durch den Graben zwischen Tribüne und Rasen davon abgehalten werden konnte, selbst aktiv ins Spiel einzugreifen. Zu erwähnen ist sicher auch der fliegende Souvenirverkäufer, der nebst Schlüsselanhängern auch praktische gelbschwarze Gebetsketten im Sortiment führt. Die kann man ja eigentlich immer brauchen.

 

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18 Kommentare zu “Magerkost in Marousi”

  1. dres sagt:

    Superleague halt…

    …da hätten Sie auch zuhause bleiben und den lesen können – da steht alles über den Griechen.

  2. Shearer sagt:

    Ach, mit dem Wein und der Küche es war ja ganz angenehm und ich musste sowieso dorthin.

  3. Bäne II sagt:

    Sehr schön Herr Shearer. Sollte ich irgendwann nochmals die CC gewinnen, werde ich die Gebetskette aus der Schatztruhe wählen.

  4. dres sagt:

    Da haben Sie Recht – der Grieche ist immer eine Reise wert.

  5. zuffi sagt:

    Auch im RL wurde er schon mehrfach abgeschrieben und ist doch immer ein unbestrittener Stammspieler. Was ist denn so schlecht an ihm?

    Er kann nicht so gut verteidigen und das wäre als Verteidiger doch noch so wichtig. Zudem wird er nicht an Benito vorbei kommen und als Backup zuviel Lohn kosten. Und dann hat man dahinter erst noch einen jungen eigenen Spieler, der Einsatzminuten braucht und erst noch billig ist.

  6. Briger sagt:

    Benito hat vor seiner Verletzung ja wahnsinnig überzeugt.

  7. imi sagt:

    Hihi, Herr Briger. Aber noch zum Beitrag: In der Weitsprunggrube wachsen tatsächlich Pflanzen? Donnerwetter, das Stadion scheint mir gut genutzt.

  8. Frau Weber sagt:

    Ja, ja, so eine Gebetskette will ich auch!! Herr Shearer, wir gehen davon aus, dass Sie diese in rauen Mengen importiert haben!

  9. Shearer sagt:

    Ich habe einmal in gelb-schwarz und einmal in rot-weiss. Letztere eignet sich aus farblichen Gründen eher für wüste Vodoo-Rituale.

  10. dres sagt:

    Für Gebetsketten können Sie sich alle selbstverständlich auch an uns wenden. Sie sind allerdings nicht ganz billig, da nicht aus Griechenland importiert.

  11. Max Power sagt:

    Heute: Der FC Biel, Schweizer Fussballmeister 1947

    Es ist ja ziemlich grenzwertig über einen Fussballverein aus einer Stadt zu berichten in der der lokale Randsportverein erfolgreicher ist, oh…

  12. Val der Ama sagt:

    Morgen gibts was zu einem Club aus einer Stadt, die wirklich richtig Fussball ist, Herr Power.

  13. nadisna sagt:

    Schlüsselanhänger und gelbschwarze Gebetsketten

    Das gefällt Frau nadisna

  14. Frau Götti sagt:

    grenzdebiles Maskottchen

    Hihi Herr Schärrer!

  15. imi sagt:

    Morgen gibts was zu einem Club aus einer Stadt, die wirklich richtig Fussball ist, Herr Power.

    Hamburg?

  16. Max Power sagt:

    Hamburg?

    Ich glaubs die sind zu erfolgreich für morgen erscheinen zu können.

  17. bärnfan sagt:

    2 Mal Olympiakos wäre mir auch zu viel gewesen, Bin aber eigentlich immer noch nach der Suche nach Bildern von den rühmlichen Berner Fans in Athen.