Schau mich ruhig an

Die Südafrikanerin Zanele Muholi nennt sich selbst «Bildaktivistin». Ihre Porträts vermitteln ihr Lebensgefühl als schwarze Lesbe.

Faniswa, Seapoint, Cape Town, 2016. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Es gab da diese hässliche kleine Episode in einem New Yorker Hotel. Zanele Muholi, Fotografin aus Südafrika, war an einen Kongress eingeladen, die Unterkunft für sie organisiert worden. Als sie an der Réception einchecken wollte, liess man sie jedoch – ohne Dollars, ohne Kreditkarte und vor allem: sehr dunkelhäutig – partout nicht auf ihr Zimmer. Letztlich klappte es doch; aber da war die Wunde schon gerissen. Am nächsten Morgen, erinnert sich Muholi, habe sie ihr erstes Selbstporträt aufgenommen, die Verletzung immer noch in Augen und Herz.

Thembela Dick, Vredehoek, Cape Town, 2012. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Julile I, Parktown, Johannesburg, 2016. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Bester I, Mayotte, 2015. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Bester II, Paris, 2014. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Vile, Gothenburg, Sweden, 2015. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Thulani II, Parktown, 2015. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Bester IV, Mayotte, 2015. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Bester V, Mayotte, 2015. (Bild: © Zanele Muholi. Courtesy Stevenson, Cape Town/Johannesburg & Yancey Richardson, New York)

Seither hat sie die Kamera immer dann auf sich selbst gerichtet, wenn ihre Hautfarbe in ihren Alltag eingriff. «Wenn du 365 Tage im Jahr als Schwarze lebst, erlebst du diesbezüglich genug.» Und dann sind da noch all die Medienberichte über Menschen, denen es genauso geht. Es sei extrem schmerzhaft, sagt Muholi, diese Erfahrungen zu verbildlichen. Das sieht man den Fotos an. Aber oft ist auch etwas Trotziges in Muholis Blick. Als wollte sie sagen: Jetzt erst recht!
Fotografie ist ihre Therapie, das gibt die 45-Jährige offen zu. Mehr noch: Nah am Suizid sei sie gewesen, zu Hause in Durban, wo sie als schwarze Lesbe täglich erlebte, wie man «ihresgleichen» mit Hass – oft auch Gewalt – begegnet. Erst der Entschluss, eine «Bildaktivistin» für Afrikas LGBT-Community zu werden, habe sie gerettet. Ein gefährlicher Weg, sicher. «Aber wir müssen gesehen, die Leute müssen aufgeklärt werden.»

In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in der Schweiz zeigt Zanele Muholi im LUMA Westbau in Zürich eine umfassende Auswahl aus drei verschiedenen Bildserien. Bis 13. Mai.