Am Ende der Welt

Auf den Friedhöfen von Longyearbyen, der nördlichsten Stadt der Welt, bringt der Klimawandel die Toten an die Erdoberfläche.

Das Städtchen Longyearbyen im Abendlicht (4. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Longyearbyen auf Spitzbergen, einer zu Norwegen gehörenden Inselgruppe, ist mit etwas über 2000 Einwohnern die nördlichst gelegene Stadt der Welt. Der Ort lebt vor allem vom Kohlebergbau und dem Tourismus.

Die Svalbard-Kirche, gebaut im typischen norwegischen Holzstil, ist die nördlichste Kirche der Welt. (3. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Der Friedhof der Stadt steht an einem kleinem Hügel neben der Kirche. Durch die steigenden Temperaturen beginnt der Permafrost im Boden zu tauen. Dadurch sind Objekte im Boden in ständiger Bewegung und neigen dazu, hochgezogen zu werden. Man kann buchstäblich sehen, wie die Gräber an der Oberfläche auftauchen. Ausserdem ist die Ruhestätte auch Erdrutschen ausgesetzt. Es stellt sich nun die Frage, ob der Friedhof verlegt werden muss.

Auf dem Friedhof von Longyearbyen stehen weisse Kreuze ​​aus Holz. (3. August 2019, Hannah McKay/Reuters)

Eine Frau posiert neben einer Wandmalerei eines Eisbären. (6. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Ein Strassenschild warnt vor der Gefahr von Eisbären. (3. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Das Auftauen des Permafrosts ist auch für die übrigen Bewohner von Spitzbergen ein grosses Problem. Die Häuser im Tal sind oft nur auf kleinen Holzpfeilern gebaut anstatt auf tiefen Fundamenten. Eine Aufweichung des Bodens kann zu Einstürzen, Erdrutschen und Lawinen führen, und die Häuser hier sind diesen Naturgewalten nicht gewachsen.

Eine Bewohnerin spielt mit ihrem Hund vor ihrem Haus in Longyearbyen. (3. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Ein Bewohner von Longyearbyen relaxt in der Nachmittagssonne. (6. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Bent Jakobsen arbeitet in der Gruve-7-Mine, eine der letzten noch in Betrieb befindlichen Kohlemine auf Spitzbergen. Der Kohlebergbau hat eine sehr lange Tradition auf der Insel, und viele Menschen sind von den Kohleminen abhängig. Jakobsen sagt: «Ich höre, was die Leute alles über den Klimawandel erzählen, doch (…) wir brauchen die Kohle, um Autos und Mobiltelefone herzustellen. Aber darüber möchten die Leute nicht nachdenken. Wir haben bis jetzt noch keine gute Alternative gefunden.»

Longyearbyen wurde ursprünglich wegen der Kohlebergwerke gegründet, heute ist nur noch eine Mine in Betrieb.                        (7. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Nach Feierabend treffen sich die Einwohner von Longyearbyen in einem Restaurant. (4. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Audun Salte spielt mit seinen Hunden auf der Huskeyfarm. (6. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Wenn kein Schnee liegt, ziehen die Huskeys die Schlitten auf Rädern durch das Gelände. (6. August 2019, Hannah McKay / Reuters)

Audun Salte bereitet seine Huskeys für eine bevorstehende Schlittenfahrt vor. Der Norweger betreibt mit seiner Frau Mia eine Huskeyfarm mit rund 110 Hunden. Im Sommer, wenn auf den Strassen kein Schnee liegt, ziehen die Hunde die Schlitten auf Rädern über die holprige Schotterstrasse. «Wenn der Klimawandel das Ende für die Menschheit bedeutet, ist mir das ziemlich egal, doch wenn er das Ende für jegliche Tierarten, die absolut nichts zur Beschleunigung dieses Prozesses beigetragen haben, bedeutet, dann muss ich reagieren», sagt er. Salte vergleicht den Klimawandel mit einem Unfall auf einer Autobahn, bei dem der Mensch nicht anders kann als hinzuschauen und froh ist, nicht selbst das Opfer zu sein.