Fotografieren gehn!

Der Zürcher Basil Stücheli fotografiert seit zehn Jahren für das Buch «Essen gehn!» Restaurants. Aus den 353 Porträts ist nun ein kleiner Bildband entstanden.

Times 2013

Basil Stücheli geht mit den Jahreszeiten. Wenn sich der Sommer im September langsam dem Ende zuneigt, ist auch die Kreativität des Fotografen langsam aufgebraucht. Er hat dann ein anspruchsvolles, ja fast zehrendes Programm ­hinter sich: Innert weniger Wochen fotografierte er 40 bis 45 Restaurants in der ganzen Schweiz. Hat mit seinem Auto unzählige Kilometer gefressen. Dann kommt der Punkt, an dem Basil Stüchelis Kreativität erschöpft ist. Selbst Basil Stüchelis Kreativität ist irgendwann erschöpft!

 

Tizziani 2013

Greulich 2014

Basil Stücheli (41) ist der Hausfotograf des Buchs «Essen gehn!», das in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert. Inzwischen gibt es das schöne kleine Gutschein-Büchlein für Zürich, Bern, Basel und das Engadin. Es funktioniert (zumindest im Grossgedruckten) ganz einfach: 1. Restaurant wählen und Tisch reservieren; 2. Bei der Reservierung erwähnen, dass man mit dem «Essen gehn!»-Buch kommt; 3. Man muss mindestens zu zweit sein; 4. Den kostenlosen Hauptgang geniessen, und alles andere auch. In den vergangenen zehn Jahren hat Basil Stücheli 353 Porträts für «Essen gehn!» fotografiert, 184 Lokale in 31 Büchern. Die Zahlenreihe ist auch gleich der Titel des kleinen Bildbands, der zur Feier des Jubiläums erschienen ist. Ein Taschenbuch, Format A6, nicht ganz so edel wie die anderen «Essen gehn!»-­Bücher, mit Stüchelis Bildern in Schwarzweiss.

 

Enoteca Riviera 2016

Alpenrose 2008

Ganz so einfach wie das Essen mit dem Büchlein – 1, 2, 3, 4 – ist es mit den Bildern nicht, erzählt Basil Stücheli. Und lacht. Das braucht man eigentlich nicht speziell zu erwähnen, denn Basil Stücheli lacht ständig, zum Beispiel gerade eben, als es ihm vom sauren Espresso das Gesicht so richtig zusammengezogen hat. Kommt hinzu: Stücheli ist ein guter Erzähler mit einem Gespür für Pointen. Im Gespräch ebenso wie auf seinen Bildern.
Wir blättern gemeinsam durch das Büchlein, ein Bild nach dem anderen, und lachen ziemlich oft. Denn Stücheli ist nicht am gestylten Porträt eines Beizers, einer Wirtin, einer Küchenbrigade interessiert. Er sucht nach dem etwas anderen Bild, lotet die Grenze zwischen «wow!» und «sauglatt!» aus. Humor, sagt er, sei eine Gratwanderung. Und da es passiert es auch mal, dass dabei einfach «Bananen» entstehen, wie sie Basil Stücheli nennt. Bilder, die er am liebsten tilgen möchte. Oder zumindest möglichst schnell umblättern.
Pro Lokal plant er eineinhalb bis zwei Stunden ein. Er fotografiert zuerst das Lokal, spricht dann mit den Leuten, sucht nach dem Witz oder einer Geschichte. Manchmal kämen die selber mit Vorschlägen – zum Beispiel jenem für das grenzwertigste Bild unter den 353: Da stehen Wirt und Wirtin mit je einem Pulpo auf dem Kopf. Eine Perücke aus Lebensmitteln? Darf man das?

 

Jägerburg 2013

LaSalle 2011

Zum goldenen Fass 2016

Rechberg 2010

Woher nimmst du deine Ideen? Stücheli lacht erst mal, zuckt mit den Schultern und meint: «Man muss dann halt irgendwann mal vom Denken ins Handeln kommen.» Vielleicht die Leute mal aufs Geratewohl ein bisschen rumturnen lassen. Und die Wirte, Beizerinnen und Köche? In neun von zehn Fällen würden sie mitmachen, sagt Stücheli. Manchmal brauche es ein bisschen Überzeugungsarbeit – dann aber lässt sich Luca Messina in der Enoteca Riviera wie ein Faultier an der Pergola hängend fotografieren. Katharina Sinniger und Tine Giacobbo von der Alpenrose tanzen vor der Jukebox, «die nicht lief». Und dann gibt es auch noch die, die selber Stücheli-mässige Ideen haben. Fabian Fuchs vom Equitable etwa lässt sich von seiner Cheffe de Service und Sommelière Julia Besel mit den Gartenschlauch mitten ins Gesicht spritzen. Oder Fabian Spiquel und Miguel Ledesma von der Maison Manesse, die eine grosse Tafel mitten auf den Manesseplatz stellen.
Was hat sich in den zehn Jahren verändert? «Meine unmöglichen Fantasien sind weniger geworden», sagt Stücheli. Er habe einen Sinn für das Mögliche ent­wickelt. Das kleine Büchlein mit seinen Bildern zeigt: Es sind ziemlich lustige ­Sachen möglich.

 

Hermannseck 2016

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Das Jubiläumsbuch mit 353 Bildern von Basil Stücheli gibt es für 12 Franken unter www.essengehn.ch

1 Kommentar zu «Fotografieren gehn!»

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