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125 Jahre Grasshopper-Club Zürich

Herr Pelocorto am Donnerstag den 1. September 2011

Gegen Ende August 1886 fand die Gründungssitzung für den Grasshopper-Club Zürich statt. Der 1. September gilt als offizieller Geburtstag.

Tom Griffith, ein fussballbegeisterter Engländer, der zur Ausbildung in Zürich weilte, war der Initiator der Gründung. Sein Enthusiasmus bewegte Herrn Nabholz, unser erstes Ehrenmitglied, gleich dazu, 20 Franken zu spenden. Damit importierte der junge Club einen ledernen Fussball, blauweisse Trikots und Mützen aus England. Das Abenteuer konnte beginnen! Im Oktober kam es zum ersten Spiel, wo man auf eine zusammengewürfelte Truppe aus Studenten des Polytechnikums traf. Das Spiel endete torlos, mit drei Verletzten und einem lädierten Torpfosten. Eine Zürcher Zeitung rügte darauf

… das sinnlose Unterfangen einem schmutzigen Lederball nachzurennen,
anstatt die Freizeit nutzbringender zu verwenden.

125 Jahre Grasshopper-Club Zürich
(Bildquelle: Zentenar-Jubiläumsschrift 100 Jahre Grasshopper-Club Zürich)

Und meine Geschichte mit den Grasshoppers?

Den Klub seines Herzens sucht man sich nicht aus, es ist der Klub, der einen findet. Die Grasshoppers traten in der Form von Moritz, meinem Spielkameraden im Kindergarten, in mein Leben. Moritz war anders. Wir wohnten oben im Dorf, seine Familie wohnte unten, sein Vater war Pfarrer, seine Mutter trug farbenfrohe Kleider, er hatte zwei oder drei ältere Schwestern und der Schopf, der zu ihrem Wohnhaus gehörte, barg für uns unerhörte Abenteuer. Moritz schenkte mir ein Postkartenset aller GC-Spieler, und da hat für mich alles begonnen.

Etwa drei oder vier Jahre später erhielt ich an Ostern mein erstes GC-Trikot geschenkt. Ich weiss noch, dass ich am Morgen aus meinem Zimmer schlüpfte, ins Wohnzimmer schlich, wo das Geschenk für mich bereit lag, es ehrfürchtig auspackte und mir dann den blauweissen Traum überstreifte. Es gab keinen glücklicheren Jungen! Und Glück muss man teilen. Ich stellte eine Pfanne Milch auf Herdplatte und ging stolz nach draussen. Sicher waren Markus, René oder Patrick auch schon unterwegs, und ich konnte ihnen mein Geschenk vorführen. So war es auch, sie waren nicht wenig neidisch und wollten dies und das wissen. Die Zeit verging wie im Flug. Die Milch! Siedendheiss fur mir der Schreck in die Glieder; die Milch steht auf der Platte und die Platte steht auf der 10! Ich schoss zurück nach Hause. Schon auf der Veranda roch es verbrannt. Mein Vater stand im Pyjama in der Küche, in der Hand eine Pfanne ohne Boden. Damals lernte ich, dass Fussball nicht nur Freude macht.

Später durfte ich mit meinem Vater zum ersten Mal in den Hardturm. Was war ich aufgeregt! Vom Spiel selber habe ich nicht viel mitbekommen, ich weiss noch, dass die Hoppers gegen Xamax spielten, dass wir, natürlich, gewannen, dass viele Tore fielen. An zwei Eindrücke kann ich mich noch erinnern: Der Xamax-Goalie hatte eine Glatze! Ein Sportler mit einer Glatze? Kann so einer wirklich in einer Mannschaft dabei sein? Er kann. Der zweite Eindruck waren die Emotionen im Publikum. Ich bin in einem gutbürgerlichen Zuhause aufgewachsen, wo es anständig zuging. Und jetzt dies: lauthals fluchende Männer, rauchend, trinkend, fäusteschwingend, jubelnd. Eine faszinierende neue Welt!

Ich bin kein Glücksbringer für Cupfinals. 1994 hat mich ein Schaffhauser Kollege lange bearbeitet, dass ich ihn an den Cupfinal begleite. Ich habe dankend abgelehnt, mit der Bemerkung, eine so einseitige Geschichte interessiere mich eigentlich nicht, er solle doch alleine hingehen. GC gewann den Cupfinal 4:0 und ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich nicht dabei war. Das soll mir nicht noch einmal passieren. Ein Jahr später stehen die Hoppers wieder im Final. Gegner ist der FC Sion, ein interessante Affiche; die Walliser, die packen wir sicher. Auf der Holzbank im Wankdorf war ich umgeben von rotweissen Fans. Ich bin als Einziger bei Ramon Vegas Tor aufgesprungen … Wir gingen 4:2 unter. Am 12. April 2004 war ich im St. Jakob-Park wieder dabei, wir treffen im Cupfinal auf den krassen Aussenseiter aus Wil. Sie kennen die Geschichte, Wil geht in der 5. Minute in Führung, Nunez gleicht in der 8. Minute aus, in der 19. Minute führen wir endlich standesgemäss durch ein Tor von Cabanas, dann ein Penalty für Wil in der 30. Minute und 10 Minuten vor Schluss gleich noch ein Penalty für die Ostschweizer. Aus, vorbei. Unfassbar.

GCZ v FCZ 3. März 2004Aber der Schweizer Cup hat 2004 für die Hoppers das wahnsinnigste Spiel überhaupt geboten: Der Halbfinal gegen den FC Zürich am 3. März! Mit einem Fehlstart nach Mass mit zwei Eigentore in den ersten 12 Minuten liegen wir schon deutlich zurück. Mein Bruder, dem ich die Zwischenstände simsen muss, glaubt das erst, als er es im Teletext kontrolliert hat. In der GC-Verteidigung herrscht zwischendurch schiere Panik. Erst nach einer halbe Stunde beginnt sich das Spiel auch etwas in unserem Sinne zu entwickeln und Petric erzielte den Anschlusstreffer. Jetzt kommt eine gute GC-Phase – zu schade, dass wir noch vor der Pause das 1:3 hinnehmen müssen. In der Pause sehen wir strahlende FCZ-Fans, die ihre Kollegen anrufen und wortreich schildern, wie der GC zerlegt wird. Wir sind ziemlich hoffnungslos. Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Eduardo erzielt nach knapp einer Stunde den erneuten Anschlusstreffer zum 2:3. Wir beginnen wieder zu hoffen. Vergebens; denn der FCZ erhöht innerhalb einer Minute auf 2:4 und auf 2:5.

In einer halben Stunde drei oder noch besser vier Tore erzielen – unmöglich! Das Publikum ist am Boden. Ein kleiner Junge, der neben mir und Frau B sitzt, kaut vor lauter Aufregungen auf seinem GC-Schal. Dann die 83. Minute: Spychers Traumpass auf Eduardo, ein Aussenristschuss volley tief ins linke Eck: Nur noch 3:5! So, jetzt aber! In der 89. Minute erzielt Eduardo (wer sonst?) mit dem Kopf das 4:5. Der Hardtum dreht jetzt völlig durch – alles schreit, singt, jubelt; keinen hält es mehr auf den Sitzen. Schiedsrichter Meier lässt 4 Minuten nachspielen. Und, ein Wunder, in der 92. Minute kann Petric einen Abpraller von FCZ-Goalie Taini verwerten: es steht 5:5! Verlängerung!

Und jetzt kommt das zweite Wunder: Nunez, der mit seiner selbstsüchtigen Spielweise während 95 Minuten die GC-Fans an den Rand des Wahnsinns getrieben hat, erzielt mit einem raffinierten Heber das 6:5. Jetzt ist alles ausser Rand und Band; die Leute fallen sich in die Arme, tanzen, schreien, johlen. Der FCZ ist k.o. In der restlichen Verlängerung bieten sich dem GC noch mehrere hochkarätige Chancen, die allesamt nicht verwertet werden. Und endlich endlich endlich der erlösende Abpfiff – in einem an Dramatik nicht mehr zu überbietendem Spiel schlagen die Hoppers den FCZ mit 6:5 Toren.

Danke für alle diese Erinnerungen; danke für alles!
Ich freue mich auf die kommenden Jahre!

Und jetzt dürfen Sie uns gratulieren.

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36 Kommentare zu “125 Jahre Grasshopper-Club Zürich”

  1. HerrK sagt:

    happy birthday Herr Pelocorto

  2. Je sagt:

    Herzliche Gratulation, Herr Pelocorto. Auf dass Sie noch lange weiter so erfolgreich sind viel Freude haben.

  3. Tom Bombadil sagt:

    Auch von meiner Seite herzliche Gratulation, Herr Pelocorto. Ich hoffe sie verübeln mir nicht, dass ich den Text nicht ganz gelesen habe.

  4. Rrr sagt:

    Wunderbar, Herr Pelocorto! Auf dass der GC bald wieder um Titel und Cup mitspielt!

    Es kommt mir vor, als wärs erst gestern gewesen … nur für Sie (Ausgabe vom 13.11.77) (4,6 MB).

  5. Herr Lich sagt:

    GC war mein erster Club. Ich bin ihm bis heute (trotz all dem, was ich als Bub noch nicht wusste) wohlgesonnen. Das Original-Dress mit der Nummer 9 von Claudio Sulser hat bis heute einen Ehrenplatz.

    Am Cupfinal 1994 haben Sie nichts verpasst, Herr Pelocorto. Trotz Sieg ein überaus langweiliges Spiel.

  6. Natischer sagt:

    *gratulier*

  7. nadisna sagt:

    Herzliche Gratulation, Herr Pelocorto. YB – GC ist für mich seit jeher etwas Spezielles, weil nicht nur fussballmässig zusehend, sondern auch randsportmässig aktiv viele tolle Duelle erlebt.

  8. Natischer sagt:

    Ich hab mal einen Göpfinal zwischen dem GC und Schaffhausen live gesehen.
    Wie? Ja natürlich in der Schaffhauser Kurve.

  9. Val der Ama sagt:

    Guten Morgen und herzliche Gratulation.

  10. Sigi Freud sagt:

    seine Mutter trug farbenfrohe Kleider,

    Möchten Sie darüber reden, Herr Pelocorto?

  11. Baresi sagt:

    *sing* Geeee Ceeee Geeee Ceeee, der Jubila-ar vom See

  12. Philippe sagt:

    Grossartige Story. Danke. So ähnlich ging es mir auch. Nur war ich der einzige im Spiegel bei Bern, der mit einem GC-Leibchen rumlief. Die Zukunft der GC sieht sehr, sehr, sehr gut aus.

  13. Tom Bombadil sagt:

    So ähnlich ging es mir auch. Nur war ich der einzige im Spiegel bei Bern, der mit einem GC-Leibchen rumlief

    Warum wohl Herr Philippe? Ah ja genau:

    Ä rächte Gieu so hetme gseit dä müess bi YB sii,
    dä Spruch het hüt no gültigkeit,
    dä isch no nid verbii,
    wenn jung und alt dick zäme hei das isch doch sunneklar,
    de tönts im Wankdorf-Stadion und no i 100 Jahr

  14. Bäne II sagt:

    HääpibörsdeituuyuuHäppibörsdeituuyuuHäppibprsdeiliebeGCZHäppibörsdeituuyuuuuu!

  15. Lars Sohn sagt:

    Morgen allerseits. Herzliche Gratulation auch von der Gioventù Biancoblu!

  16. Herr Lich sagt:

    Sie auch, Herr Lars Sohn?

    Und Herr Philippe: Wir hätten uns zusammentun können. Unterdessen bin ich allerdings fussballpolitisch neutral geworden mit leichten Sympathien für YB, die aus der Neufeldzeit herrühren.

    Die schönsten Erinnerungen habe ich übrigens an die Duelle GC-Servette anfangs der 80iger (insbesondere Cupfinal mit Wiederholungsspiel 1983).

  17. Modefan sagt:

    Gratuliere herzlichst – ein Traditionsverein (wurde mir damals jedenfalls gesagt als ich Randsportmässig dort mal unterzeichnet habe…) der doch immer wieder für Freude sorgt…

    Alles Gute alte Tante Gezeee…

  18. imi sagt:

    Heppi BIERsdei und auf die nächsten 125 Jahre wünsche ich dem GC aus dem Norden…

  19. Lars Sohn sagt:

    Ja, ich auch, Herr Lich. Tessiner Wurzeln, Sie Verstehen.

    Unter meinen GC-Erinnerungen sollte das UEFA-Duell gegen Bastia, Halbfinal 77/78, nicht unerwähnt bleiben. Die Fussballschweiz war an diesem Abend klar auf GC-Seite. Zwei meiner Nachbarn und Klassenkameraden waren grosse GC-Fans und mussten wissen was auf Korsika läuft. Wir befanden uns auf einem der ersten elterlich unbewilligten Ausgängen in einer Beiz nahe dem Lachen-Stadion und haben den Beizer dazu überredet, auf Telefonrundspruch Kanal 2 von 6 zu schalten um bei Rivella und Citro dem Spiel lauschen zu können. Leider hat’s dann nicht gelangt.

  20. imi sagt:

    Ich bin kein Glücksbringer für Cupfinals…1994… GC gewann den Cupfinal 4:0 …

    Bis heute dachte ich auch, dass ich kein Glücksbringer für Cupfinals bin. Ich habe mich getäuscht, ich bin kein Glückbringer für YB für Cupfinals. Denn 1994 war ich ebenso im Wankdorf wie schon einige Jahre davor, als der GC gewann. Mein Vater ist nämlich kein großer Fußballfan und er ging mit mir jeweils nur an den Cupfinal.

  21. Pelocorto sagt:

    Gerne bedanke ich mich bei Ihnen für Ihre herzlichen Gratulationen!

    125 Jahre GCZ

  22. Val der Ama sagt:

    Ah, Herr Pelocorto ist wieder besser drauf, das freut mich. Weil wegen 2:8 und GC allgemein waren Sie ja ziemlich ungeniessbar die letzten paar Tage.

  23. Shearer sagt:

    Herzliche Gratulation, Herr Pelocorto – und bereits jetzt herzlichen Dank für die Party, die Sie heute im Baur au Lac schmeissen!

  24. tifosi sagt:

    Buon compleanno!

  25. lizamazo sagt:

    hach, räusper, sehr schön, happy day, herr pelocorto (habe im gegensatz zu herrn bomblidam alles gelesen)!

  26. Pelocorto sagt:

    Hier in Zürich ist der Teufel los, überbordende Freude wohin man schaut!

  27. Baresi sagt:

    Mist, in dem Fall ist mein Internet kaputt. Oder es handelt sich um einen Raum-Zeit-Wurm-Effekt zwischen Zürich und Basel.

  28. Philippe sagt:

    Herr Bombadil. Sie haben vergessen:

    Häbent nech am Bänkli YYYBEEEE het für euch es Gschänkli. Wir Zürcher lassen uns nicht von Versprechungen einlullen. Drum; GC forever

  29. Natischer sagt:

    Also das Geschenk hat man bei den YB schon immer wieder, Herr Philippe, the Kommentierer formerly known as Herr van Basten.

    So. Ich geh mal feieren. Nicht den GC, aber bon.

  30. xirah sagt:

    Auch von mir noch die besten Wünsche zum Jubiläum, Herr Pelocorto. Haben Sie gesehen, das olle Newsnetz hat sogar extra ein paar Bilder für Sie bereitgestellt.

    Feiern? Zen-za-zionelle Idee!

    Ah nein, doch nicht. Grmbl. Schönen Abend allerseiz.

  31. xirah sagt:

    Oh, und früher konnte mans mit Ovo offenbar doch besser. Wahnsinn.

  32. Svon Hetz sagt:

    Gratulation auch von meiner Seite. Was wäre der Zürcher Fussball ohne GC?!

  33. briger sagt:

    Auch YB gratuliert.

    Ja dann gratulier ich auch mal.

  34. xirah sagt:

    Ach, die YB. Wo sie hinfällt, werden andere Meister.

  35. […] aller Zeiten mit keinem Wort würdigen? Gut, Zürich ist keine Fussballstadt, aber trotzdem…Alle diejenigen, die heute auch etwas vermisst haben, entschädige ich hier mit einem interessanten … AKPC_IDS += […]

  36. Matthias sagt:

    Ein sehr schöner Artikel. Mag mich noch an die Mutter aller Spiele 2004 erinnern. War damals im WK. Unfassbar. Mögen wieder bessere Zeiten kommen…