Wundersamer Wilder Westen

Der Magnum-Fotograf David Hurn zeigt Arizona. Und zwar so, dass man mit den Leuten reden möchte. Aber auch mit den Kakteen.

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Winter cactus garden. Paper cups to protect against night frosts, 1992. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Man kann, wenn man mit der Kamera nah an die Leute herangeht, dies sehen. Oder auch das. Der britische Fotograf Martin Parr hat uns die schafsköpfige Blasiertheit der feinen Gesellschaft in Ascot gezeigt, die Pickelgesichter proletarischer Teenies im heruntergewirtschafteten Seebad New Brighton. Damit ist er weltberühmt geworden (und, zu Recht, ebenso umstritten). David Hurn ist Parrs nicht ganz so berühmter Kollege und Landsmann; auch er kommt den Leuten sehr nahe, aber er hat anderes zu erzählen. Zwar besteht er ebenfalls darauf, das Leben so zu zeigen, «wie es wirklich ist». Doch er verwechselt Blosslegen nicht mit Blossstellen.

Buckeye Senior Rodeo, man tossed from bull. Only a broken rib, 2002. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Kenilworth Elementary school where the students get into the spirit of Halloween celebrations with the help of a dressed up teacher. Phoenix, 1979. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

David Hurn, National Desert Botanical Garden inside a cactus house. Phoenix, 1980. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Fountain Hills Parade. America has a long tradition of local parades; Fountain Hills’ Daughters of the American Revolution are always active, 1997. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

On the road from California to Arizona via Joshua Tree Forest 1979. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Dolly Parton look-alike competition. Phoenix, 1979. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Phoenix is one of the fastest growing cities in the USA. Posters abound promoting the fact that it is a great place to live. Phoenix, Arizona, USA, 1979. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

The round-up of the last wild horses in the desert of Arizona. Bullhead City, 1980. Foto: David Hurn (Magnum Photos)

Geboren 1934, Mitglied der illustren Agentur Magnum, reiste Hurn 1979 nach Arizona, um zu sehen, was für eine Welt der Wilde Westen heute ist. Er blieb ein Jahr, und bis 2001 kehrte er mehrmals dorthin zurück. Die Bilder aus jener Zeit hat er jetzt erstmals veröffentlicht, und wenn er sagt, das Grossartige am Fotografieren sei es, «so vielen Leuten zu begegnen», dann klingt das zwar etwas belanglos. Doch angesichts seiner Bilder leuchtet es ein. Die nimmermüden «Töchter der Amerikanischen Revolution» an der Parade von Fountain Hills (1997), die Dolly-Parton-Doubles an ihrem Wettbewerb in Phoenix (1979), die letzten Cowboys beim Einfangen der letzten Wildpferde (Bullhead City, 1980) ‒ alles sehr amerikanisch und wohl auch für einen Briten mitunter befremdlich. Doch während sich Martin Parr in der Mission gefällt, dem Vulgären des modernen Lebens ins Gesicht zu sehen, und zwar «schonungslos», geht hier ein Fotograf so auf die Leute zu, dass man auch als Betrachter im Nu ein Gespräch mit ihnen anfangen könnte. Schade nur, dass die Kakteen nicht reden können, die zum Schutz vor dem Frost diese Partybecher tragen.

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David Hurn: Arizona Trips.
Reel Art Press, London.
Englisch. 160 Seiten, 150 Bilder, 30 Euro.

3 Kommentare zu «Wundersamer Wilder Westen»

  • Hugo Niemer sagt:

    @RR: Jede gute Aufnahme von früher kann uns heute Impulse geben. Einerseits was wir bewahren sollten, andererseits was wir besser machen müssen. Sie müssen es nur sehen. Und diese Fotos sind aus meiner kleinen Sicht genial. Nah dran, zeigen alles aber verletzen nicht. Richtig schön aus dem Leben gegriffen in einem Staat der USA welcher es nicht leicht hat. Auch im Jahre 2018 nicht, ich war vor kurzem dort, die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit trotz der schlechten wirtschaftlichen Situation.
    Interessant wäre zu wissen, wie alt die Bilder sind welche an Ihren Wänden hängen…

  • Rolf Rothacher sagt:

    30-Jahre (und noch mehr) alte Fotos. Wem soll das heute noch Impulse geben? Die gezeigte Welt gibt es nicht mehr. Zum Glück. Denn heute werden wir alle älter und das erst noch gesünder und fitter, haben höchsten Komfort und beste Schulbildung.
    Wir leben in der Besten aller Welten (zumindest in den Industriestaaten) und sehnen uns trotzdem immer wieder nach längst vergangenen, zurückgelassenen Zeiten zurück? Das ist nicht nur Unsinn, sonder sinnfrei.

    • Boris Müller sagt:

      danke für ihre rückmeldung. nun gut, museen sind voll mit malereien aus vergangenen zeiten, opernhäuser führen 200+ jahre alte werke auf, etc. ich teile die meinung nicht, dass „alte“ kunst keine impulse mehr geben kann. im gegenteil!
      wir zeigten diese bilder übrigens auch deshalb, weil sie zum ersten mal in einem bildband veröffentlicht wurden.

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