Im Wohnzimmer

Mit diesem Bildband zeigt uns die Fotografin Jana Sophia Nolle eine Einsicht in den sozialpolitischen Zwiespalt zwischen sorglosem Leben und einem Leben in Sorge.

«Living Room» ist eine konzeptuelle fotografische Arbeit temporärer Obdachlosenbehausungen, welche die Künstlerin in verschiedenen Wohnungen wohlhabender Personen in San Francisco nachgebaut hat.

Nolle war über die enorme Obdachlosenzahl in der Metropole schockiert, als sie nach San Francisco kam. Die Kluft zwischen Arm und Reich lag direkt vor ihren Augen. Unzählige teure Townhäuser und Villen standen neben improvisierten Hütten aus Planen und Kisten.

Trotz der bedrückenden Zustände war die gebürtige Kasselerin fasziniert von den Konstruktionen, mit denen die Obdachlosen versuchten, sich und ihre Sachen zu schützen, die viel über ihre Besitzer erzählen. Manche waren kompliziert oder zerbrechlich und andere wiederum glichen nomadischen Fahrzeugen.

 

Nolle war es ein Anliegen, beide Seiten San Franciscos künstlerisch zusammenbringen. Sie fragte die Obdachlosen an, ob sie ihre Hütten in den Wohnzimmern reicher Leute nachbauen dürfe – was sie durfte. Schwieriger hingegen zeigte sich die andere Seite. Die Türen öffneten sich nur bei den Menschen, die ihr Vermögen schon vor dreissig Jahren gemacht haben. Die Zuhause der neureichen «Techies», wie die Mitarbeiter von Google, Facebook oder Amazon aus dem Silicon Valley genannt werden, blieben für das Projekt verschlossen.

 

Jana-Sophia-Nolle

Jana Sophie Noll: «Living Room»
Kerber Verlag, Juli 2020
64 Seiten, ca. 59 Fr.

Kommentar

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