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18. Dezember – Herr Rrr

Lars: L am Donnerstag den 18. Dezember 2014


Tief in der untersten Pultschublade, hinter dem schwarzen Afghanen und Spesenabrechnungen der Redaktion aus dem Jahr 2005, haben wir Herrn Rrrs Brief ans Christkind gefunden.

«Liebes Christkindli,

IMG_1997Chefredaktor ist ein Knochenjob. Ständig soll man Entscheide treffen über die publizistische Ausrichtung unseres Premium-Produkts, Sitzungen zur Social-Media-Strategie stehen an, und monatlich muss ein neuer Putzplan für die Redaktionstoilette erstellt werden.

Und trotzdem liebe ich meine Arbeit! Nirgends bringt man es mit Halbwissen so weit (ausser im Fussball). Ich kann meine Meinung zu absonderlichsten Themen absondern. Und wenn ich abends in der Bar erzähle, dass ich Chefredaktor bin, machen Svetlana und Olga grosse Augen und werden ganz durstig.

Sinke ich später erschöpft ins Kissen, wird mir aber bewusst, wie klein und unwichtig doch dieses Blog ist. Meine Qualitäten verdienen mehr als ein Online-Magazin, das sich hauptsächlich mit einem Möchtegern-Spitzenclub in einer mittelgrossen Schweizer Stadt beschäftigt!

Nun habe ich gehört, dass in der GZA bei einer grossen Zeitung eine Führungspersönlichkeit gesucht wird. Das ist meine Chance! Im Haifischbecken Redaktion bewege ich mich wie ein Killerwal, den Umgang mit orientierungslosen und sprunghaften Verwaltungsräten bin ich mir von YB schon gewohnt, und ich kann mir zum Schnauz auch einen digitalaffinen Dreitagebart wachsen lassen.

Liebes Christkind, kannst du nicht rasch bei diesem VR-Präsi vorbeifliegen, und ihm meinen Namen ins Ohr soummen?

Küsschen, dein Herr Rrr.»

 

Unterdessen ist auch schon die Antwort des Christkindes eingetroffen:

«Lieber Herr Rrr,

ich habe den betroffenen Entscheidungsträger am Strand in Pham Podong gefunden und zwischen Massage und Cocktail ein kurzes Zeitfenster erhalten. Er hat sich sehr gefreut, endlich eine erste Bewerbung für den Posten zu erhalten! Auf dem Rückflug durch die GZA klopfte ich noch kurz in der Redaktion des Weltblattes ans Fenster. Ein Schock! Dort herrscht die totale Renitenz. Man wolle keinen rechten Chef, wurde mir beschieden. Dann habe ich noch einige Leute gesehen, die brennendes Büromaterial in Polizeiautos geworfen haben. Schleunigst flog ich nach Hause.

Ich kann nur empfehlen: Wenn dir dein Leben lieb ist, bleib im beschaulichen und sicheren Bern! Auch die Folgen der Rubelschwäche dürften hier weniger ausgeprägt sein und Olga und Svetlana bleiben dir sicher noch etwas erhalten.

Weihnachtliche Grüsse, dein Christkind.»

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22 Kommentare zu “18. Dezember – Herr Rrr”

  1. Admir Smajic sagt:

    Jetzt wird mir auch klar, warum die gesammte Belegschaft am Samstag Abend die Zentrale an der Falkenstrasse geschlossen und schwarz gekleidet kurz vor 22 Uhr verlassen hat. Ich habe schon dort einen brennenden Ordner gesehen, und Flurin Clalüna hatte so eine Sprühdings in der Hand.
    Recht so, wehret den Anfängen!

  2. Rrr sagt:

    Das ist ein ausgezeichneter Artikel, Herr Lars. Auch wenn Sie ein bisschen sehr viele Internas verraten.

  3. Baresi sagt:

    Wenn einer vom RL das Zeug für den Chefposten bei der NZZ hat, dann ist sicher dieser Nick Lüthi. MM

  4. Baresi sagt:

    Kaufe ein sicher, biete ein ist.

  5. Harvest sagt:

    Kaufe ein sicher, biete ein ist.

    Deal. Das sicher genau das, was ich brauche.

  6. Shearer sagt:

    Möchtegern-Spitzenclub in einer mittelgrossen Schweizer Stadt beschäftigt!

    Ich komme nicht draus. Neulich sagte der Chef, dort wo Olga und Svetlana arbeiten, das sei dann aber wirklich ein Spitzenclub. Und dieses Rothrist ist jetzt noch nicht mal wirklich mittelgross.

  7. Lars: L sagt:

    Ja Herr Smajic, aus der Distanz sieht man die Zusammenhänge oft etwas besser.

  8. Alleswisser sagt:

    das ist eine sehr schöner Beitrag, danke.

    Und irgendwie (und das meine ich jetzt ernst) ist es eigentlich nicht nachvollziehbar, warum keine grosse Zeitung / kein grosses Magazin mit Weltformat Herr Rrr als Chefredaktor abgeworben hat.
    Spontan kommen mir hier in den Sinn:
    -PM Magazin
    -Automobil Revue
    -Paris Match
    -Magyar Hírlap

    Nun ja, schön für uns hier, dass diese (überschätzten und überbezahlten) Headhunters offensichtlich pennen.

  9. Habistuta sagt:

    Zum Spitzenartikel von Herrn Lars:L ein Spitzenkommentar von Herrn Shearer.

  10. Rrr sagt:

    Olga und Svetlana

    Ich verwahre mich in aller Form gegen solche Unterstellungen. Diese Damen heissen gar nicht Olga und Svetlana, sondern Ludmilla und Erwin.

    warum keine grosse Zeitung / kein grosses Magazin mit Weltformat Herr Rrr als Chefredaktor abgeworben hat.

    Ich bin einfach zu teuer, Herr Alleswisser. Nur der “Bund” kann sich ein gestandener Profijournalist wie mir leisten!

  11. Khathran sagt:

    Sehr schöne, Herr Lars: L!

    Im Team Schawinski müsste schon seit gefühlten 50 Jahren eine Schlüsselposition neu besetzt werden. MM

  12. Val der Ama sagt:

    Stimmt, Herr Pelocorto, mir ist der Thiel auch verleidet.

  13. Tom Bombadil sagt:

    Stimmt, Herr Pelocorto, mir ist der Thiel auch verleidet.

    Das ist doch dieser Tiefbaubauzeichner, oder?

  14. Rrr sagt:

    Ich habe die Sendung gestern nachvisioniert und fand auch nach sehr langem Nachdenken nicht heraus, welchen der beiden Protagonisten ich doofer finde.

  15. Briger sagt:

    Bei Thiel stehen mir die Haare zu Berge. Gut, ihm selbst auch.

  16. Alleswisser sagt:

    ich bedaure es, dass wir zu diesem hochstehenden Beitrag über Herr Rrr nun plötzlich in die Niederungen von Schawinski und Thiel abgefallen sind.

    Man möge nun doch bitte wieder über Mutter Theresa, Johannes Paul II oder Hope Solo kommentieren. Danke.

  17. Lars: L sagt:

    Im Team Schawinski müsste schon seit gefühlten 50 Jahren eine Schlüsselposition neu besetzt werden.

    Hihi, Herr Khathran!

  18. Wirrkopf Walter sagt:

    Und dass der FIFA-Chefermittler abtritt, weil kein Waterboarding mehr erlaubt ist, interessiert hier wieder niemanden.

  19. Rrr sagt:

    Waterboarding ist nicht mehr erlaubt? Bei der FIFA vielleicht, beim Runden Leder ist das immer noch die beste Ausbildungsmethode für unsere Nachwuchstalente. Herr Briger, kommen Sie mal rasch ins Badzimmer.

  20. Alleswisser sagt:

    die beste Ausbildungsmethode für unsere Nachwuchstalente

    und eine bewährte Motiviationshilfe, damit die alten Säcke “freiwillig” aus dem FC RL zurücktreten.

    uff, ich hab’s gerade noch rechtzeitig geschafft.

  21. Khathran sagt:

    Das ist doch dieser Tiefbaubauzeichner

    Und ich dachte immer, der sei Bahnwärter.

  22. Danish Dynamite sagt:

    Am Beruf des Tiefbauzeichners ist nicht viel zu mäkeln. Allerdings habe ich mich damals für die Lehre zum Hochbauzeichner entschieden. Schien mir vom Namen her bedeutender. Und Recht hatte ich, muss ich doch nicht in solch wirren Talks sitzen.