Die Waffe meiner Mutter

Im vom Krieg geprägten Libanon klammern sich noch heute viele Mütter an ihre Waffen.

 

Der Libanon war in der Vergangenheit in viele Kriege verwickelt gewesen. Der von 1975 bis 1990 dauernde Bürgerkrieg war besonders verheerend. Noch immer wird das Land von seiner Vergangenheit verfolgt: Neben Kriegsverletzungen sind auch psychische Probleme wie Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Phobien und Schizophrenie weit verbreitet. In fast jeder libanesischen Familie ist eine Person von den Kriegsfolgen betroffen oder kämpfte jahrelang mit ihnen. Eine Waffe zu Hause zu haben, ist für viele eine Möglichkeit, ihre Ängste zu lindern – unabhängig davon, ob sie einen Waffenschein besitzen oder nicht. Was früher einmal eine Sicherheitsmassnahme war, wurde zu einem umstrittenen kulturellen Erbe.

Die Mütter wurden während des Krieges meist ihrem Schicksal überlassen. Die Angst um ihre Ehemänner und Söhne ist für viele auch heute noch sehr präsent und prägt ihre Sicht der Zukunft. Sie haben ihre Waffen behalten, weil sie die Hoffnung daran verloren haben, dass die Zukunft Gutes oder zumindest Besseres bringen wird. Die Fotografin Carmen Yahchouchi hat Mütter mit ihren Waffen abgelichtet. 

Die 24-jährige Fotografin Carmen Yahchouchi wurde in Bamako (Mali) geboren, lebt heute jedoch im Libanon. Als Vorbilder in der Fotografie nennt sie Seydou Keita, Nan Goldin und Sophie Calle. Bisher stellte Yahchouchi vor allem im Libanon aus, daneben auch in Jordanien, und dieses Jahr sind erstmals Ausstellungen in Portugal und Frankreich geplant.