Fressen und Gefressenwerden

Die Evolution von ihrer schönsten Seite.

Früher umstritten, heute weitgehend akzeptiert: Vögel sind nicht nur saurierähnlich, sondern faktisch lebende Dinosaurier. Nirgends ist dies offensichtlicher als beim Kasuaren (Casuarius casuarius), dem bis zu 1,70 Meter und 60 kg schweren Laufvogel, der vor allem in Neuguinea und Australien vorkommt.

Der New Yorker Fotograf Robert Clark greift in seinem Buch viele Aspekte und Anekdoten rund um die Evolution auf und illustriert sie mit beeindruckenden Bildern, von denen viele im Auftrag des «National Geographic» entstanden sind. Seine Forschung an der Grenze von Wissenschaft und Kunst reicht von Darwin bis zu neusten Erkenntnissen und Funden.

Wieso hat der Homo sapiens überlebt und der Homo erectus nicht? Aus dem gleichen Grund, wieso die Langhalsgiraffe überlebt hat und die kurzhalsige nicht. Diejenige Spezies, die sich am besten an die äusserlichen Bedingungen anpassen kann, wird überleben. So hat sich das über Jahrmillionen abgespielt.

Homo-naledi-Fundstücke aus der Rising-Sun-Höhle in Südafrika. Laut dem Ausgrabungsleiter Lee Berger könnten sich darunter tatsächlich Knochen der frühsten Art unserer Spezies befinden.

Darwins Orchidee: Charles Darwin entdeckte, dass die Blume in Madagaskar nur durch eine Motte mit einem extrem langen Rüssel bestäubt werden konnte. Als er diese Beobachtung 1862 publizierte, wurde er von der Fachwelt ausgelacht. Erst 1903, über zwei Jahrzehnte nach seinem Tod, fanden Sammler genau jene Motte, die Darwin damals beschrieben hatte.

Versteinerung einer Waptia fieldensis aus dem Burgess-Schiefer im Yoho-Nationalpark in Kanada: Die äusserst gut erhaltenen Funde aus dieser Gegend liefern wertvolle Hinweise, um das Leben im Kambrium zu erforschen. Vor 543 Millionen Jahren entstanden innerhalb von 10 bis 20 Millionen Jahren Vertreter fast aller heutigen Tierstämme.

Wieso haben Krokodile so lange Zeit überlebt, ohne sich äusserlich gross zu verändern? Wie andere grosse, aggressive Jäger, zum Beispiel der Weisse Hai, verlassen sich Krokodile auf ihre Grösse, Stärke und ihre scharfen Zähne, um ihre Beute zu überwältigen. Diese Jagdtechnik ist einfach und effektiv, wie ihre Langlebigkeit beweist.

Seltene Versteinerungen: Es gibt Hinweise, dass es Quallen schon seit 700 Millionen Jahren gibt. Das macht sie zu den ersten bekannten Tieren, die Organe besitzen und aktiv schwimmen können.

Das Skelett eines prähistorischen Wals.

Das «Wandelnde Blatt» oder Phylliidae zeigt, wie Form und Farbe durch natürliche Selektion ausgewählt werden und nur die am besten getarnten Lebewesen überleben.

Der Flügel eines Schlangenhalsvogels: Da diejenigen Mutationen selektioniert werden, die zum Überleben einer Spezies führen, überrascht es nicht, dass die Fähigkeit zu fliegen bei verschiedenen Tierarten vorkommt. Vor etwa 228 Millionen Jahren eroberten die Flugsaurier mit einer Flügelspanne von bis zu fünf Metern die Luft, genau wie später fast alle Vögel und Fledermäuse sowie unzählige Insekten.

Der Nacktmull ist zusammen mit dem Damara-Graumull das einzige eusoziale Säugetier der Welt. Das bedeutet, dass sie zusammen in sozialen Gemeinschaften leben, wie man es sonst nur von Insekten wie Ameisen, Termiten oder Bienen kennt. Forscher haben bei Nacktmullen eine weitere Besonderheit entdeckt. Sie haben eine genetische Mutation, die ihnen erlaubt, einen Zucker zu produzieren, der ihre Zellen davon abhält, Tumore zu bilden. Das ist mitunter ein Grund, wieso diese Rattenart bis zu dreissig Jahre alt werden kann, während andere Nagetiere zwischen einem und zehn Jahre alt werden.

9780714871189

Robert Clark ist ein preisgekrönter Fotograf, der seit über 20 Jahren für das «National Geographic» arbeitet.

Das Buch «Evolution: A Visual Record» ist im Phaidon-Verlag erschienen.

1 Kommentar zu «Fressen und Gefressenwerden»

  • Jacober Margrit sagt:

    Ich bin fasziniert von den Super Aufnahmen. Fotografiere selber und bin ob der Vielfalt und Auswahl der Motive und Themen begeistert. Macht weiter so. Danke

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