Burmas vergessener Bürgerkrieg

In Burma führt die Regierung Krieg gegen Teile der eigenen Bevölkerung.

Seit der Unabhängigkeitserklärung 1948 kämpfen ethnische Minderheiten für mehr Autonomie oder Unabhängigkeit.

Seit Jahren geht die Armee in Burma brutal gegen ethnische Minderheiten vor. Hunderttausende Rohingya flohen vor zwei Jahren nach Bangladesh. Die Verfolgung und Vertreibung der muslimischen Minderheit erfolgte trotz Protesten aus aller Welt.
Praktisch unbemerkt von der Weltöffentlichkeit drangsaliert das burmesische Regime jedoch auch andere Minderheiten, wie zum Beispiel die Kachin. Die Kachin leben im gleichnamigen Teilstaat im Norden von Burma an der Grenze zu China. Von den schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen, die im Kachin-Staat leben, sind 60 Prozent Buddhisten und 33,8 Prozent Christen. Hier herrscht seit acht Jahren ein Bürgerkrieg. Leidtragende sind vor allem die Christen.

Der Glaube spielt in Burma eine grosse Rolle. Am Sonntag sind die Kirchen so voll, dass gar nicht alle Leute Platz finden.

Christen sind in Burma eine Minderheit, das Land ist überwiegend buddhistisch.

Aufgrund des endlosen Krieges leidet auch die Zivilbevölkerung stark. Viele haben Familienmitglieder und Freunde verloren. Was ihnen noch bleibt, ist der Glaube.

Um Kachin kämpfen die burmesische Regierungsarmee und Rebellengruppen. Die Kachin Independence Army (KIA) hatte 1961 begonnen, für die Unabhängigkeit zu kämpfen, später dann für Autonomie innerhalb eines föderalen Systems. Ein im Jahr 1994 unterzeichneter Waffenstillstand zwischen der KIA und der damaligen Militärregierung dauerte bis 2011.

Das Kachin-Gebiet ist sehr rohstoffreich. Viele Bananenplantagen werden von chinesischen Unternehmen betrieben, die als lokale Unternehmen getarnt sind.

Die Bananen werden verpackt für den Transport nach China. Auf den Schachteln steht bei der Herkunft Laos oder Philippinen; niemand soll wissen, dass sie aus dem Kachin-Gebiet kommen.

Nebst der politischen Macht geht es auch um die Kontrolle von Bodenschätzen, so zum Beispiel um Edelsteine. 2015 scheiterte ein geplantes Friedensabkommen. Der Kachin-Konflikt hat im Laufe der Jahre über 150’000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben. Viele Flüchtlinge leben in Lagern unweit der Grenze zu China. Tausende Menschen sind ums Leben gekommen. Amnesty und Human Rights Watch berichten regelmässig über Menschenrechtsverletzungen in Burma.

Auf dem Friedhof werden neue Gräber ausgehoben.

Ein Soldat, der tags zuvor an der Front an Malaria gestorben ist, wird beigesetzt.

Der Konflikt zwischen Burma und den Rebellen forderte in den letzten 20 Jahren etwa 20’000 Todesopfer.

Als der Kachin-Konflikt im Frühling 2018 wieder einmal eskalierte, berichtete die britische Zeitung «The Guardian» in einer Reportage über «Burmas unsichtbaren Krieg gegen Kachins christliche Minderheit». Betroffene sprachen von ethnischer Säuberung. Es sei ein «langsamer Genozid» im Gange, hiess es im Bericht. Letztes Jahr wandten sich zivilgesellschaftliche Gruppen aus Kachin in einem offenen Brief an den UNO-Sicherheitsrat: «Das burmesische Militär versucht, unsere Identität als Minderheit sowie unsere Religion zu zerstören, unser Land zu kolonisieren und unsere Ressourcen an sich zu reissen.» Eine Untersuchungskommission der UNO hat im letzten September einen Bericht veröffentlicht. Burmas Sicherheitskräften werden Misshandlungen, Folter und sexuelle Gewalt vorgeworfen. Burma weist die Vorwürfe zurück.

Viele Soldaten an der Front hängen sich dieses rote Tuch um. Darauf steht ein Psalm aus der Bibel, der den Soldaten Kraft geben soll.

Mitglieder der Kachin Independence Army (KIA) patrouillieren durch den Wald. Burmas Bürgerkrieg gilt als einer der am längsten dauernden Konflikte der Welt.

Chrigi

Der Fotograf Christian Wyss wurde 1961 in der Schweiz geboren. Für seine Reportagen reist er oft in Grenzregionen und hat so schon Einzelpersonen und Standorte unter anderem in Vietnam, Indonesien, Thailand, Nepal und Indien fotografiert. Sein besonderes Interesse gilt den ethnischen Minderheiten.

Homepage: www.photowyss.ch
Instagram: @chriginini

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