Keiner mehr da

Die Fotografin Eirini Vourloumis porträtiert ihre Heimatstadt Athen: den surrealen Stillstand in der
Krise Griechenlands.

Korridor, Gewerkschaft der Spediteure.

Lange konnte sich die Yucca-Palme nicht gegen das Nichts behaupten: Entlaubt und ausgezehrt steht sie in der Eingangshalle des Schifffahrtsverbands in Athen. Vor allem hier in der Hauptstadt zeigt sich die wirtschaftliche und politische Krise Griechenlands. Geräumte Ministerien, verwaiste Gerichtssäle, brach liegende Kantinen und Bibliotheken, in denen kein einziges Buch mehr steht, während sogar in den Bestattungsinstituten ein gespensterhafter Stillstand herrscht: Auf ihren Streifzügen durch öffentliche und private Räume hat die griechische Fotografin Eirini Vourloumis ­ Szenen einer Krise eingefangen, die nicht nur die Verödung der gesellschaftlichen Institutionen zeigen. Vourloumis selber sieht in der surrealen Leere allent­halben auch ein Sinnbild für die Identitätskrise ihres Landes: ein Verharren in toten Gehäusen, in denen man vergeblich nach einem Ausblick auf die Zukunft sucht.

Anschlagbrett, Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit.

Büro, Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit.

Statue von Alexandros Panagoulis, Widerstandskämpfer gegen das faschistische Regime.

Archiv des nationales Grundbuchregisters.

Schuhe eines Steuerbeamten, Büro der Steuerbehörde.

Wandmalerei „Verkauft“, ehemaliges Gebäude des Ministeriums für Entwicklungszusammenarbeit.

9783775743402_P01

Eirini Vourloumis: In Waiting. Hatje Cantz, Berlin 2017. Englisch. 100 Seiten, 40 Bilder, etwa 50 Franken.

Die Fotografin Eirini Vourloumis wuchs Athen auf. Ihre Eltern stammen aus Griechenland und Indonesien. Vourloumis ist Absolventin der Parsons School of Design, sowie der Columbia Graduate School of Journalism in New York.

Ihre fotografische Arbeit hat sich von der reinen Reportagefotografie gelöst und Vourloumis kombiniert nun geschickt dokumentarische und konzeptuelle Fotografie. Momentan arbeitet sie mit Fokus auf die andauernde Wirtschaftskrise in Griechenland als freie Fotografin für internationale Medien.

2 Kommentare zu «Keiner mehr da»

  • zweistein sagt:

    Griechenland nach der Plünderung durch Goldman-Sachs. Sehr poetisch. Ha ha !

  • Rolf Raess sagt:

    Es wäre auch interessant die Halunken und Profiteure in Gruechenland, die den Staatsbankrott erst verursachten, zu photographieren… Falls die Photographin das nicht weiss: Es sind die zwei Herrscherfamilien in Griechenland, die sich seit 1945 jeweils abwechseln, gepaart mit der Orthodoxen Kirche, denen 70% des bebaubaren Bodens gehört und die noch nie Steuern zahlten!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.