Quiet please!

Von Oktober bis April liegen die Tennisplätze verlassen da. Der Fotograf Dieter Boller liess sich von ihrer Erhabenheit und Melancholie inspirieren.

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, heisst es bald Abschied nehmen. Nur ein goldener Herbst kann das Ende der Tennissaison noch etwas hinauszögern. In den Clubs und auf den öffentlichen Plätzen werden die sonnigen Oktobertage nochmals ausgekostet. Man macht sich auf dem roten Sand ein letztes Mal die Socken schmutzig, holt sich nochmals einen Muskelkater. Dann ist es plötzlich vorbei, von einem Tag auf den anderen. Die Netze werden eingerollt. Es wird still. Kein «Tok Tok» der Tennisbälle mehr, kein Rutschen, kein Jubeln und Fluchen. Und wenn sich dann im Winter eine Schneedecke über die Courts legt, strahlt das etwas Erhabenes aus.

Von Oktober bis April liegen die Plätze verlassen da. Dieses magische Rechteck von 8 mal 24 Metern, das einem manchmal so riesig und dann wieder so klein vorkommt, verliert in diesen Monaten seine Bestimmung. Wie ein Freibad ohne Wasser. Das bunte Treiben im Sommer, die Geselligkeit des Tennissports, die in der Schweiz so liebevoll gepflegt wird, man kann sie sich nur denken. Wie man nach dem Spiel, noch verschwitzt, bei einem Bier über verpasste Breakbälle philosophiert und andere wichtige Dinge des Lebens. Und wie man die Welt, nachdem man auf den Court nicht nur den Gegner, sondern auch sich selber herausgefordert hat, plötzlich klarer sieht.

Fotograf Dieter Boller hat sich inspirieren lassen von der Einsamkeit der Tenniscourts in der Schweiz im Herbst und Winter, hat sich auf Vereinsgelände geschlichen und die Sportstätten fotografisch festgehalten. Entstanden sind Bilder von einer stillen Kraft und einer Spur Melancholie. In der heutigen Welt der ständigen Verfügbarkeit, in der wir rund um die Uhr alles bekommen, wirken diese menschenleeren Plätze wie ein wohltuender Anachronismus. Die Zeit steht still. Man kann nicht tun, nur reflektieren. So wie der Herbst, wenn die Tage wieder kürzer und kühler werden, ohnehin eine Zeit der Einkehr ist.

Im Frühling können wir es dann kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Die Säcke voller Sand liegen neben den Courts als Vorbote der neuen Saison. Bald wird er auf die Courts gestreut und verteilt. Werden die Linie wieder fixiert, die Netze angebracht. Gerade weil wir so lange darauf warten mussten, ist es umso magischer, wenn wir den Sand riechen und die Plätze wieder betreten dürfen.

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