Bei den Unerwünschten

Die Fotografin Jamie Johnson porträtiert irische Fahrende.

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Die aufreizenden Kleider und Spielzigaretten der Mädchen, die martialischen Posen der Jungs, sie sagen so vieles: Die Kindheit der Irish Traveller ist kurz, sie müssen früh Erwachsen werden. Weil die Gemeinschaft will, dass sie heiraten und Kinder kriegen. Weil sie sich abhärten müssen gegen Beschimpfungen auf der Strasse. Die US-Amerikanerin Jamie Johnson schoss diese Fotos an der Ballinasloe Horse Fair and Festival. Hier im Westen Irlands treffen sich die irischen Fahrenden jeden Oktober, handeln mit Pferden und Hunden, verkuppeln ihre Töchter und Söhne. Johnson beschäftigt sich schon lange mit der Sozialisierung junger Frauen. Doch bei den Travellern brauchte die Fotografin aus L.A. Geduld –  die Community öffnet sich nur ungerne.

30’000 Irish Traveller leben in Irland; seit Jahrzehnten sind sie mit Rassismus konfrontiert. In den 60ern wollte die Regierung ihnen die Kinder wegnehmen. Heute reduzieren die Medien sie oft auf Negatives wie Familienfehden. Anwohner wiederum wehren sich teils mit Händen und Füssen gegen Halteplätze. Die Ausgrenzung hat Spuren hinterlassen. Arbeitslosigkeit und Suizidrate unter den Fahrenden sind hoch, die Lebenserwartung liegt zehn Jahre unter dem irischen Schnitt. Immerhin sind sie in Irland seit letztem Jahr endlich als eigene Ethnie anerkannt. Die Traveller hoffen nun auf mehr Akzeptanz. Zu dieser tragen vielleicht auch Jamie Johnsons Fotos bei. Denn sie bieten einfach einen intimen Einblick in eine Gemeinschaft, die eng verbunden ist und stolz.

Mehr Informationen über die Fotografin und ihr Schaffen finden Sie auf ihrer Website

12 Kommentare zu «Bei den Unerwünschten»

  • Walter Zwahlen sagt:

    Dass die Fotografin überhaupt diese Bilder machen konnte, ist schon ein grosses Glück. Die Stigmatisierung und Diffamierung von allen Fahrenden durch die Sesshaften ist eine jahrhundertealte üble Geschichte in ganz Europa. Auch in einer Gesellschaft wie der irischen, wo Armut, Hunger und Ausgrenzung fast immer die Mehrheit der Bevölkerung tangierte. Dass die Fahrenden aus der Sicht der Obrigkeit und der bürgerlichen Gesellschaft immer als Outsider betrachtet wurden, weil sie keiner Norm entsprachen, ist teilweise aus der Geschichte verständlich, heute aber absurd. Wenn man die fotografierten Gesichter betrachtet, so stellt man als wacher, neutraler Beobachter keinen Unterschied zur übrigen irischen Gesellschaft fest. Es braucht ein anderes Sehen und ein anderes Verständnis. Macht vorwärts

    • hans sagt:

      Wieso sollte absurd sein, „Dass die Fahrenden aus der Sicht der Obrigkeit und der bürgerlichen Gesellschaft immer als Outsider betrachtet wurden, weil sie keiner Norm entsprachen,“
      Das ist doch genau der Punkt jeder Gruppe. Diese entsteht erst durch Abgrenzung und wenn diese dann noch einen Lebenstil pflegt, der nicht der Norm entspricht, passt auch das Wort Outsider. Aber ein Outsider ist in der eigenen Gruppe immer auch ein Insider und umgekehrt. Muss ich desshalb einfach alles gut finden oder darf man noch sagen ob man etwas gut oder weniger gut oder sogar schlecht findet? Es braucht kein anderes Verständnis. Akzeptanz reicht auch wenn man eigentlich dagegen ist.

  • Simone sagt:

    „Weil die Gemeinschaft will, dass sie heiraten und Kinder kriegen. “
    Das sagt eigentlich schon alles, sehr traurig und dann noch das Bild mit den 2 Mädchen. Mir tun sie leid, dass sie es nicht aus dieser Mühle schaffen

  • Jessas Neiau sagt:

    Bilder sagen angeblich mehr als tausend Worte. Mir sagen sie nur, dass es zuviele Leute gibt, welche irgendwo auf einen Auslöser drücken. Keine Ahnung, wofür das gut sein soll und wozu die Bilder beispielsweise schwarzweiss sein müssen. Künstlerischer Anspruch? Pah.

  • Marc Wyss sagt:

    Der inflationäre und soziologisch kreuzfalsche Gebrauch des Begriffs „Rassismus“ ist für einschlägig akademisch Vorgebildete einfach nur noch ermüdend. Von Rassismus kann keine Rede sein, wenn die betrachtete Personengruppe sozio-ethnologisch identisch ist mit der „Mehrheitsbevölkerung“. Man kann von gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Marginalisierung reden, aber bitte nicht immer immer immer „Rassismus“. Abgesehen davon sollte man bei den Irish Travellers im Auge behalten, dass es sich hier in weiten Teilen um eine Selbstsegregation handelt. Die Leute könnten sich durchaus in die Mehrheitsbevölkerung integrieren, wenn sie wollten.

  • Peter Müller sagt:

    Mein Bild der Tinkers ist auch leider negativ geprägt. Habe ich doch erlebt, wie im Wochentakt Autos aufgebrochen und sogar sämtliche Räder abtransportiert wurden.

  • M. Seiler sagt:

    Wer mal wirklich gesehen hat, wie sich die Tinkers auf besetzten Brachen mitten in Wohnquartieren aufführen oder sich verirrt hat auf die Landzungen des Dublin Port oder Ringsend, der kann diese Kitschphotos nur verachten und wundert sich nicht, dass die Iren sich mit ihnen nicht abgeben mögen.

Kommentar

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