Halbes Herz, ganzes Leben

Lea wurde mit einem schweren Herzfehler geboren. Ihr Vater Christian Wyss hat ihr Leben vom ersten Tag an dokumentiert.

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4. Mai 1999: Dank Medikamenten kann Lea kurzfristig auf die Säuglingsstation.

Wenige Stunden nachdem seine erste Tochter zur Welt gekommen war, stand Christian Wyss auf einem Balkon des Zürcher Unispitals. Und weinte leise. Alles war doch so normal verlaufen während der Schwangerschaft, der Kaiserschnitt ohne Komplikationen über die Bühne gegangen, und dann – war plötzlich nichts mehr so wie zuvor.

Mai 1999: Notoperation. Mit dem Einsetzen eines künstlichen Gefässstücks aus Gorotex zwischen der rechten Armschlagader und der Lungenarterie wird wieder Blut in die Lunge geleitet und der Sauerstoffgehalt im Blut erhöht.

5. Mai 1999: Mutter und Kind nach der Operation auf der Intensivstation im Kinderspital.

Ein ganz schwerer Herzfehler, das waren die exakten Worte des Arztes gewesen. Ein Blitz aus hellheiterem Himmel. In den folgenden Tagen, Wochen, Monaten leben Wyss und seine Frau mit der Ungewissheit, ob es überhaupt gemeinsame Tage, Wochen, Monate mit Lea geben wird. Wyss, von Beruf Journalist und Fotograf, richtet seine Kamera trotzdem auf alles. Oder gerade deswegen. Darauf, wie an dem kleinen Körper unzählige Kabel und Schläuche angebracht werden. Wie sich Chirurgen darüber beugen. Wie man dann doch Geburtstag feiert; den ersten, den zweiten, den dritten, wie bei jedem anderen Kind auch.

24. Dezember 2000: Weihnachten zu Hause.

Juli 2002: Badeferien auf Zypern.

14. Juni 2001: Haupteingang Unispital 6.00 in der Früh. 1 Stunde später Herzoperation am offenen Herzen.

21. Juni 2001: Sobald Lea transportfähig ist, wird sie vom Unispital ins Kinderspital auf die Intensivstation gebracht. Lea wacht langsam aus dem künstlichen Koma auf.

28. Juni 2001: Erstes Lachen nach der rund achtstündigen Herz-OP.

29. April 2002: Lea wird drei Jahre alt.

4. Oktober 2003: Kurz vor einer weiteren schweren Operation.

21. Oktober 2003: Lea wird erneut im Unispital operiert.

15. September 2003: Herzkatheter-Untersuchung im Kinderspital. Eingriff unter Vollnarkose.

21. Oktober 2003: Im Operationssaal wird mit dem zweiten Teil der Fontan-Operation begonnen. Mit diesem Eingriff wird das Blut der unteren Hohlvene über eine Kunststoffprothese durch den rechten Vorhof zur Pulmonalarterie geleitet.

September 2003: Leas Stuhl war lange Zeit leer, nun ist er wieder besetzt. Sie ist sichtlich stolz, wieder zu all den anderen Kindern zu gehören.

3. November 2003: Beim Produzieren von Seifenblasen muss Lea gezielt ein- und ausatmen. Dadurch wird ihre Lunge ausgedehnt und belüftet.

27. Oktober 2003: Zurück im Kinderspital auf der Intensivstation. Durch Klopfmassagen und Vibrationen soll die Lunge von Sekreten befreit werden.

22. Oktober 2003: Lea auf der Intensivstation im Unispital.

Bloss, dass dieses Kind unzählige EEGs, EKGs und Operationen über sich ergehen lassen muss. Immer wieder erfolgreich um sein Leben kämpft. Und dann, in ruhigen Momenten, Fragen nach dem Tod stellt, auf die man selbst keine Antwort weiss.
Dieses Jahr wird Lea 18 Jahre alt. Sie gehört damit zu den älteren Kindern, die heute mit einem halben Herzen leben.

Vom 4. bis 20. Februar sind die Fotografien von Christian Wyss im Zürcher Technopark zu sehen. Sa, 4. Februar, 14-17.30 Uhr: Educational Day für Personen mit angeborenem Herzfehler und Angehörige. Info: www.herznetz.ch

1 Kommentar zu «Halbes Herz, ganzes Leben»

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