Das Urlaubs-Mekka

Weil laut Koran das Paradies in der österreichischen Idylle zu finden ist, pilgern immer mehr arabische Touristen nach Zell am See. Die Fotografin Marieke van der Velden war vor Ort.

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«Paradiesisch» bedeutet in der Tourismusbranche, wenn nicht gar das Gegenteil, meist so gut wie gar nichts. Nicht so im Falle von Zell am See, denn Zell am See ist tatsächlich das Paradies – zumindest wird dies im Koran so beschrieben: nämlich als ein von schneebedeckten Bergspitzen umgebener See. Und seit sich das österreichische Bergsee-Städtchen in der Golfregion so verheissungsvoll anpreist, pilgern vermehrt meist wohlhabende Muslime in die idyllische Region – rund 70’000 sind es mittlerweile pro Jahr, gut 10 Prozent aller ausländischen Touristen.

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Laut der Journalistin Saskia Adriaens, die Van der Velden begleitete, sei Zell am See für viele Muslime in den Golfstaaten ein absolutes Must-go oder wie Hatam, der Rechtsanwalt aus Oman, es ausdrückt: «Was New York für euch Westler ist, ist Zell am See für uns Araber.»

Photo series: 'Das Paradies'. Arabic tourism in Zell am See, Austria. More information: http://www.mariekevandervelden.com/#/das-paradies/ Marieke van der Velden, Reinier Claeszenstraat 4 -2hoog, 1056 WJ Amsterdam (The Netherlands). Mobile: 0031 6 255 141 97 info@mariekevandervelden.com Photo series: 'Das Paradies'. Arabic tourism in Zell am See, Austria. More information: http://www.mariekevandervelden.com/#/das-paradies/ Marieke van der Velden, Reinier Claeszenstraat 4 -2hoog, 1056 WJ Amsterdam (The Netherlands). Mobile: 0031 6 255 141 97 info@mariekevandervelden.com MARIEKEVANDERVELDEN1 MARIEKEVANDERVELDEN20

Die neuen arabischen Touristen bringen der Region viel Geld und sind, nicht nur, aber auch deswegen, sehr beliebt bei Hoteliers und Wirten. Letztere bieten neben Schweins- neuerdings Truthahn-Schnitzel an und die Speisen werden auch auf Arabisch angeschrieben.

Doch nicht allen passe das, wie eine Kellnerin hinter vorgehaltener Hand zugibt. Es gebe Stammgäste, die Mühe haben mit den Besuchern aus der Golfregion, die sich stören an verschleierten Frauen, sich nicht mehr wohlfühlen und ihre Ferien nun anderswo verbringen.

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Auch komme es hin und wieder zu Missverständnissen, weil gewisse Gäste nicht wissen, dass man im Supermakt nicht feilschen kann oder Kinder angegurtet werden müssen. Diesen Problemen wollte man 2014 mit der Broschüre «Where cultures meet», die den Touristen österreichische Gepflogenheiten hätte näherbringen sollen, begegnen. Doch aufgrund negativer Presse wurde diese Kampagne bereits nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

MARIEKEVANDERVELDEN11 MARIEKEVANDERVELDEN5 Photo series: 'Das Paradies'. Arabic tourism in Zell am See, Austria. More information: http://www.mariekevandervelden.com/#/das-paradies/ Marieke van der Velden, Reinier Claeszenstraat 4 -2hoog, 1056 WJ Amsterdam (The Netherlands). Mobile: 0031 6 255 141 97 info@mariekevandervelden.com

Dass solche Knigges nicht viel bringen, findet auch Christian, der Barman des Sky-Restaurants: «Wenn beide Seiten aufeinander zugehen, Respekt zeigen und Rücksicht nehmen, dann klappt das prima». Er jedenfalls möge die Gäste aus den Golfstaaten sehr. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich niemand sonst so herzhaft über Schnee und Regen freuen könne wie sie!

Photo series: 'Das Paradies'. Arabic tourism in Zell am See, Austria. More information: http://www.mariekevandervelden.com/#/das-paradies/ Marieke van der Velden, Reinier Claeszenstraat 4 -2hoog, 1056 WJ Amsterdam (The Netherlands). Mobile: 0031 6 255 141 97 info@mariekevandervelden.com MARIEKEVANDERVELDEN12 MARIEKEVANDERVELDEN18

7 Kommentare zu «Das Urlaubs-Mekka»

  • Taki sagt:

    Es wird im Grunde lokal etwas diskutiert, was auf der ganzen Welt gleich ist; das Akzeptieren eigentlich störender fremdartiger kultureller Verhaltensweisen vorm Hintergrund wirtschaftl. Vorteile. THAT’S IT! Nur: kulturelle Toleranz ist zu trennen von regionaler Gesetzgebung und Verboten. Was per Norm keine Option sein darf, hat auch keiner Toleranz zu unterliegen. Alles andere jedoch wohl, denn wie schon zuvor geschrieben, sitzen auch wir westl. Europäer im Urlaub selber in Glashäusern. Die fremdartige arabische Kultur ist halt einfach nur gegenwärtig, aber tut sie denn jemanden etwas? Was hat der für uns fremdartig erscheinende Araber in seinem Urlaub damit zu tun, dass wir sein Erscheinen so deuten, wie wir uns dazu entschließen? Ich nehme es als ein kulturelles Erlebnis!

  • adam gretener sagt:

    Abril, denken Sie nicht, dass dieser Fotoblog das komplett falsche Gefäss für irgendwelche politischen und religiösen Diskussionen ist?

  • Abril sagt:

    Werden hier nur unkritische islamfreundliche Kommentare publiziert? Wo ist mein Kommentar?

    • Boris Müller sagt:

      wenn sie ihre kritik sachlich und anständig formulieren, dann steht einer freischaltung grundsätzlich nichts im wege.

  • jan sagt:

    Ich war gerade gerade in der Gegend im Urlaub. Habe mich zuerst ein wenig gewundert, muss aber sagen, dass diese Leute sehr angenehme Gäste sind. Keineswegs so verschlossen, wie man annehmen könnte, die meisten haben immer sehr nett gegrüsst und mit einigen haben wir sogar geplaudert. Wir können uns mit diesen gut zahlenden und eher zurückhaltenden Touristen sehr glücklich schätzen. Ich weiss nicht, was hier los wäre wenn eine andere Kultur so über unsere Region herfallen würde wie zum Beispiel wir Europäer in Thailand.

    • Birgit Bauhaus sagt:

      Wie Recht Sie haben!
      Ich habe mich im ferneren Ausland auch schon öfter „fremdgeschämt“ über europäische Trampel-Touristen und mir am liebsten ein Schild umgehängt : kenne ich nicht – habe ich nichts mit zu tun!
      😉😊

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Schöne Fotos. Man begegnet sich in der schönen Natur mit gegenseitigem Respekt und genießt die Umgebung und das gute Klima.

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