Moos ist ihr Hobby

Ob im Terrarium daheim oder draussen im Wald: Immer mehr Japaner entdecken ihre Vorliebe für die grünen Gewächse.

Herrscht in Japan Regenzeit, legt sich im Kita-Yatsugatake-Wald ein grüner Teppich über Boden und Bäume. Moose überall, so mannigfaltig, wie man es sich als mässig begeisterter Laie gar nicht vorstellen kann. Der zwanzigköpfigen Wandergruppe, die diesen Frühsommer durchs Dickicht stapfte und die in den folgenden Bildern zu sehen ist, entgeht hingegen kein Detail. Gelotst durch Japans führenden Experten in Sachen Bryologie – der Wissenschaft der Moose – klappern sie eine Stelle nach der anderen ab.

Kleine Schildchen zeigen, mit was man es zu tun hat. Schliesslich gibt es allein in diesem Gebiet über 500 Arten. Manche der Teilnehmer halten die Gewächse mit dem Smartphone fest, andere streicheln sie wie das Fell des Haustiers. Wer keine Lupe hat, drückt seine Nase fast zwischen die Pflänzchen, um die grünen Miniaturlandschaften von nahem zu bewundern.

Führungen wie diese erfreuen sich in Japan zunehmender Beliebtheit. In Gärten sind die wurzellosen Sporenpflanzen hingegen schon länger populär. Seit Jahrhunderten nutzt man sie, um traditionelle Anlagen zu begrünen. Japaner ohne eigenen Garten stellen sich hingegen gerne ein Bonsaibäumchen oder ein Terrarium mit Mooslandschaften in die Wohnung.

Folglich ist der Handel mit solchen Pflanzendecken ein veritables Business. Der 64-jährige Oichi Kiyomura etwa, einst Besitzer mehrerer Nachtclubs, hat den Übernamen Mooskönig. Eigens für die Ernte hat er in den Bergen von Nikko, einer kleinen Stadt nördlich von Tokio, grosse Landstücke gekauft. Heute verbringt er viele Tage damit, nach geeigneten Stücken zu suchen.

Und was verdient man so als Mooslieferant? Er mache jährlich rund 30 Millionen Yen, meint Kiyomura gegenüber der Nachrichtenagentur AFP – umgerechnet also gut 270’000 Schweizer Franken. Das sei allerdings eine eher zurückhaltende Schätzung, fügt der Mooskönig von Nikko schliesslich noch an.