Ein putzig Völkchen

Tamina-Florentine Zuch hat bei deutschen Schrebergärtnern über die Hecke geguckt. Wie ticken die Nachbarn im Norden?

Während einer Poolparty tauchen Männer nach Scherben einer zerschlagenen Flasche.

Idylle ist individuell. Mancher findet sie an einem blau schimmernden, ruhigen Bergsee, manche bei einem süffigen Buch auf dem Sofa liegend. Und einige werden halt auch ganz selig beim Unkrautjäten im eigenen Schrebergärtchen.

Die Gärtnerinnen und Gärtner, die dort zugange sind, wirken auf Aussenstehende wie ein eigenwilliges, kurrliges Völklein: Sie tauschen seltene Tomatensamen. Fachsimpeln über Kaffeesatz als Pflanzendünger. Schauen dem Mohn, den Bohnen und Sonnenblumen mit Hingabe beim Wachsen zu. Wochenlang bauen sie ihre putzigen Häuschen zu Trutzburgen aus – oft mit mehr Liebe, als sie dem heimischen Wohnzimmer je gegönnt haben. Und dann verbringen sie ganze Wochenenden bei Bier, Salat und Würsten, gekleidet in Adiletten und Strohhut, auf dem winzigen Fleck Erde, die sie ihr eigen nennen.

Die Festwiese der Kolonie Dornröschen wird regelmässig für Veranstaltungen genutzt.

Karim Abdul Aziz ist einer der ersten Ausländer, der einen Garten in der Kolonie bekommen hat.

Von schlechtem Wetter lässt man sich hier nicht vertreiben.

Die Schrebergartenbesitzer kennen sich oft schon seit Ewigkeiten, von der berüchtigten Spiessigkeit ist hier nichts zu sehen.

Für ihr Projekt «German Schrebergärten» hat die Fotografin Tamina-Florentine Zuch, geboren 1990, deutsche Schrebergärtner-Idylle mit der Kamera eingefangen. Die Hannoverin, die selber einen grossen Garten um ihr Wohnhaus pflegt, traf ein buntes und – obwohl mit Heckenschere, Harke und Mistgabel bewaffnet – ganz friedfertiges Völklein an.
Und wer jetzt denkt, die abgebildeten Impressionen, die wirkten doch ein wenig allzu deutsch, dem sei tunlichst geraten, mal hierzulande über die Zäune der Streber-, pardon, der Schrebergärtchen zu spähen. Auch bei uns im Schweizerland versteht jeder Idylle auf seine eigene Art und Weise.

Einmal im Jahr steht ein grosses Kolonie- oder Laubenfest an. Für die Alteingesessenen ist es jedes Jahr ein Höhepunkt des Kolonielebens.

In den letzten Jahren fehlte es an Besuchern. Die Zeiten haben sich geändert: Die jungen Leute hätten weniger Interesse an der Gemeinschaft, heisst es.

Während vier Tagen finden Festzüge, traditionelle Spiele und Ordensvergaben statt.

Ein Blick in die Häuschen zeigt, mit wie viel Liebe diese eingerichtet sind.

An einem warmen Abend sitzen Jung und Alt noch lange beisammen.

Während die Männer in einem Garten Karten spielen, kann es durchaus vorkommen, dass sich ihre Frauen zusammentun und im Pool nacktbaden gehen.