Eine Nacht auf der Redaktion der «New York Times»

So entstand 1942 eine Ausgabe der bekanntesten Zeitung der Welt.

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Auf der Redaktion der «New York Times» empfangen diese beiden Telefonisten Nachrichten aus Bern und Honolulu – die anderen Leitungen waren gekappt worden wegen des Kriegs. (10. September 1942)

Im September 1942 besuchte Fotografin Marjory Collins, welche für das Amt für Kriegsinformation arbeitete, die Bürogebäude der «New York Times», welche sich am Times Square und in einem Nebengebäude an der 43. Strasse befanden. Dort dokumentierte sie Schritt für Schritt den Entstehungsprozess einer Zeitung und gibt uns damit einen Einblick in eine längst vergangene Zeit – eine Zeit voller klappernder Schreibmaschinen, klopfender Morsegeräte, Funksprüche aus aller Welt und viel, viel raschelndem Papier.

 

Ein Copy Boy empfängt eine Eilmeldung der Nachrichtenagentur Associated Press . . .

. . . und kopiert diese sofort, um sie den Journalisten im Newsroom zu verteilen.

Bei den Telegrafisten kommen Nachrichten über Western Union oder als Telegramme per Post an von «New York Times»-Korrespondenten in ganz Amerika und in Übersee.

Emsiges Treiben auf der Redaktion: Im rechten Vordergrund telefoniert der Stadtredaktor, zwei Assistenten sitzen ihm gegenüber. Hinten rechts sitzt die Auslandredaktion. Die Wendeltreppe führt hinauf zur Produktion.

Um 22 Uhr ist allgemeine Deadline im Newsroom. Dann werden alle Texte in die Produktion hochgeschickt.

Im Funkraum hört der Operateur die neusten Nachrichten und meldet alles von Interesse in den Newsroom weiter. Die Nachrichten . . .

. . . werden im internationalen Morse-Code auf Papierbändern aufgezeichnet.

Das Korrespondentenbüro der «New York Times»: Die Korrespondenten aus Argentinien (links), der Schweiz (Mitte) und Mexiko (rechts) arbeiten im selben Raum.

Ein Operateur empfängt via Übersee-Kurzwelle die neusten Entwicklungen der Weltlage vom «New York Times»-Korrespondenten in Bern, Schweiz.

Ein Bild aus einer früheren Zeit: Ein Schriftsetzer bereitet die Schriftplatten vor.

In der Fotoabteilung werden Fotos zurechtgeschnitten . . .

. . . und sortiert. Die «New York Times» verkauft ihre Fotos auf der ganzen Welt.

In der Produktion wird ein Foto kontrolliert, bevor es für den Druck auf eine Zinkplatte übertragen wird.

Ein Kartograf studiert Landkarten, welche zu Referenzzwecken aufbewahrt werden.

In der Druckerei werden Zinkplatten nummeriert.

Die gegossenen Zinkplatten werden von überflüssigem Material befreit und in Wasserbädern abgekühlt.

Die Zeitung von morgen: Drei Männer bringen eine Papierrolle in die Druckerei. Jede Rolle wiegt knapp 800 Kilogramm und reicht für etwa 1300 Zeitungen.

Die Druckmaschine läuft.

Ein Drucker kontrolliert die erste Ausgabe der Zeitung auf Fehler.

Und das ist sie: Die Ausgabe der «New York Times» vom 10. September 1942. Frisch ab Presse, geschnitten und gefaltet und bereit für die Auslieferung.

Die gebündelten Zeitungen werden . . .

. . . zu Lastwagen transportiert, welche die Zeitungen ausliefern.

 

 

 

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6 Kommentare zu «Eine Nacht auf der Redaktion der «New York Times»»

  • Rolf Raess sagt:

    Zu den Fotos 7 & 8 – nix Morse-Alphabet, das waren schon Streifen-Telegrafen mit Klartext. Nehmen Sie ein Vergrösserungsglas.

  • René von Euw sagt:

    Bei den sogenannten Zinkplatten handelte es sich um Stereotypieplatten, gegossen aus einer Bleilegierung. Diese stellten die Stereotypeure aus kartonartigen Matern her, die ihrerseits ab Bleisatzformen geprägt wurden. Den Beruf des Stereotypeurs gibt es heute nicht mehr, so wie auch den Beruf des Schriftsetzers und des Buchdruckers.

  • Kaspar Tanner sagt:

    Auch ich möchte mich dem Lob Herrn Augustins anschliessen.
    Faszinierende Fotos! Wie viel z.T. schwere oder anspruchsvolle Handarbeit steckte damals noch in so etwas Geistigem wie einer Zeitung!
    Ich bin erst jetzt auf den „Zoom“ aufmerksam geworden und habe viel Freude an diversen Bildreportagen gehabt.
    Geschichte anhand von Alltagsmenschen und -situationen zu erleben, ist ein spannendes Kontrastprogramm zur traditionellen Geschichtsschreibung.
    Ganz herzlichen Dank für Ihren Einfall und Ihre Arbeit!

  • Leo Stern sagt:

    Trotz aller Handarbeit waren Zeitungen alles andere als langsam. Die NZZ wurde damals noch drei Mal am Tag gedruckt, um aktuell zu sein. Die Post kam zwei Mal am Tag vorbei, ein Brief am Morgen früh aufgegeben konnte schon am Nachmittag beim Empfänger sein.

    Die Rotationsdruckformen wurden übrigens aus einer Bleilegierung gegossen. Da ging wohl etwas Lost in Translation. Journalisten und Redaktoren, die das noch erlebten sind wohl alle bereits in Pension.

  • MaPa sagt:

    mehr solche Reportagen, danke!

  • Albert Augustin sagt:

    Vielen Dank für diese ausgezeichnet gemachte „Reportage“ über die Herstellung einer Ausgabe der NYT 1942, super Fotos !!! Genialer Einfall der Tagi-Redaktion, Bravo !

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