Das kaputte Paradies

Die Eltern des Fotografen Thomas Egli verbrachten 1985 ihre Flitterwochen auf Gili Trawangan. Heute, 30 Jahre später, ist die einst unberührte indonesische Laguneninsel ein brodelnder Touristenort.

 

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In den Neunzigern erstellten Einheimische erstmals Homestays auf Gili Trawangan. In diesen konnten die wenigen Touristen übernachten und sich verpflegen. Die knapp 3,5 Quadratkilometer grosse Insel wurde dank ihrer Abgeschiedenheit unter Aussteigern und Hippies bekannt und ab dem Jahr 2000 von der Tauchindustrie entdeckt. Die Zahl der Touristen stieg wegen der direkten Schnellbootverbindung von Bali ab 2009 bis 2015 von 39’000 auf 660’000 pro Jahr.

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Alle Materialien und Lebensmittel werden via Boot vom Festland aus angeliefert, der Abfall in der Mitte der Insel verbrannt. Seit 2011 gibt es Frischwasserleitungen auf der Insel. Die Klärgruben sind jedoch überfordert. Das überlaufende Abwasser fliesst ungefiltert ins Meer.

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Die Insel war bekannt für ihre atemberaubende Unterwasserwelt. Durch den El Niño, das Dynamitfischen, rücksichtslose Touristen und die Wasserverschmutzung sind jedoch viele Korallen abgestorben.

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Fast alle Bewohner der Insel sind Muslime. Fünfmal täglich hört man die Rufe des Muezzins. Trotz strengen religiösen Vorschriften haben viele einheimische junge Männer Affären oder Beziehungen mit westlichen Frauen.

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Auf der Insel gibt es kaum Polizisten. Das Drogengeschäft floriert, obschon der Besitz und der Verkauf von Drogen mit drakonischen Strafen geahndet wird. Während Touristen Marihuana, XTC und Magic Mushrooms konsumieren, ist unter den einheimischen Männern Crystal Meth weit verbreitet.

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Wenn Sie mehr über Paradise Island erfahren möchten, besuchen Sie www.paradiseisland.ch

 

 

 

Portra¦êt

Thomas Egli hat Camera Arts an der Hochschule Luzern Design & Kunst studiert. Seit
dem 1. Juli macht er ein Praktikum im Fotografenteam des «Tages-Anzeigers». «Paradise Island» ist der Titel seiner Bachelorarbeit.

31 Kommentare zu «Das kaputte Paradies»

  • Michael Berg sagt:

    Ich war 1995 auf GA und es war schon damals der Anfang vom Ende („Drecksloch). Die Korallenriffe am verenden, wegen dem Schmutz und dem drauf rum laufen. Die Riffe wurden z.T. wie ein Steinbruch genutzt und damit Aussenduschen in den Cottages gebaut (statt Plättli). Backpacker mögen nicht nachdenken. Wo z.B. auf so einer kleinen Insel kommt mein Wasser her. Wo geht es nach der Kohspülung hin etc. Eben. Man sollte sich wie in „The Beach“ verhalten. Endecken und geheim halten – nur dann ist nachhaltiger Schutz möglich.

  • Sevi sagt:

    Gratuliere, Tom!!

  • Gerd Fehlbaum sagt:

    Mein erster Eindruck zu diesem Artikel: Wau, der Tagi versucht sich in neuem Layout, BRAVO! Kann man ästhetisch und informativ sein? Ja, scheint möglich. Es bewegt sich also doch etwas in der Welt der Journalisten… Abgesehen davon, dass der Artikel gut auf den Punkt kommt. Ich kenne viele extrem romantische Orte in Indonesien und weiss, dass die gezeigte Optik nur punktuell stimmt. Nicht weit von Bali ist eine traumhafte, bergige Insel mit einer zuckersüssen Hauptstadt, da gibt es nicht ein einziges Hotel, weil die Traveler dort nicht hin „finden“, weil die Insel nirgends in der Reiseliteratur erwähnt wird. Keine Drogen, würde ich vermuten… Indonesien ist nicht am „untergehen“ wegen dem (grossenteils australischen) Tourismus, nur an einigen Brennpunkten gibt es „Stau“ junger Backpacker, die sich strikt an Lonely Planet halten, weil sie unfähig sind, Karten zu studieren.
    Umso erstaunter war ich ob der Kommentare. Etwas Mut beim Layout, schon gerät hier Mancher in Schnappatmung und muss sich beschweren… Mehr davon bitte, sage ich, dass sich etwas regt im bereits festgefahrenen Online-journalismus!

  • Traveller sagt:

    GT ist, gelinde gesagt, ein Drecksloch. Dann lieber Gili Air, oder am besten gleich weiter nach Sumbawa Besar oder Flores. Oder noch besser, nach Italien oder Spanien – schönere, saubere Strände ohne den Stress eines Interkontinentalflugs ;).

    Trotzdem ein gelungenes Projekt. Die Fotos sind interessant anzusehen, auch wenn mir nicht ganz klar ist, wie dies den Anforderungen einer BA Arbeit genüge tut.

  • kalunda sagt:

    ähm. ich war 2011 auf Gili Trawangan und Gili Air. Klar, es sind 4 Jahre vergangen seither, aber bei uns war es sehr ruhig und gediegen. Und das im August in der Hochsaison.

  • Marc Somer sagt:

    Akzeptable Bilder und etwas weniger die Lösung der Komentare.
    Zum eigentlichen Problem: Es ist das Problem des Menschen. Alles was schön ist will er besitzen und zerstört im selben Augenblick das Schöne und Einzigartige. Darum, denke ich, wurde gemäss christlicher Religion der Mensch auch aus dem Paradis verwiesen, um zu sich selber zurück zu finden. In der Zwischenzeit hat er sogar das Suchen nach seinem Verstand aufgegeben; sich selbst verliert er von Tag zu Tag mehr und mehr, bis nur noch das bleibt was er ist; Staub aus dem Universum. Erst dann kann sich dieser Planet regenieren können; vielleicht zu einem Paradis.

  • Hansi Lebrecht sagt:

    die entwicklung der menschheit hat schon lange eine traurige richtung eingenommen. von daher finde ich diesen bericht hier (bzw. die batchelorarbeit – und vorallem auch die website paradiseisland.ch) super. ich hoffe dass möglichst viele menschen damit in kontakt kommen und sich mal ein paar gedanken machen. ich sehe, trotz meiner grundlegend positiven einstellung, leider ziemlich schwarz für die menschheit. nun denn, alles ist vergänglich, oder? ;-)
    There is more stupidity than hydrogen in the universe, and it has a longer shelf life. (Frank Zappa)

  • Mike sagt:

    War im januar 2015 dort. Trotz der vielen Touristen ein schöner Ort eigentlich. Die „einheimische“ Bevölkerung besteht fast ausschliesslich aus Männern und von denen sind praktisch alle schwer Crack und Meth abhängig. Hab mich anfangs gefragt, weshalb die Locals alle (Barkeeper, Hotelangestellte, Kutschenfaherer usw.) so komisch drauf sind. Wenn man mit ihnen ins gespräch kommt, erlkären sie ungeniert von ihren Drogenproblemen. Bei denen geht das ganze Einkommen für Drogen drauf. Leider leider auch der Service darunter.

  • Amy sagt:

    Hi Tom. Would you mind if I printed out the photo of grandad to give to him? :-)

  • Matthias Dörig sagt:

    Unterdessen habe ich etwas in dem Buch gelesen, für eine Bachelorarbeit finde ich das ziemlich niveaulos, das beginnt schon auf der ersten Seite damit, dass der Autor „charmed“ von „fucked up people“ ist. Könnte es etwa sein, dass dies für ihn selber zutrifft?
    Da wird eine Insel mit seinen liebenswerten Einwohnern schlechtgeredet, notabene von jemandem, der oft dort hingeht, und damit genau zu dem Zustand beiträgt, den er kritisiert.

    Es ist nun mal so, dass sich die Zeiten ändern. Vielleicht erwarten chinesische Touristen in Davos auch, dass es so aussieht wie im Heidi-Film. Tut es aber nicht.

  • Manuel Rohrbach sagt:

    Ich war Ende Juli 2015 mit Freunden dort für 4 Tage.

    Ich bin noch überrascht, wie negativ dieser Bericht vorkommt. Ohne Drogen, ohne Touristen? Schlimmste Ort auf Erden? Insel voller Idioten?

    Mir gefiel die Insel sehr, hatte viel anzubieten und nein wir kamen nicht wegen Drogen dorthin. Die freundlichen Einheimischen und Tauchlehrer waren auch keine Idioten.

    Klar, Massentourismus und Profitsucht haben seinen Preis. Das ist leider normal, Gili Trawangan ist nicht der einzige…die Mobilität ist heute ganz anders als vor 20 Jahren. Aber mehr Nachhaltigkeitspolitik würde definitiv nicht schaden.

  • war 1990 dort. es hatte nur bambus-hütten auf stelzen und jeden abend wurden öllampen als abendbeleuchtung auf die veranda gestellt. 1 kleine ‚bar‘ war vorhanden, das genügte für die allabendlichen 2 biere. ansonsten nur stille und ruhe und schöne fische beim tauchen.
    wie ich sehe, muss ich da nicht wieder hin, alles kaputt und überfüllt.

  • Jeff sagt:

    Also so grosse Unterschiede gibt es nicht, und was da in diesem Blog ist total übertrieben . Man kann überall schlechtes oder komisches finden, wann man das nur sucht. Gili ist immer noch sehr gemütlich und ich werde zum 5. Mal wieder in September ein paar Tage dort verbringen .

  • Rainer B. sagt:

    Hübsch Herr Fisch!
    Hast es weit gebracht!

  • Thomas Egli Naja sagt:

    Das Thema als solches ist ja höchst aktuell und eigentlich auch dringend. Findet sich derzeit aber kaum auf einer politischen Agenda.

    Das vorliegende Produkt soll eine Bachelorarbeit sein? Weder ist der künstlerische und journalistische Wert gegeben, noch handelt es sich hierbei um ein Ergebnis, welches einen akademischen Titel rechtfertigt.

    Leider nein…

    • Thomas Egli sagt:

      hoi

      Diese Bilder sind ein Ausschnitt aus meiner Bachelorarbeit.
      Um mehr zu erfahren besuche http://www.paradiseisland.ch (mit tourist guide) oder
      http://www.facebook.com/gilitrawanganparadise (mit Bildern der Ausstellung)

      Grüsse
      Thomas Egli

      • adam gretener sagt:

        Hallo Thomas, ich weiss leider wie schwer es ist, eine Diplomarbeit abzugeben. Gibt man eine kongruente Bildserie ab, wirkt alles austauschbar und langweilig, sieht man keinen Faden, mosern die Leute rum.

        Darf ich fragen mit was für einer Kamera Du unterwegs warst?

    • Thomas Egli Sehr wohl! sagt:

      Ein wenig unverschämt solch ein negatives Urteil abzugeben wenn man nicht die ganze Arbeit noch Herrn Egli und seine Beschäftigung mit dem Thema kennt. Wenn schon Urteilen dann bitte aus der Ich Perspektive. Schliesslich ist dies ihre kleine, unwichtige Meinung. Zudem sehen Bachelorarbeiten im Design&Kunst Zusammenhang etwas anders aus.

  • Matthias Dörig sagt:

    Daran sind die Eltern von Thomas Egli schuld!! Sie haben der Insel die Jungfräulichkeit genommen, bei Frauen lässt sich das chirurgisch korrigieren, bei Inseln nicht. Sie haben überall über dieses Paradies erzählt und so den Ansturm ausgelöst! Hätten sie doch besser ihre Flitterwochen auf Mallorca verbracht.

    Das war jetzt leicht zynisch geschrieben, ist aber Teil der Wirklichkeit. Viele Touristen wollen ihre Ferien auf einer jungfräulichen Insel verbringen und allen anderen das Recht nehmen, die gleiche Insel zu besuchen. Leider gibt es weniger Inseln als Menschen…

  • Dingeldein Willy sagt:

    Nachdem der „Weisse Mann“ es mit seiner Überheblichkeit im Laufe der letzten Jahrzehnte fertig gebracht hat Paradiese wie das hier geschilderte, zu zerstören, geht er dazu über dies zu beklagen. Was bringt das diesen „Paradiesen“? Nichts, es wird nur immer noch schlimmer. Früher waren es die Atombombenversuche in der Südsee, heute sind es die „Touris“ aus den reichen Ländern, welche alles zerstören.. Nach uns die Sintflut sagte schon Mme Pompadour, auch eine „Weisse“.

  • Putzig Egon sagt:

    Wirbelsturm El Niño? El Niño ist vieles, aber kein Wirbelsturm.

  • Anja Zwicky sagt:

    Hoi Tom! Isch echt cool worde dini Bachelorarbeit! Und JA Gili T. het sich veränderet! Ich bin im 2007 serscht mal det xi, denn im 2009 während 7 Mönet, und vo 2012 bis 2015 durchgehend… Entwicklig und technische Fortschritt het immer au e Kehrsiite vo de Müntze – „Leute die herkommen und bleiben sind nicht ganz dicht“, stimmi nöd ganz zue! Es git au söttig die echt was uf de Insle zum positive am bewegä sind, als eis Bispil dDelphine! Und ja, bin au verschrocke woni heicho bin, und Gebäude wie de PrimeTower und Europaalee und und und plötzli in Züri gstande sind! Vor Entwicklig chasch nöd halt mache – entwicklä chasch nur Fotene – oder wie isch das namal mit Entwicklig xi?

  • adam gretener sagt:

    Das Strandfoto mit dem Feuerwerkt hat ein einmaliges Licht.

  • nochmals sorry, ich dachte, einige Fotos sind von früher… einen Unterschied zu sehen ist dann natürlich schwer… trotzdem…

  • sorry, sehe keinen Unterschied und wenn man als Fotograf mit Sprechblasen die Fotos betiteln muss, dann stimmt die Bildsprache wohl nicht. Durchgefallen, sorry!

  • Christian Duerig sagt:

    Alles verändert sich. Wir müssen uns damit abfinden. Sogar die Schweiz ist heute verschissen. Das Geld sackt jeder von den Touristen ein; aber seine Spuren werden nicht beseitigt. Wann gibt es den Saubermann-Roboter für Toiletten. Die SBB könnte zum Vorreiter werden. Bilder an die Wände kleben reinigt keine einzige Toilette.

  • Michael Wille sagt:

    Schade, wie sich Gilli verändert hat. Ich war vor rund 20 Jahren da, und erkenne gar nichts wieder. Lombok wird wohl ebenfalls völlig anders aussehen und völlig überlaufen sein. Sanfter Tourismus, das ist halt eben ein Modewort.

    • Marcel sagt:

      Lombok ist zum Glück noch alles andere als überlaufen und du findest dort noch viele unberührte Orte, wo Tourismus kaum eine Rolle spielt. Besonders im Osten und Südwesten der Insel. ;)

      • Roger sagt:

        Psst. Nicht weiter sagen. Oder wollt ihr Lombok unbedingt auch aus dem Paradies vertreiben?

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