Unter Rassisten

Der Fotograf Johnny Milano mischt sich unter Neonazis und den Ku-Klux-Klan. Seine Bilderserie «White Pride Worldwide» zeigt eine unheimliche Gegenwelt.

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Mitglieder der Confederate White Knights des KKK bereiten sich in der Nähe von Belcamp (Maryland) auf ein privates Treffen vor.

Ein kleines Mädchen vor einem brennenden Kreuz bei einem gespenstischen Ritual des Ku-Klux-Klans. Oder: Ein Neonazi mit dem auftätowierten Schriftzug «Arbeit macht frei» auf seiner entblössten Brust. Oder auch: Grimmige Männer in einem Wohnzimmer mit Hakenkreuz-Fahne und Hitler-Transparent. Die Fotos von Johnny Milano wirken sehr ästhetisch, aber noch mehr sind sie verstörend und bizarr. Der junge Fotojournalist aus New York bewegt sich seit fünf Jahren in den rechtsextremen Szenen der USA. Das nicht ganz ungefährliche Projekt startete Johnny Milano, weil er verstehen wollte, wie die Organisationen von Neonazis und KKK funktionieren. Zudem interessierte es ihn, wie die Anhänger der angeblichen Überlegenheit der Weissen denken und leben.

Der Schatten einer Swastika legt sich über das Laubwerk eines nahen Waldes, während die Mitglieder auf einem Gelände in Georgia eine Kreuzverbrennung vorbereiten.

Ein Neonazi präsentiert während eines privaten Banketts in Atlanta, Georgia, seine Tätowierungen. Über der Brust steht der Schriftzug «Arbeit macht frei», der über den Eingangstoren der Konzentrationslager Dachau und Auschwitz stand.

Neue Anhänger einer lokalen Klangruppe in Tennessee umarmen sich vor einer Kreuzverbrennung anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstags am 4. Juli.

Vor einer Zusammenkunft in Virginia markiert ein Klanmitglied jene Stellen auf einer Haube, die für eine Kollegin noch angepasst werden müssen.

Angehörige diverser rechtsextremer Gruppen treffen sich für eine White-Unity-Veranstaltung in einem Lokal in Georgia. Klan-Mitglieder und Neonazis kommen üblicherweise nicht gut miteinander aus, doch hin und wieder spannt man aufgrund gemeinsamer Überzeugungen zusammen.

Ein sogenannter Nighthawk (Sicherheitsdienst) steht an einem Klan-Treffen Wache.

Hitler-Flagge in einem privaten Rückzugsort in der Nähe des Lake Tawakoni, Texas.

Eine Hakenkreuz-Armbinde vor dem Aufbügeln auf eine SS-Uniform.

Ein Mitglied der Nordic Order Knights, einer Gruppe, die Verbindungen zum Ku-Klux-Klan hat, probiert am Vorabend einer Zeremonie in Henry County, Virginia, seine klan-typische Kopfbedeckung.

Der National Socialist Movement ist eigenen Angaben zufolge die grösste Gruppe innerhalb der «White Civil Rights»-Bewegung. Mitglied Art Jones spricht während einer Veranstaltung im April 2016 über seine Unterstützung für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

Mitglieder der White Knights of the KKK nehmen in Indiana an einer Zeremonie teil.

Bei einer privaten «Afterparty», die nach einer öffentlichen Versammlung in Texas steigt, entzündet ein Mitglied des National Socialist Movement eine Swastika. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit dem Ku-Klux-Klan.

Johnny Milano lehnt Rassismus und Hass entschieden ab. Trotzdem ist es ihm gelungen, ein gewisses Vertrauen zu den Fotografierten aufzubauen. «Meist sind sie mir gegenüber relativ friedlich», sagte er dem «Spiegel». «Es gibt aber Dinge, die ich nicht zeigen darf.» Der Fotograf ist sich im Klaren, dass er mit seinem Projekt den Rechtsextremen eine Plattform bietet. Für ihn überwiegt allerdings der aufklärerische Wert seiner Fotoarbeit. Johnny Milano zeigt Einblicke in eine Parallelwelt, die seit den Gewaltexzessen von Charlottesville das öffentliche Interesse auf sich gezogen hat. Die Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft wären aber auch zutage getreten, wenn Donald Trump nicht Präsident geworden wäre, meint Johnny Milano. Die Nationalisten und Rassisten seien eine mächtige Minderheit in den USA.

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Nach seinem Studium in Politikwissenschaften (2011) besuchte Johnny Milano am Center of Photography in New York City den Studiengang Fotojournalismus und Dokumentar-Fotografie. Seine Arbeiten erschienen u.a in der New York Times, Wall Street Journal, Stern, Spiegel, Vice und Huffington Post.

25 Kommentare zu «Unter Rassisten»

  • Kocher Rascha sagt:

    Ich bin einfach nur froh, dass im Lande Schweiz die geschätzten 30 bis 40 Prozent wähleranteilmässigen Rechten von den 60% restlich miteingebundenen mehrfarbigen Parteien eingeklammert und so auch getragen werden. Man stelle sich eine anderweitige Mehrheit wie in Ungarn oder Polen vor. Es wäre der Beginn einer in Bälde vollendeten Destruktion des Landes!

  • Max Melchlin sagt:

    Dazu muss man gar nicht in die USA fahren. Es genügt, einen Blick in die hiesige rechtspopulistische Szene zu werfen. Mit allem Herrliberger Drum+dran. Ob Tagi.ch den Mut hat, diesen Kommentar zu veröffentichen?

    • Mark Weber sagt:

      Wieso sollte ihr Kommentar nicht veröffentlicht werden. Es zeigt eine typische Stimme sozusagen aus dem dümmlichen linken Pendant zum SVP-Stammtisch…

      Wenn Sie Politiker, die die rekordhohe Einwanderung in die Schweiz wohlgemerkt nicht abschaffen sondern regeln wollen (wie dies ausserhalb der EU alle Staaten tun – die EU übrigens mit Stacheldrähten an den östlichen Grenzen), dann sind Sie einfach eine Lachnummer, die der Diversität willen zur Sprache kommen soll…

      • Marcel Meier sagt:

        Genau so wie Sie, Herr Weber zwar wissen aber nicht wahrhaben wollen, dass nach den Ausländern Sie auf der Abschussliste dieser Leute stehen.
        Meinen Sie das nach der Ausgrenzung dieser Personengruppen Schluss ist?
        Sicherlich nicht, denn genau wie die Nazis im 2. WK in Deutschland nach den Juden mit der Internierung aufgehört haben werden sie auch heute weiter machen wenn sie an der Macht wären und weitere Gruppen würden eine nach der anderen als Schuldige erkannt und ausgegrenzt.

      • Beat sagt:

        Kann ich davon ausgehen, dass jeder der nicht ihre Meinung vertritt eine Lachnummer ist? Wahrscheinlich schon. Und da liegt der Hund der Rechten begraben. Verhöhnen was nicht ins gleiche Horn bläst.

      • Elmar Scherrer sagt:

        Das Schubladisieren und darauffolgende (meist äusserst negative und pauschale) bewerten von Menschen ist eine äusserst antiliberale Einstellung, und kann durchaus als Vorstufe des Faschismus gewertet werden. Und dies betreibt die Herrliberger SVP-Fraktion unverkennbar. Deshalb gleich alle SVPler und deren Wähler als Nazis abzukanzeln ist natürlich völlig falsch weil unverhältnismässig. Trotzdem lässt sich eine entfernte gedankliche Verwandtschaft durchaus erkennen. Dass (übermässige) Migration abgelehnt wird ist politisch legitim. Dass pauschalisiert und verunglimpft wird, ist nicht legitim. Das passiert auch bei der Linken, dort begrenzt es sich aber vornehmlich auf die Komponenten der JuSo und kommt nicht von der Parteispitze der SP her.

        • Roland Stuber sagt:

          Mark Weber gehört wohl zu denen, die die Tumben KKK und Nazis durchgehen lassen würden um ihre eigen Agenda verwirklicht zu sehen…
          Dass Sie eines Tages in denselben Konzentrationslagern landen wie die „Ausländer“, können und wollen sie nicht begreifen!

  • Kocher Rascha sagt:

    Falls ich die Wissenschaft berücksichtigen darf: Laut Evolution kann nur Vielfalt überleben, weil bloss Diversität generell alles zusammen trägt. Einzelne Exponenten, die sich in Blasen isolieren, müssen so zwangsweise verkümmern, man kennt es von Königshäusern, die infolge Inzucht degenerativ endeten. Diese Fakten sind evident. Und überlebenswichtig. Weshalb aber der Mensch dazu neigt, in der isolierten Ecke stehend, alles niederzumachen, das nicht ihm entspricht, muss mir jemand erklären. Dort, wo zugegeben das Off lauert, sollte man sich doch (!) besinnen können, dass es anderweitig wie womöglich besser [gewesen] wär.

  • Mody Bühler sagt:

    Das Problem sind nicht diese kleine Minderheit an Wirren, die es auch bei uns gibt, sondern die stille Mehrheit, die sich nicht bekleidet und zu den Waffen greift, dennoch aber deren Ideologien unterstützt in dem sie Regime wie in den USA, im 3. Reich usw. wählt..

  • Anatol Beda sagt:

    Aber das sind doch keine Rassisten, werden die Charlotteville-Versteher nun sagen:
    Bild 1: Der nette Herr links macht sich bereit zum Blutspenden
    Bild 2: Lichtschau nach dem Essen im indischen Lieblingsrestaurant
    Bild 3: Das Tattoo ist nur teilweise sichtbar und heisst: Handarbeit macht freilich Spass!
    Bild 4: Ok die sehen aus wie Saruman der Weisse und seine inzestuöse Tochter… aber haben sich ganz lieb!
    Bild 5: Wieder Handarbeit, ein Kostüm für Eisbären wird hergestellt
    Bild 6: Tag der offenen Tür im Schützenverein. Und hey, da hängt ein Smiley!
    Bild 7: Wollte sich nur als Ente Verkleiden, die dem Jäger die Schrotflinte abgenommen hat! Also mehr Vegetarier als Arier…
    Bild 8: Fassadenputzmittel rötet die Haut… darum Ganzkörperkondom…
    etc..

  • Pedro Riengger sagt:

    Immer wieder belustigend, diese Unterschichtsdeppen zu sehen, die nicht realisieren, dass sie als arbeitsscheues Gesindel und Asoziale unter ihrem geliebten Führer ins KZ gewandert wären. Ein Blick in den Spiegel mit weisser Lumpenkutte und Wampe und man müsste erkennen: «Herrenrasse» sieht anders aus :-)

  • Frage? sagt:

    Ich würde den wohl nicht deutschsprechenden Rassisten gerne fragen was, “ Arbeit Nacht Frei“, heissen soll. Steht wohl für seine Intelligenz.

  • Friedrich Poirier sagt:

    Vielen herzlichen Dank für die hervorragende Bildreportage. Sehr eindrücklich und verstörend. Offenbar erreicht unsere aufgeklärte Informationsgesellschaft nicht alle Leute. Eine Reportage über die linksextreme Szene und Parallelen zur rechtsextremen Szene wäre aber auch mal interessant…

    • Elmar Scherrer sagt:

      Die Berührungspunkte kann ich Ihnen nennen: Intoleranz und Respektlosigkeit, Totalitarismus, Gewaltanwendung. Was die Ideologien anbelangt, gibt es gar nicht mehr so viele Berührungspunkte, da rassistische Ideologien vom unbedingten und ewigen Kampf zwischen Menschenrassen (gibt es eigentlich gar nicht!) und der Überlegenheit des biologisch vermeintlich Stärkeren ausgeht, anarchistische Ideologien hingegen v.a. Egalität und die Abschaffung jeglicher Hierarchien anstreben. Von meinem humanistischen Standpunkt betrachtet ist die rassistische Ideologie abgrundtief böse (und beruht auf falschen Annahmen bez. Biologie), die anarchistische Ideologie wiederum völlig utopisch und nicht umsetzbar.

  • Anken sagt:

    Menschen die solchen Gruppierungen angehören, können in die unterste Stufe der Gesellschaft eingeordnet werden und gehören von Ihrer Ideologie her in den gleichen Topf wie Mörder, Massenmörder, Gewaltverbrecher, da Sie ja Menschen Verherrlichen, die dieses Gedankengut gelebt haben.
    Persönlich nehme ich die Rasse resp. das Aussehen eines Menschen gar nicht mehr wahr und urteile über einen Menschen erst nach einem gemeinsamen Gespräch von mindestens 20 min, und anhand seiner Taten für die Allgemeinheit, die soziale Gemeinschaft und den Staat.
    Gute Reportage mit Bildern der Schande einer kaputten und verlorenen Gesellschaft.

    • Mark Weber sagt:

      Na ja, wenn Sie in gewissen Gegenden in den USA als Weisser „rassenblind“ sind, dann haben Sie gute Chancen ausgeraubt und verprügelt zu werden… Statistisch liegt die Chance, dass sie von einem Schwarzen ausgeraubt werden, übrigens noch viel höher.

      Das ist natürlich keine Entschludigung für aggressiven Rassismus. Aber in der heilen Schweiz scheinheilig so zu tun, als ob sie – wenn sie in den USA leben würden, keine Vorurteile gegenüber Schwarzen hätten, ist doch etwas heuchlerisch.

      Übrigens ist es auch hier so, dass Einwanderer aus armen sozialen Schichten (z.B. aus Afrika) nach Statistik um ein Vielfaches krimineller sind als Einheimische.

  • Pascal Meier sagt:

    Wenn man bisweilen die Leserkommentare im Tagi liest, dann hat man das Gefühl hier in der Schweiz würden ziemlich viele Leute sofort mitmachen, wenn es auch hier einen KKK gäbe. Der Hass auf Ausländer ist bei vielen enorm gross und der Schritt zum Hakenkreuz verschwindend klein. Er wird nur durch eine noch funktionierende soziale Kontrolle verhindert. Aber wenn dann ein Trump kommt…

  • Martin Braun sagt:

    Echt erschreckend diese Bilder, verwundern tun die mich nicht mehr. Ich habe schon Dokumentarfilme über diese Rassisten gesehen. Was mich aber irritiert ist die Tatsache, dass diese Leute Hitler so verehren. Sind doch zig-tausende Amerikaner während der Befreiung Europas wegen diesem Verbrecher gefallen.
    Zitat Focus: (20.000 Ex-Sklaven wurden zwischen 1868 und 1871 vom KKK getötet). Dazu kommen noch Tausende Morde bis heute.

    • Benni Aschwanden sagt:

      Diese Typen verehren nicht den echten Hitler. Sie brauchen irgendeine geistige Orientierungsfigur zum Bewundern. Vom Prinzip her nicht viel anders als ein Justin Bieber, ein Elvis oder ein Jesus. Nur muss es verstörend, unkonventionell und von der übrigen Gesellschaft abgelehnt sein. Auch die Zugehörigkeit in diesen Clans für diese Leute mit meist schwacher eigener Persönlichkeit folgt dem Prinzip aller extremer Gruppierungen, sei es Neonazi oder ISIS oder Fanclub. Durch gemeinsame Rituale und Glaubensbekenntnisse werden die schwache eigene Persönlichkeit gestärkt, die individuellen Unzulänglichkeiten überdeckt und ein Lebensziel geschaffen. Je extremer desto besser. Offenbar bietet unser heutiges Leben zu wenig Emotionen im Alltag, so dass solche Gruppierungen zunehmend Anklang finden.

      • Martin Braun sagt:

        @Benni Aschwanden
        Was heisst (echten Hitler) die Rassisten verehren Hitler haben sie Bilder oben nicht gesehen. Sie verehren die Ideologie des 3 Reichs. Es gibt gute Dok- Filme darüber. ( Ku Klux Klan – Eine geheime Geschichte). Apropos, (Offenbar bietet unser heutiges Leben zu wenig Emotionen im Alltag) soll das ein Witz sein, den KKK gibt es seit 1865.

      • Hugo Wichtig sagt:

        Ich glaube nicht, dass es sich durchgängig um Personen mit schwacher eigener Persönlichkeit handelt. Im Gegenteil. Das macht die Sache umso gefährlicher. Und eine (Lebens-) Orientierung an einem wie auch immer gearteten Club kann eine sehr erfüllende Erfahrung sein. Kommt natürlich drauf an, was für ein Club und in welchem Masse…

    • Charles Louis sagt:

      Die USA haben eine lange blutige Geschichte punkto Rassismus – angefangen bei der systematischen Ausrottung der ursprünglichen Bevölkerung, die immerhin zig Millionen zählte und am Schluss noch ein paar Tausend. Es ist auch ein Mythos, dass der Bürgerkrieg „wegen“ der Befreiung der Sklaven im Süden geführt wurde – selbst Lincoln hielt es für undenkbar, dass eines Tages die Weissen und die ehemaligen Sklaven zusammen im gleichen Staat leben könnten (zu sehr fürchtete man sich vor Rache).
      Bis Pearl Harbor wollten die meisten US-Amerikaner nicht in den Krieg ziehen (weder gegen Japan, geschweige denn gegen Deutschland).
      Die Japaner wurden wiederum zu diesem Schritt gedrängt, da sie unter einer Seeblockade und einem Ultimatum der USA litten und ihr ganzes Imperium auf dem Spiel stand.

  • Tom Maier sagt:

    sehr verstörend. Eine gute Reportage.

Kommentar

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