Als der Ku-Klux-Klan die Nordiren besuchte

Welttheater

In den USA ist der Ku-Klux-Klan noch immer aktiv: Mitglieder während einer Zeremonie 2016. Foto: John Bazemore (Keystone)

Sollte es «nur» ein Halloween-Scherz sein? Oder wollten Rassisten unerwünschten Immigranten einen Schrecken einjagen? Nicht schlecht staunten die Bewohner der Kleinstadt Newtownards in der nordirischen Grafschaft Down jedenfalls, als jetzt mitten im Ort eine Ku-Klux-Klan-Kundgebung stattfand.

Neun Mann in weissen Gewändern und Kapuzen, mit KKK-Insignien auf der Brust, marschierten vor Newtownards islamischem Gebetshaus auf, das von der kleinen Bevölkerungsgruppe der örtlichen Bangladeshis frequentiert wird. Sie liessen sich nachts vor dem Gebäude mit geballten Fäusten und wild geschwenkten Holzkreuzen ablichten – offenbar hoch vergnügt über ihren gelungenen Streich.

Gar nicht lustig fanden das aber andere. Raied al-Wazzan, ein Sprecher des Islamischen Zentrums in Belfast, erklärte, seine Glaubensgenossen in Newtownards trauten sich nun nicht mehr in das Gebäude: «Das hat die Leute echt in Angst versetzt.»

Verbindungen zu den Orangisten

Politiker aller Parteien stimmten Wazzan zu. «Ein klarer Ausdruck von Aggression und damit ein Hassverbrechen» sei der Aufmarsch gewesen, meinte Kellie Armstrong von der moderaten Alliance Party. Mike Nesbitt von den Ulster-Unionisten fand die Sache «abscheulich» und benachrichtigte die Polizei.

Peter Weir von der DUP, der Partei der «harten» Protestanten, schüttelte nur ungläubig den Kopf über den Vorfall: «Was für Idioten marschieren denn in Newtownards in KKK-Kostümen herum?»

Besonders unangenehm ist die Geschichte für Unionisten, die dem Orangisten-Orden angehören, und die ihrerseits für alte «Vorherrschaftsgefühle» gegenüber irischen Katholiken bekannt sind. Denn in der Vergangenheit ist von Ordenskritikern immer mal wieder eine Verbindung hergestellt worden zwischen beiden Organisationen.

Das geht zurück auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Ku-Klux-Klan-Gruppen Orangisten-Hallen in Kanada für ihre Zusammenkünfte benutzten. Vergessen hat man diese Geschichte in Irland nicht.

Erst vor vier Jahren hatte Nordirlands Polizei im protestantischen Osten Belfasts eine KKK-Fahne von einem Dach entfernt, die dort zusammen mit loyalistischen Bannern wehte. Und ein Jahr später gab es einen regelrechten Eklat, als in der Jahresausstellung der Royal Ulster Academy im Ulster-Museum ein Gemälde aufgehängt wurde, das eine Reihe von Orangisten während einer Flötenparade in KKK-Kostümen zeigt.

Einfache Spurensuche

Ernst genommen wird von der Polizei aber auf jeden Fall der Aufmarsch der vermummten Gestalten vor dem Gebetshaus der Moslems von Newtownards. Genau dort nämlich war im vorigen Sommer schon ein abgehackter Schweinekopf auf der Türschwelle abgelegt worden.

Jedermann hatte diese Provokation und die damaligen üblen Schmierereien auf der Hausfassade «total abscheulich» gefunden. Diesen Mittwoch erklärten die Kirchen Nordirlands, sie stünden «fest an der Seite» ihrer islamischen Mitbürger. Mittlerweile hofft die Polizei, der Identität der KKK-Kostümträger in Newtownards auf die Spur zu kommen. Schwerfallen sollte ihr das letztlich nicht.

Denn offenbar zogen die neun, nachdem das Foto vorm Gebetshaus gemacht war, stracks in die nächste Kneipe, um über ein paar Drinks ihre Grosstat zu belachen. Und dort waren sie wohl nicht unbekannt. Wie man inzwischen weiss, hielt sich zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet im selben Pub auch der Führer der extremistischen britischen Nationalen Front, Tony Martin, auf – derselbe Tony Martin, der einmal «nur im Spass» geprahlt hatte, er habe das Gebetshaus in Newtownards abzufackeln versucht.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.