Die Kinder Ruandas

Zum 25. Jahrestag des Genozids in Ruanda porträtiert der Fotograf Olaf Heine Mütter und Töchter mit einer schwierigen Vergangenheit.

Im April 2019 jährt sich der Genozid in Ruanda zum 25. Mal. 25 Jahre ist es her seit dem Völkermord, bei dem bis zu einer Million Tutsi von Hutu-Angehörigen ermordet und 80 Prozent der überlebenden Frauen vergewaltigt wurden. Genau diesen berührenden Geschichten dieser Frauen geht der Fotograf Olaf Heine nach. In der Serie «Rwandan Daughters» porträtiert er die Frauen und ihre durch die Vergewaltigungen gezeugten Töchter an dem Ort, wo alles geschah.

Heute sieht Ruanda ganz anders aus: Täter und Opfer leben Tür an Tür. Während Frauen seitdem in der ruandischen Gesellschaft stetig an Einfluss gewannen, stehen die Vergewaltigungsopfer und ihre Kinder immer noch am unteren Ende der sozialen Hierarchie. Vielen jungen Frauen gelingt es jedoch, ihre traumatisierten Mütter aufzufangen. Sie helfen ihnen, sich von der gängigen Stigmatisierung im Land zu befreien. «Rwandan Daughters» zeigt starke Frauen, die die erfahrenen Traumata überwinden wollen.

Neben den Bildern enthält der Fotoband kurze Statements der Frauen zu ihrem Umgang mit den Erlebnissen. Hier einige dieser Aussagen:

«Auch mit 25 Jahren weiss Esther nicht, dass sie ein Kind einer Vergewaltigung ist. Ebenso wenig weiss sie, dass ihre Mutter Antoinette mit einer HIV-Infektion lebt. Zwischen Antoinette und Esther herrscht meist Schweigen. Esther möchte Gutes tun, deswegen studiert sie heute Jura und setzt sich für Taubstumme ein. Sie gibt ihnen eine Stimme – auch um die eigene zu finden.»

«Ähnlich wie die Trümmerfrauen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Frauen in Ruanda ihr Land wiederaufgebaut. Sie haben die Toten begraben, Häuser und Strassen wiederhergestellt und Jobs übernommen, die zuvor als »Männersache« galten. Josette musste sich oft zwingen, morgens aufzustehen. Die Arbeit fiel ihr schwer, ihr Trauma liess sie keinen Sinn in ihrer Arbeit erkennen. Seit sie sich von Seelsorgern helfen lässt, geht es ihr besser.»

«Wie die meisten Kinder, die aus Vergewaltigungen hervorgegangen sind, weiss auch die 25-jährige Clarisse nicht, wer ihr Vater ist. Inzwischen sind diese Kinder Erwachsene, die es belastet, einen Teil ihrer Wurzeln nicht zu kennen. Clarisse möchte es wissen, auch weil sie sich schon als Kind in der Schule geschämt hat, wenn ihre Lehrer nach ihrem Vater fragten und sie keine Antwort hatte.»

 

RD

Rwandan Daughters
Aufnahmen von Olaf Heine
Hatje Cantz Verlag
Texte von Matthias Harder, Olaf Heine, Antje Stahl
Englisch, Deutsch
2019. 208 Seiten, 70 Abb.
gebunden
24,80 x 33,50 cm
ISBN 978-3-7757-4547-5

Das Fotobuchprojekt entstand in Zusammenarbeit mit der ora Kinderhilfe, die die Betroffenen vor Ort psychologisch und finanziell
unterstützt. Einen Teil des Verkaufspreises der Bücher spendet Hatje Cantz den betroffenen Müttern und Töchtern in Ruanda.

4 Kommentare zu «Die Kinder Ruandas»

  • Ariane Denogent-Gautschi sagt:

    In den Bildern mit diesen Frauen steckt eine enorme Kraft. Wie sie den Weg vom Trauma ins Leben zurück gefunden haben ist bemerkenswert, ja fast übermenschlich. Danke für diesen Beitrag.

  • Sam Fuller sagt:

    Danke, für diesen Beitrag. Auch in der Schweiz leben Mütter mit gleichen/ vergleichbaren Traumatas: aus Sri Lanka, Äthiopien, Bosnien, Eritrea und, und.

  • Moore sagt:

    Sehr berührend!

  • Mario Paolini sagt:

    Ein sehr feinfühliger Beitrag. Die Tragödie in Rwanda bzw. deren Tragweite kennen wir persönlich und finden die tägliche Problematik dieses immer präsenten Themas ist mit diesem Bildband eindrücklich beschrieben – eine Geschichte die sich nie wiederholen sollte, es aber immer wieder leider tut…..man kann am Ende nur hoffen…

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.